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ZchliichtemerMung

mit amtlichem Krcisblatt. ZHonatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

Telefon Nr. 63. Mochenbeilage: Illustriertes Sonntagsblatt. Telefon Nr. 63.

Erscheint Mittwoch und Samstag. preis mitAreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 12 pfg.

M 97.

Mittwoch, den 4. Dezember 1912.

63. Jchrgang.

Amtliches.

g. Nr. 14386. Die Herren Biirgermeister und GAsvorsteher werden unter Bezugnahme auf die SreiMalt-Verfügung vom 10. Oktober d. Js. J.-Nr. 11900 Kreisblatt Nr. 47 taran erinnert, daß das Zjhlmaterial der Viehzählung spätestens bis zum 10. d. Mts. hierher eingereicht werden niuß.

Schlächtern, den 2. Dezember 1912.

Der Königliche Landrat: I. V: Schultheis.

Dezember.

Der alte Vater Winter

Er geht gar strenge an, Ein leises, banges Zittern Fühl'n wir bei seinem Nah'n.

Und doch ist es so traulich Qn warmer Stub zu Haus, Die Kinder schau'n mit Freude Schon nach dem Christfest aus.

Dort von den Tannen rieselt Schon dichter Schnee herab, Und bald erscheint die Erde Gleich einem weißen Grab.

Doch wird's nicht lange währen, Der Liebe ew'ger Stern Er winkt zur heil'gen Weihnacht Die Herzen nah und fern!

Konferenz?

Eine Weile nach der Einigung der Großmächte auf den Gedanken der Isolierung des Balkankrieges war zuerst von Paris aus die Einberufung einer Konferenz angeregt worden, die die Aufräumungsarbeit besorge» föntet Das war verfrüht, schon well der Krieg damals noch in vollem Gange war. Dann aber ließ sich die Entwickelung des drohenden Konflikts zwischen Oesterreich-Ungarn und Serbien, wegen der Adriafrage und wegen der völkerrechtswidrigen Behand­lung des KonsulsProchaska nicht üb ersehen und es konnte unserem Verbündeten nicht zugemutet werden sich auf eine Konferenz einzulassen, wenn nicht vorher die An- erstnnung seiner Mindestforderung sichergestellt war. Inzwischen hat die Verständigung unter den Mächten einen weiteren Schritt vorwärts gemacht. Man ist einig darin, daß die militärische Okkupation noch kein Recht auf dauernden politischen Besitz gewährt und daß mithin die serbische Besetzung albanischer Küsten- Plätze nicht als politisches fait accompli anzusehen ist. ferner hat sich auch Rußland für em autonomes

Roman von M. von Bünau.

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»Damals war sie mit ihrem jetzigen Mann, bem Gra­fen Heinz, verlobt. Ihre Hochzeit sollte aber meines Un- Mes wegen aufgeschoben werden. Die Briefe erwartete mit Ungeduld, weil meine Mutter damals in Italien W leidend war und ihr die Schwere meines Sturzes verborgen bleiben sollte. Ich fürchtete immer, ein unglück- »cher Zufall könnte die Wahrheit an den Tag bringen. ~Q§ hat also alles eine sehr einfache Lösung. Warum haben Sie mich damals nicht gefragt, ob ich verlobt sei, o>anlein von Grünwald?"

»Was ging es mich an ?" Dinas Stimme klang rauh. »Ich hätte Ihnen wahrscheinlich von selber alles er- fuhr Bredow fort,aber da . . da sprachen Sie nur von Ihrer Verlobung mit einem Arzt, einer Verlo-

die Sie durchsetzen wollten. Oder haben Sie es Der« Wen, daß Sie mir das alles sagten?"

»Ich habe nichts vergessen, Herr von Bredow."

»Diese kühle Ruhe, mit der Sie mir das auseinan- ,Ersetzten, verletzte mich etwa«, denn ich . . doch davon tätet. Am andern Tage waren Sie verschwunden, ich !°h Sie nicht mehr. War das recht von Ihnen?"

»Sie waren ja fast gesund. Auf mich warteten andere Wirten. Schwere Kranke bedurften meiner.

. Er trat einen Schritt näher zu ihr heran.Dma, war recht?" wiederholte er dringend.Was die Schwe- st« für Pflichten hatte, geht mich nichts an. Aber hat- Sie keine Pflichten gegen mich, keine gegen sich selber?

Sie preßte die Hände gegen die Schläfen.Herr von ^«dnw, ich .. ich hielt Sie für verlobt."

»Das war ein Irrtum." ,

. »Ja, es war ein Irrtum, alles war ein Irrtum ! wre- Molte st, dumpf, Sie sah ihn mit verzweifelnden Blicken Lch bin noch verlobt, Herr von Bredow."

»Wirklich?" Er taute unmutig 4P fsül««^^^^

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Albanien ausgesprochen, dessen Grenzen allerdings nach der altserbischen Seite hin noch ganz unbekannt sind.

Nun ist von Sir Edward Grey die Anregung aus­gegangen, eine Botschafterkonferenz zusammentreten zu lassen. Dabei handelt es sich um eine Sondierung, nicht um einen formulierten Vorschlag. Die ihr zu­grunde liegende Absicht ist, den Gedankenaustausch unter den Kabinetten zu erleichtern. Ob es dazu kommt, ist zweifelhaft. Auch für eine solche Konferenz müßte erst ein Programm aufgestellt werden, was erst wieder längere Verhandlungen unter den Kabinetten erfordern würde. Anderseits würden solche Ver­handlungen während der Botschafterkonferenz keineswegs entbehrlich sein.

Als einer der Greyschen Programmpunkte wird in den Blättern die Dardanellenfrage bezeichnet, wahr­scheinlich mit Unrecht. Bisher durfte angenommen werden, daß Rußland und England dahin überein- gekommen seien, an die Meerengenfrage möglichst wenig zu rühren. Glaubhafter ist die Meldung, daß Sir Edward Grey einen Verzicht der Großmächte auf Erwerbungen im Aegäischen Meere zur Erörterung stellen wolle. Ein Berliner Blatt sieht darin eine Spitze gegen Italien, das noch mehrere Aegäische Inseln besetzt hält. Indessen hat der Frieden von Ouchy die Bedingungen festgestellt, nach deren Er­füllung Italien verpflichtet ist die besetzten Inseln an die Türkei zurückzugeben.

Die Bedeutung eines Verzichts der Großmächte auf Gebietserwerb in dem Jnselarchipel liegt offenbar darin, daß sonst der Zugriff der einen Großmacht die Rivalität anderer Großmächte reizen würde und daß die Lebensfähigkeit nicht bloß der europäischen, sondern auch der asiatischen Türkei bedroht wäre. Dieser Grey- sche Gedanke kann sicher auf Unterstützung von deut- Her Seite rechnen, Ueherhaupt ist es erfreulich für uns, zu beobachten, wie klar die englische Politik gemeinsam mit der Deutschlands darauf hinarbeitet, die Spaltung der Großmächte in zwei Lager zu ver­hindern. Bezeichnend dafür war es namentlich, wie scharf sich kürzlich die ministerielle Westminster Gazette dagegen erklärte, den Dreierverband gegen die Interessen Oesterreich-Ungarns und Italiens in der Adriafrage mobil zu machen.

Deutsches Deich.

Donaueschingen. Der Kaiser reiste am Montag vormittag 7,11 Uhr im Sonderzug nach Baden-Baden. Zur Verabschiedung waren die fürstlich Fürstenbergische Familie und die Spitzen der Zivil- und Militärbehörden am Bahnhof erschienen. Das Publikum bereitete dem Kaiser herzliche Kundgebungen. Der Großherzog und

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Und Sie haben auch nicht die Absicht, diese .. diese Vor­eiligkeit rückgängig zu machen?"

Dina blieb stehen. Der aufrauschende Wind legte ihr das Kleid in engen Falten um die schlanke Gestalt. Sie tastete nach einem dünnen Birkenstamm, neben dein sie stand, wie um Halt zu gewinnen.Nein, ich kann nichts rückgängig machen. Mein Bräutigam kommt heute. Mor­gen früh ist unsere Hochzeit."

Sie sah ihn nicht an und mußte doch, daß seine Blicke durchdringend auf ihr lagen.

Morgen schon? Ja, dann freilich," sagte er endlich langsam.

Ja, morgen. Und ich habe mich mit meiner ganzen Familie verfeindet, um diese Heirat durchzusetzen . . und . . er . . liebt mich . . er ist so glücklich." Ein tränenloses Schluchzen schüttelte sie plötzlich wie ein Krampf.

Dina," sagte Bredow mit verhaltener Leidenschaft, noch ist es Zeit!"

Nein, es ist zu spät, viel zu spät!" Sie preßte die Hände ineinander in ihrem Uebermaß von Schmerz.Le­ben Sie wohl, Herr von Bredow. Ich niuß fort. Ich, ich will allein sein, ich kann nicht mehr." Sie wandle j des Gartens zu.

sich um und lief dem Ausgang des Gartens zu.

^Dina, Dina!" tönte ihr fein halberstickter Ruf nach. Sie legte die Hände über die Ohren, um nichts mehr

zu hören.

Am Ausgang des Gartens hielt eine Droschke. In ihrer halben Besinnungslosigkeit stieg sie ein.

Dina raffte sich gewaltsam zusammen.Nach dem Bahnhof!" befahl sie kurz. Sie sah nach ihrer Uhr. Der Zug aus Mühlfurt mußte in einer halben Stunde ein­laufen, sie konnte gerade noch zurechtkommen.

Sie mußte nicht, was sie tun, was sie ihrem Bräu­tigam sagen, ob sie ihn anflehen sollte, sie freizugeben .. jetzt im 'leisten Augenblick.Aus welchem Grunde . . nach all den Kämpfen. Sie drückte die gefalteten Hände an die Stirn. Das Blut hämmerte in ihren Schläfen.WaS

die Großherzogin begaben sich um 11 Uhr im Auto­mobil zum Empfang des Kaisers nach Baden-Baden. Die Großherzogin wird morgen, der Großherzog über­morgen nach Karlsruhe zurückkehren.

Der Reichstag setzte am Donnerstag die Debatte über die Teurungsinterpellation fort. Dem Abg. Dr. Wendorff (fortsch. Vp.), der die Aufhebung des § 12 des Fleischbeschaugesetzes und der Futtermittelzölle forderte, entgegnete der Landwirtschaftsminister Frhr. von Schorlemer, daß die deutsche Landwirtschaft wohl imstande sei, den Fleischbedarf der wachsenden Be­völkerung zu decken; die Schuld an der Steigerung der Fleischpreise trage der Zwischenhandel. Entschieden sprach er sich gegen eine Ermäßigung der Futtermittel­zölle und die Einfuhr ausländischen Gefrierfleisches aus, überhaupt dürfe an unserer bewährten Wirtschafts­politik nicht gerüttelt werden. Der Präsident des Reichsgesundheitsamtes Prof. Bumm trat der oft geäußerten Meinung entgegen, als habe er für die deutsche Bevölkerung ein bestimmtes Fleischminimum für notwendig erklärt; die Wichtigkeit des Fleisch­genusses bei der Ernährung werde heute vielfach über­schätzt. Am Freitag wurde erst eine Reihe kleiner Anfragen erledigt und dann die Teuerungsdebatte zu Ende geführt. Graf Schwerin-Löwitz (kons.) bedauerte, daß die deutsche Landwirtschaft andauernd beunruhigt werde, und sprach die Hoffnung aus, daß dieselbe bei guter, ungestörter Entwicklung in fünf Jahren das Ziel der vollen Fleischversorgung des deutschen Vaterlandes erreicht haben werde. Staatssekretär des Innern Dr. Dellbrück bedauerte, daß jede Debatte über die Linder­ung der Fleischnot sich zu einem Streit über die gegen­wärtige Wirtschaftspolitik auswachse, und wies statistisch nach, daß die Fleischpreise überall innerhalb wie außer­halb Europas ebenfalls gestiegen seien. Im Interesse von Prp zenten und Konsumenten hielt er es für dringend erwünscht, daß stabilere Verhältnisse in der Gestaltung der Fleischpreise eintreten. Die weitere Debatte war ohne erhebliche Bedeutung.

Das preußische Herrenhaus beschäftigte sich am Donnerstag mit dem Entwurf einer Hinterlegungs­ordnung, nach welchem die Hinterlegungsgeschäfte den Verwaltungsbehörden und Bezirksregierungen abge­nommen und den Gerichten als Hinterlegungsstellen übertragen werden sollen. Justizminister Dr. Beseler bemerkte dazu, das das Gesetz wesentliche Vorteile gegenüber den bisherigen Zuständen biete. Landeshaupt­mann v. Dziembowski befürwortete ebenfalls den Ent­wurf, der alle Zweifel in der Zuständigkeitsfrage be­seitigte. Der Entwurf wurde schließlich mit großer Mehrheit in der Kommissionsfassung angenommen. Dann folgte die Beratung einer Petition der Ruhr-

felt. Heiße Schamröte stieg in ihr Gesicht. Aber durch alle Scham, allen Kummer hindurch jauchzte es in ihr:Er liebt mich!"

Sie biß in ihr Taschentuch, um einen AuSbruch krampf­haften Schluchzens zurückzuhalten.

*

Der Zug lief mit einer geringen Verspätung in die Bahnhofshalle ein. Doktor Borchers Kopf "bog sich zu einem Abteilfenster heraus. Er erkannte Dina sofort und schwenkte mit glücklichem Lachen den Hut.

Das Aussteigen gestaltete sich sehr umständlich. Er mußte seiner alten Mutter helfen, die, mit vielem Hand­gepäck beladen, nur mühsam und steif herabkam. Dina trat schnell herzu und wollte ihr einige Sachen abneh­men, aber Borchers wehrte ihrer Hilfe ab. Die elegante Erscheinung ihrer Schwiegertochter fchüchterte > die alte Frau Borchers sichtlich ein. Ihr Sohn reichte ihr den Arm, denn in dem Sebränge und Gestoße des Publikums konnte er die kleine, kümmerliche alte Frau leicht verlie­ren.

Dina ging wie im Traum neben den beiden Men­schen her, die ihr von morgen an die nächsten und lieb­sten sein sollten, und die sie doch eigentlich so gut rote gar nicht kannte. Denn auch Borchers erschien ihr wie ein Fremder. WaS mußte sie eigentlich von diesem Mann außer der Tatsache, daß er ein guter, gewissenhafter Arzt und anständiger Mensch war?

Sie sah mit ihren großen wie in Angst und Schreck erstarrten Augen auf seine gedrungene Gestalt in dem etwas altmodischen Reiseanzug, in sein gutmütiges, von einem rötlichen Bollbart umgebenes Gesicht.

Ein Schauer überlief sie. Ein Gefühl von Abneigung, beinahe Haß gegen ihn stieg in ihr auf.

Inder Droschke saß er ihr gegenüber; sein Blick ver­ließ ihr Gesicht nicht. Als die Mutter sich einmal zum Fenster hinausbog, umfaßte er plötzlich Dinas Kopf mit