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mit amtlichem Areisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.
Telefon Nr. «5. Vierteljährliche Beilage: „Unsere Heimat". Telefon Nr. «S.
Erscheint Mittwoch und Samstag — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mt. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 1C Pfg.
Samstag, den 10. August 1912
63. Jahrgang
Amtliches.
Nationale Flugspende!
In allen Kreisen unseres deutschen Volkes bricht sich die Ueberzeugung Bahn, daß es für uns ein Gebot der Selbstachtung ist, unsere Rüstung zu Lande, zu Wasser und in der Lust zu vervollständigen, um in jeder Beziehung gewappnet zu sein, wenn es gilt, anmaßende Machenschaften des Auslandes zurückzuweisen. Wie Gaue unseres Vaterlandes wetteifern in der Aufbringung von Spenden, die zur Stärkung unserer Wehrkraft in der Luft dienen sollen.
Unser Hessenland darf hierbei nicht zurückstehen.
Möge es auch seinerseits eifrig spenden zu einem Militärflugzeug, das den Namen unseres Hessen- landes trägt und Zeugnis ablegt von dem festen Willen seiner Bewohner, stets einzutreten für die Aufrechterhaltung der Machtstellung unseres Reiches. Nur sie allein gewährleistet unserem deutschen Volke eine ehrenvolle Friedenszeit.
Der Unterzeichnete bittet im Namen und Auftrage vieler Vaterlandsfreunde die Bewohner unseres Kreises, ein jeder nach seinen Kräften, willig beizusteuern zur Erreichung dieses Zieles.
Die eingegangenen Spenden sollen dem Kriegsministerium zur Beschaffung eines Militärflugzeuges zur Verfügung gestellt werden.
Sie können sowohl beim Kaiserlichen Postamt wie bei der Kreissparkaffe eingezahlt werden.
Valentiner Landrat.
J.-Nr. 5154 K. A. Die fortgesetzten Diebstähle von Obst an den Kreis-Straßen veranlassen mich, zur Warnung darauf hinzuweisen, daß die Diebe im Falle der llebersührung die strengste Strafe zu gewärtigen haben. Der Schaden, der durch diese Frevel dem Kreis und den Gemeinden und damit jedem Steuerzahler zugefügt wird, ist groß, denn wegen der drohenden Obstdiebstähle wird für das Obst an den Straßen bei der Versteigerung nur ein äußert geringer Preis bezahlt. Sache jedes anständigen Menschen muß es sein, derartige Diebstähle, wo er kann, zur Anzeige zu bringen. Die Herren Bürgermeister und Gendarmerie Wachtmeister verpflichte ich zur besonderen Wachsamkeit.
Schlüchtern, den 1. August 1912.
Der Königliche Landrat: Valentiner.
J.-Nr. 9772. Der Metzger Nikolaus Ochs, der Knecht Ullrich Ochs und die Elisabeth Ochs, sämtlich
aus Hütten, haben um die Ausstellung von Reisepässen zur Reise nach Amerika nachgesucht.
Schlüchtern, den 6. August 1912.
Der Königliche Landrat I. V.:
Schultheis.
Das über 2 Hekt. große'
Kreisbaumschrtlgrurrdstück an der Straße Schlüchtern-Herolz nebst dem darauf befindlichen Gärtnerhause kommt im Laufe des nächsten Jahres im Ganzen oder in geteilten Loosen zum Verkauf.
Auch wird das im Jahre 1899 erbaute Kreiskrankerrhaus nebst Gartengrundstück und Stattgebäude
(ca. 40 Ar) an der Bahnhofsstraße im Sommer 1913 verkäuflich. Die Gebäude sind größtenteils massiv. Angebote werden im Kreisausschußbureau in Empfang genommen. Dort wird auch nähere Auskunft erteilt. Schlüchtern, den 30. Juli 1912.
Der Kreis-Ausschuß I. V.: Hebel.
Bekanntmachung.
Das 2. Kurheff. Feldart. Regiment Nr. 47 Fulda nimmt zum Oktober 1912 infolge der Heeresvermehrung noch Zweijährig Freiwillige an. Es wird ausdrücklich daraus hingewiesen, daß diese sowie die bereits früher angenommen Zweij. Freiwilligen sämtlichst i.n Standort Fulda beim Regiment verbleiben und nicht nach den Reichslanden mitversetzt werden.
Junge Leute, die im Besitze eines gültigen Melde- ‘ scheines sind, können sich an allen Wochentage:: zu jeder Tageszeit auf dem Geschäftszimmer des Regiments zur ärztlichen Untersuchung melden. Im ganzen können nur noch 22 Freiwillige eingestellt werden' worunter sich 3 Stellen für Schneider, 3 für Sattler, und 1 für Schmiede befinden, sodaß nur 15 Stellen für andere Berufe verfügbar sind.
Der Meldeschein ist beim Landrat zu erbitten:
Hierzu ist erforderlich:
1. eine Geburtsurkunde,
2. eine schriftliche Einwilligung des Vaters oder des gesetzlichen Vertreters,
3. eine vom Bügermeister auszustellende Bescheinigung, daß der sich Meldende durch Zivilverhältnisse nicht gebunden ist und sich untadelhaft geführt hat,
4. bei von den Oberersatzkommissionen zurückgestellten Leuten der Losungsschein.
Meldung von Leuten, die bereits ausgehoben und bis zum Rekruteneinstellungstermin beurlaubt sind, ist zwecklos, da Anträge auf Erteilung eines gültigen Meldescheines seitens der Ersatzbehörden abgelehnt werden.
Deutscher Reich.
— Essen, Der Kaiser traf am Donnerstag mit Gefolge 8 Uhr 55 Min. mit Sonderzug auf der Station Hügel ein und wurde von Herrn Krupp v. Bohlen und Halbach und Gemahlin, von Frau Geheimrat Margarete Krupp und Freiherrn von Will- mowitz und Gemahlin empfangen. Der Kaiser begab sich nach Villa Hügel, wo er Wohnung nahm. Unmittelbar nach dem Empfang verlieh er Herrn Krupp v. Bohlen und Halbach Titel und Rang eines außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Ministers und Frau Bertha Krupp den Luisenorden zweiter Klasse. Das Wetter ist trübe.
— Hohenfinow. Der Reichskanzler Dr. von Beth- mann Hollweg, der am Mittwoch aus Swinemünde hier wieder eingetroffen war, begab sich am Mittwoch abend zur Teilnahme an der Krupp-Feier nach Essen. Am 9. August abends gedenkt der Reichskanzler mit seiner Gemahlin nach Bad Gastein abzureisen.
— Nach den Ermittelungen des Reichsgesundheitsamtes betrug der Fleischverbrauch in Deutschland im Jahre 1911 auf den Kopf der Bevölkerung 108,5 Pfund; im Jahre 1910 erreichte der Verbrauch nur die Höhe vnt 104,12 Pfund. Dazu kommen noch 16 Pfuud Wtw, Geflügel und Fische auf den Kopf der Bevölkerung, so daß der Gesamtverbrauch an allen Arten von Fleisch die Höhe von 124 Pfund erreicht. Dieser Verbrauch steht dem englischen nicht nach. — Unter diesen Umständen kann von einer Unterernährung des deutschen Volkes wohl nicht gesprochen werden.
— Berlin. In der deutschen Demokratie und Socialdemokratie ist die Schwärmerei für die republikanische Verfassung und Regierungsreform nach wie vor an der Tagesordnung. Aber ist es nicht recht sonderbar, daß die demokratische Presse für die zahllosen und handgreiflichen Mängel, die der republikanischen Staatsform anhaften, stets Beschönigungen bereit hat oder sie geflissentlich verschweigt? Besonders eifrig wird nach diesem System auf dem Gebiete der Steuerpolitik und Steuergesetzgebung verfahren. In der
Aas Geheimnis der Akuten.
Roman von Jenny Hirsch. 61
Die eine schlug den Schleier zurück, und von der Anklagebank, wie von dem Sitze der Zeugen und dem Zuschauerraum ertönte gleichzeitig der Ruf: „Lydia!.. Ly- von Ruffer!"
Aber verschieden hatte er geklungen. Wie der Dank- und Jubelruf des im letzten Augenblicke aus der tiefsten Kot Erlösten von der einen Seite; wie der Schrei des Pjotzlich z»r Höllenqual Verdammten auf der anderen «eile. Beide wurden verschlungen wie vom Brausen des ^leeres von den Kundgebungendes Staunens, der Freude und des darein sich mischenden Zweifels, welche nun im «"schauerraum losbrachen.
Es bedurfte einer wiederholten Mahnung des Präst- venten und seiner Drohung, den Saal räumen zu las- N> um endlich die Ruhe so weit herzilstellen, daß die Verhandlung ihren Fortgang nehmen konnte.
Doch durfte man noch von einer Verhandlung spre- Astb hatte sich die Szene nicht vollständig verändert? '"cht einer Gerichtssitzung, sondern der Entwicklung eines hochinteressanten Dramas wohnte man jetzt bei.
. Eines besonderen Nachweises, daß die Emgetretene """lich Lydia von Ruffer sei, bedurfte es nicht. Wohl ihre Gestalt hagerer, ihr Gesicht schmäler geworden, M von den im Saale anwesenden Personen, die sie le Besannt hatten, es waren deren eine große Anzahl vor- ??"°en, zweifelte keine einzige nur einen Augenblick, daß ! sei. Dem ersten Impulse nachgebend, war der Kmi- i " Elster zu ihr gestürzt und hatte sie in seine Arme I Schlössen. Ludolf Pöplau wäre gern diesem Beispiel ge- » aber seine Wächter hielten ihn zurück. Noßwitz saß i K und regungslos mit weitaus gerissenen Augen da. .M dem Schrei, den ihin die erste Ueberraschung eut- i M,schien er die Sprache verloren zu haben, und inzärt-
licher Besorgnis hatte der Inspektor Knauthe den Arnr um seine Schultern gelegt.
„Da bin ich!" rief Lydia," tief Atem schöpfend und sich aus der Umarmung ihres Vormundes lösend. „Lassen Sie meinen Verlobten frei; wie war es nur möglich, diese schimpfliche Anklage gegen ihn zu stellen?"
Ein seliges Lächeln ging über Ludolfs Gesicht. Mit dem ernsten Worte, das sie'sprach, bekannte sie sich ganz zu ihm, während der Präsident imb die Beisitzer über das formlose Eingreifen in ihre ernsten Verhandlungen verwundert den Kopf schüttelten.
Es sollte aber bei dieser einen Formlosigkeit noch nicht sein Bewenden haben, denn nun trat Lydias Begleiterin in welcher die Fürsten» und Horn, wie Ludolf und der Konsul längst Christine erkannt hatten, hervor und sagte ganz unbefangen: „Ich bitte, Fräulein von Ruffer einen Stuhl zu geben, sie ist unlängst erst von schwerer Krankheit erstanden und noch recht schwach."
Dem Verlangen wurde entsprochen und Lydia sank auf den Stuhl nieder.
„Wessen bedarf es denn noch?" fragte sie, sich um- schauend. „Ich bin hier, niemand wird an meiner Identität zweifeln, folglich kann ich nicht ermordet sein. Geben Sie Ludolf Pöplau die Freiheit."
„Nein!" schrie da eine heisere Stimme, „es ist nicht wahr. Es ist ein schändlicher Betrug, Lydia von Ruffer ist tot und begraben."
Er kam nicht weiter. Der Konsul Elster, der zu seinem Sitz zurückgekehrt war, drückte ihm die Hand auf deuMund und raunte ihm zu: „Schweigen Sie, Unglücklicher, merken Sie denn nicht, daß Sie sich da um den Hals geredet haben?"
Gleichzeitig hatte sich Lydia wieder erhoben. Mit der einen Hand stützte sie sich auf die Lehne des Stuhles, mit dem ausgestreckten Zeigefinger der anderen wies sie auf Noßwitz und mit bebende» Lippen sagte sie: „Ich wollte ihn schonen nach allem Bösen, was er mir und
meinem Verlobten zugefügt hat; noch jetzt, noch in dieser Stunde wollte ich sein Verbrechen bemänteln, um meiner armen Schwester, um seiner unschuldigen Kinder willen. Ich sehe jetzt ein, daß das der Selbstvernichtung gleichkäme. So sei es denn gesagt: Volkmar von Noßwitz hat mich in den Obersee gestoßen; wäre LudolfPöplau nicht auf meinen Hilferuf herbeigekommen, hätte er auch nicht mit Gefahr des eigenen Lebens gerettet, so würde ich elend zu Grunde gegangen sein."
Sie sank wieder auf ihren Stuhl zurück.
„Es ist nicht wahr! Hören Sie mich!" rief Noßwitz, aber der Ausdruck, den er in allen Gesichtern las, belehrte ihn darüber, daß jedes Wort, welches er zu seiner Verteidigung spreche, überflüssig sei.
„Alles, alles, was Ludolf Pöplau und seine Mutter ausgesagt haben, ist buchstäblich wahr," fuhr Lydia fort, „nur über einen Punkt habe ich Sie noch im unklaren gelassen: wie ich in den See gekommen war. Ich mochte Ihnen nicht erzählen, daß mein Schwager, der Mann meiner einzigen geliebten Schwester mich in das Wasser gestoßen hatte. Richt im Zorn, nicht nach einem Streit hat er es getan," fuhr sie fort, „sondern mit kalter Ueber» legung, nach wohlüberlegtem Plan. Er gesellte sich im Walde, aus einem Seitenwege kommend, zu mir, schritt plaudernd neben mir her uno führte mich unvermerkt bis an den See. Dortblieb er einige Schritte hinter mir zurück, schleuderte mich durch einen plötzlichen Stoß in den Rücken hinein und stürzte eilig davon. Ich war betäubt von dem Fall und den: Schreck, und selbst als ich fühlte, daß ich nicht ganz sank, weil mein Kleid von einer Baumwurzel oder einen: vorspringendenStein festgehalten ward, wagte ich nicht um Hilfe zu rufen, aus Furcht nur, meinem Schwager zu verraten, daß sein Werk noch nicht ganz gelungen sei.
„Nun aber ergriff mich die Strömung, ich sank und die Todesangst raubte mir jede Ueberlegung. Ich rief, dann verließen mich die Sinne," 191,18*