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ZchllichtemerMung

mit amtlichem Kreisblatt. ^.^natsbeilage: landwirtschaftlich er Ratgeber.

Telefon Nr. «S. Wochenbeilage: Illustriertes Sonntagsblatt. Telefon Nr. «5.

Erscheint Mittwoch und Samstag. preis mitAreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 12 Pfg.

M 100. Samstag, den 14. Dezember 1912. 63. Jahrgang.

Zwei gute frischm.

Herdbuch-Aühe

mit je 1 Bullenkalb, sowie zwei Kuhkälber PA und 1 Jahr alt) stehen in Schwarzenfels bei Frau von Voith und Kaspar Scherf preiswert zum Verkauf.

Simmentaler Zuchtgenoffenschast,

Beruhigung.

Mehr und mehr macht sich der Balkankrieg oder vielmehr die Besorgnis vor neuen größeren kriegerischen Verwicklungen für unser gesamtes Geschäftsleben nach­teilig geltend. Der bei Tschadaltscha geschlossene Waffenstillstand hat keine Erleichterung gebracht. Die Börsen verkehren zumeist in schwacher Haltung. Dabei befindet sich unsere Industrie in einer Periode der Hochkonjunktur, Kohlen-, Eisen-, Stahl-, Elektrizitäts-, chemische Werke sind ebenso wie die Waffen- und Munitionsfabriken bei guten Preisen vollauf beschäftigt Dauert die Beunruhigung noch länger an, so wird die an und für sich so günstige wirtschaftliche Lage ernstlich gefährdet, und es gibt Sachkenner, die meinen, der Schaden sei schon so groß, daß er selbst bei baldiger Rückkehr des Vertrauens in den Frieden schwerlich wieder gut gemacht werden könne. Ohne Zweifel wirkt eine so lange Periode der Unsicherheit durch ihr eigenes Schwergewicht niederdrückend. Die Banken suchen ihre Mittel möglichst liquide zu erhalten; ein mehr oder weniger großer Teil des Privatkapitals wandert in den Strumpf statt Anlage zu suchen. Dadurch wird das Geld für die Produktion knapp, der Privatdiskont steigt, und für manche nützlichen Geschäfte fehlt dann über­haupt das Kapital.

Die Beunruhigung ist in der letzten Zeit haupt­sächlich von Wien und Pest ausgegangen. Nicht etwa, weil die Haltung der österreichisch-ungarischen Regierung in den Streit mit Serbien drohender geworden sei, im Gegenteil, die Aussichten für einen friedlichen Ausgleich haben sich verbessert. Aber die dortigen Zeitungen und Börsen gebärden sich fortgesetzt viel aufgeregter, als es nach der diplomatischen Lage gerechtfertigt erscheint. Auch einzelne deutsche Zeitungen werden mit Meldungen von der Donau versehen, nach denen der Leser den Eindruck gewinnen muß, daß Belgrad demnächst bom­bardiert werden und in weiterer Folge ein Zusammen­

stoß zwischen Oesterreich-Ungarn und Rußland unaus­bleiblich sein wird. Wir können vor solchen Ueber­treibungen nur warnen. Wer sich dadurch zu Angst­verkäufen an den Börsen, zur Kündigung seiner Spar­einlagen und bergt bestimmen läßt, schädigt sich selbst und macht die allgemeine wirtschaftliche Lage nicht besser, sondern schlimmer.

Die Erneuerung des Dreibunds, die vertrauens­vollen Beziehungen zwischen London und Berlin, die im Laufe des Balkankrieges hervorgetreten sind, die bisher von Oesterreich-Ungarn und Italien be­wiesene Mäßigung in der Adriafrage, der in Belgrad neuerdings mit Nachdruck in friedlichem Sinne ein­gesetzte Einfluß der Petersburger Regierung, die Einigung der Großmächte auf eine vorbereitende Bot­schafterkonferenz alles dies macht es wahrscheinlich, daß die Aufräumungsarbeiten nach dem Balkanbrande zwar noch manche Schwierigkeiten verursachen, aber doch schließlich ohne eine neue größere Feuersbrunst zu Ende gehen werden.

Deutsches Reich.

München, 12. Dez. Prinzregent Luitpold von Bayern j. Gestern Abend um 10 Uhr traten infolge von empfindlichen Herden auf der Lunge Fiebererschei­nungen ein. Die Herztätigkeit des Regenten wurde unregelmäßig. Die Nacht über brächte die Prinzessin Therese und der Leibarzt Ober-Medizinalrat von Kastner bei dem Prinzregenten zu. Heute früh 4A Uhr trat ein akutes Lungenödem ein, infolge von Herzschwäche und gegen 4 Uhr 50 Minuten ist der Prinzregent sanft entschlafen. Die Regentschaft geht jetzt an den ältesten Sohn des Prinzregenten, den Prinzen Ludwig von Bayern über, der am 7. Januar 67 Jahre alt ge­worden ist.

Berlin. Im Gegensatz zu dem politisch be­deutungsvollen Besuche des rumänischen Thronerben in der deutschen Reichshauptstadt, dessen Wichtigkeit all­gemein anerkannt wird, bestreitet man dem Aufenthalte des Prinzen Heinrich von Preußen in England, der sich über eine volle Woche hingezogen hat, nach wie vor jede Tragweite auf dem politischen Gebiete. Es ist indessen zu hoffen, daß er mindestens indirekt zur Besserung unserer Beziehungen zu England beiträgt. Ein ernstes Wort in ernster Zeit sprach der König Friedrich August von Sachsen aus, indem er bei der Vereidigung der Rekruten der Dresdner Garnison in der vorigen Woche die Notwendigkeit betonte, gerade in unseren Tagen einen recht engen Anschluß an Kaiser und Reich zu suchen. In den höheren Kommando­stellen unserer Armee brachten die letzten Tage einen wichtigen Wechsel. Der Erbprinz Bernhard zu Sachsen-

Meiningen, der Schwager des Kaisers, ist als General­inspekteur der zweiten Armeeinspektion zurückgetreten und zum Chef des Schlesischen Grenadierregiments Nr. 10 ernannt worden.

Der Reichstag begann am Sonnabend die erste Lesung des Petroleum-Monopols. Reichsschatzsekretär Kühn wies in längerer Rede die mannigfachen Angriffe, die in der Presse und in den Broschüren und Flug­schriften der verschiedenen Interessenten gegen den Plan der Regierung gerichtet worden sind, zurück. Die Regierungsvorlage, die doch nur dem in einer Resolu­tion ausgesprochenen Willen des Reichstags entspreche, werde jetzt vielfach hingestellt als ein Liebesdienst für gewisse Bankengruppen. Sie bedeute keine Kriegs­erklärung gegen die Standard Oil Company und noch viel weniger gegen die Vereinigten Staaten. Die An­nahme der Vorlage bedeute auch noch nicht ihre Inkraft­setzung. Diese hänge vielmehr davon ab, ob der Bundesrat die Ueberzeugung gewinne, daß eine wesent­liche Verteuerung der Petroleumverkaufspreise vermieden werden könne. Die Redner fast aller Parteien äußerten allerlei Bedenken gegen den Entwurf in seiner jetzigen Fassung. Am Montag sprach zunächst Graf Westarp (kons.), der erklärte, daß seine Partei dem Gesetzentwurf nicht unsympathisch gegenüber stände, aber auch Bedenken wegen der Preisfrage habe; sie werde den Standpunkt der Konsumenten zum leitenden Gesichtspunkte machen. Abg. Erzberger (Z.) äußerte die ablehnende Haltung des Zentrums. Staatssekretär des Reichsschatzamts Kühn ergriff noch einmal das Wort und sprach die Hoffnung aus, daß man sich in der Kommission darüber einigen werde, in welcher Form der Grundidee des Gesetzes nähergetreten werden kann. Nachdem der Abg- MMuart (natl.) warm für die Arbeiter und AngestrE^ des Petroleumhandels eingetreten war, wurde der Entwurf einer besonderen Kommission über- wiesen. Zum Schluß wurden noch einige Wahl­prüfungen vorgenommen.

Das preußische Abgeordnetenhaus erledigte am Sonnabend die Besprechung der fortschrittlichen Feuer­wehrinterpellation. Abg. Frhr. v. Zedlitz (frkons.) billigte das Vorgehen des Berliner Polizeipräsidenten und die Jnterpellationsbeantwortung des Ministers des Innern v. Dallwitz. Dieser ergriff dann nochmals das Wort und führte aus, daß nicht die Unterdrückung des Feuerwehrvereins das Vertrauensverhältnis zwischen Offizieren und Mannschaften gestört habe, sondern daß vielmehr die organisatorischen Bestrebungen der Feuer­wehr, nämlich der Dortmunder Verband, schuld an dem Aufhören des Vertrauensverhältnisses sei. Er bestritt nochmals, daß Schikanen und terroristische Maßregeln vorgekommen seien, und erklärte wieder seine theoretische

Roman von M. von Bunan.

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Der Junge könnte während der Sprechstunden die Pa­tienten empfangen und ..."

Nein, zum Türsteher oder Stiefelputzer ist mir Fre­derle zu lieb!" entgegnete Dina herb.Das Kind, das ich als meinen Sohn erziehen wollte, soll in meinem S nicht erniedrigt werden. Da bleibt er schon besser

Rektor in Zandow."

Wie Du willst. Ich dachte nur, Du wolltest den Jun­gen durchaus wieder haben. Mir ist es natürlich auch am liebsten, wenn er bleibt wo er ist."

Warum?"

Weil Du mir dann ganz ungeteilt gehörst." Er zog sie in seine Arme.

Sie ließ sich widerstandslos küssen,nur dieHände preßte sie fest ineinander.

Diese Seite ihres neuen Lebens,ihrpersönliches, ehe­liches Verhältnis zu Borchers, hatte sie bisher nie wirk- sich in Erwägung gezogen. Er war für sie nur das Mit­tel, um ihren Zweck, ein nützliches Leben zu führen, zu erreichen Jetzt schien die bisher nie bedachte Seite ihrer Zukunft die Hauptsache werden zu sollen. Sie fühlte, wie ihre Stirn sich mit kaltem Schweiß bedeckte. Wenn Bre- dow ihr jetzt durch irgend einen Zufall noch einmal in den Weg qetommen wäre, sie würde sich ohne weiteres in seine Arme geworfen und gefleht haben:Rette^nua;, ich liebe Dich, Dich Grauen in dem @'

nur allein! Ich sterbe vor Angst und _1Hlltll, vtlH Gedanken, einem anderen gehören zu sollen!" Warum war sie heute von ihm gegangen, ohne sich völlig mit ihm auszusprechen? Warum reffte sie nicht heimlich nach Zandow ab, warf sich ihrem Vater zu Füßen, gestand ihm alles, ihre Liebe, ihre Not, und ihre Ratloliakeit? Er würde ihr geholfen haben. War es

ihre Ratlosigkeit? Er würde ihr geholfen haben. War es das i|t mit s

und sie rettete, ja, dann war es zu spät. Unaufhaltsam trieb sie ihrem Verhängnis zu.

Frau von Grünau, die bald darauf mit einer rotge- schlafenen Backe, auf der sich das Kissenmufter deutlich abzeichuete, hereinkani, freute sich, das Brautpaar, wie es sich gehörte, Hand in Hand auf dem kleinen Ecksofa sitzen zu sehen. Borchers strahlend glücklich, Dina still, aber augenscheinlich zufrieden.

Arme Dina! Niemand ahnte, mit welchen verzweifel­ten Gedanken und Entschlüssen sie rang.

Der Abend verging unter allgemeinen Gesprächen. Borchers hätte Dina noch länger gern allein für sich ge­habt, aber sie fand es unfreundlich, die beiden Mütter und Berthold den ganzen Abend sich selbst zu überlassen.

Der gutmütige Doktor stimmte ihr bei.

Mutti, das war ein Liebesdienst!" meinte Berthold,

als Borchers sich zurückgezogen hatte.Der Doktor ist ja wirklich ein ganz braver Mann, aber das Geklöne von der Alten, der ganze Familienmufs, der sie umgibt, herr- jeh, wie will die Dma das aushalten?"

Diese drehte sich auf der Schwelle der Tür, die zu ihrem Schlafziminer führte, noch einmal um. Sie sah dem Bruder starr ins Gesicht. Dann stürzte sie plötzlich zu ihrer Mutter hin, kniete vor ihr nieder und vergrub den Kopf in ihrem Kleide.

Mutter, hilf mir doch, Mutter, ich sterbe ja dran!" schluchzte sie leidenschaftlich auf.

Was hast Du denn nur, Kind?" Frau von Grün­wald streichelte den hübschen dunklen Kopf, der in ihrem Schoß lag. Sie sah Berthold ratlos an:Was hat sie nur?"

Die Alte ist ihr auf die Nerven gefallen," erwiderte Berthold trocken. Dina, so gotteSjämmerlich brauchst Du deshalb nicht zu heulen. Versuchs nur, sie bald mit gu= ter Manier los zu werden, dann bist Du mit Deinem Doktor allein. Soll ichs ihm sagen?"

Dina schüttelte heftig den Kopf.Das ist es nicht, das ist mir ganz egal!" stieß sie endlich kaum verständ-

Ueber Frau von Grünwald kam eine Erleuchtung. Dina, mein armes kleines Mädel, Du weinst so, weil der Papa morgen nicht dabei ist? Ja, Herzenskind, sei nur ruhig, das wird schon wieder gut. Glaub es mir, ich lass' nicht nach mit Bitten. Und sehr bald kommst Du mit Deinem Mann nach Zandow, sollst mal sehen, dann sind alle Geschwister da, auchRiembecks mit ihren Klei­nen, und alle werden gut zu Euch sein. Ich sorg dafür."

Dina richtete sich langsam auf. Sie unterdrückte ge­waltsam ihr Weinen. Ein trauriges Lächeln umspielte ihren Mund. Wie wenig Mutter und Bruder sie verstan­den ! Freilich, wie sollten sie auch.

Sorg Dich nicht, Mama," sagte sie endlich,Verzeih mir alles, Mutti, ich bin ja nicht unglücklich."

Frau von Grünau küßte und streichelte die Tochter. Nichts brächte sie von ihrer Idee ab, Dina weine wegen des Zorns des Vaters.

Ich telegraphiere ihm morgen früh, daß er ein Le­benszeichen von sich gibt. Er verdirbt dem armen Ding sonst die ganze Hochzeit," sagte sie zu Berthold, als sie mit ihm allein war.

Hm," meinte Berthold nachdenklich.Weißt Du wie mir Dina heut abend vorkam? Wie solch armes, ver­hetztes Tier, das sich in einer Schlinge gefangen hat und vergebens um sich schlägt, um frei zu werden."

Unsinn, Berthold! Sie liebt doch den Doktor."

Na," meinte Berthold vieldeutig,mir kommt das ein bißchen sehr merkwürdig vor."

Dina streckte in ihrem einsamen Zimmer ibre beiden Hände gen Himmel.Ein Wunder," stöhnte sie mit ge­brochener Stimme,nur.ein Wunder kann mich jetzt noch retten!"

Aber kein Wunder geschah.

Um 2 Uhr wurde Dina mit Doktor Borchers in der Schloßkirche getraut und fuhr einige Stunden später mit ibm ihrer neuen Heimat zu.