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Beilage z. Schlüchterner Zeitung

Nr. 100. Samstag, den 14. Dezember 1912. Jahrgang 63.

Lokales und Provinzielles.

Schlüchtern, 15. November 1912.

* Das Kaiserlich Deutsche Konsulat für Serbien in Belgrad hat folgendes bekannt gemacht: Der in den letzten Wochen auf den Strecken der serbischen Staats- batznen eingestellte private Warenverkehr ist in be­schränkten Umfange bis auf weiteres wieder ausgenommen worden. Warensendungen werden zur Verfrachtung im lokalen und direkten Verkehr angenommen, soweit die Beförderung möglich ist, doch übernimmt die Bahnver- waltung keinerlei Verantwortung für Schadenersatz bei Ueberschreilung von Lieferfristen, sondern sie behält sich ausdrücklich das Recht vor, die Ant ahme von Waren­sendungen für die Verfrachtung zu verweigern, wenn es ihr an Wagen mangeln oder an der Möglichkeit fehlen sollte, die Beförderung mit ihren gewöhnlichen Mitteln besorgen zu können. Für die Bahnstation BUgrad werden zur Verfrachtung im lokalen Verkehr nur Stück guter als Eilgutsendungen angenommen; als gewöhnliche Bahngutsendungen werden ausschließlich nur solche, in ganzen Wagenladungen, die die Parteien den Tarifbe- stimmungcn gemäß selber ein- und ausladen, ange noiiitnen. Von Einfuhrwarensendungen für Belgrad lloko) werden gleichfalls nur ganze Wagenladungen mit mindestens 5000 kg Gewicht, die in den Wagen selber besichtigt und verzollt werden können, zur Verfrachtung übernommen. Dieser Zustand muß solange anhalten, bis die Zollmagazine auf dem Belgrader Bahnhöfe ge­leert sein werden. Militärtransporte werden auch weiterhin den Vorzug genießen sowohl bei der Ueber- lassung von Wagen als auch bei der Beförderung und zwar während der ganzen Dauer der außergewöhnlichen Zustände im Lande. Nur Geflügel und frisches Fleisch werden zur Ausfuhr nach dem Auslande im direkten Berkehr mittels serbischer Wagen mit direkten Fracht­briefen befördert werden, während alle anderen Aus­fuhrwaren, verladen in Wagen der serbischen Staats­bahnen, zur Verfrachtung nur mit Frachtbriefen ausschließlich bis Belgrad (loko) oder bis Pirol lautend, übergeben und angenommen werden können. Für Stationen der orientalischen Eisenbahnen bleiben bis auf weiteres die Bestimmungen über die Einstellung des ganzen (privaten) Verkehrs in Geltung ; desgleichen werden auf einige Zeit noch für Bulgarien bestimmte Sendungen nicht zur Verfrachtung übernommen. Da­nach hat sich was die deutsche Einfuhr hierher an- langt der Zustand gegenüber dem bisherigen inso- seru geändert, als private Sendungen aus Deutschland für Belgrad, wenn sie in ganzen Wagen mit wenigstens 5000 kg Gewicht erfolgen, wieder zur Verfrachtung angenommen werden.

* Kriegszulage, Rente, Veteranenbeihilfe, Kriegs­alterszulage. Unteroffiziere und Gemeine, deren Ec- Werbsfähigkeit infolge einer durch den Krieg herbei- geführten Verwundung oder Dienstbeschädigung auf­gehoben oder gemindert ist, haben neben dem Anspruch aus Rente Anspruch auf eine Kriegszulage. Diese beträgt monatlich 15 Mk. Bei Kriegsverwundungen wird die Kriegszulage gewährt ohne Zeilbeschränkung, ist mithin bei Lebzeiten der Verletzten der Verjährung nicht unterworfen. Selbst auf Grund einer Verwundung im Badischen Feldzuge von 1849 können jetzt noch be­gründete Ansprüche auf Kriegszulage und Rente von Verletzten erhoben werden. Bei sonstigen Kriegsdienst- beschädigungen wird Kriegszulage und Rente ^gewährt bis zum Abläufe von 10 Jahren nach dem Friedens­schlüsse. Von diesen Einschränkungen ist nur dann ab« zusehen, wenn der Nachweis erbracht worden ist, daß die Folgen einer Dienstbeschädigung erst nach der Entlassung bemerkbar geworden sind, oder daß der Verletzte von der Anmeldung seines Anspruchs durch außerhalb seines Willens liegende Verhältnisse ab­gehalten worden ist. Die Anmeldung des Anspruchs muß jedoch bis zum Abläufe von drei Monaten erfolgt sein, n chdem die Folgen der Kriegsdienstbeschädigung bemerkbar geworden sind oder das Hindernis für die Anmeldung weggefallen ist. Die Veteranenbeihilfe in Höhe von 10 M., voraussichtlich bald 15 Mark, monatlich wird jetzt, wenn der Veteran noch in der Ehe lebt oder noch schulpflichtige Kinder zu versorgen hat innerhalb eines Jahresgesamteinkommens von 900 M in der Regel bei Würdigkeit für die Gewährung der Beihilfe als Maßstab zu betrachten. AerMcheS Zeugnis noch benötigt. Erreicht das jähr lche Gesamt- einkommen eines Empsängers der $tteg§^ulage mch 600 M. so kann ihm vom ersten Tage des Monats ab, in welchem er daS 55. Lebensjahr vollendet, eine Kriegsalterszulage bis zu dem Betrage gewahrt werden, daß 600 M. Gesamtjahreseinkommen erreicht werden Die Kriegsalterszulage kann bereits früher gewährt weiden, wenn tunlichst durch ein kreisärziliches Zeugnis dauernde und völlige Erwerbsunfähigkeit festgestellt worden ist. Die Kriegsalterszulage verdient noch gmz besondere Ausmerksamkeit, weil hierdurch den unbemittelten Em­pfängern der Kriegszulage wenigstens ein Gesamtjahres-

einkommen von 600 M. garantiert ist. Die Kriegs- alteczulage in der Art zu erhöhen, daß 720 Mark Gesamtjahreseinkommen erreicht werden, harrt noch auf Erledigung. Der Unterzeichnete ist zu jeder Auskunft an alle Kriegskameraden, sowie auch an deren Witwen, herzlich gern bereit, auch brieflich Kriegsveteran Friedr. Brüggemann zu Magdeburg, Goldschmiedebrücke 3 u, 4.

* Gundhelm. Der Wirt Löffert in Gundhelm schlachtete diese Woche ein Schwein von L'/o Jahr, welches, nachdem es 3 mal Ferkel geworfen hatte, das ansehnliche Gewicht von 406 Pfund aufwies. Das Schwein stammt aus einer Mühle in Oberzell. Eben­falls schlachtete der Bauer Georg Strott ein Mutter­schwein von gleichem Alter, welches 410 Pfund Schlacht­gewicht hatte. Diese Resultate sind auch auf die Zucht- wähl zurück zu führen.

* Hütten. Nachdem vor einigen Wochen die hiesige Gemeindevertretung einen größeren Geldbetrag zur Einrichtung eines Jugendheimes bewilligt und Herr Lehrer Gluih in entgegenkommendster Weise ein Zimmer seiner Wohnung zur Verfügung gestellt hatte, stand hier der Einrichtung eines solchen Heimes nichts mehr im Wege. Am vergangenen Sonntag abend konnte bereits die Einweihung desselben stattsinden. Auch zahl­reiche Erwachsene waren zu der Feier erschienen. Im Anschlüsse an das LiedStimmt an mit hellem, hohen Klang" bat Herr Pfarrer Hoffman die anwesenden Jünglinge, Frömmigkeit, deutsches Fröhlichsein und gute alte deutsche Sitte zu üben. Das sei rechte Freiheit, deren Früchte Vaterland und Gemeinde zu gute kämen. Herr Kreisjugendpfleger Menz wies darauf hin, daß für viele der Winter die Zeit der Er-» holung, der Geselligkeit sei. Sich erholen heiße aber nicht die Zeitvertrödeln", sondern den Geist mit edlen Dingen beschäftigen. Dazu wolle das Jugend­heim die Hand bieten. In längerer, fesselnder Aus­führung machte er dann die Anwesenden mit den Zielen der Jugendpflege überhaupt und der Einrichtung der Jugendheime im besonderen bekannt. Nachdem Herr Lehrer Groh noch allen den Dank ausgesprochen, die die Einrichtung unterstützt, und um fleißigen Besuch gebeten hatte, begab man sich in das neue Heim. Viel zu rasch verging da bei heiteren Spielen die kurze Zeit. Daß auch verschiedene hiesige Vereine die Ausstattung des Jugendheimes finanziell unterstützt haben, sei noch besonders hervorgehoben. Möge die Einrichtung eine bleibende Stätte des Segens für unsere jungen Leute werden!

* Salmünster. Vergangenen Sonntag spielte die

1. Mannschaft der Fußballriege des Turnvereins Sal- münster gegen die spielstarken Elf des Fußballsport­vereins Roth bei Gelnhausen auf dem Salmünsterer Sportplätze. In der ersten Halbzeit ging das Spiel auf und ab und konnte von beiden Seiten nur je 1 Tor erzielt werden. Nach der Pause fingen die beiden Gegner ein sehr flottes Tempo an was aber leider für Roth nichts nutzen konnte, während Sal­münster noch 4 Tore einsenden konnte. Somit gewann die Fußballriege 5; 1. Wenn Salmünster mit seiner kompletten Mannschaft antritt und auf eigenem Platze spielt, ist es schwer, sie zu schlagen.

* Alsfeld Durch ein Großfeuer wurde Dienstag nacht die Holzschneiderei Wallach vernichtet. Der Schaden betragt über 150 000 Mark. Ueber die Ent­stehungsursache ist noch nichts bekannt.

* Reichensachsen, Kreis Eschwege. Durch ein ver­heerendes Großfeuer wurde am Mittwoch früh die Getreidemühle von Gebhardt vollständig eingeäschert. Das Feuer kam gegen 5 Uhr in einem Raum der Mühle zum Ausbruch und verbreitete sich infolge der reichen Nahrung, die es fand, so rasch, daß in kurzer Zeit das Werk bis auf die Umfassungsmauern einge. äschert wurde. Die Feuerwehren von Reichensachsen und Langenhain mußten sich darauf beschränken, das angrenzende Wohnhaus sowie die Wirtschaftsgebäude und einen großen Strohdiemen, die sehr stark gefährdet waren, zu schützen, was, durch die herrschende Windstille und einen leichten Regen erleichtert, auch gelang.^ Mit verbrannt sind große Mehl- und Futtervorräte. Ferner sind die Maschinen vernichiet. Der Besitzer hatte vor kurzer Zeit in der niedergebranuten Mühle eine ausge­dehnte elektrische Licht- und Kraftanlage neu Herrichten lassen. Der entstandene Schaden läßt sich noch nicht genau feststellen. Er wird jedoch auf etwa 40000 Mk. angenommen und ist leitet nicht versichert. Der frühere Versicherungsvertrag war vor einem halben Jah.e abgelaufen und erneuert worden. Die Entstehungsursache des Feuers ist noch nicht feftgeftelh, es wird jedoch mit Bestimmtheit Brandstiftung vermutet. Die Polizeibehörde ist damit beschäftigt, mit Hilfe des Kreispolizeihundes eine Spur festzustellen, doch wird das durch den Regen sehr erschwert.

* Cassel. Zwei Arbeiter von einer Maschine zer­malmt. Ein schwerer Betriebsunfall hat sich in der Zuckerfabrik in Oberjossa ereignet. Die Arbeiter Lott und Vichel waren beim Reinigen von Rübenwätchern

beschäftigt, als plötzlich die Maschine angelassen wurde. Beide gerieten in das Getriebe und wurden zermalmt.

* Cassel. Die Bekämpfung der Tuberkulose im Mittelstand. Zur Frage der Bekämpfung der Tuber­kulose im Mittelstand und der Beschaffung der hierzu notwendigen Mittel wird, wie wir hören, am 18. De. zember in Cassel eine Besprechung zwischen Vertretern des Mittelstandes des Regierungsbezirkes Cassel statt- finden. Eine ähnliche Konferenz fand dieser Tage in Wiesbaden statt.

* Frankenberg. Bei dem Kolonialwarenhändler und Landwirt Dippel zu Ederbringhausen wurde in der Nacht zum Montag ein Einbruchsdiebstahl verübt. Die Diebe erbeuteten ein größeres Quantum Kaffe, ver­schiedene andere Kolonialwaren und 60 Mk.

Vermischtes.

Aschaffenburg. Hier hat sich der Sergeant Gieselbach vom diesigen Bezirkskommando erhängt. Als Grund der Tai wird bekannt, daß dem Sergeant wichtige Aktenstücke abhanden gekommen sein sollen.

Warschau. Verhaftung eines Mädchenhändlers. Im Wartesaal von Sosnowice wurde ein Mädchen- Händler verhaftet, welcher versuchte, junge Mädchen über Hamburg nach Argentinien zu verschleppen. Die Gesellschaft reifte unter der Flagge einer Artistentruppe.

Newyork. In dem Depot der Standard Oil Company in Brooklyn erfolgte am Mittwoch früh eine Explosion, wodurch 40 000 Gallonen Petroleum (152 000 Liter) vernichtet wurden. Soweit bis jetzt festgestellt, ist eine Person dabei ums Leben gekommen.

Wie die Kriegsfurcht in Ostpreußen entstand. Ein braver Soldat schrieb dieser Tage, demOstpr. Tagebl." zufolge, nach Hause:

....., den . . November 1912.

Lieber Bruder!

Die Einfanterie ist bereits gestern gegen die Russen ausgerückt die Kaffallerie folgt in. paar Tagen. Jeder Einfanterist hat von seinen Verwandten 150 Mark er­halten. Schickt mir auch bei was. Leb Wohl lieber Bruder, wer weiß ob mir uns Wiedersehen.

(Unterschrift.)

Aber die trauernden Hinterbliebenen sind anscheinend hierauf nicht hereingefallen._______________________________

Saure Wiesen zu verbessern muß man gründlich sie entwässern. Erst wenn dies in sach­gemäßer Weise erfolgt, kann man von einer Düngung besonders von einer kräftigen Thomasmehldüngung, die höchste Rente verlangen. Mit der Düngung Hand in Hand soll aber immer auch eine kräftige Bearbeitung mit der Wiesenegge gehen. Zu nasse und saure Wiesen liefern nur ganz minderwertiges Futter. Daher ist die Regulierung der Feuchtigkeit die erste Bedingung für jede Wiesenmelioration.

Frankfurt a. M., 9. Dez. AmUiche Notierungen der «jeh- Marktpreise. Preise für 1 Zentner: Rinder; A. Ochsen: a) vollfleischige, auSgemästete höchsten Schlachtwertes höchstens 7 Jahre alt (Lebendgewicht) Mk. 51 - 56 (Schlachtgewicht) Mk. 93-100 b) junge fleischige nicht ausgemästete und ältere au8- gemästete (Lebendgewicht) Mk.48-51, (Schlachtgewicht) Mk. 87-93 c) mäßig genährte junge, gut genährte ältere (Lebendgewicht) Mk. 45-47, (Schlachtgewich.) Mk. 83 -87, d) gering genährte jeden Alters (Leoendgewicht) Mk., (Schlachtgewicht) Mk. 60 bis 00. Bullen: a) vollfleischige höchsten Schlachtwertes Mk 48 bis 50, (Schlachtgewicht) 80 - 83. b) vollfleischige, jüngere (Lebendgewicht) Mk. 43 - 45, (Schlachtgewicht) 74-78 Mark, e) mäßig genährte jüngere und gut genährte ältere i Lebendgewicht) 0000 Mark, (Schlachtgewicht) 00 -00 Mark Färsen und Kühe r a) vollfleischige ausgemästete syari-n Höchsten Schlachtwertes (Lebendgew.) Mk. 45- 48,(Schwchigcw.) Mk. 81 bis 86. b) vollfleischige, ansgeoiästete Kühe höchsten Schlacht - werte? bis zu 7 Jahren (Lebendgew.) Mk. 42 - 45, (schlachtgew.) Mk 78 81 e) 1. wenig gut entwickelte Färsen (Lebendgewichts äÄL 40-44,' Ichlachigew.) Mk. 77-85, da. ältere ausgemästete Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe (Lebendgew.) Mk. 37-44, (flächigem.) Mk. 69-76, d) mäß-.z genährte Küheund Färsen (Lb-ndg-w.) Mk. 29-36, (Schlachtg-w.) Mk. 58 72, e) gering genährte Kühe und Fanen (Lebendgew.) Mk. 24 -28 (Schlachtgew.) Mk. 55-64. Kälbert») Doppel- ender feinste Mast (Lebendgew.) 00-00, (Schlachtgewicht) Mark 00-00, b) feinste Mast. (Bollmilch-Mast) und beste Saugkälber (Lebendgewicht) 00-00 Mk., (Schlachtgewicht) 00-00 Mk., c) mittlere Mast- und gute Saugkälber (Lebendgew.) 64-bt> Mk., (Schlachtgewicht) 403- 142 Mk., d) gering. Saugkälber (Lebend- gewicht) 5460 Mk., (Schlachtgew.) 92102 ÜWU, « $9 l e- a Mastlämmer und jüngere Masthämmel (Lebentgew.) Mk. 41 bis 42, (Schlachtgew.) 85 - 88 Mk d) «* gut genährte Schafe (Lebendgewicht) 35 -00 Mk., (Schlachtgew.) 8.100 Mk. Schw eine: a. vollfleischige Schweine von 80 bis 100 kg Lebendgewicht (Lebendgew.) !0». 67f,269, (Schlacht, gewicht) 8688 Mk. b) vollfleischige Schweine unter 80 kg Lebendgewicht (Lebendgew.) 67-69 Mk., (Schlachtgew.) 86 88 Mk. c) vollfleischige Schweine von 100 bis 120 kg Lebend- gewicht (Lebendgew.) 68-69'/- Mk., (Schlachtgew.) 85'2 - 88, d) vollfleischige Schweine von 120 150 kg Lebendgewicht (Lebend, gewicht) 68 - 69, (Schlachtgew.) 86 -87 Mk., e) Fettschweinc über 150 kg Lebendgewicht (Lebendgew.) 00 -MMk., (Schlacht- gewicht 00 - 00 Mk.___________

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