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Schlüchterner Leitung

mit amtlichem Areisblatt. Rlonatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

Telefon Nr. «5. Vierteljährliche Beilage:Unsere Heimat". Telefon Nr. m.

Erscheint Mittwoch und Samstag Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mt. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 1C Pfg.

38 54 Samstag, den 6. Juli 1912. 63. Jahrgang.

Amtliches.

J.-Nr. 4296 K. A. Der bei der Witwe Helena Herber in Ulmbach in Dienst stehenden Maria Stein zu Ulmbach ist für langjährige treue Dienstzeit eine Prämie von 10 Mk. aus Kreismitteln bewilligt worden.

Schlächtern, den 27. Juni 1912.

Der Vorsitzende des Kreis-Ausschusses: _______________________________Valentiner.______________

Bekanntmachung

Der Bundesrat hat in seiner Sitzung toom 23. Mai L M. das Folgende beschlossen:

1. Die Bekanntmachung und die Dienstvorschriften, betreffend die Besteuerung des Tabaks vom 25. März und 29. Mai 1880 sowie die Ausführungsbestimmungen vom 29. Juni 1910 zu § 26 des Tabaksteuergesetzes, ferner die Regulative vom 29. Mai und 16. Juni 1880, betreffend die Niederlagen für unversteuerten in­ländischen Tabak und betreffend die Kreditierung der Tabakgewichtssteuer, sowie die Vorschriften über Ver­wendung von Tabaksurrogaten vom 27. November 1879 treten mit dem 30. Juni 1912 außer Kraft. An ihre Stelle tritt vom gleichen Zeitpunkt ab die im Zentralblatte für das Deutsche Reich, Nr. 25 des laufenden Jahrganges, abgedruckte.Tabaksteuerordnung nebst ihren Anlagen A (Tabaklagerordnung), B (Tabak- steuerftundungsordnung)Iund 0 (Tabakersatzstoffordnung).

2. Die Ausführungsbestimmungen vom 27. :Juli 1909 zu den §§ 1 bis 11 des Tabaksteuergesetzes er­halten die Bezeichnung Tabakzollordnung. Soweit sie sich auf inländischen Tabak beziehen, tritt mit dem 1. Juli 1912 an ihre Stelle die Tabaksteuerordnung.

3. In der Ueberschrift der Bestimmungen über die Tabaksteuerstatistik vom 29. Juni 1910 wird das Wort Tabaksteuerstatistik" durchTabakstatistik" und in § 1 Absatz 1 ebenda das WortAnmeldebücher" durch Flurbücher" ersetzt.

Berlin, am 7. Juni 1912.

Der Finanzminister. J. A.: gez. R a t h j e n.

Deutsches Reich.

Neufahrwasser bei Danzig. (Zur Kaiserreise. Se. Maj. der Kaiser traf am Mittwoch gegen 2 Uhr von Langfuhr aus hier ein und nahm auf derHohen» zollern" Wohnung. Um 5 Uhr erschien die Kron­prinzessin mit ihren drei ältesten Söhnen zum Tee an Bord der Kaiserjacht. Bald nach 6 Uhr traf der Reichskanzler in Begleitung des Wirklichen Legations­rats Grafen Mirbach-Harff und des Adjutanten Frhrn.

v. Sell hier ein. Vorher war bereits der russische General Tatischtscheff angelangt. Sämtliche genannten Herren nahmen auf derHohenzollern" Quartier. Gegen 8 Uhr begab sich der Kaiser von derHohen­zollern" im Automobil nach der kronprinzlichen Villa, wo Abendtafel war. Mittwoch früh um 7 Uhr 30 Min. gingen dieHohenzollern" mit dem Kaiser an Bord, der große KreuzerMoltke und das Depeschen- bootSleipner" nach Baltischport in See, wo die Ankunft am 4. Juli vormittags 10 Uhr vorgesehen ist. Das Wetter ist schön. Von der Ostmole-Batterie wurde ein Salut von 33 Schuß gefeuert.

Peterhof. Der Kaiser und die Kaiserin von Rußland sind mit dem Thronfolger und den Töchtern auf der JachtStandard" nach Baltischport abgereist.

Petersburg. Der deutsche Botschafter ist in Begleitung des Militärattaches und des Marineattachös der deutschen Botschaft nach Reval abgereist.

Danzig. Der Kaiser, Prinz Adalbert und Prinzessin Viktoria Luise trafen Dienstag früh um 7 Uhr 40 Minuten mit dem Sonderzuge auf dem hiesigen Hauptbahnhofe ein. Zum Empfange war die Kron­prinzessin in der Uniform ihres Dragoner-Regiments erschienen. Die allerhöchsten Herrschaften begaben sich dann mit Gefolge nach dem großen Exerzierplatz bei Langfuhr. Im ersten Automobil saßen der Kaiser, Prinz Adalbert, die Kronprinzessin und die Prinzessin Viktoria Luise, die die Uniform ihres Leib-Husaren- Regiments angelegt hatte.

In der Ausschußsitzung des deutschen Lardwirt- schaftsrats, die unter dem Vorsitz des Grafen von Schtverin-Löwitz zu ihrer Sommertagung in Baden- Baden zusammengetreten war, wurde auch über die Vorbereitungen der Landwirtschaftlichen Körperschaften für den Abschluß neuer Handelsverträge verhandelt, worüber Graf v. Schwerin-Löwitz referierte. Der Aus­schuß beschloß, die landwirtschaftlichen Vertretungen in allen Bundesstaaten aufzufordern, durch eingehende Er­hebungen festzustellen, welche Erzeugnisse, der einhei­mischen Landwirtschaft und Gärtnerei eines besseren Schutzes bedürftig sind.

EineMasurische gemeinnützige Ansiedlungs- gesellschast", die den Kreis Johannisburg in Ostpreußen und die anliegenden Kreise umfassen soll, ist mit einem Stammkapital von 80 000 Mk. ins Leben getreten. Die Ziele der Gesellschaft erstrecken sich auf die An- siedlung von Landarbeitern und Gründung von Bauern­stellen sowie deren Befestigung, wie auf Förderung der

Wohlfahrtspflege auf dem Lande. Gleichzeitig soll das Deutschtum im nationalen Sinne kräftig gefördert und gestärkt werden. Entsprechend den Grundsätzen der An- iedlung sollen Grundstücke nur bis 125 Hektar erworben verden. Beteiligt an dem Unternehmen sind dieOft­preußische Landgesellschaft", der Kreis Johannisburg sowie die Stadtgemeinde Bialla und der dortige Dar- lehnskassenverein. Der gemeinnützige Charakter der Gesellschaft wird besonders betont, trotzdem eine Divi­dende auf die Einlagen gewährt und das Ganze nach kaufmännischen Grundsätzen geleitet werden soll.

Die Sommerhitze des Jahres 1911 hat eine starke Steigerung der Säuglingssterblichkeit im Gefolge gehabt. Die Zahl der gestorbenen Säuglinge betrug allein in der Zeit vom 1. Juli bis 30. September 1911 um 30 000 mehr als durchschnittlich in dem gleichen Zeitraum der vorangegangenen Jahre. Da vielleicht auch der bevorstehende Sommer wieder eine bedeutende Hitze bringen wird, erscheint es geboten, schon jetzt nach Mitteln und Wegen zu suchen, einer Steigerung der Säuglingssterstlichkeit möglichst vorzu- beugen. Das Kaiserin Auguste-Viktoria-Haus zur Be­kämpfung der Säuglingssterblichkeit im Deutschen Reiche in Charlottenburg nun hat ein Flugblatt und Hitze­merkblatt zur Belehrung der Bevölkerung herausgegeben, denen zur Aufklärung der Bevölkerung weitere Ver­breitung zu wünschen ist. Vom Verlage von Georg Stilke (Berlin N. W. 7) wird das Flugblatt zum Preise von 2 Mark für 100 Exemplare, 16 Mk. für 1000 Exemplare und das Hitzemerkblatt zum Preise von 2,50 Mk. für 100 Exemplare, 20 Mk. für 1000 Exemplare geliefert.

Auslanö.

Der öffentliche Betrieb auf der deutsch-ostafri- kanischen Mittellandbahn ist nunmehr bis Tabora, das ist eine Strecke von 848 Kilometern ab Daressalam, von bet Ostafrikanischen Eifenbahngesellschaft über­nommen worden.

Bei dem Festmahl des deutschen Hospitals in London brächte der Lordkanzler Haldane einen Trink» fpruch auf den Deutschen Kaiser aus. Der Deutsche Kaiser, sagte er, ist etwas mehr als ein Kaiser; er ist ein Mann und ein großer Mann. Er ist von den Göttern mit den höchsten Gaben beschenkt worden, die sie verleihen können. Er besitzt Geist, er ist ein wahrer Führer seines Volkes, ein Führer sowohl im Geist als in der Tat. Er hat das deutsche Volk fast ein Viertel-

Aas Heheimms der Muten.

Roman von Jenny Hirsch. 49

Christine hatte ihren Bruder zwar bleich und hager, aber sonst gesund und ungebeugtem Mutes gefunden. Wohl erfüllte ihn eine grenzenlose Erbitterung über das schwere Unrecht, das man ihm, wie er sagte, zufügte, und über die Voreingenommenheit, mit welcher die Unter- suchung geführt worden war, aber aus dem letzteren Um­stände schöpfte er gerade die Hoffnung, daß die öffent­liche Verhandlung 'vor anderen Richtern seine Unschuld an den Tag bringen müsse. Mehr als sein eigenes Schick­sal bekümmerte ihn jedoch die Sorge, was aus Lydia ge- worden sei und er hatte die Schwester beschworen, Nach­forschungen nach ihr anzustellen.

Christine hatte ihm erzählt von dem pomphaften Lei­chenbegängnis, dessen Bericht sie in den Zeitungen ge­lesen und er hatte darauf die. Hände ringend gerufen: Während sie die falsche Lydia begraben, geht die wirk­liche im fremden Lande zu gründe, und ich bin hier ge­fesselt. Es muß ihr etwas zugestoßen sein, sonst hätte sie sicherlichNachricht von sich gegeben."

Christines Blick war, während ihr Bruder diese Worte sprach, auf den Beamten gefallen, welcher der Unter­redung bekwohnte, und sie hatte wohl bemerkt, welch spöt­tisches Lächeln seine Lippen umzuckte. Er betrachtete die Aeußerung sicher als eine für sein Ohr bestimntte Un­wahrheit und hielt die Schwester entweder für die Ge­täuschte oder für die Mitwisserin und Hehlerin des Ver­brechens. , .

Und wäre sie nicht die Schwester gewesen, so hätte sie es vielleicht gemacht wie alle anderen Leute, und hatte Ludolf nicht geglaubt, ja, vielleicht hätte sie es selbst als Schwester nicht getan, wären nicht zu seinen Aussagen die ihrer Mutter gekommen, an deren Wahrscheinlichkeit zu zweifeln sie für eine schwere Sünde gehalten hatte .Freilich, die ErMlunA Hang abenteuerlich, und so oft

sie sich bemüht hatte, für verschiedene Punkte eine Er- ! klärung zu finden, war sie ihr in den Gesprächen mit ' der Mutter, wie auch heute in der Unterredung mit dem ! Bruder, doch dunkel geblieben.

Wer war aber die Leiche, die man aus dem Kellersee gefischt und die alle Welt mit Ausnahme ihrer Mutter, ihres Bruders und der alten Köchin für die Lydia von Ruffer erklärt hatte?

Weshalb hatte Lydia, als Ludolf sie aus dem Wasser gezogen, darauf bestanden, daß niemand von ihrem Un­fall und von ihrer Rettung erfahre, wie hatte das sonst so verständige Mädchen den abenteuerlichen Plan einer gemeinsamen Flucht mit Ludolf fassen können, für die Christine gar keine zwingende Notwendigkeit einzusehen vermochte? Wie hatte Ludolf darauf so schnell eingehen können? Und wenn sie dafür eine Erklärung in seiner grenzenlosen Liebe zu Lydia fand, wie hatte ihre Mat­ter, ihre besonnene, allem Extravaganten abholde Mut­ter, ihre Zustimmung geben und dieHand zur Ausführung bieten können?

Sie hatte, wenn sie der Mutter eine solche Frage vor­gelegt, immer Antworten bekommen, bei welchen sich ihr die Wahrnehmung aufdrängen wollte, jene wisse etwas, das sie nicht sagen dürfe oder das sie sich zu sagen scheue. Die gleiche Bemerkung hatte sie zu machen geglaubt, so oft sie ihre Vermutungen darüber aussprach, auf welche Weise Lydia in den See geraten sei, und ihre Verwun­derung äußerte, daß Mutter und Bruder sich darüber nicht Gewißheit verschafft hätten. Die sonst so sanfte Försterin konnte dann geradezu heftig werden und mit einer ge­wissen Anzüglichkeit, über ivelche die Tochter im stillen lächeln mußte, erwidern, sie sei nicht unzart genug ge­wesen, in das zum Tode erschöpfte Mädchen zu dringen, um Dinge zu erfahren, über die sie jedenfalls einen Schleier zu breiten wünschte.

Allen diesen Fragen gesellte sich die weitere zu, wie es gekommen sei, daß Lydia, die nach Ludolfs Aussage kaum eine Stunde vorher noch von« tiefsten Mißtrauen

gegen ihn erfüllt gewesen war und ihn schroff zurückge­wiesen hatte, so plötzlich ihr Unrecht eingesehen, ihn um Verzeihung gebeten und nun im Gegenteil bereit gewe­sen war, in schrankenlosem Vertrauen ihr Schicksal mit dem seinen zu vereinigen? Ihr klarer Verstand sagte ihr, daß hier vielleicht das Rätsel liege, von dessen Lösung Freiheit und Leben ihres Bruders abhäuge.

Aber wo diese Lösung finden? Die Mutter und Lu­dolf mußten sie doch nicht geben oder doch nicht genü­gend geben können, denn es war nicht anzunehmen, daß nur ein Lydia gegebenes Versprechen ihre Zunge binde, die Notwendigkeit war viel zu eisern, um hier nicht den Bruch des verpfändeten Wortes zu rechtfertigen. Je mehr Christine sann, desto mehr verschürzten sich die Fäden, sie sah keinen Ausweg aus dem Wirrsal.

Nur eine könnte diesen Knoten lösen: Lydias Aber wo ist sie geblieben? Was ist aus ihr geworden?" sagte sie fast mit denselben Worten, die sie von Ludolf gehört hatte, aber, wie sie sich nicht ohne Beschämung eingestand, aus weit egoistischeren Beweggründen. Sie hatte Lydia von Ruffer stets sehr gern gehabt, die Vorstellung, daß sie hier dem Tode in den Fluten entgangen sei, um in der Ferne einem finsteren Schicksal anheim zu fallen, be­drückte sie tief, dennoch ersehnte sie sie in erster Linie herbei um des Bruders willen.

Aber Lydia von Rllffer, immer vorausgesetzt, daß sie wirklich noch lebte, war wie vom Erdboden verschwunden.

Sobald die Anklage dem Gefangenen zugestellt wor­den war, hatte er sich den Dr. Seifert, einen jüngeren Rechtsanwalt, der sich vor nicht langer Zeit in Eutin niedergelassen zum Verteidiger erwählt. Dessen nächstes Geschäft war es nach seiner ersten Unterredung mit sei­nem Klienten gewesen, einen Austuf an Lydia von Ruf­fer in deutschen und englischen Zeitungen zu erlassen, durch welchen sie ersucht wurde, sich zu melden, und durch wel­chen auch an alle Leser die Aufforderung erging, sofern man etwas von ihr wisse, es an zuständiger Stelle an* ÄJ.z .r^^&s^