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Ichlüchterner Zeitung

mit amtlichem Areisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

Telefon Nr. «3. Vierteljährliche Beilage:Unsere Heimat". Telefon Nr. «3.

Erscheint Mittwoch und Samstag Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mt. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 1C Pfg.

Amtliches.

Unlerrichtskurfus an der Königlichen Fachschule für die Kleineisen- und Stahlwaren-Jndustrie zu Schmalkalden.

Die Anstalt beginnt zu Öfter« 1912 einen neuen Unterrichtskursus und nimmt hierzu neue Schüler auf.

Sie bietet befähigten, jungen Leuten Gelegenheit, in den mit neuzeitlichen technischen Hilfsmitteln reich ausgestatteten Musterwerkstätten eine sorgfältige und viel­seitige, auf der Grundlage neuzeitlicher Technik fußende praktische Ausbildung in der Eisen- und Stahlverar­beitung, besonders in der Werkzeugtechnik, zu erlangen, und jene zeichnerischen, fachtheoretischen und wirtschaft­lichen Kenntnisse zu erwerben, welche unter den heutigen Anforderungen des Gewerbebetriebes für künftige Vorar­beiter und Werkmeister oder für selbständige Gewerbe­treibende in der Kleineisen-, Werkzeug- und Metallwaren- Jndustrie unbedingt erforderlich sind.

Aufnahmefähig sind junge Leute mit guter Elemen­tarschulbildung nach erfüllter Schulpflicht. Vorherige praktische Tätigkeit ist erwünscht, aber nicht Bedingung.

Die Kursusdauer beträgt je nach Fähigkeiten 2 bis 3 Jahre, das Schulgeld für preußische Schüler 60 Mk, für solche aus dem nichtpreußischen Deutschland 160 Mk. jährlich.

Absolventen, welche die Reifeprüfung ab­gelegt haben, sind von der Gesellenprüfung befreit.

Minder bemittelten und würdigen Schülern preuß­ischer Staatsangehörigkeit können Stipendien und Schul­gelderlasse gewährt werden.

Nähere Auskunft auf Anfrage durch den Unter­zeichneten.

Anmeldungen werden baldigst erbeten.

Der Direktor der Königl. Fachschule.

Beil.

J.-Nr. 1030. K. A. Die Termine für die Ab­haltung der diesjähr. Lehrkurse in der Kreisbaumschule zur Ausbildung von Obstbaumwärtern sind wie folgt festgesetzt:

1. Hauptkursus:

Vom 18. März bis zum 3. April einschließlich.

Veredelung und Aufzucht des jungen Baumes, Schnitt und Formieren, Behandlung älterer Bäume, Ausputzen, Pfropfen, Belehrung über Obstbauinkrank- heiten, Schädlinge usw.

Samstag, den 16. März 1912.

2. Sommerik«rf«s:

Vom 29. Juli bis 3. August einschließlich. Sommerbehandlung der Bäume.

3. Herbstkursus:

Vom 2. bis 5. Oktober einschließlich.

Obsternten, Sortieren, Verpacken, Herbst- und Winterbehandlung des Obstbaumes.

Die drei Kursabschnitte bilden einen zusammen­hängenden Lehrgang. Sie sind sämtlich unentgeltlich. Ueberdies wird der Kreis auch in diesem Jahre jedem dem Arbeiterstand angehörenden Teilnehmer als Ersatz für entgangenen Arbeitsverdienst eine Beihülfe von 1 M. pro Tag zahlen, vorausgesetzt, daß die gleiche Summe von der zugehörigen Gemeinde gezahlt wird.

Da die Obstbaumpflege im Kreise noch recht viel zu wünschen übrig läßt und dies fast ausnahmslos damit begründet wird, daß es an ausgebildeten Obst­baumwärtern fehle, darf ich wohl voraussetzen, daß die Gemeinden die günstige Gelegenheiten benützen und mindestens je einen geeigneten Mann an den dies­jährigen Kursen in der Kreisbaumschule teilnehmen lassen.

Anmeldungen erbitte ich sofort, spätestens aber bis zum 15. März d. Js. Dabei ersuche ich, anzugeben, ob die Teilnehmer mit den nötigen Geräten, wie: Baumsäge, Veredelung;? Messer, Baumschulschere, Hippe und Abziehstein versehen sind, oder ob Lieferung gegen Bezahlung gewünscht wird. Der Herr Kreisgärtner ist gern bereit, den Bezug der Geräte zu Fabrikpreisen zu vermitteln.

Ich bemerke noch, daß die Kursusteilnehmer stets so frühzeitig entlassen werden, daß Sie jeden Tag nach Hause gehen können und daher eine mit Kosten ver­bundene Uebernachtung nicht nötig haben.

Schlüchtern, den 20. Februar 1912.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses: Valentiner.

J.-Nr 1829 K. A. Am Samstag, den 23. März Norm 10 Uhr findet in Schlüchtern an der Stadthalle eine Ziegenbock-KSrung statt.

Zu dieser sind außer den noch nicht vorgeführten Böcken auch diejenigen Gemeindeziegenböcke vorzuführen, welche von dem Herrn Kreistierarzt angekört sind, aber ein Körzeichen für den Kreis Schlüchtern noch nicht besitzen. Die Herren Bürgermeister wollen in Ihrer Gemeinde für möglichste Verb.eitung der vorstehenden Bekanntmachung sorgen. Die Herren Körungskommis­sionsmitglieder ersuche ich, den Termin wahrzunehmen. Im Falle der Behinderung, bitte ich um rechtzeitige

63. Jahrgang.

Nachricht, damit für Einberufung eines Stellvertreters gesorgt werden kann.

Das Körregister geht dem Herrn Vorsitzenden der Ziegenbock-Körkommission in den nächsten Tagen zu.

Schlüchtern, den 4, März 1912.

Der Königliche Landrat: Valentiner.

Der Bergarbetterstreik im Kuhrrevier

hat am Montag seinen Anfang genommen, und es würde wahrlich nicht auf Rechnung der sozialdemokra­tischen Anstifter und Leiter des Ausstandes zu setzen sein, wenn er, wenigstens in einem großen Teile der Bergreviere, nicht den Umfang annehmen sollte, den sie erstrebt haben. Das würde sich vielmehr aus der Sache selbst erklären: Gründe die mit zwingender innerer Notwendigkeit zum Streik getrieben hätten, lagen angesichts der steigenden Tendenz der Löhne und der Bereitwilligkeit der Arbeitgeber, mit den Arbeiter­ausschüssen im Sinne einer Erhaltung des Friedens zu verhandeln, nicht vor, die Verhetzung, die zum Aus­stande geführt hat, wurde vielmehr von außen in die Bergarbeiterschaft hineingetragen, und die ganze Sach­lage spricht trotz aller Ableugnungen eindringlich für die Richtigkeit der Annahme, daß das wahre Leitmotiv der sozialdemokratischen Drahtzieher in ihrer Rücksicht­nahme auf den Lohnkampf im englischen Kohlenberg­bau zu suchen ist; in dem Bestreben, durch Sympathie­streiks den Kulturländern einen Beweis für die Macht­sülle der roten Internationale zu liefern, oder, um mit den bombastischen Worten eines sozialdemokratischen Blattes zu werden, ein donnerndes Echo des Millionen- ausstandes der englischen Kohlengräber durch den groß­en Streik zu wecken, den die Welt je gesehen hat.

Daß bei solchen Machtproben nationale Gesichts­punkte, Rücksichten auf das wirtschaftliche Gedeihen Deutschlands für die Sozialdemokratie keine Rolle spielen, ist man ja gewohnt und so ficht es sie auch diesmal nicht an, daß einer unserer wichtigsten Pro­duktionszweige durch den Streik verhindert wird, ver­loren gegangene ausländische Absatzgebiete znrück zu gewinnen und damit einen für unsern Nationalwohl- stand bedeutsamen Fortschritt zu machen. Aber im vorliegenden Falle ist, wie in so manchen früheren, auch mit dem Wohle der Arbeiter selbst ein frivoles Spiel getrieben worden. Gerade für die Aussichten eines deutschen Ausstandes ist der gegenwärtige Augen­blick außerordentlich ungünstig, weil infolge beS eng­lischen Streiks wenigstens die Besorgnis von neuen

Aas Geheimnis der Akuten.

Roman von Jenny Hirsch. 12

Wirklich erschien er schon nach wenigen Minuten in Ediths Begleitung wieder. Die junge Frau sah bleich und verstört aus, und es entging dem Inspektor nicht, daß sie nur ungern erschienen sei. Sie hielt die Hand ihres Mannes fest, und es bedurfte seiner Ermunterung und seines Zuredens, daß sie sich endlich herbeiließ, Knau- thes Fragen zu beantworten.

Wie schon früher Herr von Noßwitz, so wies auch jetzt seine Frau den Gedanken an eine Flucht Lydias mit Entschiedenheit zurück. Ihre Schwester sei, so erklärte sie, in ihrem Tun und Lassen völlig unbeschränkt gewesen. Hätte es ihr in der Villa nicht gefallen, so sei sie völlig frei gewesen, zu reisen, wohin es ihr beliebt hätte. Für eine heimliche Entfernung habe somit kein Grund vorgelegen.

Gegen solche Annahme spreche übrigens auch der Um­stand, daß Lydia nur wie zu einem Spaziergang von einigen Stunden gerüstet das Haus verlassen habe.

Haben Sie sich denn auch davon überzeugt? Fehlt ^Nichts von den Sachen des Fräuleins?" fragte der Be­amte, der sich mehr und mehr in dem Gedanken bestärkt jsühlte, daß man ihm nicht die volle Wahrheit sage.

Frau von Noßwitz mußte dies verneinen.

An daS Nächstliegende hat in der Verwirrung na­türlich niemand gedacht," rief ihr Mann.Sie haben »echt, wir wollen Sie sogleich in Lydias Zimmer füh­ren vielleicht finden wir dort einen Aufschluß."

Mit einem Blick, der jeden Gedanken an eine Wider- rede im Keime erstickte, legte er den Arm seiner Frau in den seinen und schritt dem Beamten voran, durch einige Zimmer hinaus auf den rings um das Haus laufenden breiten Gang. An seinem anderen Ende lagen die b«- den Zimmer, welche Lydia bei Lebzeiten der Mutter ue» «ohntund die sie auch diesmal nur für sich beansprucht hatte. ^ ES tag und stand in dem Wohnzimmer, das man

:rau

zuerst betrat, alles, wie es jemand, der sich aus seinen Räumen entfernt, um nach kurzer Zeit dahin zurückzu- kehren, zu hinterlassen pflegt. In einem Körbchen auf dem Nähtisch lag die Stickerei, in welcher die Nadel mit dem Faden darin steckte. Auf dein neben dem Sofa stehenden Tisch befand sich ein aufgeschlagenes Buch, das soeben aus der Hand gelegt zu sein schien. Der Strauß von Waldblumen, der in einer Kristallschale daneben stand, sah dagegen schon etwas verivelkt aus, und die Pflanzen in den Töpfen hingen die Blätter, diese waren heute nicht begossen worden.

Lydia brächte jeden Tag einen Strauß frischer Blu­men vom Spaziergang mit heim, diese sind von vor­gestern," sagte Frau von Noßwitz, deren Augen an der Schale haften geblieben waren, während des Inspektors Blicke schnell den Schreibtisch überflogen. Hatte er gehofft, dort vielleicht einen Brief zu finden, sah er sich getäuscht. Auch die auf der Platte liegende Schreibmappe, die er öffnete und durchblätterte, enthielt nur leere Bogen.

Könnten Sie sich überzeugen, ob von des Fräu­leins Geld oder von ihren Schmucksachen etwas fehlt?" wandte sich der Beamte wieder an Frau von Noßwitz.

Viel Geld hat Lydia hier überhaupt nicht gehabt, sie brauchte eigentlich nur für ihre Armen etwas," war die Antwort,was sie aber besaß, das verwahrte sie samt ihrem Schmuck dort in dem kleinen chinesischen Schränk."

Er ist verschlossen."

O, daS tut nichts, ich besitze das Seitenstück dazu und trage den Schlüssel bei mir."

Frau von Noßwitz holte aus der Tasche ein Schlüs­selbund und löste einen winzigen Schlüssel davon ab. Er schloß den Schränk auf; es befanden sich eine Kassette und eine Anzahl Schmucketuis darin.

Mit zitternden Händen griff Edith danach und öffnete fit. Ihr Gatte, der sich bisher ganz gegen seine sonstige Gewohnheit schweigsam und untätig verhalten hatte, war ihr dabei behilflich.

Das Geld ist hier; ich weiß, wieviel Lydia ungefähr besessen hat, sie kann nur eine kleine Summe im Porte« monnaie bei sich gehabt haben," rief er.

Und die Schmucksachen sind auch da," fügte Edith hinzu, dem Inspektor mehrere geöffnete Etuis entgegen­haltend, aus denen ihm Steine in goldener Fassung ent- gegenblitzten.Sie hat nichts mitgenommen, als die Uhr mit einer feinen Kette, eine Brosche mit einem Opal von Perlen umgeben und zwei sehr wertvolle Ringe. Trotz­dem wir in Trauer sind, trug sie diese Sachen täglich, weil Uhr und Brosche die letzten Geschenke unseres Va­ters waren und wir die Ringe der Mutter von der er­kalteten Hand gezogen hatten. Hier ist der Zwillings» bruder des einen."

Diese Gegenstände wären immer wertvoll genug, um die Befürchtung eines Verbrechens zu erwecken," sagte Knauthe zögernd.

Frau von Noßwitz schrie laut auf und fuhr mit den Händen nach den Ohren, als wollte sie sich dieselben zu­halten.Sprechen Sie doch nicht so etwas Entsetzliches! In unserer sicheren friedlichen Gegend! Du bist doch auch mit mir einverstanden, Volkmar?" wandle sie sich an ihren Gatten, der wie aus tiefem Brüten auffuhr und etwas Unverständliches murmelte. Als er mertte, daß der In­spektor ihn schärfer ins Auge faßte, stimmte er seiner Frau mit Lebhaftigkeit zu und erklärte es für sehr un­wahrscheinlich, daß jemand in mörderischer Absicht sich an seiner Schwägerin vergriffen haben solle.

Es könnte ja ein fremder Strolch gewesen sein," be» mertte der Beamte.

Nein, nein," beharrte Frau von Noßwitz mit dem Eigensinn eines Kindes,daran kann, daran will ich nicht glauben."

Und au eine Fluchtglauben Sie ebenfalls nicht?"

Wir haben Ihnen bereits erklärt, daß eS Fräulein Don Ruffer jederzeit freistand, sich von hier zu entfer­nen," sagte Noßwitz und seine Frau fügte hinzu:Sie fühlte sich bei uns so glücklich." 191,18*