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SWchlemerZeitung

mit amtlichem Areisblatt. Alonatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

Telefon Nr. «5. I Telefon Nr. 65.

Erscheint Mittwoch Und Samstag Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mt. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 1C Psg.

X 86.

Samstag, den 26. Oktober 1912.

63. Jahrgang.

Amtliches.

Nationalslugspende.

Wie aus Berlin niitgeleilt wird, ist der Abschluß der National Flugspende auf vielfachen dringenden Wunsch von verschiedenen Seiten bis zum Ende des laufenden Monats hinausgeschoben worden. Zu diesem Termin soll jedoch der Abschluß endgültig erfolgen. Ich bringe dies zur öffentlichen Kenntnis und bitte, etwaige Beiträge bis zum 1. November entweder an das Kaiserliche Postamt in Schlüchtern oder an die Kreirsparkaffe hierselbst abzuliefern.

Schlüchtern, den 22. Oktober 1912.

Der Königliche Landrat: Valentiner.

J.'Nr. 6370 K.-A. Am Samstag, den 26. Oktober 1912, Nachmittags 3 Uhr findet in Schlüchtern im HotelZum Stern" eine Generalver­sammlung der

Simmentaler Rinderzuchtgenoffenschaft statt, zu welcher hiermit alle Genossenschaftsmitglieder ungeladen werden. Auch Nichtmitglieder sind willkommen.

Tagesordnung:

1. Abhörung der Jahresrechnung pro 1910.

2. Jahresbericht und Rechnungsablage für 1911.

3. Milch-Kontrollverein betr.

4, Verschiedenes.

Schlüchtern, den 3. Oktober 1912.

Der Vorsitzende der Rinderzucht-Genossenschaft: Valentiner.

Prutfches Reich.

Ueber ein schönes Kaiserwort wird aus Hamburg berichtet. Als bei der Einweihung der Hamburger Michaeliskirche Hauptpastor Dr. Huntzinger seine Pre­digt mit den Worten schloß:Wir gehören zu dem Geschlecht, das aus dem Dunklen ins Helle strebt. Wach auf, du Geist der Gemeinde, wach auf, du Seele des Volkes, wach auf, du Genius der deutschen Nation! Erkenne, die Stunde ist da, aufzuwachen vom Schlafe! Das Evangelium pocht an alle Pforten der Gegenwart! Amen", schritt der Kaiser auf den Hauptpastor zu, schüttelte ihm die Hand und sagte:Das war eines Mannes Wort zur rechten Zeit. Möge es auch in der Folge starken Widerklang finden!"

Der Verband Deutscher Petroleum-Interessenten hat mit Rücksicht auf die Reichs-Petroleum.nonopolsrage an den Reichskanzler und den Statlssekrelär im Reichs­schatzamt nachstehendes Telegramm gerichtet:Der Verband Deutscher Petroleuminteressenten hat in seiner

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Eigene Wege.

Roman von M. von Bünau. 13

Langsam ging sie die Treppe hinunter.

, Frau von Grünwald reichte ihr noch eine Schachtel wit Schokolade nach.Schreib auch gleich, Kind, leb wohl!"

Die Pferde zogen an. Der Tollie lief gewandt zwi­schen den Beinen der Pferde mit.

Dina drehte sich nur noch einmal um. Da lag das Ee graue Haus, vom Herbstsonnenschein umfiossen. Ueber

Rasen des Rondels zog sich dünner Reif. Die Geor- Sinen hingen erfroren ihre schwärzlichen Blütenköpfe.

Die Mutter winkte von der Treppe aus mit dem Ta­schentuch, aber Dina sah nicht auf sie, sondern zum Fen­ster des Arbeitszimmers hinauf.

War das der graue Kopf des Vaters hinter den Schei- Ihre Augen standen voll Tränen, sie konnte nichts deutlich erkennen.

Da bog der Wagen schon um die Ecke der Dorfstraße. Sie warf sich in die Kissen zurück und hielt die Hände 6ot§ ®efid)t gepreßt* *

Die Eisenbahnfahrt war lang und umständlich. Erst Wgiii Abend erreichte sie Hannover. Diel ließ sich von tt Stadt bei der einbrechenden Dunkelheit nicht mehr

Die eigene Bauart der meistens aus Ziegelsteinen "^geführten Häuser fiel ihr auf. Sie machten beinahe ®he den Eindruck von Krankenhäusern oder Stiften. Nur neueren Villenviertel, die breite Georgstrahe mit den Muzenden Läden, sahen so elegant aus wie in anderen ^rußstädten.

m Sie mußte fast die ganze Stadt durchqueren, um vom ^ahnhof bis nach bem Marienstift zu gelangen, das weit draußen lag.

Dina zuckte «rschrockenzusammen, als der Kutscher end-

$ vor einem großen, «hvnsgjls zisMMvÄMk MW!'

gestrigen Vorstandssitzung mit lebhafter Befriedigung Kenntnis genommen von dem beabsichtigten Eingreifen der Reichsregierung in die unhaltbaren Zustände, die das rücksichtslose Vorgehen der Standart Oil Company hervorgerusen hat. Der Verband hofft, daß der Wort­laut des Gesetzentwurfes noch mehr als die bisherigen Veröffentlichungen zeigen wird, daß die Interessen des noch unabhängigen Zwischenhandels voll berücksichtigt worden sind."

KMaW.

Der Balkankrieg ist trotz aller Bemühungen der Mächte, den Frieden zu erhalten, nun an allen vier Grenzen ausgebrochen. Ein Kriegsaufruf des Bulgaren­königs Ferdinand spricht von einem Kreuzzug für die Blutsbrüder und Religionsgenossen, von einem Kampfe des Kreuzes gegen den Halbmond, und der Sultan hat seine Truppen mit einer Mahnung in denheiligen Krieg" entsandt. Die Nachrichten über die Erfolge der kämpfenden Parteien lauten ziemlich widersprechend. Die bulgarische Hauptarmee hat die türkische Grenze überschritten und den Grenzort Mustapha-Pascha besetzt. Der Ort Mahonia in der Casa Razlog soll durch einen Bajonetten angriff genommen worden sein. An ^der serbischen und bulgarische» Grenze wird an vielen Orten gesümpft. An einzelnen Stellen sollen die Serben zurückgeschlagen sein, dagegen unter Führung des Kronprinzen Alexander den Ort Ziwertschi besetzt haben. Die serbischen Truppen sollen im Vormarsch auf Kumanvwo und Pristina begriffen sein. An der mon­tenegrinischen Grenze sollen 2000 Türken vernichtet fehl. Die Türken sollen in der Nähe des bulgarischen Hafens von Burgos gelandet sein. Sie haben mit dEO Bombardement auf Varna begonnen und die Blockade über diesen bulgarischen Hafen verhängt. Die griechischen Truppen haben Diskata und Classona be­setzt.

Nach einer Meldung der Preß-Zentrale aus Petersburg soll der russische Thronfolger schwer erkrankt sein. Großfürst-Thronfolger Alexej Nikolajewisch, der jetzt im 12. Lebensjahr steht, befindet sich gegenwärtig mit seinen kaiserlichen Eltern in Spala. Ein hervor­ragender Chirurg, Professor Feodoroff, ist telegraphisch von Petersburg nach Spala berufen worden. Ueber die Natur der Erkrankung des Thronfolgers ist noch nichts Näheres bekannt.

Lokales und Provinzielles.

Schlüchtern, den 25. Oktober 1912.

* Uebertragen: dem Militäranwärter Peter unter Ernennung zum Kreisassistenten die Kreisassistentenstelle bei dem Landratsamt in Schlüchtern.

Klopfenden Herzens zog sie die Klingel. Eine Schwe- ster in der ihr schon wohlbekannten Tracht öffnete.

Ich bin Dina von Grünwald."

Ach so, die neue Lehrschwester! Bitte, kommen Sie herein. Ich rufe den Hausdiener, der soll den Koffer her­eintragen."

Die freundliche Anrede, der Schwestername berühr­ten Dina wohltuend. Sie freute sich darauf, sofort ihr elegantes Reisekleid mit dem blauleinenen Rock zu ver­tauschen.

Darf ich mich gleich umziehen?" fragte sie schnell.

Die Schwester lächelte über ihren Eifer.Ich soll Sie erst zur Frau Oberin führen."

Sie gingen zusammen denlangen, mit blankem Wachs­tuch belegten Korridor entlang.

Im ersten Stock liegen die Klassenkranken," erläu­terte die Schwester.Das sind die, die ihr eigenes Zim­mer bezahlen können. Im zweiten Stock sind rechts die Männer- links die Frauen- und Kindersäle. Unten ist das Operationszimmer und die Räume der Frau Oberin. Im dritten Stock schlafen mir Schwestern.

Dina ging mit eigentümlichen Empfindungen an all den numerierten Türen vorüber. Die leuchtende Sauber« keit der iveißgetünchten Wände, der Gänge und Läufer berührte sie angenehm.

Schwester Martha klopfte an der letzten Tür an.

Herein!" rief eine tiefe Frauenstimme.

Ich bringe die neue Schwester, wie Frau Oberin be­fohlen hatten."

Dina staunte über die schüchterne Art, mit der die Schwester zur Oberin sprach.

Es ist gut,"

Die Schwester zog sich schnell zurück. Die Oberin ging auf Dina zu und gab ihr die Hand. Sie war eine große, starke Frau, etwa fünfzig Jahre alt. Sie trug ein glat­tes, schwarzes Kleid in dem Schnitt der Schwesterntracht. Ueber der Brust hing ein silbernes Kreuz. Das volle energische Gesicht umschloß die weiße Haube. Ihre leb­

* Auf die in heutiger Nummer veröffentlichte Bekanntmachung des Herrn Landrats, die National- flugspende betreffend, machen wir hierdurch besonders aufmerksam.

* Onkel Bräsig in Schlüchtern. Wir machen nochmals auf das Bräsig Gastspiel des erfolgreichsten Onkel Bräsig-Darstellers" Herrn Anton Melzer-Wies« baden aufmerksam das Sonntag, 27. Oktober in der Turnhalle" stattfinder. Dieser Abend verspricht einen besonderen Genuß, zumal Herr Melzer der einzig existierende Bräsig-Darsteller in seinem Genre ist. Gewaltig in seiner Kunst und Tragik und noch ge­waltiger in seinem echten überwältigenden Humor, der von Herzen kommt und zu Herzen geht. Gelegentlich eines Gastspiels in Berlin schreibt der Berliner Lokal­anzeiger wie folgt:Der große Saal war bis auf den letzten Platz besetzt und wurden die Erwartungen des Publikums noch übertroffen." Herrn Melzer zu hören, ist ein ganz besonderer, eigenartiger Genuß, in seiner Darstellungskunst Reuterscher Charaktere in Mimik ist Herr Melzer nicht zu übertreffen. Da der Andrang zu diesem Gastspiel ein starker sein dürfte, ist es rat­sam, sich rechtzeitig mit Eintrittskarten zu versehen. (Siehe Inserat.)

* In der Schöffengerichtssitzung in Schwarzenfels am 17. d. Mts. standen 4 Sachen an; es wurden davon aber 3 vertagt bezw. durch Zurücknahme erledigt. Der ein­zige zur Verhandlung übrig gebliebene Fall betraf den wegen unbefugter Jagdausübung angeklagten Apotheker August Koch von Sterbfritz, der im guten Glauben gehandelt haben wollte, als er im Sommer d. I. auf fiskalischem Jagdgebiet unweit Mottgers die Jagd aus- zuüben sich anschickte, wobei er angenommen hätte, auf einer Fläche sichzu befinden, die zur Jagd der Gemeinde»Mottgers gehöre, deren Pächter sein Vater ist. Er wurde jedoch dem Anträge des Herrn Amts­anwalts entsprechend in eine Geldstrafe von 100 Mark hilfsweise 20 Tage Gefängnis verurteilt und die Ein­ziehung des Gewehres angeordnet.

* Billige Kartoffeln. Wie aus .Griesheim bei Stadtilm berichtet wird, ist dort die Kartoffelernte so ergiebig, daß es den Landwirten wegen Mangel an Leuten nicht möglich ist, die Ernte einzubringen. In verschiedenen Orten hat man deshalb zum Preise von 75 und 80 Pfg. den Zentner Kartoffeln direkt vom Felde verkauft.

* Die Wandergewerbetreibenden werden in ihrem Interesse nochmals darauf aufmerksam gemacht, daß es sich empfiehlt, die Anträge auf Erteilung von Wander­gewerbescheinen für das Jahr 1913 möglichst frühzeitig, spätestens im Laufe des Monats November anzubringen, da die Betreffenden andernfalls nicht bestimmt damit

haften Augen sahen Dina prüfend an. Sie schien mit der Musterung zufrieden zu sein. Die schlanke, elastische Ge» statt des jungen Mädchens das blühend schöne Gesicht gefielen ihr.

Ich freue mich, daß Sie den Entschluß faßten, zu uns zu kommen, Fräulein von Grünwald. Sie setzte sich, auf das Ecksofa und winkte Dina neben ihr Platz zu nehmen.Waren Ihre Eltern einverstanden mit Ihrem Entschluß, das schwere, ernste, aber auch beglückende Le­ben einer Schwester zu wählen?"

Nein," entgegnete Dina offen. Ihre großen braunen Augen sahen der Oberin gerade ins Gesicht.Sie er«' laubten es nur sehr unaern."

Sie bestanden also darauf? Zieht nur die Liebe zur, Sache, die Liebe zu den Armen und Kranken Sie in un­ser Haus, liebes Kind?"

Dina überlegte.Darf ich ganz offen reden?" batst« dann.

Ich bitte barum," antwortete die Oberin etwas er­staunt.

Ich habe großes Interesse an der Krankenpflege.Ich, habe bei uns zu Hause, im Dorf, unter der Anleitung, des Arztes viel gepflegt; ich merkte aber bald wie we­nig ich von der eigentlichen Wundbehandlung, von kor-, rett auszuführenden Verbänden verstehe, und darum wollte ich es gründlich lernen."

Um das Gelernte nachher praktisch anzuwenden-, Ein lobenswerter Entschluß! Wir haben häufig Lehr-, schwestern aus demselben Grunde hier. Gerne hätte ich, Sie natürlich auch als Probeschivester angenommen, iir der Hoffnung, eine dauernde Kraft für unser Stift in Ihnen zu gewinnen."

Ich habe die Absicht, mich mit dem Arzt, der mich zu Hause unterwies zu verheiraten. Wir sind verlobt. Meine Eltern machen freilich noch Schwierigkeiten. Ich werde aber ihren Widerstand besiegen. Ich möchte später mei­nem Mann in seinem Berufe leisen, mit ihm zusammer», ein Krankenhaus leiten." '