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SWchtemerZeitung

mit amtlichem Areisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

Telefon Nr. SS. Vierteljährliche Beilage:Unsere Heimat". Telefon Nr. «S.

Erscheint Mittwoch und Samstag Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mt. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 1 Pfg.

M 59. Mittwoch, den 24. Juli 1912. 63. Jahrgang.

Amtliches.

J.-Nr. 9017. Der Herr Kreistierarzt Krexa ist vom 26. Juli bis einschließlich 16. August d. I. be­urlaubt. Seine Vertretung ist dem Herrn Kreistierarzt Schirmer in Gelnhausen, bei Viehuntersuchungen zu Ein- und Ausfuhrzwecken, wie für alle halbamtlichen Geschäfte, dem Herrn Tierarzt Dr. Gaemmerer in Steinau übertragen worden. Der Letztgenannte ist auch mit der Ausübung der Ergänzungsbeschiu im Kreise Schlüchtern, mit Ausnahme der Ortschaften Altengronau, Breunings, Gundhelm, Herolz, Heubach, Hütten, Jossa, Mottgers, Neuengronau, Oberkalbach, Oberzell, Sannerz, Schwarzenfels, Sterbfritz, Uttrichs- hausen, Vollmerz mit Ramholz und Hinkelhof, Wei- cherSbach, Weipers und Züntersbach, für den genannten Zeitraum betraut worden. Die Ergänzungsbeschau in den vorstehend genannten Ortschaften habe ich während der Beurlaubung des Herrn Kreistierarztes dem Herrn Tierarzt Bergien in Sterbfritz übertragen.

Schlüchtern, den 19. Juli 1912.

Der Königliche Landrat: V a l e n t i n e r.

J.-Nr. 8853. Im Interesse der Kreisbevölkerung wird wiederholt darauf hingewiesen, daß die Sprech­st u n d e n bei dem Landratsamte, der Einkommensteuer» Veranlagungskommission und dem Kreisausschuß, wie seither auf Dienstag und Freitag, vormittags 912 Uhr festgesetzt sind.

Schlüchtern, den 17. Juli 1912.

Der Königliche Landrat: Valentiner.

Die Uational-Ilugspende.

Rede des Grafen Posadowsky,:

Schalten am 8. Juni 1912 in Magdeburg zum Besten der National-Flugspende.

Gern bin ich der Aufforderung des Herrn Ober- Präsidenten von Hegel gefolgt, hier in Magdeburg einen Vortrag zum besten der National-Flugspende zu halten und auszuführen, zu welchen Zwecken der Ertrag der Sammlung dienen soll. Es bestehen in bezug auf das Flugwesen noch in weiten Kreisen vielfache Bedenken, insbesondere weist man auf die vielen Menschenleben hin, welche dieser neuen Erfindung zum Opfer fallen. Aber alles Große in der Welt hat Opfer an mensch­lichen Leben und an Menschenkraft erfordert. Welche Opfer hat die ärztliche Wissenschaft doch bringen müssen an Menschenleben und menschlicher Gesundheit, um in der Erforschung der Krankheiten auf ihren jetzigen

in Bagatelle bei Paris seinen Probeflug unternahm und eine Strecke von etwa 60 m in 5 m Höhe durch- flog, war die Welt starr vor Bewunderung, daß es gelungen sei, einen Gegenstand, der schwerer als die Luft ist, freischwebend in der Luft zu erhalten. Welche Fortschritte hat seitdem die Flugmaschine und die Kunst des Fliegens errungen. Heute sind Dauerflüge über das Meer, sowie Ueberlandflüge von Paris nach Madrid, von Paris nach Rom, von Berlin nach Wien geschichtliche Tatsachen geworden. Es scheint aber, als ob das Flugwesen bisher zu empirisch behandeltest und einer gründlichen wissenschaftlichen Erforschung und Durcharbeitung bedürfe. Aufgabe der Wissenschaft wird es deshalb sein, besonders die jetzt noch bestehenden Mängel in der Konstruktion der Motoren und der Flugapparate selbst zu beseitigen. Die Franzosen, welche uns, gestützt auf den deutschen Daimler-Motor, im Flugwesen bedeutend überholt haben, erwiesen sich auch hier wie in der Feinmechanik und der Waffentechnik als Meister; es ist bedauerlich, daß deutsche Flugappa­rate vielfach noch mit französischen Maschinen montiert sind. Welche Opfer hat Frankreich schon für den Bau von Flugmaschinen und die Ausbildung von Fliegern gebracht! Nach Zeitungsnachrichten sind in dem laufenden französischen Etat 25 Millionen für das Flug­wesen ausgesetzt und in dem künftigen Etat sollen so­gar 32 Millionen für jenen Zweck verwendet werden. Setzt man doch auf das Flugwesen in Frankreich für die Landesverteidigung die allergrößten Hoffnungen. In England hat man ein Königliches Fliegerkorps be­gründet. Die Flieger sollen dort für ihre Ausbildung erhebliche Unterstützungen erhalten, sie Jollen für ihre Ausrüstung finanzielle Beihilfen bekommen und zu regel­mäßigen Uebungen herangezogen werden. In Rußland hat man kürzlich Zeitungsnachrichten zufolge den Bau von 150 Flugmaschinen nach dem Nieuport-System beschlossen, von denen 140 im Inland und 10 im Ausland hergestellt werden sollen. Auch in Italien werden für das Fliegerwesen große Anstrengungen ge­macht ; wenn sich die Flugmaschinen im tripolitanischen Kriege nicht so bewährt haben, wie man gehofft hatte, so soll die Ursache davon angeblich darin liegen, daß der Wüstensand in die Maschinen gelangt und dadurch Störungen hervorgerufen hat. Wenn wir im deutschen Fliegerwesen auch schmerzliche Opfer zu beklagen haben, so ist es doch ein erhebendes Moment, daß sich immer wieder zahlreiche mutige Männer finden, die bereit sind, Leben und Gesundheit für die Lösung dieser großen

wissenschaftlichen Standpunkt zu gelangen! Wieviel Opfer hat England seit Jahrhunderten mit dem Leben seiner besten Söhne bringen müssen, um seinen riesigen Kolonialbesitz zu verwalten und zu erhalten! Und wie­viel deutsche Soldaten, Forscher und Beamte haben wir schon verloren bei der Verteidigung, Erforschung und Verwaltung unseres wesentlich kleineren Kolonialbesitzes! Vielleicht ist es eine Kulturkrankheit, daß wir das Menschenleben zu hoch einschätzen, auch wenn es sich um die Lösung von Ausgaben und die Erfüllung von Pflichten handelt im Interesse der Gesamtheit unseres Volkes. Jede große Erfindung hat bisher mit Zweif­lern und Gegnern kämpfen müssen, ehe sie sich durch» gerungen hat. Als die ersten Eisenbahnen gebaut wurden, erhob man gegen das Bedürfnis für dieses neue Verkehrsmittel, gegen die Möglichkeit seiner tech» nischen Ausführung und gegen seine Sicherheit für Personen und Güter die schwersten Bedenken. Und doch hat dieser Karren, wie König Friedrich Wilhelm IV. bei Eröffnung der Eisenbahn PotsdamBerlin voraussagte, allmählich die ganze Welt erobert. Die gleichen Bedenken wurden gegen die Luftschiffahrt geltend gemacht. Als ein großer Industrieller einst gefragt wurde, warum er keine Luftschiffe baue, ant­wortete er lächelnd, dann müsse er erst General der Kavallerie werden. Längst denkt man indes anders über Zeppelin, sein Werk und über die Luftschiffahrt. Schon in den 30er Jahren hatte ein französischer Ge­lehrter erklärt, das das lenkbare Luftschiff erfunden sei, sobald es gelänge, einen Motor zu bauen, der mit geringem Gewicht eine große Kraftwirkung zu erzeugen vermöge. Daimler war es, der mit seiner Explosions­maschine diese Frage gelöst hat und damit die Mög­lichkeit des Kraftwagens ohne Gleise und des lenkbaren Luftballons geschaffen hat. Das unsterbliche Verdienst des Grafen Zeppelin bleibt es aber, daß er diesen Motor für das Luftschiff praktisch verwendet hat und damit ein Verkehrsmittel schuf, welches die Bewunderunc der ganzen Welt hervorgerufen hat, und dieser Genera der Kavallerie hat erst kürzlich bei einer Fahrt einen glänzenden und unübertroffenen Rekord errungen. Wenn man ihn einst bei seiner jahrelangen stillen Ar­beit für einen Phantasten hielt, so zollt ihm heute nicht nur das deutsche Volk, sondern die ganze Welt auf­richtigste Bewunderung. Es gibt kaum eine Erfindung mechanischer Art, die in verhältnismäßig so kurzer Zeit solch ungeheure Fortschritte gemacht hat wie die Flug­maschine. Als Santos Dumont am 23. Oktober 1906

Aas Geheimnis der Akuten.

Roman von Jenny Hirsch. 56

Sie wußte dies, und ich glaube sogar, sie wollte es gar nicht vermeiden, es entsprach ihrem ganzen Wesen, an ihm vorüber zu gehen und ihm zu zeigen, daß sie mit ihm nichts zu tun haben wolle."

Vom Präsidenten befragt, gab Ludolf zu, daß diese Voraussetzung des Zeugen richtig sei und daß die stumme Abkehr der Geliebten, wo er ihr auch in den Weg ge­treten, ihn zur Verzweiflung getrieben habe.

Fürchteten Sie denn nicht, daß eine solche Begeg­nung bei demleidenschaftltchenCharakterdesjungenMan- nes einmal zu einer Katastrophe führen könne?" fragte der Präsident, und aus seinen Worten war unschwer ein Vorwurf zu hören.

Ich hatte wohl solche Besorgnisse, aber meine Macht über meine Schwägerin reichte nicht so weit, sie hindern ält können. Sie besaß einen großen Eigenwillen." Er sagte die letzten Worte leise und zögernd, als sträubte er sich, einen Tadel gegen die Verstorbene laut werden zu lassen, und fügte noch hinzu:Außerdem konnte ich einem Menschen nicht diese Schlechtigkeit zutrauen."

Bei diesen Worten sprang Pöplau in die Höhe, hob drohend die Hand und machte eine Bewegung, als ob er sprechen wollte, sank aber, ohne ein Wort hervorzubrin- gen, auf seinen Sitz zurück.

Der Verteidiger sagte:Es wird erzählt, es habezwi- fdjen Ihnen und der jungen Dame kein sehr frenndschast- liches Verhältnis geherrscht."

DieAuffassung ist nicht ganz richtig," erwiderte Noß- witz lächelnd,ich habe die Schwester meiner Frau im­mer sehr gern gehabt, sie freilich zeigte mir als Kino eine Abneigung, die der Eifersucht entsprossen sein mochte.

Cväter hat sich das ausgeglichen, und unser Ver­kehr war ein guter, was wohl am besten daraus erhellt,

daß sie während unseres Aufenthalts , auf dem Roden- berg gänzlich in unserer Familie lebte."

Sie waren aber mit der beabsichtigten Verbindung des Fräuleins nicht einverstanden?"

Mit dem ihm eigenen spöttischen Lächeln zuckte Noß- witz die Achseln.Ich hatte die ganze Geschichte für eine Kinderei gehalten, der man keine Bedeutung beizulegen hat, und mir nur erlaubt, meine verstorbene Schwie­germutter zuweilen auf das Unpassende des ganzen Ver­kehrs mit den Förstersleuten hinzuweisen, aber freilich mit geringem Erfolg. Erst als mir Lydia während un­seres Sommeraufenthaltes unumwunden erklärte, sie sei, und zwar mit Zustimmung ihrer Mutter, verlobt mit dem Forstkandidaten, nahm ich die Sache wirklich ernst, und darüber ist es allerdings zu Zerwürfnissen gekommen."

Sie waren mit der Verlobung nicht einverstanden?"

Wie konnte ich?" rief er.Der Förstersohn war keine Partie für Fräulein von Rüster, und gang ebenso wie meine Frau und ich dachte Lydias Vormund, der Konsul Elster, er würde ihr nie seine Einwilligung gegeben haben."

Aber Fräulein von Rüster war in zwei Jahren groß­jährig, dann brauchte sie die Einwilligung nicht mehr," sagte der Verteidiger.

Hatte er gehofft, Noßwitz dadurch in die Enge zu treu ben, so hatte er sich verrechnet, denn eifrig zustiinmeud antwortete dieser:Und sie hätte es getan, wenn Pöp­lau selbst nicht durch seine ehrlosen Handlungen sie da­von zurückgebracht hätte."

Elender Verleumder!" rief der Angeklaate.

Der Präsident verwies ihn mit scharfen Worten zur Ruhe, Noßwitz maß ihn mit einem verächtlichen Lächeln und erzählte dann weiter, wie er, durch anonyme Briefe, die er und Lydia erhalten, aufmerksam gemacht, nach Berlin gereist sei, dort von einer verlassenen Geliebten Pöplaus diesen auf das stärkste kompromittierende Briefe erhalten und dieselbe Lydia überbracht habe.

Wieder vermochte Ludolf nicht an sich zu halten.Es ist alles Lug und Trug," schrie er.Zeigen Sie diese Briefe."

Sie wissen recht gut, daß das tiefbeleidigte Mädchen in ihrer Empörung unklug genug gewesen ist, sie sämt­lich zu verbrennen," versetzte Noßwitz, ohne den Ange» klagten eines Blickes zu würdigen,aberihre Handlungs­weise zeugt davon, daß sie die Handschrift als echt er* kannt hat. Auch war ich ja nicht allein bei jener Frau, sondern der Konsul Elster hat mich begleitet."

Wie heißt diese Dame und wo wohnt sie? Ich be­antrage ihre Vernehmung," sagte der Verteidiger,ich muß mein Befremden darüber äußern, daß dies in der Voruntersuchung unterlassen worden ist."

Der Gerichtshof zog sich zur Beratung dieses Antra­ges zurück und gab dann durch den Mund des Präsi­denten die Erklärung ab, daß man von dieser Verneh­mung als unerheblich für den Gang der Verhandlung ab» zusehen beschlossen habe.

Noßwitz' Verhör nahm nun seinen Fortgang, er rote» derholte genau alle Aussagen, die er schon in der Bor» Untersuchung gemacht, und der Verteidiger fand sich erste wieder zu einer Zwischenfrage veranlaßt, als jener das Absuchen des Oberstes schilderte, indem er bemerkte:Wie kamen Sie denn gerade zu der Vermutung, daß Ihre Schwägerin dort ihren Tod gefunden haben könne?"

Weil eine ihr gehörige Schildpattnadel am Ufer ge­funden worden ist und weil sie häufig ihre Spaziergänge dorthin richtete," war Noßwitz'Antwort.

Dachten Sie dabei an einen Unglücksfall oder an einen Selbstmord?" fragte ihn Geifert nun weiter.

Was ich gedacht habe, brauche ich hier wohl nicht auseinanderzusetzen," erwiderte Noßwitz mit einem Blick auf den Angeklagten, der seinen Worten die beabsich­tigte Deutung gab,übrigens erhielt meine Vermutung durch das Auffinden der Uhr ihre Bestätigung. Ich wußte, daß meine Schwägerin nicht mehr lebte, sie wäre sonst nicht fern von uns geblieben."

Im Gegenteil, sie wollte nicht zu den Ihrigen zu-, rückkehren," rief Pöplau dazwischen. * 191,18^