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Schlüchterner Zeitung

mit amtlichem Areisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

Telefon Nr. «5. Vierteljährliche Beilage:Unsere Heimat". Telefon Nr. «S.

Erscheint Mittwoch und Samstag Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mt. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 1C Pfg.

M 60

Samstag, den 27. Juli 1'912

63. Jahrgang

Amtliches.

Bekanntmachung.

Die diesjährigen Kreiswettspiele der schulentlassenen Jugend um die Fahne finden am

Sonntag, den 28. Juli d. Js.

nachmittags 3 Uhr in Schlüchtern auf der Hadermannschen Wiese an der Ahlersbacher Straße statt.

Spiele: Grenzball und Korbball.

Regeln: Maßgebend sind die Regeln des deutschen Spielausschusses für die Jugendvereine. (Verlag Teubner Berlin, Heft 8 und 10.)

Spielteilnehmer: Jede Partei muß mindestens 12 und höchstens 24 Spielteilnehmer haben. Angesagt sind bisher 14 Jugendvereinigungen mit rund 200 Mitgliedern.

Aufgabe: Aufgabe der Partei ist bei Grenzball, den Ball durch das feindliche Tor, bei Korbball in den feindlichen Korb zu bringen.

Zeit: Das Spiel beginnt aufdas Signal des Schiedsrichters. Es dauert solange bis der Ball durch das seindliche Tor oder in den feindlichen Korb gelangt ist, längstens aber 2X10 Minuten.

Bewertung: Die Bewertung der einzelnen Leistungen

geschieht nach folgenden Gesichtspunkten: ..... ' Höchstzahl der Punkte: 15.

1. Anständiges Spiel

2. Disziplin

3. Zusammenspiel

4. Sieg

5. Frisches, flottes Spiel

6. Gesamteindruck

15.

10.

6.

6.

10. die

W aus 5 unbeteiligten Herren besteht, wird selbstverstäud.

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Schiedsrichter: Die Schiedsrichterkommission,

lich unparteiisch nach den Leistungen der einzelnen Par­teien werten.

Preis: Der Preis für die höchste Punktzahl ist die Fahne. Sie ist ein Wanderpreis und muß von der siegreichen Spielvereinigung im nächsten Jahre verteidigt werden. Wer die Fahne zweimal hintereinander oder dreimal in Zwischenräumen erringt, erhält sie zum Eigentume. Sie ist gegenwärtig im Besitz der Elmer Vereinigung.

Alle anderen Spielvereinigungen erhalten Kränze aus Eichenlaub mit schwarzweißroter Schleife. Die sechs besten Vereine erhalten einen zweiten Kranz. Dies ist um deswillen wichtig, weil von 1913 ab in jedem Jahre ein besonderer Preis (kein Wanderpreis) für diejenige Spielvereinigung geschaffen wird, welche

Das Geheimnis der Akuten.

Roman von Jenny Hirsch. 57

Noßwitz beachtete diesen Einwurf nicht im gering­sten, mit bewegten Worten schilderte er den Jammer sei­ner Frau und das Entsetzen, das sie beim Anblick der endlich aufgefundenen, grausam verstümmelten Leiche der Schwester erfaßt habe.

Von diesem Schlage, fürchte ich, wird sie sich nie wie­der erholen, ich habe sie in gänzlich andere Umgebung bringen müssen, und sie hat heute hier nicht erscheinen können, um ihr Zeugnis abzugeben," schloß er und ließ den Kopf tief auf die Brust sinken.

Sie bleiben dabei, daß sie in der Leiche die Ueber« reste Ihrer Schwägerin erkannt haben?" fragte der Ver­teidiger.

Einer solchen Versicherung sollte es kaum bedürfen, hätten wir, meine Frau und ich, den geringsten Zweifel gehabt, so würden wir sie wahrlich nidjt in der Fami­liengruft bestattet haben."

Nach Herrn von Noßwitz wurden die Dienstboten, die zur Zeit in der Villa gewesen waren, vernommen, deren Aussagen dem Bilde, welches jener vom Leben in der Familie gegeben, entsprachen, nur hoben sie hervor, daß das Fräulein in der letzten Zeit doch sehr verändert gewesen sei, obwohl sie es sich nicht hätte merken lassen sollen. Daß sie fortgegangen sein könne und ihre Schwe­ster in die furchtbare Unruhe gestürzt habe, wollte keinem «onihnen einleuchtend erscheinen, dagegen ließ das Haus­mädchen durchblicken, es scheine ihr nicht unmöglich, daß das Fräulein in ihrem tiefen Kummer selbst den Tod ge- 'Ucht habe.

. Hiergegen trat die Köchin in lebhafter Weise auf und j.sdd auch, abweichend von allen anderen Zeugen, bei hrer Behauptung, sie habe in der Leiche nicht ihr Fraulern

bis dahin (also feit 1910) die meisten Kränze insge­samt errungen hat. Bleibt eine Spielvereinigung den Kreiswettspielen ohne berechtigten Grund fern, so werden ihr alle bis dahin errungenen Kränze nicht mehr ungerechnet. Sie muß also von neuem anfangen.

Die Spiele dauern voraussichtlich bis kn nach 7 Uhr. Bon 8 Uhr ab findet in der Seminarturnhalle ein

Iitgendheimabeird statt, zu welchem die gesamte anwesende männliche Jugend freundlich eingeladen ist. Dort werden Vor- träge von Erwachsenen wie von Jugendlichen gehalten und ein kleines Theaterstück wird vorgeführt. Mithin bietet sich eine gute Gelegenheit, einigermaßen den Be­trieb der Jugendheime kennen zu lernen, wie sie nun­mehr in 10 Gemeinden de^ K-ffrs eingeführt sind.

Zwischen den Wettspiel oem Jugendheimabend ist genügend Zeit zum Abendessen gegeben.

Schlüchtern, den 25. Juli 1912.

Der Königliche Landrat: Valentiner.

J.-Nr. 4690 K.'A. Dem Ziegenhirlen Adam Blum in Steinau ist für langjährige treue Dienstzeit eine Prämie von 10 Mark aus Kreismitteln bewilligt worden.

Schlüchtern, den 17. Juli 1912.

Der Vorsitzende des Kreis-Ausschusses. Valentiner.

Deutsches Deich.

Balestrand. Von der Nordlandreise. Der Kaiser unternahm am Donnerstag bereits vor dem ersten Früh­stück einen Spaziergang. Nachmittags fand Tanzfest auf derHohenzollern" statt. Das Wetter ist andau­ernd schön. Die Rückkehr nach Swinemünde wird am Sonnabend, den 3. August, abends erfolgen. An Bord ist alles wohl.

Besuch des englischen Königspaares in Berlin. Nach einer gemeinschaftlichen Quelle schreiben Berliner Blätter, es hülfe nunmehr als feststehend gelten, daß das englische Königspaar im Frühjahr dem deutschen Kaiserhofe seinen offiziellen Antrittsbesuch abstatten wird. Auch der englische Kronprinz dürfte im nächsten Jahre zu einem Zeitpunkt, über den nähere Verein­barungen noch nicht getroffen sind, als Gast des Kaiser­paares in Berlin eirtreffen. Bei allen Absichten des englischen Königspaares über Antrittsbesuche in fremden Staaten war von vornherein in Aussicht genommen, in diesem Jahre keinerlei offizielle Auslandsreisen zu unternehmen.

gers, ob sie denn vielleicht an die Darlegung des Ange­klagten glaube, doch nur ein verneinendes Kopfschütteln.

Es folgte die Vernehmung der Fischer, die den Ober­see durchforscht und derer, welche die Laichs gefunden hatten, dann erzählten die alte Jansen und ihr Enkel, freilich unzusammenhängend genug, das Zusammentref­fen, daß sie an jenem verhängnisvollen Tage zwischen Pöplau und Lidia belauscht hatten.

Die Aussage war insofern nicht von großem Belang, als der Angeklagte diese Begegnung nicht leugnete. Selbst die Schilderung des Inspektors Knauthe, wie er Pöp- lau und seine Mutter bei seinem Besuch in der Förste­rei angetroffen und wie sie sich ihm durch ihr Wesen ver­dächtig gemacht hatten, konnte auf das Urteil der Zuhö­rer keinen großen Einfluß ausüben. Alle diese Momente waren ja von Pöplau zugegeben und in seiner Weise erklärt worden: er hatte Lydia aus dem See gezogen, sie zu seiner Mutter gebracht und war ihr behilflich gewe­sen, heimlich abzureisen.

Förster Horn, der nach dem Inspektor kam, war wohl der einzige unter allen Zeugen, der sich sichtlich Mühe gab, den Angeklagten zu entlasten. Aber was konnte es helfen, daß er versicherte, er schenke dem Berichte Pöp- laus und seiner Mutter vollen Glauben? Einen Beweis für die Wahrheit konnte er nicht beibringen, ganz im Gegenteil mußte er, wenn auch mit sichtlichem Widerstre­ben, zugestehen, daß der Forstkandidatin der letzten Zeit sehr verändert gewesen sei imb heftige, drohende Redens­arten ausgestoßen habe. .

Nachdem noch mehrere Zeugen dre Identität der ge­fundenen Leiche mit Lydia von Ruffer versichert hatten, erschien noch der Konsul Elster, der zu dem Verbrechen selbst wenig zu berichten wußte, da er sich fern vom Tat- ort befunden hatte und erst herbeigerufen worden war, als nicht mehr daran zu zweifeln gewesen, daß dem iun- gen Mädchen ein Unglück zugestoßen sei. Dagegen ver- weilte er eingehend, wie es den Zuhörern scheinen wollte fort nt ehtnefoenb. bei der Vorgeschichte und bei dem we- I

Wie die Sozialdemokratie ihre eigenen Anhänger schädigt, zeigt folgender Vorfall. In Leipzig hatten die Sozialdemokraten zum letzten Margaretentag ein Flugblatt verbreitet, das von dem MottoKeine auf­gedrängten Wohltaten" geleitet war. Darauf hat eine ganze Anzahl von ständigen Geldgebern für die Leip­ziger Ferienkolonie erklärt, daß man danach annehmen müsse, die Eltern der Kinder wollten nichts von den Vereinsbestrebungen wissen, und infolgedessen keine Beiträge mehr gezahlt. So mußte ein großer Teil der Kinder, die erholungsbedürftig sind, diesmal unberück­sichtigt bleiben. Ob die Eltern dieser Kinder, soweit sieGenossen" sind, von der Tat ihrer Verführer und ihrem Erfolg nunmehr noch sehr erbaut sind, ist die Frage.

DieVolkswacht", ein sozialdemokratisches Blatt, hatte kürzlich u. a. behauptet, die polnischen Arbeiter hätten nicht das mindeste Interesse an der Unabhän­gigkeit Polens, das ihnen völlig gleichgültig sei. Hier­zu bemerkt dieGazeta Polska":Wer immer noch an die Freundschaft derRoten Brüder" geglaubt hat, der wird nach dem Lesen dieser Auslassung von seinem Glauben gründlich geheilt sein. Die Sozialisten dürfen dem polnischen Arbeiter vorwerfen, daß er kein Interesse an einem unabhängigen Polen habe? DaS ist die größte Beleidigung, die den polnischen Arbeitern jemals zugefügt worden ist! Die einzige eines Polen würdige Antwort darauf ist ein vollständiges Brechen mit den Sozialisten und ihren Nachrichten." Diese Aeßerung zeigt ganz ungeschminkt, daß das Polentum in der Unabhängigkeit Polens", mit andern Worten der Losreißung einiger Provinzen von Preußen, sein offen erstrebtes Ziel ist, das ihm weit mehr entscheident ist für seine Stellung zur Sozialdemokratie als alle sonstigen Grundsätze und Streitfragen.

Der Mitgliederstand des Deutschen Wehrvereins war Ende Juni 33 502 Einzelmitglieder hoch, von denen 30 000 in 263 Ortsgruppen organisiert waren. Die Zahl der körperschaftlich angeschlossenen Mitglieder betrug mindestens 90 640 so daß der Gesamtbestand 124 142 Köpfe betrug, gewiß eine recht beachtenswerte Entwickelung für einen fünf Monate alten Verein.

Im Hinblick auf den Rückgang der Geburten­ziffer in Preußen hat der Düsseldorfer Regierungs­präsident eine bemerkenswerte Verfügung erlassen. Er untersagt darin den Standesämtern seines Regierungs­bezirkes, Geburten und Eheschließungen durch die Zeitungen künftig anzukündigen. Es soll dadurch ver-

nig freundschaftlichen Verhältnis des Schwagers zu der jungen Schwägerin. Er erzählte, daß er von diesem über das Liebesverhältnis zwischen seinem Mündel und dem Forstkandidaten unterrichtet und zum Einschreiten aus­gefordert worden war.

Und Sie sind eingeschritten?" fragte der Präsident.

Dazu hatte ich keine Veranlassung, das hätte ich als Vormund erst gekonnt, wenn man die Erlaubnis zu einer Heirat von mir verlangt haben würde."

Sie würden sie nicht erteilt haben?"

Nein," erwiderte er sehr entschieden.Ich würde diese mir sehr unpassend erschienene Verbindung verhindert ha­ben, solange dies in meiner Macht gestanden hätte, da» heißt noch zwei Jahre. War mein Mündel großjährig, dann vermochte ich es nicht mehr und hätte sie gesetzlich nicht zurückhalten können, selbst wenn sie auch nach den Enthüllungen, die man ihr gemacht, auf der Heirat be­standenhaben würde."

Sie halten es also für ausgeschlossen, daß Fräulein von Ruffer ins Ausland geflohen ist, um diese Heirat ge­gen Ihren Willen zu schließen?"

Ja, das hatte ich für ausgeschlossen. Mein Mündel war viel zu überlegt und verständig, um einen so aben­teuerlichen Weg zu wählen zur Erlangung eines Zieles, das sie nach Verlauf einer absehbaren Zeit ohne Hinder­nis erreichen konnte "

Sie vergessen den Widerstand ihrer Verwandten," warf hier der Verteidiger ein.

DerKonsul ging darauf nicht ein und fuhr fort:Nein, nein, wäre Lydia wirklich geflohen, so müßte sie dazu Gründe gehabt haben, die sich unseren Blicken gänzlich entziehen."

Sie haben auch keine Vermutungen über die Gründe?" fragte Geifert.

Der Konsul zögerte einige Sekunden und stieß dann einNein" hervor; nach einem kurzen Stillschweigenfuhr er fort:Ich möchte bitten, noch eine Erklärung abge. ben zu dürfen." 19M8*