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ZllMlhAner Zeitung

mit amtlichem Kreisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

Telefon Nr. es. Vierteljährliche Beilage:Unsere Heimat". Telefon Nr. «S.

Erscheint Mittwoch und Samstag Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mt. Anzeigen tosten die kleine Zeile oder deren Raum 1C Pfg.

50. Samstag, den 22. Juni 1912. 63. Jahrgang. g^g»wom»M:i;amaa»%?^««^^

Die im 63. Jahrgang erscheinende Schlüchterner Zeitung mit amtlichem Kreisblatt ist mithin die älteste und verbreitendste Zeitung im Kreise Schlüchtern und weit noch über denselben hinaus und finden Inserate in derselben wirksame Verbreitung.

Hin« ninn ILiln^knnnlin daher in der Zustellung unserer Zeitung durch die Post beim bevorstehenden Quartalswechsel vermeiden will, der lAlri Plilr I I r PHPrillll ^^lle dieselbe so bald wie möglich bei dem betreffenden Postamte bestellen. Nur diejenigen auswärtigen

III flII I III 111 111||| |l Postabonnenten, welche bis spätestens 29. Juni unsere Zeitung wieder bestellt haben, können verlangen,

daß ihnen unsere Zeitung vom 1. Juli ab pünktlich von der Post geliefert wird. Wer später bestellt, muß nach den amtlichen Bestimmungen für Nachlieferung der ersten Nummern des neuen Quartals eine besondere Gebühr von 10 Pfg. bezahlen. Jede Poftanstalt und jeder Landbriefträger ist verpflichtet, Abonnements-Bestellungen anzunehmen.

Zu recht zahlreichen Bestellungen auf das mit dem 1. Juli 1912 beginnende neue Vierteljahr ladet freundlichst ein

die Expedition derSchlüchterner Zeitung".

Amtliches.

Verordnungen und Bekanntmachungen anderer Kaiserlicher n Königlicher Behörden.

J.-Nr. 7141. Zum Schutz der Reichs-Telegraphen- anlagen sind durch das Gesetz vom 13. Mai 1891, betreffend die Abänderung von Bestimmungen des Strafgesetzbuches für das Deutsche Reich, nachstehende Bestimmungen erlassen:

§ 317. Wer vorsätzlich und rechtswidrig den Betrieb einer zu öffentlichen Zwecken dienenden Tele­graphenanlage dadurch verhindert oder gefährdet, daß er Teile oder Zubehörungen derselben beschädigt oder Veränderungen daran vornimmt, wird mit Gefängnis von einem Monat bis zu 3 Jahren bestraft.

§ 318. Wer fahrlässiger Weise durch eine der vorbezeichneten Handlung den Betrieb einer zu öffent­lichen Zwecken dienenden Telegraphenanlage verhindert oder gefährdet, wird mit Gefängnis bis zu einem Jahre oder mit Geldstrafe bis zu 900 Mark bestraft.

Unter Telegraphenanlagen im Sinne der §§ 317 und 318 sind Fernsprechanlagen mitbegriffen.

Da die Reichs-Telegraphenanlagen in letzter Zeit häufig teils vorsätzlich (Zertrümmern der Isolatoren durch Steinwürfe rc.), teils fahrlässig (namentlich beim Fällen von Bäumen) beschädigt worden sind, so werden die vorstehenden Bestimmungen hiermit warnend zur öffentlichen Kenntnis gebracht. Zugleich wird dem­jenigen, welcher vorsätzliche od. fahrlässige Beschädigungen der Reichs-Telegraphenanlagen so zur Anzeige bringt, daß gegen den Täter mit Erfolg eingeschritten werden kann, in jedem einzelnen Falle eine Belohnung bis zur Höhe von 15 Mark hiermit zugesichert.

Cassel am 18. Mai 1912.

Kaiserliche Ober-Postdirektion: I. V.: Buchholz.

Die Ortspolizeibehörden wollen dem Schutze der

Telegraphenanlagen ihre besondere Aufmerksamkeit widmen und bei etwaigen Beschädigungen derselben un- nachsichtlich einschreiten.

Schlüchtern, den 14. Juni 1912.

__ Der Königliche Landrat: Valentiner.

J.-Nr. 7564. Diejenigen Herren Bürgermeister, welche mit der Rücksendung der Berichte über die Prüfung des Feuerlöschwesens noch im Rückstände sind, werden an deren umgehende Einsendung erinnert.

Schlüchtern, den 2L Juni 1912.

Der Königliche Landrat: I. V.: Schultheis.

J.-Nr. 7742. In Ulrichstein Kreis Schotten ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen.

Schlüchtern, den 20. Juni 1912.

Der Königliche Landrat: I. V.: Schultheis.

J.-Nr. 7547. Die Herren Bürgermeister ersuche ich, innerhalb 8 Tagen anzuzeigen, wieviel Prozent des Staatssteuersolls für das Rechnungsjahr 1912 an Ge­meindeumlagen (einschließlich Kreissteuer) und an Kirchenumlagen erhoben werden.

- " Schluchten, den 17, Juni 1912.

Der Königliche Landrat^ I. V.: Schultheis.

Die Kranken-Versicherungsbeiträge für die Zeit vom 1. April bis 1. Juli d. Js. müssen alsbald zur Ein­zahlung gelangen.

Spätestens am 15.Juli 1912 wird mit der kosten­pflichtigen Betreibung der bestehenden Rückstände be­gonnen werden.

Die Herren Bürgermeister ersuchen wir dieses mög­lichst bald, in seither üblicher Art, allen Beteiligten ihrer Gemeinde zur Kenntnis bringen zu lassen.

Schlüchtern, am 20. Juni 1912.

__________________ Kreiskrankenkasse: Ackermann.

J.-Nr. 7469. Die Herren Bügermeister und Guts­vorsteher ersuche ich mir bestimmt bis zum 28. d.

Mts. eine Uebersicht über die Zahl der nach der Reichsversicherungsordnung gegen Krankheit Versiche­rungspflichtigen Personen nach dem nachstehenden Muster einzureichen:

Uebersicht

über die Zahl der nach der Reichsversicherungsordnung gegen Krankheit Versicherungspflichtigen Personen nach dem Stande vom 15. Juni 1912.

Gesamtzahl der Ber- fich«r>mgS- Pflichtigen

Darunter befinden sich:

----

in der Landwirt­schaft beschäf­tigte Personen

Dienst­boten

im Wanderge­werbe be­schäftigte Personen

Hautgewerbe­treibende und ihre hauSgewerbl. Beschäftigten.

-

Bei der Erniittelung der in die vorstehende Ueber­sicht aufzunehmenden Zahlen ist zu beachten, daß die Krankenversicherungspflicht auf alle nach § 1226 der Reichsversicherungsordnung (R. G. Bl. 1911 S. 509) der Invaliden- und Hinterbliebenenversicherungspflicht unterliegende P/Ionen ausgedehnt ist und sich darüber hinaus erstreckt auf alle Hausgewerbetreibende«, auf Personen die das 16. Lebensjahr noch nicht erreicht haben, auf Lehrlinge, die ohne Entgeld beschäftigt werden, und in den Fällen, in denen ein bestimmter Jahresarbeiterverdienst die Grenze der Versicherungs­pflicht bildet, auf Personen mit einem Jahresarbeils» Verdienste bis zu 2500 Mark.

Schlüchtern, den 18. Juni 1912.

__ Der Königliche Landrat: Valentiner.

Deutsches Reich.

Zu der Kaiserbegegnung in den finnischen Schären. Nach Petersburger Nachrichten wird der Zar bei seiner Begegnung mit Kaiser Wilhelm in den

Das Geheimnis der Akuten.

Roman von Jenny Hirsch. 45

So muß die Angelegenheit in der Schwebe bleiben," antwortete Noßwitz "inbem er sich erhob und dem Konsul die Hand zum Abschied bot.Leben Sie wohl, ich werde trotzdem mit den Meinigen die Reise antreten, im Grunde ist's ja auch einerlei, es liegt alles in guten Händen."

In besseren als in den Deinigen," murmelte Kon- . ful Elster, in sein Zimmer zurückkehrend, nachdem er sei­nen Gast bis an die Tür begleitet hatte.Mit allen die­sen Mätzchen täuscht mich der edle Herr von Noßwitz nicht. Er braucht das Geld, und eben, weil ich das merke, werde ich es ihm vorenchalien, so lange sich nur einBor- wand dafür ersinnen läßt. Was dieser Mensch meinem Freunde Ruffer gekostet hat, daS hat außer den beiden wohl niemand erfahren, und ich fürchte, Noßwitz ist sich selbst nie darüber klar geworden. Nach dem Tode des Schwiegervaters hat er zwei Millionen Mark bekommen, nach dem Tode der guten Frau von Ruffer wieder so viel, und davon scheint nur wenig noch vorhanden zu fein.

Wie lange wird denn das Vermögen vorhalten, das ihm durch das Unglück des lieben Kindes in den Schoß geschlerrdert worden ist? Arme Edith, ich fürchte, Dir ste­hen noch recht trübe Erfahrungen bevor. Warum Ruffer nur für sie und die Kinder nicht etwas festgesetzt hat, was der Schwiegersohn nicht angreisen kann? War so ein kluger, vorsichtiger Mann und konnt« doch eine solche Dummheit machen." c .

Er stützte den Kopf in die Hand und buckle sinnend vor sich hin.

* e *

Hoch erhobenen HaupteS, aber mit düsterem Blick und «es gefurchter Stirn schritt Herr von Noßwitz die schöne, «leite mit Planeten, Ulmen unb Kastanienbäumen be- jHte Allee entlang, welche von derkleinen Villenkvionie

auf dem Schiffbauerdamm bis zur Stadt führt. Die sonst recht belebte Promenade war heute ziemlich menschenleer, denn das Wetter war zum Spazierengehen durchaus nicht einladend. Schon seit dem frühen Morgen war der Him­mel bleigrau und schien sich tief auf die Erde herabsen­ken zu wollen. Eine schwere, drückende Luft lastete auf Menschen und Tieren und ließ auch Bäume und Pflan­zen die Blätter senken. Einzelne aufspringende Windstöße brachten keine Kühlung,sondern wirbelten nur dickeStaub- wolken atembeklemmend empor. Alles lechzte nach Re­gen, bessert Vorboten vorhanden waren und der noch nicht kommen wollte.

Die wenigen Personen, welche sich auf der Promenade befanden, hatten genug zu tun, Hüte und Kleider gegen den immer heftiger werdenden Wind zu schützen und ach­teten weniger auf die Begegnenden: auch Herrn von Noß- witz fuhren die StaubwoÜen mehrmals ins Gesicht und hinderten ihn am Sehen, trotzdem setzte er die Höflichkeit einen Augenblick beiseite uub tauschte mit Bekannten Grüße aus.

Endlich mochte es ihm aber doch zu viel werden. In d« Nähe deS Tores rief er einen dckrt mit feinem Ge­fährt haltenden Droschkenkutscher an, nannte ihm die Straße, wohin er gefahren sein wollte, und stieg ein, den Schlag dröhnend hinter sich zuwerfend.

Kaum saß er im Wagen, so verschwand der hochfah­rende Ausdruck seines Gesichte«, statt dessen malten sich Angst und Unruh« in seinen Zügen.Verwünscht!" stöhnte er und knirschte wütend mit den Zähnen. Aufgeregt mur­melte er unverständliche Worte vor sich hin, doch gelang «8 ihm nicht, sich zu beruhigen, denn sein Gesicht war erschreckend bleich, als er den Wagen verließ, um den Rest seines Wege« wieder zu Fuß zurückzulegen.

Er durchschritt ein paar der verkehrsreichsten Straßen und blieb in der Georgenstraße vor einem Schaufenster stehen, wie unwillkürlich gefesselt von den darin aus- aelealen Gegenständen. Der Laden war nur klein und schien sich unter den richt« und links davon belegenen,

prächtig ausgestatteten Magazinen in welchen Modewa­ren und Möbelstoffe feilgeboten wurden völlig zu ver­kriechen, übte aber auf den Liebhaber und Kenner eine große Anziehungskraft aus, denn er enthielt Raritäten und Antiquitäten der mannigfachsten Art.

Noßwitz trat in den Laden. Er hatte schon öfter hin verkehrt und manches seltene Stück nach Hause getragen; heute hielt er sich jedoch bei der Betrachtung der einzel­nen Stücke nicht auf, sondern bat einen der im Geschifft anwesenden jungen Leute, ihm dieimSchaufensterbefind- liche Schildpattdose mit dem weiblichen Miniaturporträt herzulangen.

Sie sind ein feiner Kenner, Herr von Noßwitz," sagte der Verkäufer, ein schmächtiges Bürschchen von etwa zwan­zig Jahren mit einem blassen schmalen Gesicht voll Som­mersprossen, mit weißblondem Haar und sehr hellen Au­gen, an welchem die Wimpern nur sehr spärlich waren und die Brauen beinahe ganz fehlten.Sie suchen sich sofort unser feinstes Stück heraus. Das Porträt stellt Maria Mancini, die Nichte des Kardinals Mazarin, die schöne Qugenbgeliebte Ludwigs des Vierzehnten dar; ei ist von Mignard gemalt..."

Schon gut, Herr Liewald," unterbrach ihn Noßwitz mitznachlässiger Handbewegung," und der Miene des oov- nehmen Herrn.Ich gebe Ihnen das Kompliment in an­derer Weise zurück, Sie sind trotz Ihrer Jugend ein sehr feiner Geschäftsmann. Was soll denn diese Dose kosten ?" fragte er, das kleine Kunstwerk nach allen Seiten drehend und genau betrachtend.

Die Fassung des BildeS ist mindestens von ebenso hohem Werte wie die Malerei," fuhr der junge Mann in seiner Anpreisung fort,und das Schildpatt der Dos« ist von seltener Schönheit."

Nach diesen Vorbereitungen kann ich mich auf eine exorbitante Forderung gefaßt machen," lachte Noßwitz und fügte, als der Verkäufer den Mund öffnen wollte, um den Preis zu nennen, schnell hinzu:Nein, lassen Sie nur, ich werde mit Ihrem Vater verhandeln."^ yy. 191,18* ----- - .....-" -'"---^*.^'W>' ' - '- x