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ZchlüchtemerMung

mit amtlichem Areisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

Telefon Nr. «5. Vierteljährliche Beilage:Unsere Heimat". Telefon Nr. «S.

Erscheint Mittwoch und Samstag Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mt. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 1C Pfg.

M 28.

Samstag, den 6. April 1912. ^HHHUMMBHHHBMi

Amtliches.

J.-Nr. 2159 K.-A. In Gemäßheit des § 82 der Kreisordnung bringe ich aus der am 28. März d. Js. stattgehabten Kreistagssitzung Folgendes zur öffentlichen Kenntnis.

1. Die Kreissparkaffen-, Kreiskrankenkaffen- und Kreis- kommunalkaffenrechnungen für 1910 wurden als abge­hört erklärt und wie folgt festgestellt:

a) Kreissparkassenrechnung 1910: Einnahme . . . 1531041,92 Mk. Ausgabe . . . 1513016,34

Bestand 18025,58

b) Kreiskrankenkassenrechnung 1910: Einnahme . . . 52026,59 Mk. Ausgabe . . . 45661,22

Bestand 6365,37

c) Kreiskommunalkassenrechnung 1910; Einnahme . . . 236654,28 Mk.

Ausgabe . . . 214109,51

Bestand 22544,74

2. Die seitherigen Vertrauensmänner zur Auswahl der Schöffen und Geschworenen wurden für 1913 wiedergewählt.

3. Die seitherigen Kreisausschußmitglieder Hebel und Siemon wurden wiedergewählt.

4. In die Einkommensteuerveranlagungskommission wurden die Herren Bratfisch und Albrecht als Mitglieder, die Herren Berta und Hadermann als Stellvertreter wiedergewählt.

5. In die Verwaltungskommission der KreiZvieh^- sicherungsanstalt wurden wiedergewählt:

a) als Mitglieder:

1. Rentmeister Pfalzgraf,

2. Rentner Weichel,

3. Uhrmacher Orth.

b) als Stellvertreter:

1. Bürgermeister Gärtner-Elm,

2. Gastwirt Kohlepp-Schwarzenfels,

3. Gastwirt Eckart-Steinau.

6. Der Kreishaushaltsetat für 1912 wurde einstimmig unverändert angenommen und in Einnahme und Aus­gabe auf 192500 Mark festgesetzt.

Schlüchtern, den 3. April 1912.

Der Königliche Landrat: I. V.: Berta.

Polizeiverordnung.

Auf Grund des § 5 der Verordnung über die Poli-

reiverwaltung in den neu erworbenen Landesteilen vom 20. September 1867 (G. S. 1529) und dem § 142 des Gesetzes über die allgemeine Landesverwaltung vom 30. Juli 1883 (G. S. 195) wird mit Zustimmung des i Kreisausschusses für den Umfang des Kreises Schlüchtern nachfolgende Polizei-Verordnung erlassen:

§ 1.

Das Tragen von Hieb und Stoßwaffen, zu welchen unter Anderem auch Schlagringe und sogenannte Tvd- schläger, Dolchmesser und Jagdknicker gehören, ist ver­boten.

§ 2.

Ausnahmen von dem vorstehenden Verbote sind gestattet.

a) für Personen, welche Kraft ihres Amtes zur Führung von Waffen berechtigt sind;

b) für die Mitglieder von Vereinen, welchen die Befugnis Waffen zu tragen verliehen ist, im Um­fange dieser Befugnis;

c) für Personen, welche sich im Besitze eines Jagd­scheines befinden, inbezug auf die zur Ausübung der Jagd dienenden Waffen;

d) für Personen, welche sich im Besitze eines Waffen­scheines befinden, inbezug auf die in diesem be­zeichneten Waffen.

Ueber die Erteilung eines Waffenscheines befindet der Königliche Landrat.

Der Schein wird kosten- und stempelfrei auf eine bestimmte Zeit ausgestellt und kann zu jeder Zeit wieder zurückgezogen werden.

§3.

Uebertretungen dieser mit dem Tage ihrer Ver­kündigung in Kraft tretenden Verordnung werden mit Geldbuße bis zu 30 M., im Unvermögensfalle mit ent­sprechender Haft bestraft.

Schlüchtern den 20. August 1908.

Der Königliche Landrat: Valentiner.

* *

*

Vorstehende Polizei-Verordnung wird wiederholt ver­öffentlicht.

Das unerlaubte Waffentragen in und außer dem Hause und das Schießen wird mit den empfindlichsten Strafen geahndet.

Schlüchtern, den 28. März 1912.

Die Polizeiverwaltung: Albrecht.

63. Jahrgang.

Osterglocken.

Die Osterglocken klingen,

Der Lenz zieht wieder ein, Von allen Zweigen singen Die muntern Vögelein. Die freien Bäche fließen In ungehemmtem Lauf, Und an den Hecken sprießen Die Frühlingsblumen auf.

Die Osterglocken klingen.

O wunderbarer Klang!

Die hellen Töne zwingen Das Herz zu Lob und Dank; Es hörte ja die Erde Den neuen Schöpfungsruf, Ein göttlichesEs werde" War^s, das den Frühling schuf.

Die Osterglocken klingen Wie jubelnder Gesang; Sie jubeln und sie singen Dem, der den Tod bezwäng, Dem Heiland, welcher heute Erstand aus Grabesnacht Und uns als Osterbeute Den Frieden mitgebracht.

Die Osterglocken klingen. Der Lenz zieht wieder ein, Die Blütenknospen springen Im warmen Sonnenschein. Und dort die Lebensquelle, Die blinkt so silberklar, Ihr Wasser fließt so helle Und rauscht so wunderbar.

Ostergedanken.

O du fröhliche, o du selige, gnadenbringende Osterzeit!" so klingt und singt es wieder durch die Lande in fröhlicher Feststimmung. Noch vor wenigen Tagen die wehmütigen, klagenden Karfreitagslieder voll tiefen Schmerzes, und heute Jubel und Freude überall. Es haucht aus den Lüften auf die schlummernde Erde, und zahllose Keime regen sich in ihrem Schoß und streben zum Lichte empor. Geheimnisvolles Weben durchzieht den toten Wald, und freudiger blinkt die Sonne aus den befreiten Gewässern. Bald grüßt die

Ias Geheimnis der Akuten.

Roman von Jenny Hirsch. 19

Und hat er sie gesprochen?"

Frau Pöplau setzt sich wieder, und es klang merk­lich unsicher:Ich weiß es nicht; es kann ja sein, daß er's erzwungen hat, und daß sie deshalb von hier weg­gefahren ist."

Hat Ihr Sohn Ihnen das gesagt?"

Sie schüttelt den Kopf.

Wo ist er?"

Er schläft."

Jetzt, am hellen Mittag?"

Er war die Nacht über auf dem Anstand, ist erst am Morgen heimgekommen und hat sich sogleich nieder­legt."

Weiß er denn nicht, daß Fräulein von Ruffer ver­mißt wird?" fragte der Inspektor.

Das kann ick Ihnen nicht sagen."

So will ich ihn selbst fragen; bitte, führen Sie mich zu ihm.

Ick will ihn sogleich rufen."

Nein, ich danke; ich ziehe es vor, zu ihm zu ge­hen."

Beider Augen trafen sich; die Försterin wußte jetzt, daß der Inspektor Hintergedanken habe, und daß jede Weigerung einen etwaigen Verdacht nur bestärken könne.

Kommen Sie," sagte sie aufstehend.

Sie führte den Inspektor burd) ein paar Zimmer, die ebenfalls so einfach ausgestattet waren wie das Vorder- zimmer, aber noch weit mehr der schönsten und zum Teil recht seltenen Pflanzen enthielten.

Das sieht ja hier aus, als sei man bei einem Kunst­gärtner," bemerkte der Inspektor und stand verwundert still.Wer zieht nur alle diese Gewächse?"

..Ich," sagte die Försterin mit einem Aufleuchten der Augen. Traurig fügte sie hinzu:Die Blumen sind meine

Freude und mein Stolz, und der Gedanke, sie verkaufen und verstreuen zu müssen, war mir sehr schmerzlich, als ich nach dem Tode meines Mannes von hier fort zu müs­sen glaubte, denn in eine Mietswohnung hätte ich sie nicht mitnehmen können. Da war ich denn sehr dankbar, ; als der Nachfolger mir anbot, bei ihm zu bleiben und ! ihm die Wirtschaft zu führen. Er hat drüben ein paar I Zimmer inne, und ich bin mit meinen alten Sachen und meinen Blumen in meiner Wohnung geblieben."

Besorgen Sie denn den Haushalt allein?" erkundigte sich der Inspektor.

Doch nicht; ich habe eine Magd; ich habe ihr aber jetzt, wo der Herr Förster Horn verreist ist, erlaubt, auf ein paar Tage zu ihrer kranken Mutter nach Brunshaup- ten zu gehen."

So sind Sie augenblicklich mit Ihrem Sohn ganz allein?"

Ja," antwortete die Försterin und klopfte an eine Tür.Ludolf, steh auf, hier ist der PolizeiinspektorKnauthe aus Eutin, der Dich zu sprechen wünscht."

Ich bin schon auf und komme sogleich!" rief eine frische, angenehme Stimme, während Knauthe ein ver­drießliches Gesicht machte. Es war ihm gar nicht recht, daß der junge Mann sogleich erfuhr, wer er war, und die Meldung der Försterin dünkte ihm mit Absicht in die­ser Form geschehen zu sein.

Schon trat jetzt der junge Forstmann hervor, und un­willkürlich gestand sich der Inspektor, daß Lydia von Ruf- fers Geschmack weit besser, als der ihrer älteren Schwe­ster sei. Ludolf Pöplau war schlank und geschmeidig und dabei von kräftigem Wuchs. Der wohlgeformte, mit dunkelblondem, kurz geschnittenem Haar ganz dicht be­deckte Kopf wurde von einem schlanken Halse getragen, das sonnenverbrannte Gesicht hatte männlich-schöne und intelligente Züge; dunkle Augen, die der Mutter, blickten klug und treuherzig zugleich in die Welt. Als er den von einem dunkelblonden Schnürrbart beschatteten Mund öff­nete, um den Fremden zu begrüßen, blitzten zwei Rei­

hen tadelloser Zähne daraus hervor. Er hatte eine grau­grüne Jagdjoppe mit dunkelgrünen Aufschlägen lässig über­geworfen, so daß das darunter befindliche tadellos weiße Hemd sichtbar war.

Womit kann ich Ihnen dienen, Herr Inspektor?" fragte der junge Forstmann, die Tür hinter sich ins Schloß ziehend, jedoch nicht so schnell, um Knauthe nicht vorher einen Blick ins Zimmer werfen und sehen zu lasten, daß das Bett in der Tat zerwühlt war. Auch die noch auf den Wangen des jungen Forstkandidaten liegende Röte sprach dafür, daß er geschlafen hatte. Wieder kam die Försterin dem Polizeiinspettor zuvor und sagte:Lu­dolf, Du kamst so lotmüde nach Hause, da mochte ich Dir nicht erst sagen, daß gestern abend spät hier nach Lydia von Ruffer gefragt worden ist. Nun kommt dieser Herr und teilt mir mit, daß sie nicht wieder nach der Villa zurückgekehrt sei."

Und ich möchte mich erkundigen, ob Sie nichts über ihren Verbleib wissen," fügte der Inspektor, der vorlau­ten Berichterstatterin einen nichts weniger als freund­lichen Blick zuwerfend, hinzu.

In den ausdrucksvollen Zügen des jungen Mannes ging eine Veränderung vor, nur konnte der Inspektor nicht recht klug daraus werden, ob sie Schreck, Besorgnis oder Betroffenheit bekunde.

Lydia ist verschwunden?" rief er bestürzt, aber es klang nicht recht natürlich.

Haben Sie wirklich nichts davon gehört? Man suchte sie ja schon seit gestern abend in der ganzen Umgegend," sagte der Inspektor und sein Ton drückte seinen Unglau­ben aus.

Wie sollte ich? Ich war am äußersten Punkte des Reviers im Tannengrunde auf dem Anstand."

Und haben einen Hirsch geschossen?" fragte Knauthe wie beiläufig.

Nein, er ist mir durchgegangen," antwortete Lu- dolf unmutig, während Knauthe ganz leise vor sich hin- pfiff. _ 191,