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Zchliichterner Zeitung

mit amtlichem Areisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

Telefon Nr. 65. Vierteljährliche Beilage:Unsere Heimat". Telefon Nr. 65.

Erscheint Mitttvoch und Samstag Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mt. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 1C Pfg.

M 47.

Mittwoch, den 12. Juni 1912.

63. Jahrgang.

SB

Amtliches.

J.-Nr. 7352. Die Herren Bürgermeister ersuche ich, innerhalb 3 Tagen ein Verzeichnis der nach § 917 Abs. 1 der Neichsversicherungsordnung der land­wirtschaftlichen Unfallversicherung unterstellten Fried- hofsbetriebe nach nachfolgendem Muster einzureichen:

Verzeichnis % der nach § 917 Abs. 1 der Reichsversicherungsordnung der landwirtschaftlichen Unfallversicherung unterstellten Friedhofsbetriebe.

Lfde.

Nr.

Name des Unter­nehmers (bürger­liche, politische, oder kirchliche Ge­meinde usw. auch Synagogen- gemeinde)

Nähere Bezeich­nung des Fl

Oertliche Lage iedhoss (Ge­meinde, Gutibez., Straße)

Zahl der durch­schnittlich be- schästigten ver- sicherungs- pflichtigen Per­sonen.

Bemerkungen (insbesondere An­gabe, ob mit einem Teil des Fried- Hossbetriebs bis­her Mitglied einer BerusSgenossen- schast und welcher)

1.

2.

8.

4.

6,

6.

(Hier wird in der Regel nur die Zahl der Personen anzugeben sein, die das AuSheben und Zuschütten der Gräber be­sorgen)

......................................, den ................................1912.

(Unterschrift.)

Schlüchtern, den 10. Juni 1912.

Der Königliche Landrat: J. V.: Schultheis.

J.-Nr. 7341. Der auf Donnerstag, den 13. Juni d. I. in der Stadt Fulda angesetzte Viehmarkt wird unter den seither bekannt gegebenen Bestimmungen abgehalten. Mit dem Auftrieb darf um 6 Uhr morgens begonnen werden.

Nach § 1 der Polizeiverorduung vom 25. April 1901 ist das Handeln mit Vieh und das Mustern von Vieh zwecks Handelns im Skadtbezirke außerhalb des Vieh­marktplatzes vor und während der Dauer des Marktes verboten.

Schlüchtern, den 10. Juni 1912.

Der Königliche Landrat: I. V.: Schultheis.

J.-Nr. 3940 K-A. Die Herren Bürgermeister der Stadt- und Landgemeinden ersuche ich unter Bezug­nahme auf die Kreisblattverfügung vom 4. Mai 1905 -- J.-Nr. 1354 K -A. den am 1. Juni er. fest ge­stellten Bestand an Kühen, deckfähigen Rindern und sprungfähigen Bullen mir innerhalb 8 Tagen mitzu- teilen.

Schlüchtern, den 8. Mai 1912.

Der Königl. Landrat: V a l e n t i n e r.

Mord!

1000 Mark Belohnung.

Die Witwe und Rentnerin Margarethe Zimmer­mann geb. Sachs, geb. PN 23. November 1829 zu Mammolshain (Obertaunuskreis) ist in der von ihr allein bewohnten Besitzung zu Cronberg, Cronthalerweg Nr. 7 ermordet worden.

Die Tat muß am Samstag, den 1. Juni d. Js. abends nach 6.45 Uhr geschehen sein. Anscheinend ist die Ermordete mit einem stumpfwirkenden, bisher nicht aufgefundenen Instrumente betäubt und alsdann mit einer 8 Meter langen Waschleine erdrosselt und an den Füßen gebunden worden. Dem Täter sind die am Tatorte vorhandenen Wertpapiere und Barbestände im Werte von etwa 11000 Mark entgangen.

Vermißt wird etwa 1 Mark Kleingeld aus dem Portemonnaie der Ermordeten, ein kleines Vorhänge­schloß einer Sparbüchse und der Schlüssel zu dem Zimmer der Tat, sowie der Messingschlüssel zu dem Schubfachs, in welcher sich die Wertpapiere befanden. Dieser Schrankschlüssel soll von altertümlicher. Form gewesen sein, Griff und Stiel aus Messing, im übrigen aus Eisen.

Als Täter kommen vielleicht zwei unbekannte, etwa 20 Jahre alte Männer folgenden Aussehens in Betracht.

I.

Gestalt: etwa 1.75 Mtr. groß, schlank.

Gesicht: braungebrannt.

Haare: schwarz, bartlos.

Kleidung: älterer, bräunlich gestreifter Sackoanzug, weißer Kragen, lange rosa Krawatte, dunkelgrüner Hut mit hellgrünem Band.

II.

Gestalt: etwa 1.65 Mtr. groß, schlank.

Gesicht: braungebrannt.

Haare: blond, kleines blondes Schnurrbärtchen.

Kleidung: älterer, bräunlich gestreifter Sackoanzug, weißer Kragen mit schwarzer Querbinde, hellgrüner Hut.

Aus der Seitentasche des kleineren Unbekannten schaute ein in gelbes Papier eingeschlagenes kleines Paket hervor. Bei beiden wurde gelegentlich noch ein dritter Unbekannter gesehen.

Ich ersuche um geeignete Maßnahmen, möglichste Weiterverbreitung, auch an etwa unterstellte Behörden und Drahtnack richt im Erfolgsfalle. Personen, die sachdienliche Mitteilungen machen können, wollen sich an die nächste Polizeidienststelle wenden. 6. J. 57312.

Demjenigen, welcher noch nicht bekannte Tatsachen beibringt, die zur Ermittlung und gerichtlichen Be­strafung des Täters führen, wird hiermit eine

Belohnung von 1OO0 Mark einschließlich der von dem Bürgermeister zu Cronberg ausgesetzten 500 Mk. mit der Maßgabe zugesichert, daß, sofern mehrere Personen auf die Belohnung An­spruch erheben sollten, über die Verteilung des aus­gesetzten Betrages endgültig und unter Ausschluß des Rechtsweges hier entschieden wird.

Wiesbaden, den 4. Juni 1912.

_______Der Erste Staatsanwalt. Deutsches Reich.

Sicherheit des Kaisers bei Kraftwagenfahrten. Für die Sicherheit des Kaisers bei Kraftwagenfahrten sind die umfassendsten Maßnahmen getroffen. Ihre Durchführung erfolgt täglich in sorgfältigster Weise. In erster Reihe kommt eine ständige Prüfung der Kraftwagen des Kaisers, deren Zahl 20 beträgt, in Betracht. Vor einer Ausfahrt wird stets genau unter­sucht, ob die Motore und andere Maschinenteile völlig sicher arbeiten. Auch das Material des Wagens wird ständig einer fachmännischen Prüfung unterzogen. Außer den 20 Kraftwagen in Berlin befinden sich noch 5 in Korfu. Zur weiteren Sicherung des Kaisers ist an­geordnet worden, daß auf schlechtern Chausseen, auf denen ein Gleiten und Springen des Wagens in Be­tracht kommen könnte, oder auf denen sich viele Kurven befinden, ein langsames Tempo eingehalten wird, sodaß ein Schleudern des Wagens bei den Kurven ausge­schlossen ist. Endlich ist die Sicherheit des Kaisers bei Kraftwagenfahrten noch durch die erhöhten Anfor­derungen gewährleistet, die jetzt an die Wagenführer des Kaisers gestellt werden. Der Krastwagenpark des Kaisers verfügt über fünf Oberwagenführer, denen in erster Reihe die Wagen des Kaisers und der Kaiserin anvertraut sind. Außerdem befinden sich hier noch sieben Wagenführer und zwölf Begleitleute. Die An­forderungen, die an die Sicherheit des Wagens und der Maschinen sowie an die Tüchtigkeit und Umsicht der Wagenführer gestellt werden, werden ständig auch jetzt noch, entsprechend den großen Fortschritten der Technik, erweitert, desgleichen werden die Straßen, die für Kraftwagen schwer befahrbar sind, möglichst voll­kommen vermieden. Der Kaiser verwendet Kraftwagen schon seit 1904 zu seinen Fahrten.

Potsdam- Der König und die Königin der ! Bulgaren, der Kronprinz, Prinz Kyrill, Ministerpräsident

Das Geheimnis der Akuten.

Ronian von Jenny Hirsch. 42

Was?"

Hast Du vergessen, daß im nächsten Monat in Gutin die Schwurgerichtsverhandlung gegen Pöplau stattfindet, und daß wir dabei als Zeugen erscheinen müssen?"

Edith fuhr in die Höhe.Ich vordem Schwurgericht? Ich als Zeugin? Ich soll mit anhören, wie die unglück­selige Berirrung meiner armen Lydia vor einer neugie­rig zuhörenden Menge verhandelt, wie sie aus ihrem Grabe gezerrt wird? Nimmermehr, lieber sterben."

Sei nicht so aufgeregt, liebes Kind," redete er ihr zu.

Ich kann nicht, ich will nicht," beharrte sie.Volk- mar, Du mußt mich davor bewahren."

Es gibt nur ein einziges Mittel," sagte er nach eini­gem Bedenken,und danach willst Du nicht greisen."

Welches denn?"

Ich habe es bereits genannt: schleunigste Abreise."

Werde ich nicht dazu wieder Herkommen müssen?"

O, aus der Ferne läßt sich das schon einrichten, Du bist unfähig zu reisen, ich reiche ein ärztliches Attest ein, fahre allein auf einige Tage nach Eutin. Du bleibst mit den Kindern in der Schweiz und von dort gehen wir für den Winter nach dem Süden."

Also fort," rief sie aufspringend.Ich gebe gleich den Befehl zum Packen, wir können schon heute abend reisefertig sein."

Sie eilte nach dem Knopf des elektrischen Klingelzu- ges, um darauf zu drücken und ihre Jungfer Herbeizu­rufen. So sehr sie sich gegen die Reise gesträubt hatte, ebenso eifrig war sie jetzt daraus bedacht, sie unverzüg­lich anzutreten.

Noßwitz kam ihr zuvor und hielt die Hand fest.So schnell geht es doch nicht, liebe Edith." sagte er,ehe ®ir fortgehen, muß noch einiges Geschäftliches erledigt

Was geht das mich an?" fragte sie,ihn verwundert an­blickend,daS ist doch Deine Sache."

Gewiß, ich will Dir auch nach Möglichkeit alles ab- nehmen, aber ich kann es Dir leider nicht ganz ersparen. Ehe wir fortgehen, muß Lydias Hinterlassenschaft geord­net sein."

O,Volkmar, wie kannst Du so grausam sein,"schluchzte sie und wandte sich ab.Was kümmert mich das elende Geld?"

Noßwitz warf einen ironischen Blick zuerst auf den Anzug seiner Frau und dann auf ihre Umgebung. In der Tat bildeten beide eine eigentümliche Illustration zu dieser Verachtung des Irdischen. Edith trug ein Kleid, das ganz aus Krepe und schwarzem Schmelz zu beste­hen schien, und das Zimmer, in dem sie sich befand, war mit einer kostbaren, weinroten Seidentapete bekleidet und mit Rokokomöbeln aus vergoldetem Holze und Ueber- zügen aus rotem, weißgeblumtem Brokatstoff, mit klei­nen Tischen und Etageren von seltener eingelegter Ar­beit ausgestattet. An den Wänden hingen wertvolle Kup­ferstiche in schwer vergoldeten Rahmen, altmeißenerPor- zellan, venetische Gläser mit schönen Blumen gefüllt und andere seltene Nippessachen standen umher, in einem gro­ßen Bauer flatterten bunte exotische Vögel, unter einer wunderbar schönen Musa stand eine Nachbildung der kapitolinischen Venus in Marmor von hohem künstleri­schem Werte.

Ich begreife vollkommen, daß Du keinen Wert auf etwas so Geringfügige« legst," sagte er, und seine Stimme hatte einen spöttischen Klang, jenen Klang, den Edith mehr fürchtete, als seinen Zorn,desto mehr ist es meine Pflicht, Dein Interesse und das meiner Kinder im Auge zu behalten. Ich darf nicht mit Dir viele Monate ver­reisen, ohne unsere Vermögensverhältnisse geordnet zu haben. Du hast gesehen, mie schnell der Tod den Men­schen antritt. Wenn ich stürbe . .."

Pplkmar, sprich nicht etwas so Schreckliches, ich kann

es nicht ertragen." Sie umfing ihn mit beiden Armen und schmiegte sich an ihn.

Du bist wirklich sehr nervös, meine arme Edith, man kann gar nicht ernsthaft mit Dir reden," sagte er schmei­chelnd und doch mit leisem Borwurf, während er sie zum Sofa zurückführte und neben ihr auf einem Sessel Platz nahm.Ich will Dir ja alles so bequem wie möglich machen, Du wirst Dein Zimmer nicht zu verlassen brau­chen, nur Deine Unterschrist mußt Du vor Zeugen ge­ben. Kannst Du das?"

Sie war schon müde und sehnte sich nach Ruhe.Mei­netwegen," sagte sie matt,können wir denn aber auch bald reifen ?"

Ich hoffe übermorgen. Triff Deine Vorbereitungen, ich werde jetzt sogleich zu Lydias Borinund gehen und die nötigen Verabredungen mit ihm treffen."

Er verließ sie im Bewußtsein des erkämpften Siege» und in der Hoffnung, womöglich noch leichteres Spiel bei dem Konsul Elfter zu haben, um diesen in seiner hübschen Villa auf dem Schiffbauerdamm aufzusuchen.

Der Konsul war ein wohlbeleibter und noch recht gut erhaltener jovialer Herr in der Mitte der Sechziger, der sich schon längere Zeit vom Geschäfte zurückgezogen hatte und hier in" seinem hübschen Besitztum der Ruhe pflegen wollte, die er jedoch nie fand. Es waren ihm eine solche Menge von Ehrenämtern aufgebürdet wor­den, daß er jetzt weniger Zeit hatte, als bevor er fein um­fangreiches Geschäft seinen beiden Söhnen übergeben hatte.

Der Konsul empfing Herrn von Noßwitz in seinem Arbeitszimmer, das trotz der behaglichen und wertvollen Einrichtung doch etivas an ein Kontor erinnerte, und rief, ihm beide Hände entgegenstreckend:Wie liebens­würdig von Ihnen, Herr von Noßwitz, ich wollte Sie heute äufsuchen, nun kommen Sie mir zuvor."

Ich bin der Jüngere, Herr Konsul," erwiderte Noß­witz, den angebotenen Lehnstuhl annehmend;die letzten traurigen Tage habeii^hnen der Aufregung so viel ge­bracht,' daß Sie der Ruhe Hchürsen wUh«,^ 19^18*