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mit amtlichem Areisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

Telefon Nr. «5. Vierteljährliche Beilage:Unsere Heimat". Telefon Nr. «S.

Erscheint Mittwoch und Samstag Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mt. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 1C Pfg.

Mittwoch, den 1. Mai 1912.

Bekanntmachung

Infolge Erkrankung des Herrn Baurat Michael ist der Unterzeichnete durch Verfügung des Herrn Regier- ungs-Präsidentenzu Kassel bis auf Weiteres mit der Vertretung zur Wahrnehmung der Dienstgeschäfte des Hochbauamts beauftragt worden.

Gleichzeitig mache ich darauf aufmerksam, daß sich die Geschäftsräume des Hochbauamts von jetzt ab in dem 1. Stockwerk des dem Schreinermeister Breiden- bach hierselbst gehörigen Wohnhauses Alte Leipziger Stratze 20 befinden.

Gelnhausen, den 29. April 1912.

Der Vorstand des Königl. Hochbauamts

_______I. V.: Persing, Bausekretär.__

Bekanntmachung

Beim unterzeichneten Kommando kann am 1. Ok­tober 1912 noch ein Zweijährig-Freiwilliger (Schreibet), eingestellt werden.

Gewandte Leute mit schöner Handschrift, welche in einem Büro mit Erfolg tätig waren und eine tadellose Führung nachweisen können, werden bevorzugt.

Bewerber wollen sich umgehend unter Beifügung eines selbstgeschriebenen Lebenslaufes, der Schul- und sonstigen Zeugnisse melden.

Hanau, den 26. April cr.

_______Königliches Bezirkskommando Hanau a. M.

Deutsches Reich.

König Otto von Bayern vollendete am Sams­tag das 64. Lebensjahr.

Das Militärwochenblatt meldet: Prinz Oska. von Preußen, Oberleutnant im 1. Garderegiment z. F. und v. Bock u. Polach, Leutnant und persönlicher Ad­jutant des Prinzen Oskar, sind während der diesjährigen Unterrichtspause der Kriegsakademie zur Dienstleistung beim 1. Gardefeldartillerieregiment kommandiert worden.

Der deutsche Botschafter in Washington, Graf von Bernstorff, hat den Bürgermeister Gaynorzu Ber­lin benachrichtigt, daß Seine Majestät der Kaiser die Einladung der Stadtbehörden angenommen hat, im Juni ein deutsches Geschwader hierher zu entsenden. Die Stadt trifft umfangreiche Vorbereitungen für den Empfang des Geschwaders. Wie das "W. T. B." erfährt, sind die Schiffe, die nach New Aork gehen werden, der PanzerkreuzerMoltke", der kleine Kreuzer Stettin" und der auf der amerikanischen Station be< findliche kleine KreuzerBremen".

63. Jahrgang.

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für das Abgeordnetenhaus der Wiederaufnahme der Wahlrechtsfrage Hindernisse in den Weg lege. In unerhörter Weise betrug sich der Abg. Liebknecht (Soz.), der sich während seiner 2 7» ständigen gehaltenen Rede, in der er den Minister beleidigte, behauptete, das preußische Abgeordnetenhaus sei zum Gespött der ganzen gebildeten Welt geworden und Preußen sei ein Kinder­spott für die ganze Welt, drei Ordnungsrufe holte. Am Freitag protestierte zunächst Abg. v. Zedlitz (frkons.) in schärfster Weise gegen die unerhörten Beschimpfungen Preußens durch den Abg. Liebknecht (Soz.) Abg. Graf v. d. Groeben (kons.) trat für eine neue Verschärfung der Geschäftsordnung ein. Abg. Linz (Z.) sprach gegen Automobilraserei und Kinomatographen. Abg. Dr. Friedberg (natl.) polemisierte gegen die politische Be- tätigung der Landräte. Minister des Innern v. Dall­witz sprach sich für die Konzessionspflicht der Kinemato­graphentheater und gegen eine Verschärfung der Auto­mobilbestimmungen aus. Zum Schluß versicherte er, daß für den Schutz der Arbeitswilligen in größtem Maße gesorgt werden solle, vorläufig würden aber dazu die vorhandenen Bestimmungen noch ausreichen.

In der Reichstagsersatzwahl in Varel-Jever an Stelle des verstorbenen Abg. Träger ist Stichwahl zwischen Wiemer (fortsch. Vp.) und Hug (Soz.) not­wendig geworden.

Der Reichstag beendete am Donnerstag die erste Lesung der Wehrvorlagen. Die Debatte bot nichts be­merkenswertes. Staatssekretär v. Tirpitz machte gegen die Angriffe des Abg. Haußmann (fortschr. Vp.) Front. Abg. v. Liebe« (Rp.) hielt eine ausgezeichnete Rede zur Heeresvermehrung, wobei er für die rücksichtslose Durchführung der allgemeinen Wehrpflicht eintrat. Die Sensation des Tages war eine Kriegserklärung des Zentrums an den Kriegsminister v. Heeringen, die mit den inhaltschweren Worten schloß;In der Kommission werden wir uns weiter sprechen! Abg. Graf Posa- dowski (wild) äußerte sich über die Friedlichkeit der deutschen Entwicklung, die auch durch die jetzigen Vor­lagen nicht beeinträchtigt werde. Bei der Abstimmung wurde der Antrag Bassermann, die Deckungsfrage einer besonderen Kommission zu überweisen, mit einer Mehr­heit von nur 2 Stimmen angenommen. Die Wehr­vorlagen wurden der Budgetkommission überwiesen. Am Freitag wurde die nationalliberale Interpellation über den bayerischen Jesuitenerlaß behandelt. Reichs­kanzler v. Bethmann Hollweg erklärte, daß bisher jede Art seelsorgerischer Tätigkeit, jede Art priesterlicher Funktion als ein Akt. der Ordenstätigkeit betrachtet worden sei. Dies sei bisher in sämtlichen Bundesstaaten als Grundsatz durchgeführt. Jetzt sei die bayerische Regierung zu einem anderen Standpunkt gekommen. Eine so verschiedene Auslegung und Anwendung des Reichsgesetzes sei selbstverständlich nicht angängig. Die bayerische Regierung habe beim Bundesrat einen Antrag auf Definition der verbotenen Ordenstätigkeit gestellt. Einstweilen müsse die bestehende Uebung gleichmäßig angewendet werden, später werde der vom Bundesrat gefaßte Beschluß die einheitliche Grundlage bilde . Dann wurde die Beratung des Etats der Reichseisen­bahnen fortgesetzt, bei der von den Abg. Liesching (fortsch. Vp.) und Dr. Weill (Soz.) allerlei Wünsche vorgebracht wurden.

Das preußische Abgeordnetenhaus begann am Donnerstag die Beratung des Etats des Innern. Abg. Dr. Pachnicke (fortsch. Bp.) sprach über die Reform des preußischen Wahlrechtes, beschwerte sich über das Verhalten der Landräte bei den Wahlen und be­rührte auch den Schießerlaß des Berliner Polizeipräsi­denten. Minister des Innern v. Dallwitz trat warm für die Landräte ein und gab nochmals eine Klar­stellung über die Bedeutung des Erlasfes. Er stellte ferner fest, daß die immer wiederkehrende Einbringung des Antrags auf Einführung des Reichstagswahlrechts

Ausland.

Zur Dardanellensperre. Die Türken haben sich gegenüber den freundschaftlichen Vorstellungen der Bot­schafter in Konstantinopel zugunsten einer beschleunigten Frei . Ve der Dardanellen für die Handelsschiffahrt bis­her ablehnend verhalten. Rußland hat deshalb ein neues Memorandum in dieser Angelegenheit bei der Pforte überreichen lassen. Wie man erfährt, ist zu erwarten, daß die gesamten Mächte demnächst mit energischeren Maßnahmen vorgehen werden, um ihren Wünschen bei den Türken Erfolg zu verschaffen.

Das Schuleschwänzen zur Erhöhung der Mai­feier ist eine Erfindung der PariserGenossen". Der Syndikatsverband des Seine-Departements hat an die Arbeiter die Aufforderung gerichtet, den 1. Mai auch dadurch zu feiern, daß sie an diesem Tage ihre Kinder nicht in die Schule schicken. Der Tag möge dazu be­nutzt werden, in die Gemüter der Kinder die Lehren des Syndikalismus, mit anderen Worten der revolu­tionären Sozialdemokratie einzupflanzen.

Das Geheimnis der Akuten.

Roman von Jenny Hirsch. 28

Und diese Verzweiflung hat Sie zu einer furchtbaren, wahnsinnigen Tat hingerissen," fiel der Untersuchungs­richter schnell ein.Sie haben Lydia von Ruffer in mör­derischer Absicht in den Obersee gestürzt."

Momsen hatte gehofft, Pöplau zu verblüffen, indem er ihm diese Beschuldigung ohne weiteres an den Kopf warf; er sah sich in dieser Voraussetzung getäuscht; Lu- dolf wurde ganz ruhig und lachte sogar.Förster Horn hat mir gesagt, daß die Leute sich solche Albernheiten er­zählen, und mir sogar geraten, meine Abreise geheim zu halten," sagte er,aber daß Sie dergleichen glaubenkön- nen, hätte ich nicht gedacht."

Polkes Stimme . . Gottes Stimme," entgegnete Momsen,man hat Sie an dem Nachmittage, an wel­chem Fräulein von Ruffer verschwand, mit ihr in der Nähe des Obersees gesehen."

Daraus folgt doch nicht, daß ich sie hineingewor­fen habe," versetzte Ludolf geringschätzig,es ist über­haupt eine sehr willkürliche Annahme, daß sie ertrunken sei."

Leider ist es keine bloße Annahme mehr," erwiderte der Amtsrichter sehr ernst.

Was wollen Sie damit sagen?" fragte Ludolf Pö­plau.

DonnerStag-Nacht haben wir den Obersee von Fi­schern absuchen lassen und dabei fand sich," er machte eine Pause, griff hinter sich nach einem dort stehenden Kästchen und fuhr fort:diese Uhr. Vielleicht kennen Sie dieselbe."

Ludolf schüttelte den Kopf, aber in seinem Gesichte malte sich große Betroffenheit.

Herr von Noßmitz hat sie als das Eigentum seiner Schwägerin erkannt."

Das ist möglich, sie saß öfters am Obersee; kann ihr hineingesaUen sein," stammelte Ludolf, aber es war

unschwer zu erkennen, daß seine frühere Zuversicht von ! ihm gewichen war.

Sie ist gleichzeitig mit ihr hineingeschleudert wor­den," sprach der Amtsrichter mit erhobener Stimme.

Nein, nein!" schrie Ludolf.Das ist nicht geschehen."

Also Sie wissen doch von dem Vorgang; erzählen Sie, wie er sich zugetragen hat."

Ludolf fuhr erschrocken zusammen.Ich weiß von nichts," rief er und die Hand erhebend, fügte er hinzu: Es ist nicht wahr; Lydia von Ruffer ist nicht ertrunken, sie ist nicht tot."

Sie ist tot," sagte der Amtsrichter ernst.

Pöplau stieß einen lauten Schrei aus.Woher wissen Sie das? Wer brächte die Nachricht?" fragte er mit be­benden Lippen.

Fischer haben heute bei Tagesanbruch die Leiche in ihrem Netze gefunden, sie lag im Kellersee, in den sie aus dem Obersee getrieben sein mag."

Ludolf atmete hörbar.Das ist ein Irrtum," sagte er.

Was?" rief der Amtsrichter ganz verblüfft.

DaS kann Lydias Leiche nicht sein; sie ist nicht er­trunken."

Aber das übersteigt doch alles. Sie leugnen offen­kundige Tatsachen; die Leiche ist vorhanden."

Das bestreite ich nicht, nur daß sie identisch mit Ly­dia von Ruffer ist."

Man wird Sie hinführen, und ich hoffe, daß ange­sichts Ihres Opfers Verstocktheit und törichter Trotz von Ihnen weichen wird," antwortete der Amtsrichter und schloß das Verhör.

Noch einmal beteuerte Pöplau, daß man ihm schwe­res Unrecht tue, noch einmal bat er, ihn frei zu lassen, ihn nicht länger zu bindern, die Reise anzutreten, von der für ihn sehr viel abhänge.

Der Amtsrichter würdigte ihn gar keiner Antwort und befahl ihn abzuführen. Ludolfs ganzes Verhalten hatte ihn in dem gegen ihn gehegten Verdacht bestärkt; er war jetzt lest überzeugt, daß er der Mörder des schö­

nen Mädchens sei, dessen traurige Ueberreste unten in dem im Hofe des Gerichtsgebäudes befindlichen kleinen Leichenschauhause lagen, wo sich soeben ein herzzerreißen­der Auftritt abspielte.

Edith von Noßwitz stand an der Leiche ihrer Schwe­ster.

Wohl niemals waren die Fischer, welche ihr Gewerbe auf den Seen der.Holsteinischen Schweiz ausübten, so eifrig bei ihrer Arbeit gewesen, wie in den Tagen nach dem Verschwinden Lydias. Früh und spät sah man ihre kleinen Barken auf dem Kellersee, und sie schalten nicht einmal über das Dampfschiff, das seit kurzem die See befuhr und, wie sie sagten, ihnen die Fische verscheuchte; die Beute, nach welcher sie jetzt angelten, war durch kein Geräusch mehr in Schrecken zu versetzen.

Den angestrengten, fortgesetzten Bemühungen ward der Erfolg zu teil. Das Netz, welches drei Fischer, die bei Sternenschein ausgefahren waren, in den Grund des Sees versenkt hatten, war schwer, sehr schwer, als sie es zurückzogen. Mit einem lauten Schrei, halb Freude, halb Schreck und Entsetzen ward der längst ersehnte Fund be­grüßt; man hatte eine Leiche an daS Licht deS soeben anbrechenden neuen Tages gebracht.

Das Entsetzen gewann aber die Oberhand, als man die Leiche näher ansah; das von den Fischern so gehaßt« Dampfschiff hatte allem Anschein nach sein Perstörungs- werk an dem jugendlichen Frauenkörper geübt, der vov- zeitig sein Ende in den Fluten gefunden.

Das Gesicht, das die Schaufeln und Räder erfaßt ha­ben mochten, war gänzlich zerstört, eine Hand war abge­rissen, auch von der Bekleidung waren nur noch einige Fetzen vorhanden. Mit einem groben Segeltuche bedeck­ten die Fischer den armen verstümmelten Körper. Einge­denk der Vorschrift, die ihnen für einen solchen Fall zuteil geworden war, brachten zwei von ihnen den Fund nach dem Schauhausein Eutin, während der Dritte nach dem Rodenberg ging, um den verheißenen Finderlohn in Emp- 1 fang zu nehmen. 191,18*