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Schlilchlerner Zeitung

mit amtlichem Areisblalt. MonÄsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

Telefon Nr. 65. , 1 Telefon Nr. 65.

Erscheint Mittwoch und Samstag Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mt. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 1L Pfg.

M 83.______________

Amtliches.

Bekanntmachung.

Die diesjährigen Herbst - Kontroll - Versammlungen finden im Kreise Schlüchtern an den in nachstehendem Plane angegebenen Tagen und Plätzen statt.

Der Plan wird den Herren Bürgermeistern resp. Ortsvorstehern des Kreises Schlüchtern mit dem Er­suchen mitgeteilt, gefälligst in ortsüblicher Weise bekannt machen zu wollen, daß sich alle in ihren Gemeinden befindlichen Mannschaften nachstehend bezeichneter Kate­gorien an den angegebenen Gestellungstagen pünktlich einzufinden haben, als:

». sämtliche Reservisten der Jahrgänge 1905 bis einschließlich 1912 sowie der Jäger der Klasse A vom Jahrgang 1900 an aufwärts;

b. diejenigen Wehrleute, welche zur Landwehr 2. Auf­gebots überzuführen sind, das sind die in der Zeit vom 1. April bis 30. September 1900 ein­getretenen Mannschaften;

c. die zur Disposition der Truppenteile Beurlaubten; ä. die vor beendeter Dienstzeit wegen Dienstuntaug­lichkeil oder auf Reklamation und wegen anderer Gründe zur Disposition der Ersatzbehörden ent- lasienen Mannschaften;

g. sämtliche Rentenempfänger der Jahrgänge 1905- bis einschließlich 1912 mit Ausnahme der zeitig und dauernd anerkannten Ganzinvaliden und der zeitig feld- und garnisondienstunfähigen Mann­schaften.

1. Am Montag, den 11. November 1912 vormittags 9 Uhr in Salmüuster im Saale des Gastwirts Jgnaz Wolf für die Mannschaften der Orte Salmünster, Soden, Ahl, Wahlert, Eckardroth, Romsthal des Kreises Schlüchd s.r und der Orte Alsberg mit Hausen des Kreises Gelnhausen.

2. Am Montag, den 11. November 1912 nachmittags 2 Uhr in Steinau int Saale der Wirtschaft zum Weißen Roß für die Mannschaften der Orte Steinau, Bellings, Hundsrück, Marborn, Seidenroth.

3. Am Dienstag, den 12. November 1912 vormittags 11 Uhr in Ulmbach im Saale des Gastwirts Eduard Heil für die Mannschaften der Orte Ulmbach, Kressenbach, Uerzell mit Klesberg, Sarrod mit Rabenstein und Rebsdorf, Kerbersdorf und Neustall.

4. Am Dienstag, den 12. November 1912 nachmittags 2 Uhr in Schlüchtern in der Turnhalle, Grabenstraße 4 für die Mannschaften der Orte Schlüchtern, Ahlersbach,

Mittwoch, den 16. Oktober 1912.

Brandenstein, Breitenbach, Elm, Herolz, Hohenzell, Lindenberg, Wallroth, Klosterhöfe, Riederzell.

5. Am Mittwoch den 13. November 1912 vormittags 10 Uhr

in Sterbfritz im Saale des Gastwirts Hrch. Schreiber für die Mannschaften der Orte Sterbfritz, Mottgers, Breunings, Sannerz, Weiperz, Vollmerz mit Hinkelhof und Ramholz.

6. Am Mittwoch, den 13. November 1912 nachmittags 2 Uhr in Schwarzenfels im Saale des Gastwirts Christian Ullrich für die Mannschaften der Ortschaften Schwarzen­fels, Oberzell, Weichersbach, Züntersbach.

7. Am Donnerstag, den 14. November 1912 vormittags 8'/, Uhr in Jossa im Saale des Gastwirts Müller für die Mannschaften der Ortschaften Jossa, Marjoß, Alten- gronau, Neuengronau.

Wer durch Krankheit oder dringende Geschäfte an dem Erscheinen bei der Kontrollversammlung verhindert ist, muß so rechtzeitig ein ärztliche- Attest bezw. eine Bescheinigung der Ortsbehörde bei dem Bezirksfeldwebel Gelnhausen einreichen, daß die Befreiung noch vor der Kontrollversammlung eingeholt und die Entscheidung mitgeteilt werden kann.

Die Richtigkeit der angegebenen Gründe, sowie etwa beizugebende ärztliche Atteste, letztere nur dann, wenn sie nicht durch einen Königlichen Kreisarzt ausgestellt sind, müssen ortsobrigkeitlich beglaubigt sein. Nur wer durch plötzliches Erkranken oder ganz unvorhergesehene dringende Geschäfte abgehalten ist, der Kontrollversamm­lung beizuwohnen, kann sich am betreffenden Kontroll­platz mit Ueberreichung eines obrigkeitlichen bezw. ärzt­lichen Zeugnisses durch einen anderen entschuldigen lassen, der Militärpaß muß jedoch zur Stelle sein.

Unentschuldigtes Ausbleiben oder nicht pünktliches Erscheinen, sowie Erscheinen auf einem nicht zuständig en Kontrollplatz, wird mit Arrest bestraft.

Stöcke und Schirme usw. sind vor der Kontrollver­sammlung abzulegen.

Die Herren Bürgermeister resp. Ortsvorsteher werden ersucht, diese Bekanntmachung einige Tage vor den an­gesetzten Kontrollversammlungen wiederholen und die zum Erscheinen Verpflichteten auf das Mitbringen ihrer Militärpapiere (Paß mit Kriegsbeorderung event. Paßnotiz) sowie darauf, daß die Mannschaften des Jahrganges 1907 wegen der vorzunehmenden Fuß­messungen mit rein gewaschenen Füßen zu erscheinen haben, besonders Hinweisen zu wollen.

Gelnhausen, 12. Oktober 1912.

Königliches Meldeamt.

63. Jahrgang.

Informationen.

Das Vorgehen der Montenegriner im Sandschak Novibazar.

In Berliner maßgebenden Kreisen nimmt man, wie unser Berliner Vertreter meldet, nicht an, daß das Erscheinen einer Anzahl Montenegriner im Sandschak Novibazar und geringfügige Zusammenstöße zwischen Montenegrinern und Türken dort Oesterreich-Ungarn gleich zu einem bewaffneten Einschreiten veranlassen werden. Einer umfangreicheren Besetzung des Sand» schak dürfte Oesterreich-Ungarn aber nach Auffassung der maßgebenden Berliner politischen Kreise nicht untätig zusehen.

Die bulgarischen Forderungen.

Die von Bulgarien in der der Pforte überreichten Note erhobenen Forderungen werden in den Berliner politischen Kreisen als so maßlos angesehen, daß sie nur dem Bestreben entsprungen sein könnten, die Ge» legenheit zu einem offenen Bruche mit der Türkei herbeizuführen. In Berlin zweifelt man nicht an einer sofortigen Ablehnung der bulgarischen Forderungen durch die Pforte.

Die Pforte und die Mächte.

Von einer Zurückweisung der Vorschläge der Mächte in ihrer an die Pforte gerichteten Kollektivnote durch den türkischen Ministerrat ist, wie gemeldet wird, an maßgebender Stelle in Berlin nichts bekannt. Man rechnet allerdings damit, daß die Pforte unter Auf­rechterhaltung ihrer früheren Zusage die sofortige Ein­leitung von Reformen in Mazedonien unter den ob­waltenden Umständen für unmöglich erklären wird.

Die Verzögerung des italienisch-türkischen Friedens.

An gut unterrichteten Stellen in Berlin hält man, wie Achtet wird, es nicht für unwahrscheinlich, daß die Verzögerung des Friedensschlusses zwischen Italien und der Türkei nicht nur durch Differenzen wegen der Geldfrage, sondern auch durch italienische Forderungen wegen Abtretung einer der von Italien besetzten Insel verursacht wird.

Deutsches Kelch.

Der deutsche Staatssekretär des Reichskolonial- amts Dr. Solf ist von seiner Afrikareise in Altenburg eingetroffen, wo er sich einige Tage lang aufzuhalten gedenkt.

Der Reichstagspräsident Dr. Kämpf hat sich entschlossen, sein Mandat für den ersten Berliner Reich­tagswahlkreis niederzulegen.

Die Nachfrage nach Ansiedlerstellen in der Ost­mark ist auch in diesem Jahre verhältnismäßig lebhaft. Es sind neue Ansiedlungsanträge in erheblicher Zahl

Eigene Wege. *

Roman von M. von Bünau. 9

»Sie wissen, daß ich ganz arm und kleiner Leute Kind bin, Dina. Die Einkünfte eines Arztes sind nicht groß. Bekomme ich die Stelle an dem Krankenhause, sind ja meine Einnahmen sicher, aber immerhin kann ich Ihnen nur ein sehr bescheidenes Leben bieten."

Sie müssen natürlich Papa das Honorar zurüchschik- ken," sagte Dina rasch.Sie dürfen sich das nicht gefallen lassen."

Was?"

Daß er sie ablohnt wie einen Bedienten."

Bei einer Kündigung bezahlt man uns Aerzte im­mer. Das ist nicht anders. Ich könnte das Geld auch nicht entbehren," entgegnete er ruhig.Mir stehen große Ausgaben durch dieUeherstedlung bevor."

Diese Antwort verstimmte Dina.Wenn Sie arm sind," sagte sie endlich,so ist es mit mir auch nicht viel ander«."

Er sah sie erstaunt an.

,Wir leben großartig, ja, aber unsere Zukunftsau«- Wen stehen in gar kemem Verhältnis zu unserer Er- Ziehung und Gewöhnung," fuhr sie unbeirrt fort.Das weiß uh sehr gut. Mein ältester Bruder erbt Zandow, wir Schwestern nur Mamas Vermögen, das ganz im Gut steckt. Wie viel davon bleibt, fragt sich sehr. Solang« unsere Eltern leben, bekommen wir nur eine kleine Zulage, nicht »iil mehr wie ein Toilettengeld. Sie sehen also, Me Machen gar keine gute Partie mit mir."

. «orchers stutzte. Eine Sekunde fuhr ihm der Gedanke durch den Kopf, welch wahnsinnige« Unt-rnshmen«« für Hn, den Landdoktor, den bescheidenen Anfänger, sei, ein mmes, vornehmes, verwöhntes Mädchen heiraten zu wol- len. Aber seine leidenschaftlichen Gefühle besiegten schnell wieder alle Bedenken. s .

Er zog Dinas Hände an seine Lippen.Und ich darf AEnicht beistehen indem Kallas um mein ytr

Er wagte noch nichtunser Glück" zu sagen.

Nein, bitte nicht. Ich schreibe Ihnen," sagte sie schnell. Bin ich erst Schwester, steht unserer Korrespondenz nichts im Wege. Ich würde natürlich der Oberin unsere Ver­lobung mitteilen. Sowu das Lehrjahr um ist, heiraten wir, ob mit, ob ohne Erlaubnis. Aber nun muß ich nach Hause gehen. Wir haben Jagddiner heute." Sie nickte ihm herzlich zu. Noch eins, bitte. Ich kann Friederle nicht in Zandow lassen, wenn ich fortgehe. Raten Sie mir, was soll ich mit dem Kinde anfangen? Später möchte ich ihn wieder zu mir nehmen."

Vielleicht könnte man ihn im Schulhause gegen eine

Entschädigung unterbringen."

Das ist ein guter Gedanke. Da kann er mit des Rektors Kindern zusammen unterrichtet werden. Meinet­wegen mag er auch ein wenig im Hause helfen. ES ist Ihnen doch recht, daß er später zu uns kommt? Ich habe die Pflicht, für das Kind zu sorgen."

Die Wortebei uns" begeisterten Borchers. Er ver­sprach, alles zu tun, was Dina verlangte. Was hätte er ihr heute nicht versprochen?

Er sah der schlanken Gestalt nach, die rasch dem Her­renhause zuschritt. War das wirklich kein Traum, daß sie ihm gehören wollte, die schöne, stolze, eigenwillige Dina von Grünwald.

Das war wirklich wie ein Wunder, das der nüchterne Verstand nicht fassen, nur das liebende Herz glauben konnte.

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Das Jagddiner verlief sehr heiter. Die Jäger brach­ten einen prachtvollen Appetit und dementsprechend Durst mit nach Hause. Es waren nur wenige Herren aus der nächsten Nachbarschaft eingeladen worden. Grünwald und seineDöhne schössen die Fasanen lieber selber

Hilda und Feodore ließen sich voller Interesse jedes Treiben beschreiben. Dina hörte kaum darauf, was rhr Nachbar sprach. Sie sah mit finsterem Blick Uer den glan-

sich darum gruppierten und es sich schmecken ließen. Sie konnte, wenn sie zwischen den silbernen Fruchtschalen hindurchsah, den Kopf ihres Vaters erblicken. Wie ver­gnügt der aussah, nur etwas erhitzt vom Trinken. Er nickt seinen Töchtern, auch ihr, mit erhobenem Cham­pagnerglas freundlich zu. Wie wohl er es sich sein ließ, ohne mit einem Gedanken an den jungen Arzt zu denken, dem seine Kündigung das sauer verdiente Brot vom Munde nahm, der voller Sorgen in die Zukunft sah, sich plagte und guälte Tag und Nacht.

Ihre Zähne gruben sich tief in die rote Unterlippe. Ich setze es durch, ihn zu heiraten, und wenn ich des- halb aus dem Hause gestoßen werde," beschloß sie bei sich.

Nach aufgehobener Tafel standen alle noch im Sa­lon. Dinas leidenschaftliche Erregung mußte sich irgend­wie Luft schaffen. Sie brauste mit virtuoser Technik und wundervollem Anschlag eine LiSztsche Rapsodie auf dem Flügel herunter.

Die Gespräche verstummten unwillkürlich. Dina spielte sehr selten in Gegenwart anderer, aber oft stundenlang für sich allein. Musik war jahrelang ihr ganzes Stu- diuni und Hauptinteresse gewesen. Ihr Gesicht glühte, als sie die Rhapsodie beendete und in eine schwermütige Volksweise überging.

Die Tränen waren ihr nahe. Sie klappte das Instru­ment 8» und trat ans Fenster.

Der Mondschein lag silberweiß auf dem Rasenplatz. Die Schatten der Bäume sahen übernatürlich groß und gespenstisch in dem kalten Licht aus. 190,18*

Es war doch ihre Heimat, ihre Eltern und Geschwi­ster, von denen sie sich lossagen wollte, um ein Leben zu wählen, das weil ab von ihnen allen führen mußte!

Gewaltsam unterdrückte sie ihre weiche Stimmung, indem sie sich Borchers Einsamkeit, vor allem seine bit­tere Enttäuschung über die ungerechte Kündigung zu- rückrief. Mit keinem Wort beteiligte sie sich an beSi Ge­sprächen her Gesellschaft. Man kannte aber ihre Stim-, Ä.!»WR,S>M -