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ZWchterner Zeitung

mit amtlichem Areisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

Telefon N». «s. Vierteljährliche Beilage:Unsere Heimat". Telefon Nr. 65.

Erscheint Mittwoch und Samstag Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mt. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 1C Pfg.

Amtliches.

Bekanntmachung.

Mord

1000 Mk. Belohnung.

Für den am Pfingstmontag, den 27. Mai 1912, nachmittags zwischen 1 und 3 Nhr an dem Dienstmädchen Frieda Bester aus Rohrbronn hier in einer Mansarde des Hauses Königswarterstr. 5 begangenem Mord kommt vielleicht als Täter inbetracht ein unbekannter junger Mann folgenden Aussehens:

L Alter: Anfang der 20 er Jahre,

Gestalt: Klein, etwa 1,601,65 Meter groß, schlank, mit etwas starkem Bauch,

Bart: Kleines blondes Schnurrbärtchen,

Gesicht: Rund, rötlid,

Kleidung: Dunkler, etwas abgetragener Sackanzug, Besonderes Kennzeichen: Auf rechter Hand, entweder auf dem Handrücken oder der sogen. Maus ist Anker eintätoviert.

Der Obenbeschriebene wurde am Mordtage gegen : 1 Uhr nachmittags in der Nähe der Mordstelle bei F einem Mansardeneinbruch überrascht, ist aber entkommen. Ich ersuche um geeignete Maßnahmen, möglichste ! Weiterverbreit« ng, auch an etwa unterstellte Behörden und Drahtnachricht im Erfolgsfalle. Personen, die sachdienliche Mitteilung machen können, wollen sich an die nächste Polizeidienststelle wenden.

- Demjenigen, welcher noch nicht bekannte Tatsachen bekundet, die zur Ermittelung und gerichtlichen Be­strafung des Talers führen, wird hiermit eine

Belohnung von 1000 Mark

einschließlich der in meinem Ausschreiben vom | 28. Mai 1912 ausgelobten 500 Mk. mit der Maß- | gäbe zugesichert, daß, sofern mehrere Personen auf die | Belohnung Anspruch erheben sollten, über Bergebung I und Verteilung des ausgesetzten Betrages endgültig und | unter Ausschluß des Rechtsweges hier entschieden wird. IV b 7680.

Frankfurt a. M., den 2. Juni 1912.

Der Polizei-Präsident: Rieß v. Scheurnschloß.

J.-Nr. 6933. Diejenigen Herren Bürgermeister l und Gutsvorsteher, welche mit der Erledigung der Ver­fügung vom 6. v. Mts. J.-Nr. 5741 (Schlüch- terner Zeitung Nr. 39), die Einsendung der Anbau- flächenerhebungskarten betreffend, noch im Rückstände

Mittwoch, den 5. Juni 1912.

sind, werden an die umgehende Einsendung der Karten erinnert.

Schlüchtern, den 3. Juni 1912.

Der Königliche Landrat: I. V.: Schultheis.

Die Anwärter für den Forstdienst.

In einer größeren Zahl Tageszeitungen und in forstlichen Blättern wird der Erlaß des Ministers für Lardwirtschast Domänen und Forsten, durch den den Königlichen Oberförstern untersagt wird, ständig Lehr­linge für die Privatförsterlaufbahn auszubilden, sowie junge Leute, die zum Privatforstberuf Neigung haben, durch Annoncen in forstlichen und jagdlichen Zeitungen zu suchen, nicht mit Unrecht als eine Warnung vor Eintritt in diese Laufbahn hingestellt.

Es ist tatsächlich eine so große Anzahl von Anwärtern für Försterstellen im Privaldienst vorhanden, daß es ganz ausgeschlossen erscheint, daß alle in absehbarer Zeit eine berufsmäßige Beschäftigung finden können. Viele von ihnen, die diese Laufbahn in ihrer Jugend mit Freude zum Walde und zur Jagd begonnen haben, sehen sich genötigt, schließlich eine Stellung anzunehmen, die mit der eigentlichen Försterbeschäftigung kaum etwas zu tun hat. Nach Aeußerungen aus dem Verein der Privatforstbeamten Deutschlands sind auch die Besold- ungsverhältnisse keineswegs glänzend, da bei dem starken Angebot vielfach mangelhaft ausgebildete Bewerber durch geringe Forderungen die tüchtigeren Elemente unterbieten.

Zu der Ueberfüllung des Privatförsterstandes dürften aber diejenigen, die ihre Laufbahn mit der Lehre auf einer königlichen Oberförsterei begonnen haben, nur zu einem sehr geringen Bruchteil beigetragen haben. Ihre Anzahl ist zu klein im Vergleich zu der großen Menge derer, die ihre Lehrzeit in Privatrevieren durchgemacht und namentlich derjenigen, die ihre Ausbildung fast ausschließlich auf den privatenForstschulen" oder forstlichen Vorbereitungsschulen" genossen haben. Gerade diesen Schulen, die neuerdings in einer den Bedarf weit überschreitenden Zahl entstanden sind, ist eine große Schuld an der beklagenswerten Ueberfüllung zuzuschreiben.

Soll daher der Erlaß des Ministers für Landwirt­schaft, Domänen und Forsten den Anfang einer Besse­rung in der Privatförsterlaufbahn einleiten, so kann er eine bemerkenswerte Wirkung nur haben, wenn er nachdrücklich durch die Privatforstbesitzer selbst unter­stützt wird. Auch dort müßte vor allen Dingen eine erhebliche Beschränkung in .bet Annahme von Lehrlingen

63. Jahrgang. eintreten, und die Bedingung für deren Annahme müßten denen der deutschen Staatsforstverwaltnngen ähnlich sein. Auch eine sorgfältige Auswahl bei der Försteranstellung und eine gründliche Prüfung der von den Bewerbern vorgelegten Zeugnisse würde in gleichem Sinne wirken.

Dem Verein der Privatforstbeamten Deutschlands gehören neben den Forstbeamten auch eine sehr große Zahl der Privatforstbesitzer Deutschlands als Mitglieder an. Es wäre gerade also dieser Verein eine geeignete Vertretung, den Erlaß des Ministers für den Kreis seiner Mitglieder als beachtenswerte Richtlinie hinzu­stellen und nachdrücklich dahin zu wirken, daß die An­nahme von Lehrlingen nach Möglichkeit beschränkt wird, sowie daß Grundsätze darüber aufgestellt und allseitig anerkannt werden, welche Anforderungen an Schul- kenntnisse, Ausbildung und Körperbeschaffenheit der anzunehmenden jungen Leute zu stellen sind, und daß bei der Anstellung die vorgelegten Zeugnisse und die Befähigung der Bewerber sorgfältig geprüft werden. Nur wenn die Privatforstbesitzer selbst sich in- dieser Richtung betätigen, kann dem weiteren Zuströmen neuer Anwärter Halt geboten werden und damit eine Ge­sundung in der heute zum Schaden sowohl der An­wärter als auch der Waldbesitzer überfüllten Privat­försterlaufbahn herbeigeführt werden.

Deutscher Deich.

In Berlin hat der Deutsche Lehrertag statt- gefunden. Er ist eine Veranstaltung des liberalen Deutschen Lchrerv ereins, der über 120 000 Mitglieder umfaßt. Der bei weitem überwiegenden Teil der Mit- glieöer besteh, aus ftäd tischen Volksschullehrern, und ihre Interessen sind es, die auf demDeutschen Lehr­ertage,, vertreten, und ihre Gesinnungen, die dort zum Ausdruck gebracht werden. Darum war es sehr an­gebracht, daß der Kultusminister v. Trott zu Solz in der ersten Hauptversammlung erschien und an sie eine von größtem Wohlwollen für die Schule getragene, aber auch nicht mißzuverst ehende Mahnungen enthaltende Ansprache richtete. Mit Recht betonte der Minister, daß der Lehrer fkb in seinem Berufe nicht als Anhänger einer politischen Partei fühlen dürfe, sondern er müsse sich lediglich als Volksschullehrer fühlen, dem die Aufgabe gestellt sei, die ihm anvertraute Jugend zu unterrichten und sie zu einem neuen tüchtigen, gottes- fürchtigen, vaterlandsliebenden, an Leib und Seele ge­sunden, pflichttreuen Geschechte heranbilden zu helfen.

Das Geheimnis der Akuten.

Roman von Jenny Hirsch. 40

Einer meiner Arbeiter will allerdings in den letzten Tagen einenStadtherrn" wie er sich ausdrückt, einem älteren Manne begegnet sein, der ihn nach einer ver­schwundenen jungen Dame gefragt habe, allein das wird wohl einer von den Beamten der Polizei gewesen sein.

Bon einem Fremden, der nach einer anderen Ver­schwundenen suchte, müßte man inzwischen doch sonst wohl mehr erfahren haben."

Gleichviel, hier liegt für mich ein Rätsel, das gelöst werden muß. Ein zweites besteht für mich darin, wie I^ydia in den See gekommen ist, aus dem mein Bruder gerettet hat. Ist sie hineingefallen, hat sie sich selbst MNeingestürzt oder ..."

Was?" fragte der Förster.

Ist sie durch jemand hineingestürzt worden?" fügte sie mit dumpfer Stimme hinzu.

Weil Ihr Bruder und Ihre Mutter darüber nichts zu wissen behaupten, klingt eben ihre Erzählung so un­wahrscheinlich."

Und sie ist doch wahr," behauptete sie fest.O, wa- tum mußt«, Sie in der Nacht nicht zu Hause sein, Sie wären ein Zeuge gewesen, gegen den nichts einzuwenden war."

.Statt dessen habe ich durch mein plumpes Reden °m armen Ludolf nur noch tiefer in die Patsche gebracht," .Wtenb der Förster reumütig und erzählte seine Begeg­nung mit Inspektor Knauthe.Solchen geriebenen Leu- IS* gegenüber ist man ja nicht klug genug, Sie glauben k?M, welche Höllenangst ich ausstehe, wenn mich der I^Uchungsrichter ins Gebet nimmt, immer fürchte ich zu sagen, was ich eigentlich nicht sagen will "

I Ankunft der Leute, die Christines Koffer brach- I ^unterbrach hier das Gespräch. Fast gleichzeitig erschien

kunft ihrer Tochter erfahren und sich über ihre Kräfte an­gestrengt hatte, um schnell nach Hause zu kommen. Mut­ter und Tochter hielten sich weinend umschlungen.

Christine, mein armes Kind. Man hat Dich sicher­lich fortgeschickt," schluchzte die Försterin, «rschistist auf die Bank unter der Linde sinkend, und die Tochter, die sie noch immer festhielt, neben sich ziehend,sie haben die Schwester eines .. eines Mörders nicht im Dienst behalten wollen."

Mit einer sanften Bewegung machte sich das junge Mädchen los und auf ihrem von Tränen nassen Gesicht erschien ein sonniges Lächeln.

Da bist Du aber sehr im Irrtum, liebe Mutter," entgegnete sie schalkhaft,im Gegenteil, die Frau Sena­tor wollte mich gar nicht fort lassen, aber der Herr Se­nator tat einen Machtspruch und sagte: ich fei jetzt hier am notwendigsten."

Gott segne ihn und Dich," flüsterte dieFörsterin, die Tochter an sich ziehend und sie auf Stirn, Mund und Wangen küssend,Gott weiß es, welch ein Trost, welch eine Erquickung mir Dein liebes Gesicht ist."

Und meine gute Laune habe ich auch noch nicht ganz verloren," erwiderte Christine, der Försterin die Wangen streichelnd.Kopf oben, Mütterchen, denk an unseres Va­ters Kernspruch:Der Kummer ist einBerdummer!" Es wird noch alles gut."

Ach Kind, Kind, wer Dir glauben könnte," schluchzte die Försterin,aber Ludolfs Sachen stehen sehr schlecht. Ich bringe böse Nachrichten mit, lieber Horn," wandte sie sich an diesen, der in einiger Entfernung stand und sich immer noch nicht von dem reizenden Bilde da vor ihm losreißen konnte, obwohl sein Taktgefühl ihm ge­bot, sich zurückzuziehen. Jetzt trat er wieder um einige Schritte näher und sah die Försterin erwartungsvoll an.

Der Amtsrichter von Momsen hat mir gesagt, er werde die Untersuchung in den nächsten Tagen schließen, und die Sache kommt schon in ein paar Wochen vor das Schwurgericht."

Also wirklich," rief Horn, und auch Christine stieß einen Laut des Schreckens und Schmerzes aus, dann sich sammelnd sagte sie:Lassen wir uns das doch lieb sein. 9hm hört die Untätigkeit auf und wir können handeln." Was heißt das ?" fragte die Försterin, während Horns irnb an dem jungen Mädchen hingen, daS ihm doppelt schön erschien.

Untersuchung geschlossen ist, dann wird attet, Ludolf zu sehen. Wu

Augen bewundernd in seinem Eifer i

Wenn die Untersuchung geschlossen ist, dann wird uns vielleicht gestattet, Ludolf zu sehen. Wir können da­fürsorgen, daß er einen sehr guten Verteidiger bekommt, und vielleicht auch allerlei unternehmen."

Woher weißt Du das alles?" fragte die Mutter verwundert.

Der Herr Senator hat mich belehrt und eS wälzen sich mir da noch mancherlei Gedanken auf," sie rieb mit schalkhafter Gebärde die Stirn.Paß auf, Mütterchen, ich tue es der Porzig nach und man soll auch über mich noch rufen: Ein Daniel, ein zweiter Daniel!"

Sie umfaßte die Mutter und führte sie inS HauS, dem zurückbleibenden Förster ein freundlichesAuf Wieder­sehen" zurufend.

Ein guter, guter Mensch," sagte die Försterin,Gott hat ihn mir in meinem schweren Leid als Trost geschickt; er wird nichts dagegen haben, daß Du hier bleibst."

Im Gegenteil, er versicherte mir bereits, es sei ihm recht, wenn ich immer bliebe und sein Zimmer stünde mir zur Verfügung," erwiderte Christine schelmisch.Ich habe aber keine Lust, es zu beziehen. Laß niich Dein Schlaf­zimmer teilen, Mutter," fuhr sie weich und bittend fort, ich bin so lange von Dir getrennt gewesen, ich möcht» keine Minute des Beisammenseins verlieren."

Mein teures Kind, ich verstehe Dich," erwiderte die Försterin und ihre Tränen flossen von neuem.Du willst mich mit meinem Schinerz nur nicht länger allein las­sen."