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ZchlüchternerMung

mit amtlichem Areisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

Telefon Nr. «5. Vierteljährliche Beilage:Unsere Heimat". Telefon Nr. SS.

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Erscheint Mittwoch und Samstag Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mt. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 1C Pfg.

Mittwoch, den 6. März 1912.

63. Jahrgang.

Republik oder Kaisertum?

Deutsche neigen dazu, das Fremdländische dem Heimischen vorzuziehen und so sich die Freude am Vaterlande zu mindern. Nur zu oft wird bei uns des Dichters Mahnung vergessen:Warum in die Ferne schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah! Was dem Auslande angehört, wird gedankenlos an gestaunt und bewundert; was aus der Fremde kommt, wird urteils- los höher bewertet, als was dem eigenen Boden ent­sprossen, was aus deutschem Geiste und deutscher Arbeit hervorgegangen ist. Der dem Deutschen leider noch immer stark anhaftende Hang zum Weltbürgerlichen kommt hinzu, die Zustände der Heimat im Vergleiche mit anderen Ländern geringschätzig und abfällig zu bewerten und dem Wahne zu huldigen, daß anderwärts die Verhältnisse ungleich günstiger und erbaulicher seien als in Deutschland. Das Ausland wird oft infolge unzureichender Kenntnis und Prüfung gerade da be­neidet, wo das, was das Vaterland gewährt und leistet, zu voller Zufriedenheit berechtigen müßte. Viele Deutsche haben sich erst im Auslande zu rechten, festen Vaterlandsfreunden bekehrt, wenn sie Auffassungen, die sie von Haus aus dorthin mitgebracht hatten, aus unmittelbarer Anschauung berichtigen konnten und mit eigenen Augen, aus persönlicher Erfahrung zwischen dem, was sie zu Hause gehabt und genossen hatten, und dem, was dafür andere Länder bieten, Vergleiche anstellten. Fern von der Heimat kommt die Einsicht, daß die Fremde uns nimmermehr das Vaterland er« sttzen, zum Vaterlande werden kann. Wenn sich in Deutschland eine ungleich größere Summe von Un­zufriedenheit und Nörgelei findet, als anderwärts, obwohl bei uns weit weniger Grund dazu vor­handen ist, so liegt das zum guten Teil an dem noch lange nicht überwundenen Mangel an Vaterlandsgefühl, an Nationalstolz. Diesen Mangel abstellen zu helfen, ist jeder Beitrag willkommen.

Vor uns liegt eine kleine Schrift: Republik oder Kaisertum? Amerikanische und deutsche Zustände von Hugo Wachenfelds Oberingenieur. Sie enthält manche Ansicht, die anfechtbar ist und abgelehnt werden muß, aber in ihrem Kerne hat sie Beachtung zu beanspruchen. Dieser Kern ist in den Worten ausgesprochen:Für uns Deutsche kann kein Zweifel über die Staatsform bestehen, welche unserem Allgemeinwohl am dienlichsten ist. Wir bleiben kaisertreu, und, wenn wir es noch nicht sind, so werden wir es. Mängel sind überall,

Amtliches.

J.-Nr. 1030 K. A. Die Termine für die Abhaltung der diesjähr. Lehrkurse in der Kreisbaumschulezur Ausbildung von Obstbaumwärtern sind wie folgt festgesetzt:

1. Hauptkursus:

Vom 18. März bis zum 3. April einschließlich.

Veredelung und Aufzucht des jungen Baumes, Schnitt und Formieren, Behandlung älterer Bäume, Ausputzen, Pfropfen, Belehrung über Obstbaumkrank­heiten, Schädlinge usw.

2. Sommerkursus:

Vom 29. Juli bis 3. August einschließlich. Sommerbehandlung der Bäume.

3 Herbstkursus:

Vom 2. bis 5. Oktober einschließlich.

Obsternten, Sortieren, Verpacken, Herbst- und Winterbehandlung des Obstbaumes.

Die drei Kursabschnitte bilden einen zusammen­hängenden Lehrgang. Sie sind sämtlich unentgeltlich. Ueberdies wird der Kreis auch in diesem Jahre jedem dem Arbeiterstand angehörenden Teilnehmer als Ersatz für entgangenen Arbeitsverdienst eine Beihülfe von 1 M. pro Tag zahlen, vorausgesetzt, daß die gleiche Summe von der zugehörigen Gemeinde gezahlt wird. Da die Obstbaumpflege im Kreise noch recht viel zu wünschen übrig läßt und dies fast ausnahmslos damit begründet wird, daß es an ausgebildeten Obst­baumwärtern fehle, darf ich wohl voraussetzen, daß die Gemeinden die günstige Gelegenheiten benützen «n- mindestens je einen geeigneten Mann an den dies­jährigen Kursen in der Kreisbaumschule teilnehmen lassen.

Anmeldungen erbitte ich sofort, spätestens aber bis zum 15. März d. Js. Dabei ersuche ich, anzugeben, ' ob die Teilnehmer mit den nötigen Geräten, wie: Baumsäge, Veredelungsmesser, Baumschulschere, Hippe und Abziehstein versehen sind, oder ob Lieferung gegen Bezahlung gewünscht wird. Der Herr Kreisgärtner ist gern bereit, den Bezug der Geräte zu Fabrikpreisen zu vermitteln.

Ich bemerke noch, daß die Kursusteilnehmer stets so frühzeitig entlassen werden, daß Sie jeden Tag nach Hause gehen können und daher eine mit Kosten ver« bundene Uebernachtung nicht nötig haben.

Schlüchlern, den 20. Februar 1912.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses: Valentiner.

denn wir leben nicht in einer vollkommenen Welt- Wenn wir aber die trostlosen Zustände in Frankreich, den Vereinigten Staaten, in Mexiko, Brasilien und den übrigen Republiken mit den geordneten Zuständen in unserm Kaisertum vergleichen, so sehen wir ein, das es am besten ist, auf dieser bewährten Grundlage weiter- zubauen."

Der Vergleich, den die Schrift zwischen deutschen und amerikanischen Zuständen anstellt, spricht fast über­all gegen das Musterbeispiel einer demokratischen Republik, das die Vereinigten Staaten darstellen sollen, gegen dieses vielgepriesene Land derFreiheit und Gleichheit." Die Bürger des Deutschen Reiches führen, ohne es zu schätzen, ein viel glücklicheres Dasein, als die Bürger jenseits des Ozeans. Drüben Verrottung in der Politik, Bestechung im gesamten öffentlichen Leben, Willkür der Polizeigewalt und ein unerhörtes Elend der unteren Klassen. In Amerika triumphiert das Geld über den Rechtsstaat. Bei uns dagegen herrschen Recht und Gerechtigkeit, und die Rechtsprechung bleibt unabhängig vom Gelde. Der deutsche Arbeiter überragt den amerikanischen in jeder Beziehung, er ge­nießt den Schutz des fürsorgenden Staates, des Kaiser­reiches. Sein Urteil faßt das Büchlein dahin zusammen: Der monarchische Gedanke hat, von dem armseligen Brandenburg ausgehend, im Verein mit deutscher Tat­kraft, deutschem Wissen und deutscher Treue Deutsch­land zu einem Musterland gemacht, wie es kein zweites in der Welt gibt. Vom Fels zum Meer, in Berg und Tal, auf der Erde und unter der Erde, überall, welche Regsamkeit und welche Fülle! Wie viel Nahrung und Auskommen für 65 Millionen Menschen aus bescheidenem Boden!"

Folgende Stelle verdient aus der Schrift ganz be­sonders hervorgehoben zu werden: Die erbittersten Deutschenhasser in England, Frankreich, Amerika und allerwärts in der Welt schaden dem Deutschtum mora­lisch und wirtschaftlich nicht so sehr, wie dasKunst­blatt", das in München erscheint, derSimplicissimus". Will man einmal für deutsches Wesen im Auslande eintreten, so weist der Ausländer hohnlächelnd auf die Bilder desSimplicissimus" hin und beruft sich zur Widerlegung des Gesagten aufdeutsche Beweise". Der Simplicissimus" vernichtet unendliche Möglichkeiten, für das Deutschtum im Auslande moralische und wirtschaftliche Eroberungen zu machen, und es ist be­zeichnend für den Weitblick unserer Gebildeten, daß gerade in den Gasthäusern, wo sie verkehren, dieses

Das Geheimnis der Akuten.

Roman von Jenny Hirsch. 9

Die Familie war erst wenige Tage in der Villa, da machte er seiner Frau schon heftige Vorwürfe, daß sie darauf bestanden habe, den Sommer hier zuzubringen und nicht, wie er es im Sinne gehabt, auf Reisen zu ge­hen. Erschrocken erwiderte ihm Edith, sie hätte geglaubt, er werde, wie er es auch sonst getan, für sich allein eine Reise machen, aber da kam sie übel an.

Wie kannst Du Dir vorstellen, ich würde Dich hier allein lassen!" rief er entrüstet.So lange Deine Mut­ter lebte, glaubte ich es ihr schuldig zu sein, ihr auf einige Zeit das ungestörte Zusammenleben mit Dir und den Kindern zu ermöglichen. Das ist jetzt anders, wir tren­nen uns nicht mehr auf so lange Zeit, sondern reisen künftig zusammen."

Ja, was soll denn da aus der Villa werden?" fragte Edith, tief gerührt durch die Zärtlichkeit ihres Gatten und doch erschreckt durch die Aussicht auf künftige Reisestra­pazen.

Da würde es allerdings daS Beste sein, den für unS wertlosen Landsitz zu verkaufen," war Noßwitz leicht hin- geworfeNe Antwort. Nun hatte aber Lydia, die bisher * dem Gespräch schweigend zugehört, sich mit blitzenden Au­gen erhoben und gerufen:Du vergißt, Volkmar, daß der Rodenberg Edith nicht allein gehört."

Das habe ich durchaus nicht vergessen, liebe Lydia, aber ich hoffe, Du wirst mit Dir reden lassen," versetzte Noßwitz in dem überlegenen Ton, den « so gern dem jungen Mädchen gegenüber anschlug. L

*Niemals gebe ich die Villa in ganz fremde Hände!"

Sage das nicht mit einer solchen Bestimmtheit, Dem künftiger Gatte dürfte vielleicht anders darüber denken, warnte Noßwitz in spöttischein Ton. D°dmch aufgebracht k .entgegnete Lydia:Durchaus mcht, die Villa und alles

was dazu gehört, ist ihm ebenso teuer wie mir als ..." Sie hielt plötzlich inne; zu sich selbst gebracht durch den erschrockenen Ausdruck im Gesicht der Schwester, durch die zornig gespannte Miene des Schwagers.

Was soll das heißen?" fragte Noßwitz,das klingt ja beinahe, als sprächest Du von einer bestimmten Per­sönlichkeit.

Dürfte Deine Schwester und Dein Schwager viel­leicht erfahren, welchen von Deinen Bewerbern Du er­hört hast oder demnächst zu erhören gedenkst."

Lydia schwieg einige Minuten und blickte zu Boden, auf ihrem Gesicht wechselten Glut mit Blässe, endlich hob sieden kleinen, feingeformten Kopf, für den die Fülle des kastanienbraunen Haares fast zu schwer war, strich mit der Hand über die weiße, mehr breite als hohe Stirn und sagte, daS klar« dunkelgraue Auge mitruhigem Ernst auf den Schwager richtend, mit leiser, aber fester Stimme: »Ja, Ihr sollt es erfahren, dieser Augenblickgibt den Aus­schlag. So lange wir hier sind, habe ich mich schon mit dem Gedanken gequält, daß es jetzt, wo ich Eure Haus- genossin bin, doch nicht wohl angeht, Euch zu verschwei­gen, daß Ludolf Pöplau mein Verlobter ist."

Lydia, wie konntest Du!" rief Edith.

Der freche Bube, er hat eS gewagt? Während der paar Tage, wo wir hier sind?" knirschte Noßwitz.

Habe ich ihn täglich gesehen," fuhr Lydia ruhig und freimütig fort,aber mein Verlobter ist er schon seit dem vorigen Sommer und mit dem Segen der Mutter."

Wie war daS möglich?" fragte Edith, dieHände zu­sammenschlagend, mit einem ängstlichen Blick auf ihren Mann, dessen Gesicht einen tief gehässigen Ausdruck an­genommen hatte. Er zuckte die Achseln und murmelte: Die Mutter ist tot, sie kann nicht..."

Lydia ließ ihn nicht ausreden.Du wagst es, den Verdacht zu äußern, ich könnte mich auf meine tote Mut­ter berufen, eine Unwahrheit sprechen, die ihr geschlos­sener Mund nicht widerlegen kann," rief sie aufspringend und trat ihm ganz uahc. Unwillkürlich wich er zurück: ]

ihr bleiches Gesicht starrte ihn so drohend, so vernich­tend an.

O, Volkmar, wie kannst Dudas sagen?" schluchzte jetzt auch Edith.Lydia hat noch nie die Unwahrheit gespro­chen. Aber wie konntest Du, wie konnte die Mutter das tun?"

Verzeihe, Lydia," versetzte Noßwitz, ohne aber seine schroffe Haltung aufzugeben,ich mag Dir mit dieser Aeußerung unrecht getan haben, aber die grenzenlos« Ueberraschung oder bester die Empörung hat sie mir ent­rissen. Wie konntest Du etwas so Wahnsinniges, etwat so Unwürdiges tun? Wie konnte Deine Mutter eS gut­heißen?"

Und wie kam es, daß wir biS jetzt davon nichts er­fuhren?" fragte Edith.

Die Mutter fürchtete sich bei ihrem leidenden Zu­stande vor der Aufregung, die sie haben würde. Sie hielt es für bester, darüber zu schweigen, da Ihr und mein Vormund . .."

Aha, fein ausgeklügelt," unterbrach sie Noßwitz

Und da eS noch einige Jahre dauern wird, bis Lu­dolf eine Anstellung hat, die ..."

Er hat ja schon eine," fiel ihr Noßwitz schneidend ins Wort,Forstläufer oder so etwas ähnliches ist der Bursche ja wohl geworden."

Lydia maß ihn mit einem Blicke eisiger Verachtung. Da Du so weit unterrichtet bist, so wirst Du wohl auch misten, daß Ludolf Pöplau sich der höheren Forstkar­riere gewidmet hat, aus besonderer Vergünstigung bei seinem Vater den praktischen Dienst erlernen durfte und nach besten plötzlich erfolgtem Tode die Stell« oerwaltet hat, bis ein Nachfolger bestellt war."

Und bei dem versieht er jetzt die Stelle eines ge­wöhnlichen Forstgehilfen, während seine Mutter sich zur Haushälterin des noch unverheirateten neuen Försters hergegeben hat." 191,18*

Weil sie sich nicht von dem Hause trennen mag, daS

so lange ihre glückliche Heimat gewesen ist ..."