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mit amtlichem Areisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

Telefon Nr. «3. Vierteljährliche Beilage:Unsere Heimat". Telefon Nr. «3.

Erscheint Mittwoch und Samstag Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mt. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 1C Pfg.

M 79

Mittwoch, den 2. Oktober 1912.

63. Jahrgang.

Fortwährend

werden Bestettimgen auf die Kchlüchternor Zeitung mit amtlichem Kreisblatt von allen Postanstalten, Landbriefträgern sowie von der Expedition entgegengenommen.

Awiee^-A finden in der Schliichteraer Zeitung den meisten Erfolg, da sie die größte Auflage der im Kreise Schlüch- tem erscheinenden Zeitungen besitzt.

Herbsttage.

Im Westen sinkt die Sonne blutrot hinter den Wolken, ihre Strahlen im bunten Laub des Parkes brechend. Ein bezauberndes Bild. Es ist, als habe der große Farbenkünstler Herbst seine Farbenlöpfe über Bäume und Sträucher ausgeschüttet. Leise sinkt die Dämmerung herab. Der Lärm der Straßen dringt nicht bis an diesen Ort. Sanft fährt ein milder Wind darein, und, eins nach dem andern, schweben die braunen Blätter zur Erde hernieder.

Und das Herz berührt so eigen

All' die Schönheit im Vergeh»!"

Es ist ein letztes Erblühen vor dem Tode. Ver­gänglichkeit!Der Herbst geht durch die Lande. Nun stimm ich meine Leider auf ihren Trauerton." Bald werden die Stürme brausen und das letzte Blatt herunterreißen; wirbelnd trägt der Wind die welken Blätter dahin, ihrem Ziel, der Verwesung entgegen.

Die Hoffnung geht zur Neige;

Durch die rasch entlaubten Zweige

Grüßt von ferne schon der Tod.

Wie scheint uns die Herbstsonne so matt; wie dünken uns die Herbsttage so kurz! Und doch sind die Tage des kommenden Lenzes nicht länger, und die Sonne steht im Ende Februar nicht höher am Himmel als im Ende des Oktober. Und der Februarwind braust nicht anders dahin als die Noveniberstürme. Und die Farbenpracht der aufbrechenden Frühlingsblüten und des jungen Grüns hat ibem Farbenreichtum des Herbstes nichts voraus. Und doch bewegen unser Herz andere Gefühle. Im Frühlingssturm vernehmen wir Klänge der Frühlingsglocken ; die Herbstürme rühren die Totenglocken. Aber stimmt uns nur das fallende Laub so wehmütig? Oder ist es nicht etwas anderes,

Deutscher Reich.

was unser Herz bewegt, wenn die welken Blätter unter »auch in seinem Rominten die Jugend mit Leib und unsern Füßen rauschen? Es ist vielmehr das Bewußt- .....

sein von der Vergänglichkeit unseres Lebens. Auch wir sind nur ein fallend Laub an dem großen Baume des

Seele der militärischen Erziehung zugetan ist. Ein

Menschengeschlechts. Du fühlst es beim fallenden Laub, nun fällt, eins nach dem andern, manch' süßes Band dir ab." Du hast vielleicht schon Jugend und Arbeits­kraft verloren. Sorgen und Enttäuschungen sind die fahlen Blätter am Baume deines Lebens; und wie lange wird es dauern, bis du selbst als welkes Blatt vom Baume des Lebens abfällst. Welkes Laub raschelt um dich!

Aber ist das die rechte Herbststimmung? Hast du bei allen Herbststürmen und allem Verwelken nur Klagen ? Wäre das Letzte wirklich die Vergänglichkeit ? Wohl siehst du auf deinen Herbstwegen die Trümmer der Frühlingsherrlichkeit und Sommerpracht liegen; aber vergiß es nicht, was unter deinen Füßen der Ver­wesung anheimfällt, es ist nicht verloren; als neues Nahrungsmittel gibt es dem Boden Kraft zu neuem Leben. Es ist ein unabänderliches Naturgesetz, daß kein Stäubchen auf dieser Erde verloren geht; es be­steht ein immerwährender Kreislauf des Vergehens und der Neuschaffung. Bedenke, was im Herbst reif und welk zur Erde fällt, das hat seine Aufgabe erfüllt. So ist der Herbst Erfüllung. Darum sorge, daß auch dir der Herbst deines Lebens Erfüllung deiner Aufgabe ist. Neues Leben blüht aus den Ruinen." Reißt der Sturm auch die letzten Blätter hinweg, dein forschendes Auge erkennt schon an den kahlen Zweigen die Knospen, die das neue Leben in sich schließen. Nicht Tod und Vergänglichkeit, sondern dahinter keimende Lebenshoff­nung, das lehrt dich der Herbst!

Soll dich das nicht fröhlich machen? Was dem Tod so ähnlich sieht, Ist nur Schlaf, dem das Erwachen Folgt beim neuen Lerchenlied!

Vorbeimarsch beschloß die kleine Begrüßungsszene, für die der Kaiser noch durch Bereitung eines vergnügten Nachmittags zu danken versprach.

Berlin. Prinz Heinrich traf, nachdem S. M. S Scharnhorst" am 24. d. M. die japanischen Gewässer verlassen hatte, begleitet vonGneisenau",Leipzig", Emden" und zwei Torpedobooten am 26. September in Tsmgtau ein. Der Prinz wird die ihm vom Kaiser aufgetragenen Besichtigungen im Schutzgebiet Kiautschau vornehmen. In Kioto, Miyajima und Nagasaki hatte der Prinz noch die Gastfreundschaft des japanischen Hofes genossen. Der japanische Ehrendienst verab­schiedete sich in Nagasaki.

München. Der kranke Prinz-Regent. Das am Freitag ausgegebene Bulletin über das Befinden des Prinzregenten Luitpold von Bayern erregte tiefe Teil­nahme. Die jetzt zugegebenen, seit langem bestehenden Altersbeschwerden, an denen der greise Regent leidet, sind mannigfacher Art. Die erstaunliche Rüstigkeit und Beweglichkeit, der er sich so lange erfreute, ist ver­mindert, die Nieren sind angegriffen, und der nächtliche Schlaf kann nur oft mehr im Lehnstuhl erwartet wer­den. Der Regent hat, als die letzten alarmierenden Gerüchte vor wenigen Wochen über ihn im Landtage laut wurden, tatsächlich einen schweren Ohnmachtsanfall gehabt, von dem er sich aber bald wieder erholte. Zu ernsten Besorgnissen soll nach dem doch so viel sagenden Bulletin kein Anlaß sein. Allein es ist begreiflich, daß die zunehmenden Altersbeschwerden und -leiden, die an den Kräften des Prinzregenten schon länger zehren, an sich bedenklich genug sind.

Der preußisch-bayerische Lotterievertrag ist von I der bch'.erffchen Abgeordnetenkammer genehmigt worden. Das Zentrum, das ihn früher abgelehnt hatte, stimmte jetzt für den Vertrag.

Nach den jetzt endgültig festgestellten Zahlen betrug die Zahl der Streiks in Deutschland im Jahre 1911 256 6. Betroffen wurden 10640 Betriebe mit 594 860 Arbeitern. Vollen Erfolg hatten 497, keinen Erfolg 883 Streiks, Streikobjekte waren meist Lohn­forderungen. Preußen hatte 1412, Sachsen 317, Bay­ern 260, Hamburg 101 Streiks. Ein Land ohne Streiks ist Mecklenburg-Strelitz. In Preußen wiesen die meisten Streiks auf Rheinland mit 207, Branden-

Während des jetzigen Jagdaufenthalts des Kasi sers in Rominten wurde diesem bei seinem ersten Be­suche des Dorfes eine hübsche Ueberraschung zuteil. Am Dorfeingange hatte die aus der Romintener männ­lichen Jugend gebildete Abteilung des Wehrvereins in ihren neuen Uniformen Aufstellung genommen und wurde vom Kaiser und seiner Gemahlin eingehend be­sichtigt. Der Kaiser richtete an verschiedene Knaben Fragen und gab seine Freude darüber zu erkennen, daß kenden betrug 148 458.

bürg 195, Berlin 187. Die Zahl der Berliner S tret-

aw

Eigene Wege.

Roman von M. von Bünau.

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Aber ich würde ihn tausendmal lieber heiraten, wie einen Mann, der nichts weiter kann, wie Rebhühner schis-. ßen, Pferde einfahren und bei Hof dienern. Dieser Mann, aus den ihr so herabscht..."

Bitte, spar uns denRsst!" Berthold schob seine Hand unter Huldas Arm.Wir können uns daS Ende denken. Es ist wieder eine Litanei auf unser Fanlenzertum. Das soll unS aber nicht hindern, jetzt endlich Tennis zu spie- len.. Frederle, wenn Du ausgeflennt hast, lauf voran." >Frederle bleibt bei mir," entschied Dina kurz.

Berthold wollte widersprechen, aberHulda winkte ihm zu.Laß sie in Ruhe und reize sie nicht noch mehr. Sie ist sonst wirklich im stande und bringt uns demnächst den Doktor als zukünftigen Schwager an."

Nee, dazu ist sie selbst nicht verrückt genug!" lachte der Student. j a

Dina wandt« beiden voll büß Gesicht zu.Wenn er mich haben will, würde ich ihn sehr gern heiraten," sagte sie fest und wandle sich zum Gehen.

Hulda und Feodore sahen ihr statt nach. Frau von Trünwald seufzt«. - ^-E

Berthold aber drehte sein Schnurrbtsttche« und fügte: »Sie ist und bleibt eben unser Familienkreuzk"

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Dina unterdrückte mühsam ein Tchluchzen, aW sie mit Frederle an der Hand die Treppe zu ^m^nuner erstieg. Sie stand am Fenster und sah auf 0« 'm So» nenschein glänzenden Blätter der Bäume. Dak Lachen und Rufen der unten auf bem LenmsplD ÄMlendm dran« 8U tiSftanb mürrisch amandetsn Fenster, «t sA auch dem Tennisspiel zu.Darf ich nicht runtergeben

bat er. f W

Ich krieg' aber doch immer einen Groschen dafür!" murrte Frederle, dem feinere, seelische Empfindungen ab» zugehen schienen.

Lakaienseele!" dachte Dina verächtlich.Meinetwe­gen lauf und spiel den Diener!" sagte sie kalt.

Der Junge ließ sich das nicht zweimal sagen. Eilig lief er fort. Unten im Garten wurde er mit großem Hallo von Berthold, der das Bücken satt hatte, empfan­gen.

Erst die eintretende Dämmerung machte dem Ziel ein Ende. Es war Zeit zum Umziehen. Dina wollte je­denfalls ihren Vater noch vor dem Essen allein sprechen,

um ihm die Untat des Gärtners vorzuhalten.

Ihr weißwollenes Kleid fiel in glatten Falten an ihrer schlanken Gestalt herab. Die gelblichen Spitzen am Halse standen dem schönen bräunlichen Gesicht ausge- eiet. Sie nahm ein paar brennendrote Geranien und

, igte sie im Gürtel. Das gab der Toilette Ausdruck.

Sind die Herren schon von der Jagd zurückgekom­men?" fragte sie den Diener, der im Eßzimmer die Ser­vietten in kunstgerechte Falten legte.

61, gnädiges Fräulein. Der gnädige Herr und Teutnant ziehen sich um. Herr Graf und der , aus Rabenau werden auch zu Tisch erwartet."

der

Herr______

Die liebenswürdigen Herren Schwäger kamen also, ihre Frauen abzuholen. Dann war ja heute Las Fa- milienglück vollkommen.

Dina klopfte an der Tür des Arbeitszimmers ihres DateoS.Papa, ich muß Dich eine Minute sprechen. Bitte, ma^er^Hegä! flog zurück. Herr von Grünwald, schon im Frack, den grauen Bart aber noch mit einer rosa Gaze- Vinoe hochgebunden, stand vor seiner Tochter. Er war noch immer ein auffallend schöner Mann, mit lebhaften, braunen Augen und kurzverschnittenem, vollem, grauen

um

Haar.

Klagen wegen der Roheit deS Gärtners vor und oer-

langte diktatorisch seine sofortige Entlassung.

Grünwald lachte kurz auf. Er befreite seinen Bart von der Binde und kämmte ihn sorgfältig vor dem Spie­gel aus.Den Renz soll ich entlassen, weil er dem Lüm- mel ein paar Ohrfeigen gab? Nee, mein Döchting, das kannst Du nicht verlangen."

Dina stieg das leichterregte Blut in die Wangen.Du mußt eS tun," sagte sie heftig,sonst blamierst Du mich vor den Leuten! Ich hgbe Renz gesagt, er müsse da» Haus verlassen."

Herr von Grünwald amüsierte das hitzige Tempera­ment seiner Tochter. Dina war sein Liebling, ihm selbst am ähnlichsten äußerlich und innerlich. Gerade deshalb aber ärgerte er sich, daß die schönst« seiner Töchter bis­her jede gute Partie ausschlug und lauter überspannt» Ideen im Kopf hatte, immer alles mögliche leisten und beweisen wollte, statt als Frau Baronin von Wingen auf Mellhausen ein Leben herrlich und in Freuden zu führen.

Er strich ihr über die heißen Backen. Der Zorn stand ihr gar zu hübsch. Und wie sie wieder aussah in dem weißen Kleid, mit dem Geranienzweig vor der Brust und den leuchtenden braunen Augen, dem hochmütig zurück»

mssah in dem der Brust und

geworfenen Kopf.

Dina, Du Tollkopf, wie kann ich denn den Gärtner deswegen entlassen," sagte er endlich halb ärgerlich, halb gutmütig.Ich werd' dem Renz verbieten, den Beuger zu hauen. Er soll ihn mir ein andermal selber bringen. Glaub aber ja nicht, daß Du Deinem Frederle einen Ge­fallen damit tust."

Der rohe Mensch hätte dem Kind das Trommelfell zerschlagen können!"

Na gut, ich werd' mir also eine andere Stelle sei­nes Fells aussuchen," versprach Herr von Grünivald gut­mütig,da, wo's ihm nicht schaden, sondern nur nützeu kann, wenn er Schläge drauf kriegt. Bist Du nun zufrieden ?"

Nein. Das Kind wird überhaupt hierzu schlecht be- je*' .., , -rSM j