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Nüchterner Muiig

mit amtlichem Rreisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

Telefon Nr. «8. Vierteljährliche Beilage:Unsere Heimat". Telefon Nr. «3.

Erscheint Mittwoch und Samstag Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mt. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 1C Pfg.

.M 34» Samstag, den 27. April 1912. 63. Jahrgang.

Bekanntmachung.

J.-Nr. 386. K.-H.-St. Nachstehend verzeichnete Arbeiten für den Neubau eines KreiKkrankenhanses zu Schlüchtern sollen vergeben werden.

Zeichnungen und Verdingungsunterlagen liegen im Königlichen Landratsamt (Baubüro) zur Einsicht offen. Die Angebotsformulare für die einzelnen Titel können gegen Erstattung der Selbstkosten, ab Montag, den 29» d. Mts. solange der Vorrat reicht, bezogen werden.

Titel 1 und 2 Erd- und Maurerarbeiten

3 Steinhauerarbeiten

4 Eisenbetonarbeiten

5 Zimmerarbeiten

6 Dachdeckerarbeiten

7 Spenglerarbeiten

8 Grobschlofferarbeiten.

Die Angebote sind verschlossen und portofrei mit entsprechender Aufschrift versehen, an den Kreisausschuß vier bis zum Mittwoch, den 15. Mai vormittags 10 Nhr auf dem Baubüro einzureichen, woselbst sie in Gegenwart der erschienenen Bewerber geöffnet werden.

Zuschlagsfrist 6 Wochen.

Schlüchtern, den 25. April 1912.

Der Landrat und Vorsitzende des Kreis-Ausschusses

Valentine!.

Zur Bekämpfung der Maul- «. «laueuseuche.

Die im Mai des Jahres 1910 von Rußland nach Ostpreußen eingeschleppte Maul- und Klauenseuche hat sich im Laufe der Jahre 1910 und 1911 über Preußen und über-ganz Deutschland verbreitet. Bis zum Herbste 1910 war es gelungen, die Seuche im wesentlichen auf die östlichen Grenzbezirke zu beschränken. Durch die Verseuchung eines Viehmarktts in Tuchel und von der Provinz Posen aus erfolgten dann aber rasch zahl­reiche Verschleppungen der Seuche in die inneren Landes­teile. Es kam hinzu, daß sie zur gleichen Zeit auch in Oesterreich-Ungarn einen großen Umfang annahm und auch von hieraus wieder nach Deutschland einge­schleppt wurde. Ende Februar 1911 waren in Preußen 1897 Gemeinden und 5350 Gehöfte, Ende März rund 5000 Gehöfte verseucht und am 15. August erreichte die Zahl der Seuchengehöfte mit 20298 den Höhe­punkt. Die Seuchenherde waren fast über die ganze preußische Monarchie verstreut. In Deutschland ist der höchste Stand der Seuche Ende August mit 38340 verseuchten Gehöften erreicht worden. (Berichtigte Zahl.)

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Aas Geheimnis der Akuten.

Roman von Jenny Hirsch. 27

Er wartete dessen Ansprache nicht ab, sondern beklagte sich sofort in heftiger Weise über die ihm zu teil ge­wordene Behandlung. Der Amtsrichter verwies ihn zur Ruhe und erklärte ihm, daß gegen ihn genau den Vor­schriften des Gesetzes gemäß verfahren worden sei.

Das müssen Sie mir erst schwarz auf weiß zeigen, Herr Amtsrichter, sonst glaub ich's nicht," antwortete er ein klein wenig gelassener und mit einem Anflug von Humor.In welchem Paragraphen des Gesetzes steht eS wohl, daß man einen Menschen, besten Angelegenheiten in vollkommener Ordnung sind, in dem Augenblicke fest­halten darf, wo er einen Eisenbahnzug besteigen will, um eine Reise zu machen?"

In dem Paragraphen, der bestimmt, daß jeder ver­haftet werden darf, gegen den der Verdacht vorliegt, er wolle sich durch die Flucht einer Anklage entziehen. Sie können nicht in Abrede stellen, daß Sie sich in diesem Falle befinden."

Doch, daS stelle ich ganz entschieden in Abrede," rief Pöplau und trat dem Tische, hinter welchem der Unter« fuchungsrichter saß, ganx nahe,wie sönnen Sie eS eine Flucht nennen, wenn ich öffentlich, am hellen Tage, vor aller Ariden abreisen will?"

Das haben Sie allerdings getan, wahrscheinlichen der Voraussetzung, daß man daraus am wenigsten Arg haben würdir."

Läge nicht die Annahme viel näher, daß ich keinen Grund habe meine Abreise geheim zu halten?" fragte Ludolf mit bitterem Lächeln,daß ich mir keines Ver­brechens, nicht einmal eines Vergehens bewußt bin."

Erlauben Sie jetzt, daß ich frage," versetzte der Amts- Hrfiter mit ironischer Höflichkeit.Wohin wollten Sie rei«

Von da ab erfolgte in Preußen ein ziemlich rasches zurückgehen der Zahl der Seuchengehöfte, so daß Ende November nur noch 8528 Gehöfte verseucht blieben. Die Zahl der verseuchten Kreise und Gemeinden fiel aber nicht in gleicher Weise, sie erfuhr vielmehr zeit­weise noch eine Steigerung, was darauf zurückgeführt werden muß, daß fast bis Ende des vorigen Jahres die Sperrmaßregeln teils aus wirtschaftlichen Gründen, besonders aber auch infolge Mangels an Polizeimann­schaften nicht überall mit der nötigen Energie ange­wendet werden konnten. Da im Winter die Bekämpfung der Maul- und Klauenseuche ohne allzu große wirt­schaftliche Härten möglich ist, so wurde der verflossene Winter dazu benutzt, die Seuche mit allen Mitteln möglichst zu tilgen. Zu diesem Zwecke wurden die im Frühjahr v. I. gewährten Erleichterungen im Herbst v. I. wieder aufgehoben. Von dem neuen Reichs- Vieh-Seuchengesetz, welches in kurzer Zeit in Kraft treten wird, kann insofern ein großer Nutzen erwartet werden, als in dem Gesetz unter Anderem die Möglich­keit geboten wird, die Tötung der verseuchten Bestände gegen Entschädigung anzuordnen.

In landwirtschaftlichen Kreisen ist mehrfach davon gesprochen worden, alle Viehbestände durchseuchen zu lassen und so die Seuche zum Erlöschen zu bringen. Abgesehen davon, daß die Durchseuchung der bisher noch unverseuchten Viehbestände die bisherigen großen Verluste um mehr als das zehnfache steigern würde, muß dieser Plan auch aus folgenden Gründen ver­worfen werden:

In einem Zuchtgebiete Preußens hat man die Durchseuchung aller Viehbestände ernstlich erwogen. Die Ausführung ist schon daran gescheitert, daß es nicht gelang, alle Viehbesitzer oder auch nur die große Mehrzahl derselben hierfür zu gewinnen. Ohne völlig einheitliches und gleici-mäßiges Vorgehen hat aber diese Maßnahme naturgemäß keinen Wert. Ferner bleibt erfahrungsgemäß auch in den stark verseuchten Gebieten stets ein großer Prozentsatz von undurchseuchten Tieren übrig, die den Erfolg der Durchseuchung illusorisch machen.

Endlich kann nicht verkannt werden, daß die Ver­seuchung der noch empfänglichen Viehbestände (b. s. in Preußen etwa 90 Prozent) die gesamte Viehwirtschaft, den Viehverkehr und die Fleiscbversorgvng zweifellos in der gefährlichsten Weise beeinflussen müßte.

Der Seuchenzug der Maul- und Klauenseuche hat, wie das nicht anders zu erwarten war, auch das In­

Nach Kiel, wie die Fahrkarte aus weist, die rch in Gremsmühlen gelöst habe."

O, nicht weiter? Dazu bedarf es aber keines mehr- monatlichen Urlaubs von der Forstbehörde, dazu bedarf es keiner so großen Geldsumme, wie Sie sich mitgenom­men haben, dazu bedarf es nicht einmal des Gepäckes, das Sie bei sich führten."

Sie sind ja außerordentlich gut unterrichtet, Herr Amtsrichter," sagte Ludolf spöttisch.Da werden Sie auch wissen, wohin ich reisen wollte."

Nach Amerika," entgegnete Momsen mit großer Be­stimmtheit, während er durch die Brillengläser die kal­ten stahlgrauen Augen scharf auf Pöplau richtete. Als er gewahrte, daß dieser zusammenzuckte, fuhr er eindring­lich fort:Es stünde Ihnen besser an, wenn Sie von ihrem hohen Pferde herabsteigen wollten; Sie rühmen sich nicht einmal einer Uebertretung schuldig gemacht zu haben und wollten doch ohne Erlaubnis Deutschland und Europa verlassen."

Sie wissen ja, daß ich einen mehrmonatlichen Ur­laub habe."

Aber keine Auswanderungserlaubnis, keine Entlas­sung aus Ihren dienstlichen Verhältnissen, keinen Abschied vom Militär, und Sie wollten doch für immer fortge-

Hen."

Womit wollen Sie mir daS beweisen? Sie können mich doch nicht festhalten, um mich zu verhindern, in Zukunft etwa ein Landesgesetz zu übertreten. Ich pro« testiere ganz energisch gegen diese widerrechtliche Frei­heitsberaubung ; ich mache Sie verantwortlich für jeden Nachteil, der mir daraus erwächst."

,DaS steht Ihnen frei,* sagte der Amtsrichter mit einer Gelassenheit, die Ludolf Pöplau be. ahe um den letzten Rest seiner Selbstbeherrschung brächte.

Lasten Sie mich fort!" schrie er mit dem Fuß stampfend und zerrte an seinen Armen, als wolle er daran befind­liche Ketten abstreifen. _

Dugesjen Sie nicht, wo Sie sind! Meine Langmut

teresse an den Schutz- und Heilmitteln gegen diese Seuche in hohem Maße belebt. Zahlreiche Mittel sind von allen Seiten angeboten und empfohlen worden. Bisher ist kein Mittel bekannt geworden, das die veterinärpolizeilichen Maßnahmen ersetzen könnte.

Das größte Interesse kann das Loefflersche Serum beanspruchen. Mit ihm sind bisher in 169 Rinder­beständen Versuche angestellt worden. In 19 von diesen Beständen ist die Seuche nach der ersten Impfung ausgebrochen, in vier Beständen nach der zweiten, in zwei Beständen nach der dritten und in einem Bestände nach der vierten Impfung. Es muß zugegeben wer­den, daß mindestens ein Teil der Bestände, in denen die Seuche nach der ersten Impfung aufgetreten ist, schon vor der Serumbehandlung angesteckt war, und daß die bisher verwendeten kleineren Mengen des Serums in diesen Fällen den Ausbruch der Seuche nicht verhindern konnten. Trotzdem bleiben diese Fälle veterinärpolizeilich sehr unbequem. Es soll jetzt ver­sucht werden, diese Seuchenausbrüche in den geimpften Herden durch Erhöhung der Serummengen zu ver­meiden. Damit steigen aber auch die an sich schon nicht geringen Kosten der Serumbehandlung wesentlich. Sie werden vielleicht auf 20 bis 30 Mk. pro Tier anwachsen. Damit sind natürlich de: Serumanwendung so enge Grenzen gezogen, daß sie bei einer größeren Verbreitung der Seuche keine wesentliche praktische Bedeutung haben kann. Immerhin muß dem Serum nach den bisherigen Erfahrungen ein Schutz- und HeU- wert zuerkannt werden.

Ferner sind mit Arsenpräparaten, vor allem mit Atoxyl und Salvarsan Versuche angestellt worden mit dem Ergebnis, daß diesen Mitteln ein Schutzwert nicht zukommt. Ueber ihrcn Heilwert besteht zwar noch keine völlig einheitliche Meinung. Nach den in Preu­ßen gemachten Erfahrungen kann ihnen aber auch kein nennenswerter Heilwert zugesprochen werden.

Schon vor Jahren ist von mehreren Seiten dem Pockenvirus immunisierende Kraft gegen den An­steckungsstoff der Maul- und Klauenseuche zugeschrieben worden. Diese Versuche sind von neuem ausgenommen worden. Ueber ihr Ergebnis kann ein Urteil noch nicht abgegeben werden.

Endlich sind eine Anzahl von Geheimmitteln gegen die Seuche zum Teil unter hochklingenden Namen empfohlen worden. Die meisten von ihnen schienen schon ihrer ganzen Art nach nicht prüfenswert. So­weit die Person des Erfinders oder ihr scheinbarer

könnte ein Ende haben," sagte der Amtsrichter nachdrück­lich.Sie verbessern Ihre Lage durch dieses unnütze To­ben und Schreien durchaus nicht."

Aber ich bin in Verzweiflung, ich muß nach Ham­burg und von dort nach England," sagte Ludolf ein klein wenig ruhiger. Ich werde dort erwartet."

Von wem?" fragte der Amtsrichter mit großer Auf­merksamkeit.

Ludolf verstummte; durch seine Leidenschaft fortgeris­sen, hatte er, wie Momsen sehr wohl mertte, mehr gesagt, als ihm zuttäglich erschien. Nun suchte er das gut zu machen, indem er erst nach wiederholter Aufforderung er­widerte :Darauf verweigere ich die Antwort."

Weil Sie keine zu geben haben, weilniemand Sie erwartet."

Ludolf antwortete nicht.

Sie waren heimlich mit Fräulein Lydia von Rüster verlobt?" setzte der Amtsrichter sein Verhör fort.

Ja," antwortete Ludolf Pöplau nach kurzem Besin­nen.

Und sie hat mit Ihnen gebrochen. Weshalb?"

Der junge Forstkandidat erbleichte bis an die Lip­pen ; sein ganzer Körper bebte, wie unter einem schwe­ren Schlage, dann kreuzte er die Arme und sagte mit einem tiefen Atemzüge:Auch darüber verweigere ich die Auskunft."

Das wird Ihnen wenig helfen, es sind andere da, welche darüber Auskunft geben können; ebenso wie man weiß, daß Sie ihr auf Schritt und Tritt nachgeschlichen find; wollen Sie das etwa auch leugnen?"

Nein; ich wollte mich bei meiner Braut rechtferti­gen, man hatte mich bei ihr in schändlicher Weise ver. leumdet," er sprach sichtlich mit Anstrengung.

Sie wich Ihnen aus, und das brächte Sie außer sich"

Ludolf schwieg.

Sie haben die heftigsten Drohungen ausgestoßen."

Ich war eben in Verzweiflung." 191,18*