Zchluchterner Zeitung
mit amtlichem Areisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Aalgeber.
Telefon Nr. «3. Vierteljährliche Beilage: „Unsere Heimat". Telefon Nr. «S.
Erscheint Mittwoch und Samstag — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mt. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 1C Pfg.
M 52. Samstag, den 29. Juni 1912. 63. Jahrgang.
Die im 63. Jahrgang erscheinende Schlüchterner Zeitung mit amtlichem Kreisblatt ist mithin die älteste und'verbreitendste Zeitung im Kreise Schlüchtern und weit noch über denselben hinaus und finden Inserate in derselben wirksame Verbreitung.
W. * _ TTm + amIimaaIihm m daher in der Zustellung unserer Zeitung durch die Post beim bevorstehenden Quartalswechsel vermeiden will, der P | 1 PPRPPP |R ^olle dieselbe so bald wie möglich bei dem betreffenden Postamts bestellen. Nur diejenigen auswärtigen
I|||| 11| I Ullllllllll Postabonnenten, welche bis spätestens 29. Juni unsere Zeitung wieder bestellt haben, können verlangen, umu uhiui uuuuuy daß ihnen unsere Zeitung vom 1. Juli ab pünktlich von der Post geliefert wird. Wer später bestellt, muß nach den amtlichen Bestimmungen für Nachlieferung der ersten Nummern des neuen Quartals eine besondere Gebühr von 10 Pfg. bezahlen. — Jede Postanstalt und jeder Landbriefträger ist verpflichtet, Abonnements-Bestellungen anzunehmen.
Zu recht zahlreichen Bestellungen auf das mit dem 1. Juli 1912 beginnende neue Vierteljahr ladet freundlichst ein
die Expedition der „Schlüchterner Zeitung".
Amtliches.
Am Sonnabend, den 20. Juli d. Js., vormittags 11 Uhr findet in Sierbfritz eine iMUnforung statt.
Schlüchtern, den 25. Juni 1912.
Der Königliche Landrat: Valentinec.
Zum Schutze der Säuglinge!
Ratschläge für die heißen Monate.
Bearbeitet im Kaiserin Augusta Viktoria-Haus zur Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit im Deutschen Reiche.
Verlag von Georg Stilke, Hofbuchhändler Sr. K. u. K. Hoheit des Kronprinzen, Berlin NW. 7.
Preis 5 Pfg.; 100 Exemplare 2,50 Mk; 1000 Exemplare 20 Mk.
Mütter! Der größte Feind Eurer Kleinen ist der Sommer mit seiner großen Hitze! Unter den Lebensmitteln verdirbt am leichtesten die Tiermilch. Darum ernährt eure Kinder an der Brust und setzt nie im Sommer ab. Brustmilch verdirbt nicht. Gebt euren Kindern alle vier Stunden, d. h. fünfmal des Tages, abwechselnd die rechte und linke Brust und laßt ihnen nachts die Ruhe. Künstlich ernähren dürft ihr nur auf Anordnung und unter Aufsicht des Arztes, ihr müßt dann besonders genau und sauber dabei sein. Ihr müßt jede Flasche nach jeder Mahlzeit sofort mit Wasser füllen und sie mit einer Flaschenbürste und mit Soda, Borax oder Seifenwasfer reinigen, mit gekochtem Wasser nachspülen und sie umgekehrt an einem reinen Ort, möglichst in einen reinen Topf stellen. Gebraucht nur Grammflaschen, denn nur mit ihnen könnt ihr die Nahrungsmenge genau bestimmen. Ihr müßt den Sauger nach jedem Gebrauch mit Salz oder Borax-
Wasser ab- und ausreiben, ihn in einem Topf kochen und in sauberem, zugedecktem Gefäß aufbewahren. Am besten ist es, ebensoviel Sauger wie Flaschen zu haben. Verboten ist euch, die Flaschensauger als Schnuller zu benutzen! Verboten sind euch, Glasröhren oder Gummischläuche als Flaschei.sauger ebenso der Zuckerschnuller! Kauft eure Milch nur in einem Kuhstall, von dessen Sauberkeit ihr euch überzeugt habt, am besten fragt ihr den Arzt oder die Fürsorgestelle, woher ihr die Milch zu nehmen habt.
Ihr dürft die Milch nicht zuhause herumstehen lassen, müßt sie sofort 3 Minuten in einem reinen Topf kochen, schnell abkühlen, indem ihr den Topf, mit einem Deckel versehen, in kaltes Wasser setzt und dieses häufig erneuert. Ihr dürft die Milch nach dem Kochen nicht in andere Töpfe gießen, sondern müßt sie solange in dem kühl ausbewahrten Topf lassen, bis ihr sie unmittelbar vor dem Gebrauch in vorgeschriebener Menge in die Flasche füllt. Stehen euch fünf Flaschen zur Verfügung, was natürlich am besten ist, so müßt ihr^die Milch sofort nach dem Kochen in vorgeschriebener Menge in Flaschen füllen und sie verschlossen an einem kühlen Platz, am besten einem Eisschrank, aufbewahren. Habt ihr keinen Eisschrank, so könnt ihr euch selbst mit ganz geringen Kosten einen solchen herstellen. Ihr holt euch vom Kaufmann eine Holzktste, bestreut den Boden mit Sägespänen, setzt zwei Eimer von verschiedenen Größen ineinander hinein und füllt bis zum oberen Rande des größeren Eimers mit Sägespänen nach. In den kleineren Eimer werden die Flaschen mit Nahrung, umgeben von kleinen Eisstückchen gesetzt und mit dem Deckel des Eimers zugedeckt. Der Deckel der Kiste wird mit einer Lage Zeitungspapier beklebt.
Ihr müßt beim Flaschenkinds besonders die Vorschriften des Arztes befolgen, niemals öfter als verordnet die Flasche geben. Lieber weniger Nahrung in
der heißen Zeit geben, als zuviel. Tritt Durchfall ein, so laßt die Milch fort, gebt Tee (Fenchel-, Lindenblüten-, Pfefferminz-, einfachen Tee) ohne Milch, bis ein Arzt zu erreichen ist, aber nicht länger als 12 Stunden.
In der heißen Jahreszeit hat der Säugling wie der Erwachsene Durst. Gebt ihm dann — er zeigt seinen Durst durch große Unruhe an — abgekvchtes Wasser oder dünnen Tee, möglichst ohne Zucker. Auch zu warmes Einpacken oder ein überhitzter Raum machen den Säugling krank' daher weg mit allen Federbetten und dicken Wickeltüchern, weg mit der Gummiunterlage! Ihr könnt im Sommer euer Kleines fast nackt im Bettchen oder Korb strampeln lassen, eine dünne leichte Decke genügt zum Zudecken! Ihr müßt eure Kinder vor den sie quälenden Fliegen schützen, indem ihr einen leichten Schleier über Bettchen und Korb legt. Das beste und kühlste, häufig gelüftete Zimmer eurer Wohnung ist für euer Kind das geeignetste. Dieses Zimmer könnt ihr noch kühler m tchen, wenn ihr die Fensterscheiben häufig mit möglichst kühlem Wasser besprengt. Jbr dürft das Kind nicht in der heißen feuchten Küche stehen haben. Hat eure Wohnung kein kühles schattiges Plätzchen, so versucht im Hause ein solches ausfindig zu machen (Keller); dort stellt euer Kind hin.
Könnt ihr auch im Hause ein solches Plätzchen finden, so bringt das Kind möglichst viel an einen schattigen, nicht schwülen Ort im Freien, auch da darf es bloß liegen. Geringe Zugluft schadet eurem Kinde im Sommer nichts.
Ihr müßt euer Kind im Sommer mindestens täglich einmal baden, oder öfters mit kühlem Wasser waschen!
Geeignete Nahrung, Sauberkeit und frische Luft sind zum Gedeihen des Kindes unbedingt erforderlich.
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Aas Geheimnis der Akuten.
Roman von Jenny Hirsch. 47
„Sie meinen wohl, ich habe die Summe in barem Gelde bei mir?“ lachte Roßwitz ingrimmig
„Nun, wenn auch das nicht, aber doch in guten Staats- vapieren; ich nehme sie zum Tageskurs. Was vom Konsul Elster kommt, kann man unbesehen nehmen. Hier sind die Wechsel."
Er hatte den eisernen Schränk und dann eine darin befindliche Kassette aufgeschlossen, der er jetzt einige Papiere entnahm. Er sah Roßwitz erwartungsvoll an, der rührte sich aber noch immer nicht.
-Jst'S gefällig?"
„Ich habe weder Geld noch Papiere und kann Ihnen die Wechsel heute nicht bezahlen," sagte er, die Arme übereinander schlagend.
„Was? Richt bezahlen!" rief Liewald und fuhr, wie oon einer Viper gebissen, empor, setzte aber dann hinzu: ,O, Sie scherzen, mein Verehrter, gnädiger Herr, ich sehe «6 Ihnen an, Sie lachen ..."
„Ja, ich lache," Roßwitz sprang auf und trat auf Liewald zu, der bei seiner Annäherung die Wechsel schnell wieder in die Kassette warf und diese schloß. „Ich lache über das grenzenlos einfältige Gesicht, das Sie machen, sonst ist mir aber gar nicht lächerlich zu Mute. Mit einem Worte, Sitwald, ich kann nicht allein nicht zahlen, sondern Sie müssen noch zuzahlen, Sie müssen mir noch Geld geben."
„Sind Sie rasend?" schrie jetzt der Händler brutal. „Wissen Sie auch, wie hoch sich meine Forderung an kie beläuft?" . ,
„Auf etwa dreihundertfünszigtausend Mark, so genau läßt sich das bei dem lawinenartigen Anschwellen Ihrer Forderungen nicht bestimmen," erwiderte Roßwitz spöttisch.
r ■übrigens hohen Sie sHon größere Summen von
mir zu fordern gehabt, als jetzt und nicht einen solchen Lärm erhoben, wie in den letzten Wochen."
„Damals standen Ihnen noch die Erbschaften vom Geheimrat von Ruffer und dessen Gemahlin in Aussicht."
„Und jetzt ist mir die von meiner Schwägerin zugefallen."
„Auf solchen Glücks- oder vielmehr Trauerfall konnte ich nicht rechnen," sagte der Geldverleiher hämisch, „aber wo ist das Geld?"
„In der Kasse des Konsuls Elster."
„Und der macht Schwierigkeiten? Ist irgend eine Klausel im Testament?"
„Sie können doch nicht annehmen, daß ein neunzehnjähriges Mädchen ein Testament gemacht hat. Meine Frau ist ihre einzige Schwester und ihre einzige Erbin, sie betommt uneingeschränkt den ganzen Nachlaß.
Liewald atmete auf. „Nun, dann ..."
„Aber erst in einigen Wochen; ich glaube, Sie kennen des Konsuls Pedanterie und seinen Eigensinn."
„Ja, ja," stimmte Liewald zu, „aber hier, wo die Sache so einfach liegt..."
„Setzen Sie sich und lassen Sie sich die Geschichte erzählen," sagte Roßwitz und erzählte nun im vertraulichen Ton von seinem Besuche bei dem Konsul und dessen Weigerung, ihn in den Besitz der Erbschaft zu setzen, wobei er die Gründe des alten Herrn als völlig haltlos und als bloße Schrullen darstellte.
„Es ist der barste Unsinn, einen Menschen nicht für tot zu halten, dessen Leiche von mindestens zwanzig Personen rekognosziert ist."
„Wir mürben,“ fuhr er fort, „wahhaftig nicht das erste beste Frauenzimmer in unserem Familienbegräb- nis beigesetzt haben. Und der Konsul zweifelt auch gar nicht daran, er ist ein solcher SicherheitSkommissar."
„Ist immer gut dabei gefahren, man kann sich ein Beispieldaran nehmen," bemerkte der Wucherer.
„Dann wjuß man auch Geschäfte mach«n, wie der
Konsul Elster, nicht solche, die kein allzu helles Tageslicht vertragen, mein lieber Herr Liewald,"versetzte Roß- witz höhnisch, schlug aber sogleich wieder einen gemütlichen Ton an. „Doch streiten wir darüber nicht. Jeder nach feinem Geschmack, und ich möchte dem Konsul den seinen sehr gönnen, wenn eS mich nur nicht augenblicklich in Verlegenheit gebracht hätt«. Mit Ihrer Hilfe werd« ich sie aber überwinden."
„Mit meiner Hilfe? Ich muß doch sehr bitten," rief Liewald und wollte aufspringen.
Roßwitz drückte ihn nieder und sagte: „Bleiben Sie ruhig sitzen, lieber Freund, die Sache ist nicht anaetan, um sich darüber sonderlich aufzuregen. ES kann Ihnrn doch gleich sein, ob Sie von mir oder jemand entert die Zinsen für Ihr Geld bekommen."
„Mein Geld," wiederholte Liewald, „als ob e8 mei® Geld wäre. Wie oft habe ich Ihnen gesagt, daß ich di« Geschäfte nur für andere mache: sie haben den Gewinn ich bekomme nur sehr bescheidene Prozente."
„Kennen wir, Sie tun eS aus reiner Menschenliebe,* lachte Roßwitz. „Nun meinetwegen, so sagen Sie dem anderen, daß er warten muß."
„Das wird er nicht wollen."
„Hören Sie, mein lieber Liewald, für so dumm kann ich den oder meinetwegen die Herren nicht halten. Machen Sie jetzt Lärm, so wird der Konsul, so werd»n auch noch andere aufmerksam und und man weiß nicht, welchen Floh sie meiner armen guten Frau noch int Ohr setzen; bleibt aber jetzt hier alles hübsch ruhig, so lasse ich sie im AuSland, komme mit ihrer Generalvollmacht her und nehme die Erbschaft in Empfang. Leuchtet Ihn«» daS ein?"
„Ja, ja, es klingt ja soweit ganz gut, wenn man nur gewiß wüßte ..."
„Wak Denn ?“
„Das der Mensch da in Sutin wirklich nybonnert. würd«." lÖM^