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Hlöchtmm Zeitung

mit amtlichem Areisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Aalgeber.

Telefon Nr. SS. Vierteljährliche Beilage:Unsere Heimat". Telefon Nr. «S.

Erscheint Mittwoch und Samstag Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mt. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 1C Pfg.

M 56.

Samstag, den 13. Juli 1912.

63. Jahrgang.

Amtliches.

Nachrichten

über die Einstellung in Unteroffizierschulen.

1. Die Unteroffizierschulen haben die Bestimmung, junge Leute, die das wehrpflichtige Alter erreicht haben und die sich dem Militärstande widmen wollen, kosten- frei zu Unteroffizieren heranzubilden.

2. Wer in eine Unteroffizierschule ausgenommen zu werden wünscht, hat sich bei dem Bezirkskommando seines Aufenthaltsortes oder bei einer Unteroffizierschule (in Biebrich, Ettlingen, Jülich, Marienwerder Potsdam, Treptow a. R. und Weißenfels) oder Unteroffiziervor­schule (in Annaburg, Bartenstein, Greifenberg i. Pomm., Neubreifach, Weilburg und Wohlau) persönlich zu melden und hierbei folgende Schriftstücke vorzulegen:

a) einen von dem Zivilvorsitzenden der Ersatzkommission seines Aushebungsbezirks ausgestellten Meldeschein,

b) den Konfirmationsschein einen Ausweis über den Empfang der ersten Kommunion,

c) etwa vorhandene Schulzeugnisse,

d) eine amtliche Bescheinigung über die bisherige Be­schäftigungsweise, über früher überstandene Krank­heiten und etwaige erbliche Belastung.

3. Der Einzustellende muß mindestens 17 Jahre alt fein, darf aber das 20. Jahr noch nicht vollendet haben.

Er muß mindestens 154 cm groß, vollkommen ge­sund, frei von körperlichen Gebrechen, sowie wahr­nehmbaren Anlagen zu chronischen Krankheiten sein, und die Brauchbarkeit für den Friedensdienst der Jn- ßntcrie besitzen.

Er muß sich tadellos geführt haben, lateinische und deutsche Schrift mit einiger Sicherheit lesen unb sch-L .n ldmm und in den vier Grundrechnungsarten bewandert I sein.

4. Der Eintritt in eine Unteroffizierschule kann nur E erfolgen, wenn sich der Freiwillige zuvor schriftlich ver- tet, nach erfolgter Ueberweifung aus der Unter­offizierschule an einen Truppenteil noch vier Jahre ak- Ä im Heere zu dienen.

5. Ist die Prüfung im Lesen, Schreiben und Rechnen fome die ärztliche Untersuchung günstig ausgefallen, so wird Machst die Berpflichtungs-Berhandlung über die vor- Pschriebene längere aktive Dienstzeit (Ziffer 4) aufge- nommen.

6. Eine Einstellung findet im Oktober nur bei den lluieroffizierschulen in Biebrich und Marienwerder, im April nur bei der Unteroffizierschule in Ettlingen statt.

Wünsche der Freiwilligen um Zuteilung an eine dieser Unteroffizierschulen werden, soweit angängig, be­rücksichtigt.

Wer zu diesen Zeitpunkten nicht einberufen werden kann, darf in freiwerdende Stellen der Unteroffizier­schulen in Biebrich und Marienwerder bis Ende Dezember, in Ettlingen bis Ende Juni eingestellt werden.

7. Die Einberufenen müssen für die Reise zu der Unteroffizierschule ausreichend mit Schuhzeug, Kleidung und Wäsche versehen sein.

8. Der Aufenthalt in der Unteroffizierschule dauert im allgemeinen drei Jahre. Die jungen Leute erhalten gründliche militärische Ausbildung und Unterricht der sie besonders befähigt, die bevorzugteren Stellen des Unteroffizierstandes (Feldwebel rc.), und des Beamten­standes (Zahlmeister rc.) zu erlangen.

9. Die Unteroffizierschüler gehören zu den Militär­personen des Friedensstandes, stehen daher wie jeder andere Soldat unter den militärischen Gesetzen und haben beim Eintritt den Fahneneid zu leisten.

10. Während ihrer Dienstzeit in der Unteroffizier- schule erhalten die Unteroffizierschüler, die sich gut geführt haben, bei Urlaub in die Heimat eine einmalige Reise­entschädigung; auch haben die Unteroffizierschüler bei Beurlaubungen gleich wie die Kapitulanten Anspruch auf Löhnung.

11. Unteroffizierschüler, die sich durch mangelhafte Führung oder durch zu geringe Leistungen als nicht geeignet für den Unteroffizierberuf erweisen, werden aus den Unteroffizierschulen entlassen.

12. Die Unteroffizierschüler treten im allgemeinen als Gefreite in die Front und werden bei guter Führung sehr bald zu Unteroffizieren befördert.

Die besten Unteroffizierschüler können jedoch bereits auf den Unteroffizierschulen zu überzähligen Unteroffizieren befördert werden und treten bei ihrem Ausscheiden in das Heer sogleich in etatsmäßige Unteroffizierstellen.

13. Die Unteroffizierschüler werden in erster Linie der Infanterie überwiesen, können aber auch der Maschinengewehr-Truppe, der Feld-und Fußartillerie, den Pionieren, dem Luftschifferbataillon, den Bezirkskom­mandos und der Marine-Infanterie zugeteilt werden. Die Wünsche der Einzelnen um Zuteilung an bestimmte Truppenteile werden nach Möglichkeit berücksichtigt.

Schlüchtern, den 3. Juli 1912.

Der Königliche Landrat: Valentiner.

J.-Nr. 8636. Die Herren Bürgermeister mache ich darauf aufmerksam,^daß in diesem Rechnungsjahre

die Wetterkarte an Volksschulen versuchsweise zum monatlichen Bezugspreise von 40 Pfg. einschließlich Bestellgeld (gegen sonst 64 Pfg.) abgegeben wird. Be­dingung hier für ist, daß die Bestellung durch das Landratsamt oder die Kreisschulinspektion für alle Schulen gemeinsam und bis zum Schlüsse des lau­fenden Rechnungsjahres erfolgt.

Ich empfehle, von diesem Anerbieten Gebrauch zu machen und etwaige Bestellungen auf die Wetterkarte baldigst hierher einzusenden.

Schlüchtern, den 10. Juli 1912.

Der Königliche Landrat: Valentiner.

Bekanntmachung.

Ich weise darauf hin, daß alle Anträge auf Ge- stattung von Haussammlungen für das Jahr 1913 mit dem vorgeschriebenen Kollektenorganisationsplan späte­stens bis zum 1. August d. J. unmittelbar an den Herrn Oberpräsidenten hier einzureichen sind. Bei Kollekten, die sich über den hiesigen Bezirk hinaus auch auf den Regierungsbezirk Wiesbaden erstrecken sollen, sind für jeden Bezirk getrennte Anträge einzureichen.

Anträge, die nach dem 1. August d. I. eingehen, können nur dann Berücksichtigung finden, wenn die Kollekten zur Beseitigung eines Notstandes dienen sollen und die Anträge nicht vorher eingereicht werden konnten. Cassel, den 21. Juni 1912.

Der Regierungs-Präsident. J. V.: gez. von Wussow.

Unter Bezugnahme auf die Kreisblatt-Verfügung vom 15. Juni 1893 Nr. 4166 (Kreisblatt Nr. 27) wird die Bestimmung im § 11 des Gesetzes vom 28. Oktober 1834, nach welcher die Wiesenbefitzer nicht b^rrchtigt sind, außerhalb der Zeit vom Sonnabend Abend 6 Uhr bis Sonntag Abend 6 Uhr das Mühlen- Wasser zur Bewässerung der Wiesen in Anspruch zu nehmen, zur genaueren Beachtung in Errinnerung ge­bracht.

Die Herren Bürgermeister ersuche ich, dafür zu sorgen, daß obige Bestiminung befolgt wird.

Schlüchtern, den 11. Juli 1912.

Der Königliche Landrat: Valentiner.

Deutsches Reich.

Swinemünde. Seine Majestät der Kaiser hat Mittwoch morgen kurz nach 8 Uhr an Bord der Hohenzollern" unter dem Salut der Festung die Nord­landreise angetreten. Als Begleitschiffe dienen der KreuzerBreslau" und das DepeschenboolSleipner".

Das Geheimnis der Ilkuten.

Roman von Jenny Hirsch. 52

»0, sagen Sie das nicht," bat sie, das schöne Auge, 11 dem eine Träne schimmerte, zu ihm erhebend,Sie orleumden sich selbst; wer gegen alle Menschen so gut »d hilfreich ist. . ."

»Das hat doch eine Grenze, mein Fräulein," erwi- küe der Konsul, aber es klang schon etwas unsicherer. . »Sie haben mich mit einer festen Zuversicht erfüllt, "auch Ihre abweisenden Worte nicht erschüttern fön« L indem Sie mich in Ihrem Garten empfangen," fuhr " fort und ließ ihre Augen ringsum schweifen.Alles, ich hier sehe, heimelt mich so sehr an, mir ist, als W« mir der Geist meiner guten Mutter." »Wieso?" fragte der Konsul verwundert.

^»Meine Mutter ist eine leidenschaftliche Gartenfreun-

^»Und treibt Blumenzucht?" fragte der Konsul interef-

, »In ausgedehnter Weise und mit vielem Glück," ent= 'Snete Christine;der Garten des Forsthauses ist nicht (groß wie dieser, aber es blüht und duftet in ihm vom "°" Frühlingstage bis spät in den Herbst. Auch im Mst fast kein Plätzchen, wo nicht Pflanzen in Töpfen Kübeln aufgestellt wären."

"Haben Sie auch Rosen?" erkundigte sich der Konsul. »8 gewiß, an zweihundert Arten, alle selbst gezo-

»Sie verstehen sich auch darauf?"

"An wenig."

da müssen Sie sich meine Rosen genauer an«

*^f der Konsul und wollte seine Schritte nach .. Kosinbeeten lenken; doch er blieb stehen, voll Be- ^7'19 war der sich bewußt, daß sein Steckenpferd mit ^5P»al wieder durchgegangen war.Sie haben an- ^^§U?-" versetzte i^Jpnimw Sie." r

Er führte das junge Mädchen nach einer Gartenbank, die hinter einem gußeisernen Tisch unter einer Hänge­birke in einem von der Sonne wie vor dem Zugwind gleich geschützten Winkel stand, von dem aus man den größeren Teil des Gartens übersehen konnte. Hier ließ er sie niedersetzen und nahm neben ihr Platz, gespannt, was sie von ihm wissen wolle, und war sehr geneigt, wenn irgend möglich, ihr beizustehen. Das Interesse, das ihm ihre Persönlichkeit eingeflößt hatte, war durch ihr Verständnis und ihre Vorliebe für den Gartenbau noch bedeutend verstärkt worden.

Was wünschen Sie also von mir?" fragte er, da Christine keine Miene machte, das Gespräch zu begin­nen.

Sie schwieg noch einige Augenblicke und sagte dann, wie es ihm scheinen wollte, ziemlich unvermittelt:Herr Konsul, Sie haben eine sehr schlechte Meinung von mei= neni Bruder."

Aber, mein Fräulein, wie kann ich anders, nach allem, was geschehen ist."

Ich meine nicht erst jetzt, sondern früher. Sie hätten als Lydias Vormund nicht zugegeben, daß sie meinen Bruder geheiratet hätte."

Dem Konsul ward es unbehaglich. Er hatte einen Zweig von der Birke qebrochen und zerpflückte ihn in der Hand; das junge Mädchen hatte eine so eigene Art, die Dinge zu behandeln, ihr klares Auge schien ihm bis auf den Grund der Seele zu schauen.Sie scheinen mir eine so verständige Dame, Sie können also nicht übersehen, daß es Unterschiede gibt, die man nicht unberücksichtigt lassen darf. Ihr Bruder war für mein Mündel keine Par­tie, mein Freund Ruffer würbe die Heirat nie zugegeben haben, ich als sein Vertreter mußte in seinem Sinne han­deln."

Sie mögen von Ihrem Standpunkte aus recht ha­ben, Herr Konsul, aber mein Bruder hat sich ja redlich Mühe gegeben, diesen Unterschied auszugleichen. Er hat die höhere Forstkarriere «»ajilij^.Mj^te

Forstmeister, Forstrat werden, das hätte doch Fräulein von Ruffers Lebensstellung entsprochen."

Der Konsul sah sich in die Enge getrieben; er konnte dem klugen Mädchen doch nicht Lydias neugebackenen Adel entgegenhalten, und sein Takt verbot ihm, das Ber» mögen seines Mündels geltend zu machen. Beschämt ge­stand er sich, daß er in dieser Sache sich doch von Herrn von Noßwitz hatte beeinflussen lassen. Aber da war ja auch der rettende Ausweg schon bei der Hand und er sagte:Hätte Ihr Bruder diese Karriere ehrenhaft ver­folgt, wäre ihm nichts vorzuwerfen gewesen, so wäre es nicht unmöglich, daß ich mich doch bewogen gefühlt hätte, meine Einwilligung zu geben. Schlimmsten Falles hätte Lydia ja warten können, bis sie ihrer nicht mehr bedurft hätte, aber Sie wissen vermutlich, was mich und Lydias Schwager zum Eingreifen veranlaßt hat, ich möchte mit Ihnen nicht gern darüber sprechen, mein liebes Fräulein."

Doch, sprechen wir darüber," entgegnete Christine einfach, aber mit großer Bestimmtheit.Mein Bruder be­teuert, er sei das Opfer einer Jntrige geworden."

Sie werden mir nicht zutrauen, daß ich mich einer sol­chen schuldig gemacht haben könnte," entgegnete der Konsul.

Nein, nein," versicherte Christine mit großer Wärme, auch Sie sind getäuscht worden."

Durch wen?" wollte der Konsul fragen, aber eine Scheu, die er sich nicht genau erklären konnte oder mochte, hielt ihn ab, das Wort auszusprechen. Statt dessen sagte er:Das ist nicht möglich. Lydia, die gewiß kein be­stochener Zeuge war, hat Ihres Bruders Handschrift in jenen Briefen erkannt."

Die Eifersucht ist immer ein bestochenerZeuge," er­widerte Christine und sie sah wunderhübsch aus, als der neunzehnjährige Mund diesen Spruch der Weisheit von sich. gab.

Zugestanden," lächelte der Konsul,ich habe aber die Adressatin der Briefe selbst gesprochen und aus ihrem Munde alle Einzelheiten vernommtzsi, deren Wiederhol 1SÖ siLTiLSäfetiK L^LMMtB.