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mit amtlichem Kreisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

Telefon Nr. 65. Vierteljährliche Beilage:Unsere Heimat". Telefon Nr. «S.

Erscheint Mittwoch und SamStag Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mt. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 1C Pfg.

M 46. Samstag, den 8. Juni 1912. 63. Jahrgang.

Handwerkskammer Caffel. Bekanntmachung.

Der 10. Vertretertag der Innungen, Handwerksr­und Gewerbevereine des Kammerbezirks findet Sonntag, den 16. Juni 1912 in Hersfeld in der neuen Turnhalle, August-Gottliebstraße, statt. Beginn der Verhandlungen 11 Uhr vormittags.

Tagesordnung.

1. Eröffnung des Handwerkerlags durch den Vor­sitzenden der Handwerkskammer und Begrüßung der Herren Vertreter der staatlichen und kumu- nalen Behörden und der Korporationen.

2. Bericht über:Die Einrichtungen der Hand­werkskammer zur Fortbildung. der jHandwecker." (Der Syndikus.)

3. Vortrag über:Die Errichtung einer Auskunfts­und Beratungsstelle für das Kunsthandwerk in Caffel." (Der Vorsitzende.)

4. Vortrag über:Die von den preußischen Hand­werkskammern angestrebte Neuregelung des Ver- dingungswesens." (Der Syndikus.)

5. Vortrag über:Welche Mindestforderungen müssen bei der Gesellen- und Meisterprüfung un­bedingt an die Prüflinge gestellt werden?" (Herr Malerobermeister Minkley aus Caffel.)

6. Vortrag über:Warum stehen so viele Hand­werker den Innungen feindlich gegenüber und wie könnte Abhilfe geschaffen werden?" (Redner: Herr Schneidermeister Matthei aus Sicherts- Hausen.)

7. Freie Aussprache über die Vorträge.

8. Verschiedenes. (Wahl des nächsten Tagungsorts.) Die verehrlichen Vorstände der Innungen, Hand­werker- und Gewerbevereine werden ersucht, die Anzahl der Vertreter ihrer Korporalion der Kammer bis zum 10. Juni d. J. mitzuteilen.

Da auch diesmal wieder wichtige, das ganze Hand­werk interessierende Gegenstände zur Verhandlung stehen, erwartet die Kammer, daß alle Innungen jund Vereine Vertreter entsenden werden. Auch nichtkorporierte Hand­werksmeister können der Tagung beiwohnen.

Caffel, den 22. Mai 1912.

Die Handwerkskammer: Zimmermann, Vorsitzender. Thanheiser, Syndikus.

Deutsches Reich.

Mehrere dänische Jugendvereinigungen Nord­schleswigs hatten beabsichtigt, das dänische Nationalfest

in Fredericia am 6. Juli zu besuchen, das alljährlich zur Erinnerung an den siegreichen Vorstoß der dänischen Truppen aus Fredericia gegen die schleswig-holsteinische Armee gefeiert wird. Dieser Besuch ist in den letzten Tagen aufgegeben worden, wie von dänischer Seite be­hauptet wurde, infolge einer Intervention des deutschen Auswärtigen Amtes. Die Regierung in Kopenhagen erklärt demgegenüber, daß eine solche Intervention nicht stattgefunden und sie selber auf den erwähnten Beschluß in keiner Weise eingewirkt habe.

Eine Versammlung zur Aufklärung der polnischen Frauen ist in Anwesenweit von etwa 600 Teilnehme­rinnen aus Stadt und Land kürzlich in Pleschen abge­halten worden. U. a. sprach Frau Sophie Rzepecka aus Posen überVaterlandsliebe und nationale Er­ziehung", Frau Sophie Stark aus Posen über die Soziale Arbeit der polnischen Frau". Man ersieht hieraus, daß die polnisöl en Frauen eigentlich nur des­halb in Vereinen zusammengeschlossen werden, damit sie national-politisch stärker beeinflußt werden können. Gerade die Führerinnen der polnischen Frauen neigen zu nationalem Radikalismus.

Welche Bedeutung der kaschubischen Bewegung von den führenden polnischen Kreisen beigemessen wird, ist daraus zu ersehen, daß der kulturelle Ausschuß des Straschverbandes zu Geldsammlungen für ein polnisches Vereinshaus in Kaschubenlande als einer Nationalspende auffordert. Seit mehreren Jahren ist es üblich ge­worden,Bedürfnisse der allgemein-nationalen Sache" durch Sammlungen zur Erinnerung an die Verfassung vom 3. Mai 1791 der Befriedigung näher zu bringen. Die polnische Presse hebt die Notwendigkeit und Be­deutung des polnischen Vereinshauses in der Kaschubei noch besonders hervor. In jenem Vereinshause sollen alle die Versammlungen und Zusammenkünfte abgehalten werden, die sich mit der polnischen Agitation unter den Kaschuben befassen. Diese Arbeit wird deshalb als besonders dringlich betrachtet, weil viele Kaschuben sich abweisend gegen ihrepolnischen Brüder" verhalten.

Ausland.

Ein deutsches Geschwader hat den Vereinigten Staaten von Amerika einen Besuch abgestattet. Prä­sident Taft und seine Gemahlin, sowie der deutsche Botschafter Graf Bernstorff, Marinesekretär Meyer und viele andere Persönlichkeiten begaben sich an Bord der Mayflower" nach Hampton Roads, um das deutsche Geschwader zu begrüßen. In einem Leitartikel erklärt

Newyork Tribune" zum Besuch des deutschen Ge­schwaders, ein solcher Verkehr zwischen den beiden Ländern sei sehr angemessen bei den engen Beziehungen, die seit dem Beginn des amerikanischen nationalen Lebens zwischen beiden Ländern herrschten. Vom tech­nischen Standpunkt sei der Besuch des Geschwaders deshalb interessant, weil dieMoltke" das letzte Wort im modernen Schlachtschiffbau darftelle, und auch des­halb, weil die Schiffe eine der machtvollsten Flotten der Welt repräsentierten, die noch nie in einen Krieg verwickelt war.

Bei den belgischen Wahlen haben die großen Siegeshoffnungen der vereinigten Liberalen und So­zialisten eine große Enttäuschung erfahren. Die Re­gierung hat nicht nur die Mehrheit, sondern verstärkt diese sogar von 6 auf 16, wenn nicht auf 18 Stimmen, was selbst ihre eigenen Erwartungen übertrifft. Die konservative Herrschaft ist damit auf Jahre hinaus ge­sichert. Der Wahlerfolg der Regierung wird der Tat­sache zugeschrieben, daß die gemäßigten Liberalen in­folge des Bündnisses der Partei mit den Sozialisten scharenweise in des konservative Lager übergingen. Die Ruhe wurde nirgends ernstlich gestört.

Königin Wilhelmina von Holland hat in Paris einen Besuch abgestattet. Während des Festmahls im Elysö gab Präsident FaUiöres in einem Trinkspruch der Hoffnung Ausdruck, daß der Besuch der Königin und des Prinzgemahls die herzlichen Beziehungen zwischen Frankreich und Holland, das mit Recht so eifersüchtig auf die Wahrung seiner Unabhängigkeit und des glänzenden Aufschwunges seiner wirtschaftlichen Macht bedacht ist, ein Land, das eine Pflegestätte der Wissenschaft und der Kunst ist. Sodann trank der Präsident auf das Wohl der königlichen Familie und das Gedeihen Hollands. Königin Wilhelmina erwiderte, die französische Kultur habe in den Niederlanden immer begeisterte Verehrer gefunden. Sie, die Königin sei stolz, daß in ihren Adern französisches Blut fließe. Die Königin gab weiter ihrer Freude über den Empfang, den ihr die Bevölkerung von Paris bereitet hat, Aus­druck und trank auf die Gesundheit Fälliges und das Wohlergehen Frankreichs.

Aus Washington wird gemeldet, daß die Aus­sichten Tafts und Roosevelts gegenwärtig so ziemlich gleich stehen und daß beide Präsidentschaftsbewerber auf 4500 Delegierte rechnen können. Darunter be­finden sich jedoch etwa 220 Delegierte, deren Wahl angefochten wird. Von der Entscheidung des National-

Das Geheimnis der Kluten.

Roman von Jenny Hirsch. 41

Das Ruffersche Erbbegräbnis auf dem Marienkirch- hof in Hannover hatte sich wieder geschlossen. Zu den beiden prunkvollen Särgen, welche sich darin befanden, hatte man einen dritten nicht minder prunkvollen ge­stellt, an welchem auf silbernem Schilde der Name Ly­dia von Ruffer nebst Geburts- und Todestag zu lesen ge­wesen sein würde, wäre er nicht über und über mit Krän­zen, Palmzweigen und anderem Blumenschmuck bedeckt gewesen. Die duftigen Spenden waren so zahlreich ein- gegangen, daß sie zum Teil noch auf einem besonderen Wagen dem Leichenwagen hatten nachgefahren werden müssen und bis auf einen kleinen Raum die Gruft völlig anfüllten.

Die Teilnahme an dem furchtbaren Geschick des scho­nn, liebenswürdigen Mädchens war eine allgemeine. Unabsehbar war der Zug derer gewesen, die sie zu ihrer ^ten Ruhestätte geleitet hatten. Bei der tief aus dem Herzen kommenden Rede des Geistlichen, der die Ver- ^ichene getauft und eingesegnet hatte, war kein Auge trocken geblieben. Grenzenlos war die Erbitterung gegen ! °in Frevler, dessen wilder Leidenschaft dieses junge, blü­hende Leben zum Opfer gefallen war. Niemand zwei- felte an Pöplaus Schuld, niemand glaubte an die Ge­schichte, die er erzählte und wovon überdies nur wenige, stark entstellte Einzelheiten bis nach Hannover gedrun- waren, ja, sie trug weit eher dazu bei, das starke l ^ttdanimungsurteil gegen ihn zu bestärken. Mit Ge- l^tuung vernahm man von Herrn von Noßwitz, daß nächster Zeit schon in Cutin die öffentliche Verhand- Igegen den jungen Forstmann geführt werden würde, I daß seine Verurteilung in sicherster Aussicht stehe. |,. «ine Stimme war auch nur über das geradezu mu- I ''lW Verhalten des Herrn von Noßwitz in dieser trau-

Ä?» Angelegenheit. Es war nicht g«>,j unbekannt ge- bin, gM JE» .&ÄEfeUl

blieben, daß zwischen dem Schwager und der Schwä­gerin kein allzu herzliches Verhältnis geherrscht hatte, um so mehr bewunderte man sein entschiedenes Eintre­ten für ihr durch eigenen Unverstand gefährdetes Lebens­glück und seine aufrichtig tiefe und doch maßvolle Trauer um sie und ihr furchtbares Schicksal.

Die höchste Anerkennung zollte man aber seinem zar­ten, rücksichtsvollen Benehmen gegen seine Gattin. Er empfing die zahlreich herbeiströmenden Besucher und fer­tigte sie sämtlich mit der Erklärung ab, seine arme Frau sei viel zu leidend, um jemand zu sehen. Er müsse da­rauf bedacht sein, sie so bald wie möglich in eine Umge­bung zu bringen, durch welche sie nicht fortwährend an die Schwester erinnert werde, und so ungern er gerade jetzt Deutschland verlasse, wolle er doch um ihretwillen schon in den nächsten Tagen mit der Familie eine Reise nach der Schweiz und nach Italien antreten.

Edith selbst war freilich keineswegs entzückt von dieser Aussicht. Sie wäre sehr gern in ihrer schönen, behag­lichen Wohnung in Hannover geblieben und erklärte ih­rem Mann, als er von seinen Reiseplänen sprach, sie fühle trotz des großen Kummers um die Schwester ihre Ge­sundheit nicht erschüttert. Sie glaube keiner besseren Er­holung als des ruhigen, beschaulichen Lebens in ihrer Häuslichkeit zu bedürfen.

Als ob man Dir gestatten würde, ein solches hier zu führen, meine arme Edith," sagte er, indem er sich neben sie auf das Sofa setzte, auf dem sie in halb lie­gender Stellung lehnte, seinen Arm um ihre Schulter legend.Jetzt habe ich unter dem Vorwand, Du seiest nfel zu angegriffen, um jemand zu sehen und zu sprechen, alle Besuche von Dir fern gehalten und unzählige Male die traurige Geschichte wiederholt. Auf die Dauer geht das aber nicht. Du kannst doch nicht wie eine Gefangene leben."

Nein, ich muß täglich ausfahren, es ist mir, nach­dem ich so lange fast den ganzen Tag im Freien gewesen

sitzen," rief Edith und deutete auf die schweren, seidenen Gardinen an den noch durch Stores verhüllten Fenstern.

Spazierfahrten kannst Du des Anstandshalber wäh­rend der ersten Wochenichtmachen," sagte Noßwitz.

Ich ersticke aber hier," entgegnete Edith weinerlich und eigensinnig wie ein Kind,wenn ich mit den Kin­dern nach Herrenhausen fahre, so kann doch kein Mensch etwas darin finden."

Doch, man wird sich sehr darüber wundern.Du hast nur die Wahl, hier Dich ruhig zu verhalten oder mit mir schleunigst zu verreisen."

Sie gab sich noch nicht gefangen.So fahre ich im geschlossenen Wagen aus und schöpfe fern von der Stadt, wo mich niemand sieht, frische Luft. Ach, Bolkmar, der Gedanke, jetzt schon wieder zu packen und zu reifen, ist mir gräßlich."

So tue, was Du willst," sagte er kalt,dann mußt Du aber auch empfangen."

O, Du hast ja die Leute schon abgefertigt, sie wer­den nicht so bald wiederkommen."

Sie werden wiederkommen," entgegnete er nachdrück­lich.Sie sind alle zu begierig, auch von Dir zu hören, wie die Dinge sich zugetragen haben, wir sind leider in­teressant geworden."

Nein, nein, Bolkmar!" rief sie auffahrend,nur dar nicht. Ich kann von den schrecklichen Dingen nichts mehr hören, kann nicht mehr darüber sprechen. Ich lasse schon die Kinder so wenig wie möglich zu mir, weil sie nicht aushören, nach Tante Lydia zu fragen."

Sie brach in Tränen aus und verbarg ihr Gesicht an der Brust ihres Mannes, der ihr liebkosend über dasHaupt strich.

Mein armes, liebes Herz, wie gern möchte : h Dich vor allen diesen Dingen schützen, aber es liegt leider außer meiner Macht, und wenn Du darauf beharrst, hier zu bleiben, so stehen Dir noch ganz andere Prüfungen bevor." 191,18*