ZchlüchtemerMung
mit amtlichem Areisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.
Telefon Nr. «5. Vierteljährliche Beilage: „Unsere Heimat". Telefon Nr. «5.
Erscheint Mittwoch und Samstag — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mt. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 1C Pfg.
M 58. Samstag, den 20. Juli 1912. 63. Jahrgang.
Aufruf!
Das Thüringische Ulanen-Regiment Nr. 6 begeht am 18. Februar 1913 die Feier seines 100jährigen Bestehens.
Alle ehemaligen aktiven und Reserve-Offiziere, Sanitäts-, Veterinär-Offiziere und Beamte, ebenso alle ehemahligen Unteroffiziere und Mannschaften des Regiments, die an der Feier teilnehmen wollen, sind hierzu aufgefordert und werden gebeten, ihre genaue Adresse, Unteroffiziere und Mannschaften mit Angabe von Dienstzeit und Eskadron bald an das Regiments-Geschäfts- zimmer nach Hanau zu senden.
Weitere Mitteilungen gehen dann jedem einzeln zu.
Etwaige Bestellungen auf Regiments-Geschichte oder Stammliste des Offizierkorps kann gleichzeitig angegeben werden.
von Kaufmann, Major
u. Kommandeur des Thüring. Ulanen-Regiments Nr. 6.
17. BunLes-Zubiläumsschießen iu Irankfurt a. M.
Am vergangenen Samstag war großer Empfangstag der ankommenden Schützen. Die ersten waren die Wertheimer, die auf dem Maine ankamen und von der Kapelle des 17. Bayr. Jnf.-Reg. begrüßt wurden. Sie führten drei alte verblaßte Schützenfahnen aus den Jahren 1669, 1777 und 1820 mit. Auf dem Hauptbahnhof war der große Querbahnsteig mit Fahnen und Guirlanden reich geschmückt. Vom frühen Morgen an war bereits zahlreiches Publikum in der Halle versammelt, um die ankommenden Gäste zu begrüßen. Die ersten kamen um 1 Uhr 26 mit dem aus Nürnberg kommenden Zug an, der Schützen von dort, Fürth, Erlangen und anderen bayer. Städten mitbrachte. Um %3 Uhr lief ein Zug aus Metz mit Schützen ein, Feich darauf der Tiroler, der aus Innsbruck und Meran Schützen in ihrer malerischen Tracht mit einer Tiroler Schützenkapelle brächte. Gleichzeitig traf der Extrazug aus Sachsen ein, dann die Schweizer, hierauf die Wiener, die mit der österreichischen Kaiserhymne empfangen wurden. Schließlich kam der Zug mit den Hamburger Schützen, die das alte Bundesbanner über- brachten und den Frankfurter Schützen überreichten. Vom Haupibahnhof marschierten die Schützen in vielen Zügen nach dem Römer, wo abermalige Begrüßung stattfand und den Schützen der Willkommtrunk und ein Imbiß gereicht wurde. Hier begrüßte u. a. Herr Prof. Bender auch die Büdinger Schützengesellschaft von 1514, deren Schützenmeister Eberling den Dank aussprach. Die
Casfelaner wurden von Herrn Prof. Becker begrüßt. Der Schütze Hafner-Caffel war der 50jährige Jubilar der Casseler, der den ersten Trunk aus dem silbernen Ratsbecher tat.
Die Uebergabe des Bundesbanners gestaltete sich besonders feierlich. Oberbürgermeister Dr. Adickes selbst begrüßte die Hamburger, das Banner wurde im Römersaal aufgestellt. Abends fand in der märchenhaft erleuchteten Festhalle der Begrüßungskommers statt.
Der Sonntag brächte einen wohl noch nie gesehenen Fremdenzufluß nach der Stadt. Auf allen Bahnlinien, auf dem Maine, auf den Straßen, die nach der Stadt führten, überall kamen die Menschen, soviel die vermehrten Verkehrsmitteln ihrer nur beizubringen vermochten, nach der Stadt. Vom frühen Morgen an füllten sich die Straßen mit einer festesfrohen Menge, die den großen Festzug erwartete. Auf dem Römerberg kamen fortwährend die Deputationen der auswärtigen Schützen angezogen, welche ihre Fahnen auf dem Römer abholten. Zuletzt wurde das Bundesbanner abgeholt, um nach der Obermainbrücke gebracht zu werden, wo sich der große Festzug aufstellte.
In der Festhalle fand nach Eintreffen des Festzuges das Bankett statt. Der Protektor des Festes, Prinz Heinrich von Preußen, hielt eine Rede, in welcher er die Abgesandten der österreichisch-ungarischen Monarchie besonders begrüßte. Seine Rede schloß mit einem dreifachen Hurra auf Se. Majestät den Kaiser. — Oberbürgermeister Dr. Adickes drückte seine Freude darüber aus, daß das Haus Hohenzollern und der nationale Geist auf diesem Feste sich so eng berührt haben und dankte für die Teilnahme des Prinzen, der im Dienste des Vaterlandes und seines kaiserlichen Bruders ein :rfolg- und verdienstreiches Leben hinter sich hat und brächte ein dreifaches Hoch auf ihn aus. Hierauf wurden dann noch verschiedene Ansprachen gehalten.
Dann begann das Schießen. Prinz Heinrich gab die ersten drei Schüsse auf die Scheibe „Heimat 2" ab. Für den Sonntag war nur eine Schnellfeuerkonkurrenz auf 300 Meter vorgesehen. Am Abend wurden die ersten 40 Ehrenbecher verteilt. Auf Standpunktscheiben errang Hans Haller von Meran den ersten Preis mit 11,18 Min., auf Feldscheiben W. Ebel-Canstatt mit 13,45 Minuten.
Deutsches Reich.
— Stiftung einer Kolonialdenkmünze. Der Kaiser hat eine Kolonialdenkniünze für Teilnehmer an mili
tärischen Unternehmungen in den Schutzgebieten gestiftet. Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht am Montag abend die Stiftungsurkunde, die vom 13. Juni d. J. datiert ist-
— Ein kaum glaublicher Vorfall wird im „Oeffentl. Anzeiger für den Kreis Kreuznach" mitgeteilt, der wieder einmal zeigt, was bei uns in Deutschland alles möglich ist: Als der Schnelldampfer Wilhelmina in Rüdesheim an der Germania vorbeifuhr, spielte die Musikkapelle eines Vereins die Marseillaise. Darauf rief ein Fahrgenosse: Die Internationale Sozialdemo- fratie lebe hoch! Stürmisch wurde vom ganzen Verein eingestimmt, worauf ein anderer schrie: Noch dreimal hoch! Und alles stimmte wieder in wildem Geschrei ein. Der Vorfall erregte bei den übrigen Mitfahrenden — das Schiff war dicht besetzt — großen Unwillen. Ein deutscher Verein fährt an dem deutschen National- denkmar vorbei und spielt das Nationallied der Franzosen. Wäre so etwas umgekehrt, etwa in Frankreich oder England möglich? Kein französischer Sozial- demokrat beschimpft sein Vaterland! Das ist nur den deutschen „Genossen" möglich.
— In der Herabwürdigung der nationalen Flug- spende kann sich das sozialdemokratische Zentralorgan, der „Vorwärts", nicht genug tun. Ein paar Kinder aus einer Berliner Gemeindeschule haben ihm hinter« bracht, daß ihr Rektor seiner Klasse etwas von einem künftigen Luftkrieg und der Bedeutung der nationalen Flugspende erzählt habe. Der „Vorwärts" ist darüber empört, und gibt seiner Freude hämisch Ausdruck, daß nur eine geringe Summe in der Klasse zusammenge- kommen ist. Er beleidigt also eigentlich nur die freudigen Spender, die eben gaben, was sie konnten. Das Blatt fordert sodann die Eltern auf, ihren Kindern, falls diese um einen Beitrag bitten sollten, auseinander- zusetzen, was ein „Abeitergroschen" ist und wohin er gehört. — Die Beiträge für die sozialdemokratischen Organisationen spielen in dem wöchentlichen Budget des Arbeiters ja auch eine schwerwiegende Rolle.
Ausland.
— In Deutsch-Südwestafrika hat der kaiserliche Ankauf der Farmen Kofis und Dickdorn allerorten große Freude und lebhafte Befriedigung hervorgerufen. Man hofft zuversichtlich, daß beide Farmen, wenn sie wie das westpreußische Kadinen zu Musterfarmen ausgestaltet sein werden, einen großen moralischen Erfolg erzielen werden. Die „Deutsch-Südwestafrikanische
Aas Geheimnis der Iluten. !
Roman von Jenny Hirsch. 55 •
Frei, doch ohne Keckheit, trug er den hübschen Kopf ! auf den Schultern, sein Auge überflog furchtlos die Ver- j fammluna, und dann blickte er, nachdem er einen flüchtigen Gruß mit seinem Verteidiger getauscht, geradeaus nach der Bank der Geschworenen hinüber.
Die Anklageschrift, welche den Forstkandidaten Ludolf Pöplau beschuldigte, in mörderischer Absicht Fräulein Lydia von Ruffer in den Obersee geschleudert zu haben, wurde verlesen und die stummen Zeugen dafür, die am See gefundene Schildpattnadel und die aus demselben gefischte Uhr und Kette, vorgelegt. Der Angeklagte erkannte diese Dinge anstandslos als Lydia von Raffers Eigentum an und gestand auch bereitwillig zu, daß sie im Obersee gelegen habe, aber nicht er sei es gewesen, der sie hineingeschleudert, sondern im Gegenteil: er habe j sie auf ihren Hilferuf gerettet und sie zuerst in die unweit des Sees befindliche Fischerhütte, dann zu seiner Mutter nach Lindental gebracht.
„Sagte Ihnen Fräulein von Ruffer nicht, auf welche Weise sie in den See gekommen sei?" fragte der Präsident.
„Nein."
"lind hatten Sie auch keine Vermutung darüber?" Der Angeklagte zögerte ein paar Sekunden, schien mit sich zu kämpfen, antwortete dann aber ein festes «Rein'.
„Es ist doch aber sehr befremdend, daß Sre mcht danach gefragt haben wollen."
„feie kam mir zuvor und bat mich, es nicht zu tun, später, wenn wir Mann und Frau sein würden, werde sie mir alles sagen. Ich wollte ihr diese Bitte nicht verweigern. Sie schenkte niir so grenzenloses Vertrauen, nachdem längere Zeit eine traurige Entfremdung zwischen uns geherrscht hatte." , .
Auf Befragen des Präsidenten schilderte er nun sein Verhältnis zu Lydia in den Kinderjahren,, sein Arbeiten
und Ringen, um eine ihren berechtigten Ansprüchen an- | gemessene Stellung zu gewinnen und ihr von der ver- > storbenen Mutter Lydias gebilligtes Verlöbnis. Dann ; kam er auf das Zerwürfnis zu sprechen und beteuerte, [ er sei infam verleumdet, er und Lydia wären das Opfer ' einer schändlichen, gemeinen Jntrige. i
Hatte das bisherige Auftreten deS Angeklagten des ; allgemein gegen ihn herrschenden Vorurteils auf Rich- j ter, Geschworene und Publikum einen günstigen Eindruck gemacht und Teilnahme für ihn erweckt, so verscherzte er sich diese durch die Heftigkeit, zu welcher er sich im Angedenken an das ihm angeblich zugefügte schwere Unrecht hinreiben ließ und durch die Beschuldigungen der Fälschung, die er gegen Herrn von Roßwitz und den Konsul Elster erhob. Auch leugnete er gar nicht, daß er in seiner Verzweiflung über Lydias Verhalten gegen ihn schwere Drohungen ausgestoßen habe, fügte indes hinzu, sie wären nur gegen ihn selbst gerichtet gewesen.
Man glaubte ihm nicht, sondern hielt'ihn sehr wohl für fähig, in seiner Leidenschaft Hand an die sich von ihm abwendende Geliebte gelegt zu haben. In diesem Lichte betrachtet, erschien nun seine weitere Schilderung der Vorgänge unglaubwürdig. Wodurch hätte Lydia von Ruffer so plötzlich die Ueberzeugung von seiner Schuld- losigkeit gewonnen haben können, daß sie mit ipm heimlich nach Amerika gehen und bei den Ihrigen für tot gelten wollte? Abgesehen davon, daß für ein solches Vorgehen doch eigentlich keine Veranlassung vorgelegen hätte.
„Sie wollte all den Quälereien entgehen, die man ihr noch während der zwei Jahre ihrer Minderjährigkeit bereitet haben würde," erklärte er. „Waren wir verheiratet, so konnte man uns nicht mehr trennen, das Schlimmste, was ihr begegnen konnte, war, daßihrVor- munb ihr während dieser Zeit die Zinsen ihres Vermögens vorenthielt."
„Und Ihnen konnte geschehen, daß man sie als Deserteur behandelte," bemerkte der Präsident.
„O nein, ich hatte Urlaub, ehe der abgelaufen war,
konnte ich um Verlängerung einkommen, oder wir konnten zurückkehren. Ach, wir hatten alles gut bedacht. Hätte man mich nicht zurückgehalten.. ."
„Und hätte man die Leiche nicht gefunden, dann wären Sie nach Ihrer Meinung straflos davongekom» men," fiel der Präsident ein.
„Die Leiche ist nicht die Lydia von RufferS," erwi- derte er, ohne auf den Nachsatz zu achten.
Dabei blieb er, trotz der Vorhaltungen, daß sie von ihren Angehörigen anerkannt worden sei, und daß man von dem Verschwinden eines anderen jungenMädchen» nichts habe in Erfahrung bringen können.
Auf den Einwurf endlich, warum, angenommen, sein« Angaben beruhen auf Wahrheit, Lydia von Ruffer nicht» von sich hören ließe, oder, da er nicht zur verabredete» Zeit in Liverpool eingetroffen, nicht längst zurückgekommen sei, antwortete er mit bebender Stimme, das wisse er nicht, und diese Ungewißheit sei dasjenige gewesen, was ihn während seiner Hast am meisten gequält habe. «Es muß ihr ein Unglück zugestoßen sein, und ich fürcht« jetzt wirklich, daß sie tot ist," rief er, das Gesicht in auSa brechendem Jammer mit den Händen bedeckend."
Der Präsident ließ ihn sich niedersetzen, und eS begann nun das Verhör der Zeugen. Herr von Roßwitz der zuerst vorgerufen ward, schilderte die Angst, welche er und seine Frau wegen Lydias Ausbleiben empfunden und wie er und seine Leute sich aufgemacht hätten, um sie zu suchen.
Hier erhob sich der Verteidiger und fragte, wie es । doch gekommen sei, daß Fräulein von Ruffer stets so weite Spaziergänge unternommen habe.
„Sie war daran gewöhnt und wollte sich nicht darin beschränken lassen, sie war ein wenig eigenwillig," erklärte von Roßwitz.
„Es ist doch aber auffällig, daß sie diese Spaziergänge fortsetzte, nachdem der Bruch mit ihrem Verlobten erfolgt war. Sie mußte doch wissen, daß sie ihm im Walde be» 9^» würde," fuhr Doktor SeisM A-^r MM