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mit amtlichem Kreisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.
Telefon Nr.«». Vierteljährliche Beilage: „Unsere Heimat". Telefon Nr. «5.
Erscheint Mittwoch und Samstag — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mt. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 1C Pfg.
M 32. Samstag, den 20. April 1912. 63. Jahrgang.
Zur „Titanik"-Katastrophe.
London, 17. April. Es steht jetzt fest, daß die meisten Notablen an Bord umgekommen sind. Ihre gesellschaftliche Stellung wurde bei dem Rettungswerk nicht berücksichtigt. — Wie aus Newyork berichtet wird, gab Präsident Taft Befehl, daß sieben Kutter der „Carpathia" entgegen geschickt werden sollen, um ihr allen möglichen Beistand zu leisten. Der Präsident wünscht über alle Einzelheiten die Katastrophe betreffend, unterrichtet zu werden. Auch der Kreuzer „Salem" ist auf Befehl des Präsidenten der „Carpathia" ent gegengefahren. Die erschütternden Szenen vor dem Bureau der White Star Linie dauern fort. In ganz Newyork stehen die Geschäfte still. Die Trauer ist allgemein. Die Presse veröffentlicht scharfe Artikel über den Mangel an Rettungsbooten auf den englischen Dampfern. Der der „Carpathia" zu Hilfe gesandte Kreuzer „Salem" hat einen 1500 Kilometer weit reichenden Funken-Apparat an Bord. — Wie aus Havre gemeldet wird, war die „Titanic" unterwegs vor den Eisbergen gewarnt worden. Die „Touraine", die gestern in Havre einlief, berichtet, daß sie in den Breiten von Neufurdland zahlreiche Eisberge bemerkt und radiotelegraphische Warnungen aussandte. Diese Warnungen wurden Freitag, den 12. April von der „Titanic" ausgenommen, mit der die „Touraine" den ganzen Vormittag in Berührung blieb. Nach einer Schätzung der Sachverständigen liegt die „Titanic" in 3000 Meter Tiefe. Auf eine Anfrage teilt die Whi:'
Star-Linie mit, daß die Rettungsboote an Bord der „Titanic" für die doppelte Anzahl der Passagiere reichten und daß der Dampfer nicht voll besetzt war. Man müsse daher annehmen, daß die meisten Rettungs boote beim Untergang der „Titanic" mit in die Tiefe gerissen wurden. Der Kapitän und alle Offiziere des Schiffes sollen mit untergegangen sein.
Berlin, 17. April. Das Depeschen-Buceau Herold erhält folgendes Telegramm der White Star-Linie: Die Kollosition der „Titanic" ist auf einen natürlichen Zufall zurückzuführen, wobei der Rumpf des Schiffes ganz hindurch gespalten wurde.
Keine Geretteten auf anderen Schiffen.
Newyork, 16. April. Alle Meldungen stimmen darin überein, daß keiner der Dampfer, welcher die drahtlosen Hilferufe der „Titanic" vernahm, rechtzeitig eintraf. Dle „Carpathia" traf zuerst ein. Sie fand die Rettungsboote mit Ueberlebenden vor, welche auf
Aas Keheinmis der Akuten.
Roman von Jenny Hirsch. 24
Der Bursche sah von unten herauf den Inspektor blöde an und stieß zwischen den halbgeschlossenen Zähnen hervor: „Es war des toten Försters Großer."
„Da hören Sie es," raunte Herr von Noßwitz dem Inspektor zu. „Was sagtest Du doch, was sie miteinander taten?" suhr er zu dein Burschen gewandt fort.
„Sie zankten sich."
„O, da irrst Du Dich wohl," sagte der Inspektor, um Mehr aus ihm herauszulocken.
„Nee, nee," beharrte Peter, „er schrie und schalt, packte sie am Arm und sie sagte: „Lasten Sie mich los, ich habe mit Ihnen nichts zu schaffen," und dann riß sie sich los und lief fort."
„In welcher Richtung?"
„DaS weiß ich nicht genau, sie wird aber wohl nach dem Obersee gegangen sein, da saß sie ja immer so gern."
„Und der junge Förster?"
„Der blieb auf demselben Fleck stehen und schrie und tobte, ich glaube, er hat von Erschießen und Erträn- ten gesprochen. Ich kriegte solche Angst, daß ich die Großmutter beim Arm nahm und sie mit fortzog."
„Und von Fräulein von Ruffer habt Ihr nichts wieder gesehen?"
„Nee, nee," sagte der Bursche, von einem Fuß auf den andern tretend, „ich machte, daß ich mit der Großmut- ter weg kam, denn hätte uns der Förster mit unserem bißchen Leseholz erwischt, hätte er seine Wut wohl an uns ausgelassen. Er war gar zu böse und führte schreck- liche Reden."
m „Verstehen Sie nur den Hergang?" fragte Herr von -noßwitz den Inspektor leise. „Er muß ihr doch nachge- jMlichen sein, sie hat ihn abermals zurückgewiesen und. .
brach ab und fügte als Ergänzung feiner Rede, von
einem 21 Meilen weiten Eisfelde zerstreut waren. Angesichts der starken Eismassen konnte die „Carpathia" die Ueberlebenden erst nach Stunden aufnehmen. Die Mehrzahl der Ueberlebenden war notdürftig bekleidet. Die Boote trieben in der großen Kälte und im Sturm stundenlang umher, bis die „Carpathia" gesichtet wurde. Vor dem hiesigen Bureau der White Star-Linie spielten sich herzerschütternde Szenen von armen und reichen Leuten ab. Es wird vielfach die Vermutung ausgesprochen, die Eismassen hätten viele Rettungsboote zertrümmert. Unter den 868 Ueberlebenden sollen sich nur 79 Männer befinden.
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Newyork, 16. April. Die furchtbare „Titanic"- Katastrophe ruft hier starres Entsetzen hervor, umso- mehr, als noch spät abends das White Star-Bureau alle als gerettet bezeichnet hatte. Es ist jetzt zweifelhaft, wie groß die Zahl der Toten ist. Indessen scheint aus einem drahtlosen Telegramm der „Olympic" her- vorzugehen, daß 1800 Personen umgekommen sind. Man hofft, daß es weniger sind, da die Passagierliste nur 1810 Namen aufweist und die Bemannung 860 Köpfe zählte, während 675 als gerettet gemeldet werden.
Newyork, 16. April. Die letzten Berechnungen ergeben 1254 Tote. Der Untergang der „Titanic" erfolgte 50 Kilometer vom Schauplatz der Kollision.
Newyork, 16. April. Die „Birainian" meldet, sie sei zu spät gekommen und keine Geretteten an Bord, ^uch die „Parisiana" hat keine Geretteten ausgenommen. Die Zahl der an Bord der „Carpathia" befindlichen Geretteten beträgt nach den neuesten Meldungen 800, demnach sind etwa 1550 Personen umgekommen.
Newyork, 16. April. Von 350 Passagieren erster Kajüte sind 318 gerettet.
Newyork, 16. April. Der Vizepräsident der White Grand-Trunk-Line erklärte, daß von den 325 Passagieren der 1. Klasse der „Titanic" 202, von den 285 Passagieren der 2. Klaffe 114 zu den Geretteten zählen.
Deutsches Reich.
— Wie wir soeben erfahren, wird der Kaiser am Dienstag, 21. Mai, vormittags mit dem Automobil von Wiesbaden aus in Frankfurt a. M. eintreffen, um den Einweihungsfeierlichkeiten der Mainbrücke und ides Osthafens beizuwohnen. Dem Magistrat
einem tiefen Seufzer begleitet, hinzu: „Wir müssen den Obersee untersuchen lassen."
„Das müssen wir," stimmte der Inspektor bei, „aber möglichst unauffällig, in der Nacht, wir haben ja Mondschein."
Herr von Noßwitz nickte und wandte sich dann an die alte Jansen und Peter, denen er die Erlaubnis gab, sich zu entfernen. Sie ließen sich das nicht zweimal sagen, der Enkel nahm die Großmutter bei der Hand und zog sie so schnell mit sich fort, daß die alte Frau keuchte und stolperte.
Inspektor Knauthe gab dem Beamten, den er zurück- ließ, noch einige Befehle und eilte nach dem Bahnhof, um nach Eutin zurückzukehren. Er kam gerade zur rechten Zeit, daß er noch in den zur Abfahrt bereitstehenden Zug springen konnte.
Dem heißen Tage war eine taufeuchte, erfrischende Nacht gefolgt. Die Landstraße, die van Eutin nach Grems- mühlen führt, rollte ein leichter Wagen entlang. Vier Herren befanden sich darin, der Staatsanwalt, der Amtsrichter von Momsen, welcher meistens als Untersuchungsrichter tätig war, und ein Protokollführer, sowie Inspektor Knauthe. Der letztere hatte das Ergebnis der von ihm angestellten Untersuchung dem Gericht übermittelt und dieses sich veranlaßt gesehen, nunmehr die Angelegenheit in die Hand zu nehmen.
Der Wagen machte einen Umweg, um den Bahnhof von Gremsmühlen und die an den Ufern des Dieksees gelegenen Gasthöfe zu vermeiden. ES war anzunehmen, daß trotz der vorgerückten Stunde die schöne Nacht noch manche der Logiergäste im Freien festgehalten haben könne und man wünschte zu dem Werke, das man vor hatte, keine Zeugen. Eine Strecke fuhren die Herren noch wald- einwärts, dann verließen sie den Wagen und legten den nur noch kurzen Weg nach dem Obersee zu Fuß zurück. Dort warteten ihrer bereits Herr von Noßwitz mit einem kleinen Trupp von Leuten, welche ein großes Netz, sowie
ist bereits eine entsprechende Mitteilung aus dem Zivilkabinett des Kaisers zugegangen.
— In dem Gesetzentwurf über die Aufhebung der sogenannten Branntweinliebesgabe wird diese außer für Bayern, Württemberg und Baden beseitigt und in den genannten Staaten für gewerbliche Brennereien auf 5, für andere Brennereien auf 7,50 M. herabgesetzt.
— Im diesjährigen Etat ist ein höherer Betrag als bisher zur Kultivierung und Besiedelung von fiskalischen Moorflächen eingesetzt worden. Dieser soll für die in Hannover und Ostpreußen gelegenen Moore Verwendung finden. In der Provinz Hannover würde es sich um das Hahnenknoopmoor im Regierungsbezirk Stade, das Königsmoor im Regierungsbezirk Lüneburg, das Kehdinger Moor (Groß-Sterneberg) und das Makardmoor im Regierungsbezirk Aurich handeln. In der Provinz Ostpreußen würden der große Moorbruch (Kolonie Karlsrode-Elchtal) in den Regierungsbezirken Gumbinnen und Königsberg sowie das Augstumal- und Rupkalvener Moor (Kolonie Bismarck) im Regierungsbezirk Gummbinnen in Betracht kommen.
— Im Kaiser Wilhelm-Kanal verkehrten im vorigen Jahr über 10 000 Schiffe mehr als im Jahre 1910. Der Raumgehalt stieg um über 1,3 Mill. Netto Reg.- Tonnen und belief sich auf 8,5 Mill. Netlo-Reg- Tonnen. Diese Ziffern zeigen, daß trotz des Erweiterungsbaues der Verkehr im Kanal außerordentlich lebhaft war, und die starte Steigerung der Zahl der Schiffe läßt die fortgesetzten Klagen über den Lotsenmangel 4.m ikanal erklärlich finden. Auf einen so starken Verkehrszuwachs war die Kanalverwaltung nicht vorbereitet. Die Einnahme aus dem Kanalverkehr stieg um reichlich 500 000 M. auf 3,9 Mill. Mark. Seit dem Jahre 1902 haben der Raumgehalt der passierenden Schiffe und die Einnahmen sich fast verdoppelt. Der Verkehr hat sich weit besser entwickelt als in den letzten Jahren gehofft wurde, und allem Anschein nach darf mit wachsenden Ueberschüssen der Einnahmen über die Ausgaben gerechnet werden.
— In einem Ministerialerlaß wird über den Begriff der Beschäftigung in Familienbetrieben im Hausarbeitsgesetz ausgeführt, daß diese nicht das Vorhandensein eines gewerblichen Arbeitsvertrags und auffeiten des Beschäftigten nicht die Eigenschaft eines gewerblichen Arbeiters voraussetzt. Als beschäftigt gelten die Familienangehörigen schon dann, wenn sie bei der Arbeit tatsächlich helfen. Bezüglich des Begriffs des Hausarbeiters wird bestimmt, daß dieser nicht als ein wirt-
Taue und sonstige zum Fischfang nötige Geräte neben sich auf den Boden gelegt hatten.
Noßwitz ging den Ankommenden einige Schritte entgegen und begrüßte sie. Dem Amtsrichter von Momsen schüttelte er warm die Hand, sie waren Jugendbekannte und hatten sich zur beiderseitigen freudigen Ueberraschung schon vor einigen Wochen in Eutin wiedergefunden.
„Hätte wahrlich nicht gedacht, daß wir uns so Wiedersehen würden, lieber Momsen, hoffte vielmehr, Sie als Gast auf dem Rodenberg zu begrüßen," flüsterte er.
Der Amtsrichter drückte ihm durch einige ebenso leise gesprochene Worte seine Teilnahme aus, dann traten beide zu den anderen, und der Inspektor Knauthe bedeutete mehr durch Zeichen als durch Worte seine Leute, mit die durch diese requirierten Fischer, an die Arbeit zu gehen.
Der Obersee ist ein kleiner, ziemlich tiefer See oder vielmehr der abgesonderte Teil des weit größeren Kellersees, mit dem er auch durch eine unterirdische Strömung in Verbindung steht. Ganz von dunklem Gebüsch, von Tannen, Fichten und überhängenden Weiden umgeben, hat er selbst am hellen Tage einen melancholischen Charakter, jetzt im Mondenschein machte er aber einen geistev» hasten, herzbeklemmenden Eindruck. Unwillkürlich sprachen die Versammelten leise und dämpften ihre Schritte, als fürchteten sie sich, etwas zu erwecken, das hier in tief» ster Verborgenheit schlief, und doch waren sie gekommen, das auf dem Grunde des Sees ruhende Geheimnis zu enthüllen.
Die Fischer lösten einen am Ufer angeketteten Kahn und fuhren bis in die Mitte des Sees, schweigend schauten ihnen die Zurückbleibenden nach, wie Schatten glitten sie unter den leise im Winde rauschenden Bäumen dahin.
Der Kahn hatte die Mitte des Sees erreicht, mit gedämpftem Zuruf verständigten sich die Insassen mit ihren am User aufgestellten Gefährten. Das Netz ward ausgeworfen und von kräftigen Händen wieder in die Höhe gezogen. 191^18^