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Zchlüchterner Mung

mit amtlichem Areisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

Telefon Nr. «5. Vierteljährliche Beilage:Unsere Heimat". Telefon Nr. «S.

Erscheint Mittwoch und Samstag Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mt. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 1C Pfg.

M 67. Mittwoch, den 21. August 1912. 63. Jahrgang.

Amtliches.

J.-Nr. 718 J. In nächster Zeit wird eine Revi­sion der Quittungskarten durch einen Beamten der Landesversicherungsanstalt Hessen-Nassau in Cassel vorgenommen werden. Die Herren Bürgermeister er­suche ich, die Arbeitgeber hierauf aufmerksam zu machen, damit sie die Quittungskarten bereit halten. Die Vorschriften unter Ziffer 4 der Bekanntmachung der Landesversicherungsanstalt vom 22. Dezember v. I. im Kreisblatt Nr. 2 von 1912 ersuche ich in ortsüb­licher Weise bekannt zu geben.

Sofern noch für Zeiten vor dem 1. Januar 1912 Beitragsmarken rückständig sein sollten, sind solche alten Wertes zu verwenden. Diese werden jedoch nicht mehr bei den Postämtern vorrätig gehalten, son­dern müssen von der Provinzial-Hauptkasse für Hessen- Nassau zu Cassel, gegen Voreinsendung des Nenn­wertes bezogen werden.

Schlüchtern, den 16. August 1912.

Der Königliche Landrat. I. B.: Hebel.

. J.-Nr?10229. Für die ledige Elise Siemon aus Gunhhelm, geboren am 26. Mai 1886, ist um die Ausstellung eines Reisepasses zur Reise nach Amerika nachgesucht worden.

... Schlüchtern, den 16. August 1912.

> ^ Der Königliche Landrat. I. V.: Schultheis.

J.-Nr. 10293. Der auf Donnerstag, den 29. August d. I. in der Stadt Fulda angesetzte . Viehstlärkt wird unter den seither bekannt gegebenen Bestimmungen abgehalten. Mit dem Auftrieb darf um 6 Uhr morgens begonnen werden.

Ä Nach § 1 der Polizei-Verordnung vom 25. April 1904 ist das Handeln mit Vieh und das Mustern von Vieh zwecks Handelns im Stadtbezirke außerhalb des Viehmal ktplatzes vor und während der Dauer des Marktes verboten.

Schlüchtern, den 20. August 1912.

Der Königliche Landrat. I. V.: Schultheis.

Bekanntmachung.

Seine Majestät der Kaiser und König haben durch Allerhöchste Ordre v. 13. 6. 12 eine Kolonialdenkmünze für Teilnehmer an militärischen Unternehmungen in den Schutzgebieten zu stiften geruht.

Nachträglich sollen diese Denkmünze diejenigen deutschen Teilnehmer an den militärischen Unter­nehmungen erhalten, die seit der im Dezember 1884

in und bei Kamerun durch die KreuzerBismarck" und Olga" ausgeführten Attion, diese einbegriffen, statt- gefunden haben.

Für die Teilnahme an den kriegerischen Ereignissen in Ostasien in den Jahren 1900/1901 und für die Teilnahme an der Niederwerfung des Aufstandes in Südwestafrika in den Jahren 1904/1908 für die bereits besondere Denkmünzen gestiftet sind, wird die Denkmünze nicht verliehen.

Alle in Frage kommenden Personen werden auf­gefordert, ihre Ansprüche auf die Kolonialdenkmünze bei dem zuständigen Meldeamt (Bezirksfeldwebel) unter Vorlage des Militärpasses oder sonstigen Unterlagen geltend zu machen.

Kgl. Bezirkskommando Hanau.

Deutscher Deich.

Frankfurt a. M. Der Kaiser traf auf dem Wege durch die fahnengeschmückte Stadt, vom Publikum und den Schulkindern herzlich begrüßt, mit Gefolge im Automobil um 12 Uhr 20 Min. am neuen Osthafen am Hohenzollernplatz ein. In seiner Begleitung be­fand sich Prinz Friedrich Karl von Hessen. Der Kaiser trug die Uniform der Königsjäger zu Pferde. An der Empfangshalle hatten sich eingefunden Ober­bürgermeister Dr. Adickes, die Minister v. Breitenbach und Lenze, Oberpräsident v. Hengstenberg, komman­dierender General v. Eichhorn, die Spitzen der Be­hörden, die Stadträte und die Stadtverordneten, soweit sie Mitglieder der Osthafenkommission sind, und andere. In der Empfangshalle wurden dem Kaiser Pläne und Skizzen des Hafens gezeigt und Oberbürgermeister Adickes hielt einen kurzen Vortrag über die Geschichte des Frankfurter Hafens und dessen großzügige neue Anlagen. Er schloß mit einem dreifachen Kaiserhoch. Auf dem Wege von der Empfangshalle zum Hafen bildeten Krieger- und Sportvereine mit ihren Fahnen Spalier. Der Kaiser durchfuhr unter den Hurrarufen der Mitglieder die Reihen. Am Hasenkai lag der RegierungsdampferAdler" für den Kaiser bereit. Zahlreiche Boote des Frankfurter Rudervereins bedeckten das Wasser. Die Lastschiffe hatten Fahnen und Wim­pel gehißt. Um 1 Uhr 15 Min. bestieg der Kaiser den Regierungsdampfer unter den Klängen einer Musikkapelle. Der Dampfer durchfuhr die Hafenan­lagen und nahm dann den Kurs an der Gerbermühle vorbei nach dem Fahrtor, von wo aus der Kaiser mittels Automobils zum Römer fuhr.

Der Bundesrat hat in der Sitzung vom 3. Juli 1912 Aenderungen und Ergänzungen der Branntwein- steuer-Ausführungsbestimmungen, die im Laufe der Zeit insbesondere durch das Gesetz vom 14. Juni 1912, betreffend Beseitigung des Branntweinkontingents, nötig geworden sind, nämlich:

1. Der Branntweinsteuer-Grundbestimmungen,

2. Der Brennereiordnung,

3. Der Branntwein-Begleitscheinordnung,

4. Der Branntwein-Lagerordnung,

5. Der Branntwein-Reinigungsordnung,

6. Der Alkoholermittelungsordnung,

7. Der Branntweinsteuer-Befreiungsordnung und

8. Der Essigsäure-Ordnung

mit der Maßgabe beschlossen, daß die Bestimmungen zu 1 bis 7 mit dem 1. Oktober 1912 in Kraft treten. Die Bestimmungen zu 8, treten dagegen sofort mit ihrer Veröffentlichung im Zentralblatte für das Deutsche Reich, in dem alle Aenderungen und Ergänzungen zum Abdruck gelangen werden, in Geltung.

Die sozialdemokratische Steuerschraube ohne Ende kam auf der sozialdemokratischen Kreiskonferenz für den Wahlkreis Düsseldorf zur Sprache, der verschiedene Anträge vorlagen, vom 1. Oktober ab zur Schaffung eines Wahlfonds, für jedes Mitglied und Quartal einen Extrabeitrag von 10 Pf. zu erheben. Mehrere Redner wiesen darauf hin, daß man einmal mit der Erhöhung der Beiträge aufhören müsse, die sich als eine Schraube ohne Ende darstelle. Die Ansprüche an die Genossen seien schon groß genug und noch immer­fort wachsend. Der Vorstand machte demgegenüber geltend, daß bei den größeren Aufgaben und schärferen Kämpfen mit steigenden Leistungen zu rechnen sei. Der Antrag arf Schaffung eines Wahlfonds wurde schließ­lich jedoch mit 65 gegen 64 Stimmen abgelehnt. Die Sozialdemokratie sucht eben aus der Arbeiterschaft so viel als möglich herauszupressen. Die sauer ver­dienten Arbeitergroschen müssen die große Parteikasse füllen, um dann auch gelegentlich ins Ausland für revolutionäre Zwecke zu wandern.

Die Riesenarbeit der Reichspost geht aus fol­gender Statistik hervor: Nach amtlichen Feststellungen erreichte die Zahl der Briefsendungen im Jahre 1911 bei der Reichspost fast die Zahl von 6 100 000 000, dazu kamen (in runden Ziffern) 2100 000 000 Zei­tungen und außergewöhnliche Beilagen, 274 Millionen Paket- und Geldsendungen. An Telegrammen wurden 58 Millionen befördert, Telephongespräche wurden

Das Geheimnis der Akuten.

Roman von Jenny Hirsch. 65

Das Gesicht einer alten Frau, die eine weiße Mütze auf dem Kopfe trug, beugte sich über mich und gebot mir, ganz ruhig zu sein. Es hätte dieserMahnung garnicht bedurft, denn ich war zu schwach, um mich zu rühren. Noch viel weni­ger konnte ich einen klaren Gedanken fassen, ich glaube, ich hätte in jenem Augenblick nicht zu sagen vermocht, wer ich sei. Ich schlief auch sogleich wieder ein und weiß nicht genau, wie lange ich im Zustande des willen- und Aedankenlosen Hindämmerns gelegen habe. Als ich mich chm langsam entriß und fragte, wo ich sei und wie ich hierhergekommen, verboten mir Arzt und Wärterin jede Frage; ich sei sehr krank gewesen und befinde mich in gu­ter Pflege. Erst als ich auf ein paar Stunden das Bett verlassen hatte, erfuhr ich, daß ich mich in einem Frauen- Hospital befinde, in das mich die Schiffer gebracht, die mich in ihrem Boot bewußtlos ans Land gerudert hat­ten, und nun kehrte mir die volle Erinnerung und damit das Bewußtsein meiner verzweifelten Lage zurück. Die Furcht vor Noßwitz erwachte infolge der durch die Krank­heit hervorgerufenen großen Nervenschwäche in verdop­peltem Maße; ich glaubte mich beständig von ihm ver- folgt, sah überall seine Späher und zweifelte nicht, daß mich Ludolf durch ihn am Kommen verhindert worden sei. Ich wagte mich weder der Wärterin noch dem Ärzte «»zuvertraüen, sondern nannte mich auch hier Adelheid von Klingen und erzählte nur, ich habe eine Reisegesell­schaft verfehlt und deshalb ans Land zurückkehren wollen, um erst mit einem anderen Dampfer zu fahren. Ich wagte auch nicht, an Mutter Pöplau oder sonstjemandzuschrel- ben, aus Furcht, mich zu verraten."

Was gedachtest Du denn aber zu tun?" fragte der Konsul.

Ich weiß es nicht," sagte Lydia, sich an den Kopf greifend,es war hier alles noch so wirr und leer; ob­

wohl ich nun wieder den ganzen Tag aus dem Bett war und sogar im Garten sein durfte, vermochte ich mich doch nicht zu einem Entschlüsse aufzuraffen. Ich dämmerte so hin, und man ließ mich gewähren. Man hatte noch eine Summe Geld bei mir gefunden, meine Ringe," sie streckte die Hand aus,boten Sicherheit für weitere Kosten, wes­halb sollte man da einen Prozeß stören, dessen ich, wie man annahm, zu meiner sofortigen Genesung bedurfte. Ob man dabei den richtigen Weg einschlug, ist zweifel­haft ; ein energisches Aufrütteln wäre mir gewiß heil­samer gewesen, denn von dem Augeoblick, wo es endlich geschah, trat der Wendepunkt ein, und ..."

Jetzt ist's genug, nun kommt die Reihe des Erzäh­lens an mich!" unterbrach sie Christine und rückte ihren Stuhl in den Bordergrund.Ich erbitte mir die geneigte Aufmerksamkeit der verehrten Versammlung." Im mun­teren Tone schilderte sie nun ihre Reise nach England, und die vergeblichen Versuche eine Spur von Lydia von Ruffer zu entdecken. In keinem Gasthofe Liverpools hatte eine junge Dame dieses Namens gewohnt, mit keinem Schiffe war eine solche aus dem Hafen gefahren. So un­wahrscheinlich es auch war, daß Lydia in einem ande­ren Hafen als in dem mit Ludolf verabredeten sich ein- ?eschifft haben sollte, war Christine dennoch nach Sout- ampton gereist, die von ihr dort angestellten Nachfor­schungen hatten aber erfolglos bleiben müssen.

In einer Stunde tiefer Niedergeschlagenheit hatte sie den traurigen Brief an die Mutter geschrieben, sich dann aber ihrer Mutlosigkeit geschämt. Noch einmal war sie nach Liverpool zurückgekehrt, noch einmal hatte sie sich auf die Suche begeben, und nun war ihrer Ausdauer der Lohn geworden.

DieEtruria" war von ihrer Reise nach Amerika zu­rückgekehrt und lag zu einer neuen Fahrt gerüstet im Hafen. Christine nahmein Boot, nm sich nach dem Damp­fer rudern zu lassen und Nachfrage nach der Verschwun­denen zu halten. Niemand konnte ihr aber Auskunft ge­

ben und tief verstimmt bestieg sie das zu ihrer Rückfahrt harrend? Boot.

Während der Fahrt hörte sie, wie einer der Bootleute zum andern sagte:Das ist auch eine Deutsche, wie die, welche wir ins Hospital gebracht haben, ob sie wohl noch leben mag?"

Glaub's schwerlich," erwiderte der andere, aber schon war Christine aufgesprungen und rief:Was für eine Deutsche war das? O, erzählt mir alles, ich suche eine junge Landsmännin und will Euch gern reichlich beloh­nen."

Dessen bedarfs nicht, Miß," erwiderteder Schiffer, indem er sich Mühe gab, sein Englisch dem Verständnis der Ausländerin anzupassen,wir erzählen Ihnen schon, was wir wissen." Er und sein Gefährte berichteten nun abwechselnd von derjungenDeutschen, die, alsdieEtruia" soeben die Anker sichten gewollt, von der Treppe herab noch in ihr Boot gesprungen sei und ans Land zurück verlangt hätte. Ehe sie dasselbe erreicht hätten, sei sie aber bewußtlos zusammengesunken und von ihnen nach dem Frauenhospital gebracht worden.

Noch ein paar Fragen und Christine konnte kaum daran zweifeln, daß sie Lydia entdeckt habe; aber ihre Freude war sehr gedämpft durch die bange Frage: würd» sie eine Lebende antreffen oder nur ein Grab?

Sie eilte nach dem Hospital und fragte nach Fräu­lein Lydia von Ruffer. Man kannte dort eine Patientin dieses Namens nicht, aber jetzt ließ sie sich nicht abwei­sen. Sie beschrieb die Freundin, sie nannte den Tag, an welchem sie durch Schiffer hierher gebracht worden sei, und nun gab die Oberin zu, daß man eine solche Patien­tin allerdings hier verpflegt habe. 191,18*

Und befindet sie sich noch hier?" fragte Christine und die Angst raubte ihr fast den Atem; als aber die Antwort gelautet:Sie ist hier und in voller Genesung," da hatte sie die mühsam behauptete Kraft verlaffen. In Tränen umbrechend war sie «m.f eipepStuhl j^unter^