ZchlüchtenmMung
mit amtlichem Areisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.
Telefon Nr. «5. Vierteljährliche Beilage: „Unsere Heimat". Telefon Nr. «5.
Erscheint Mittwoch und Samstag — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mt. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 1C Pfg.
J.-Nr. 1078 K. A. Der bei dem Ludwig Bolender in Schlüchtern in Dienst stehenden Dünstmagd Elisabeth« Menius aus Ahlersbach ist für langjährige treue Dienstzeit eine Prämie von 20 Mk. aus Kreismitteln bewilligt worden.
Schlüchtern, den 26. Februar 1912.
Der Vorsitzende des Kreis-Ausschusses: ___ V^i lentiner. ____ "JMr. 1030 K. A. Die Termine für die Abhaltung der diesjähr. Lehrkurse in der Kreisbaumschulezur Ausbildung von Obstbaumwärtern sind wie folgt festgesetzt:
1. Hauptkursus:
Vom 18. März bis zum 3. April einschließlich.
Veredelung und Aufzucht des jungen Baumes, Schnitt und Formieren, Behandlung älterer Bäume, Ausputzen, Pfropfen, Belehrung über Obstbaumkrankheiten, Schädlinge usw.
2. Sommerkursus:
Vom 29. Juli bis 3. August einschließlich. Sommerbehandlung der Bäume.
3. Herbstkursus:
Vom 2. bis 5. Oktober einschließlich.
Obsternten, Sortieren, Verpacken, Herbst- und Winterbehandlung des Obstbaumes.
Die drei Kursabschnitte bilden einen zusammenhängenden Lehrgang. Sie sind sämtlich unentgeltlich. Ueberdies wird der Kreis auch in diesem Jahre jedem dem Arbeiterstand angehörenden Teilnehmer als Ersatz für entgangenen Arbeitsverdienst eine Beihülfe von 1 M. pro Tag zahlen, vorausgesetzt, daß die gleiche Summe von der zugehörigen Gemeinde gezahlt wird.
Da die Obstbaumpflege im Kreise noch recht viel zu wünschen übrig läßt und dies fast ausnahmslos damit begründet wird, daß es an ausgebildeten Obstbaumwärtern fehle, darf ich wohl voraussetzen, daß die Gemeinden die günstige Gelegenheiten benützen und mindestens je einen geeigneten Mann an den diesjährigen Kursen in der Kreisbaumschule teilnehmen lassen.
Anmeldungen erbitte ich sofort, spätestens aber bis zum 15. März d. Js. Dabei ersuche ich, anzugeben, ob die Teilnehmer mit den nötigen Geräten, wie: Baumsäge, Veredelungsmesser, Baumschulschere, Hippe und Abziehstein versehen sind, oder ob Lieferung gegen Bezahlung gewünscht wird. Der Herr Kreisgärtner ist gern bereit, den Bezug der Geräte zu Fabrikpreisen zu vermitteln.
Samstag, den 2. März 1912.
Ich bemerke noch, daß die Kursusteilnehmer so frühzeitig entlassen werden, daß Sie jeden Tag Hause gehen können und daher eine mit Kosten
bundene Üebernachtung nicht nötig h<
Schlüchtern, den 20. Februar 19
stets nach ver»
iabeti. • 12.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses^Valentiner.
Jm nächsten Monat gelangt ein größerer Züchter unserer Genossenschaft in den Besitz einer größeren Anzahl von reinblütigen Simmentaler Saugkälbern, von den Verhältnissehalber nur ein kleiner Teil zur Aufzucht behalten werden kann. Der Rest muß deshalb verkauft werden. Da die Kälber durchweg von erstklassigen Herdbuchtieren abstammen, ist es ratsam, daß die Viehzüchter unseres Kreises die besten Kälber kaufen und aufziehen. Die Ausgaben für ein solches Saugkalb sind verhältnismäßig gering und der Ankauf ist deshalb auch dem sogenannten kleinen Mann möglich. Bestellungen werden schon jetzt im Kreishause entgegen genommen.
Schlüchtern, den 21. Februar 1912.
Die Simmentaler Zuchtgenossenschaft: Valentiner.
Deutsches Reich.
— Der Hof legte für den Großherzog von Luxemburg Trauer bis einschließlich 6. März an.
— In der ersten Märzwoche trifft der Kaiser zur Rekrutenvereidigung in Wilhelmshaven ein. Von dort wird sich der Monarch an Bord der „Deutschland" nach Helgoland und Cuxhaven zur Besichtigung der neuen Befestigungsanlagen begeben. Am 9. März wird die Ankunft des Kaisers in Bremen erwartet. — Das Kronprinzenpaar wird erst Ende dieser Woche aus der Schweiz zurückkehren. Infolgedessen ist der Winterball der Leibhusarenbrigade in Langfuhr, dem der Kronprinz beiwohnen wird, auf den 6. März verschoben worden.
— Die Verteilung des Vorsitzes in den Kommst« sionen des Reichstages ist erfolgt. Sie ist vom Senoirenkonvent geschehen auf Grund folgender Aufstellung: Die Deutsch-Konservativen zählen 45 Mitglieder, denen 11 andere Abgeordnete zugezählt werden (Mitglieder der Wirtschaftlichen Vereinigung und Reformpartei), also zusammen 56. Das Zentrum umfaßt 88 Mitglieder, wozu 11 Elsosser und Lothringer ge-
63. Jahrgang.
HUMHBBBHHaaaMBR rechnet werden, also im ganzen 99. Die Nationalliberalen haben 44 Mitglieder und 2 Wilde (Hester- mann und Dr. Becker Hessen), die Volkspartei 42Mit- glieder, dazu der Däne Hansen, zusammen 43, die Sozialdemokratie HO und die Polen 18, unberücksichtigt sind geblieben 13 Mitglieder der Reichspartei, die somit doch nicht als Fraktion anerkannt wird und daher auch keine Vertretung in den Kommissionen und im Seniorenkonvent erhält; ferner 5 Welsen und 1 Wilde, u. a. Graf Posadowsky, Graf Oppersdorff, Frhr. zu Hehl, Schröder. Danach wählen die Fraktionen in eine Kommission von 28 Mitgliedern 8 Mitglieder vom Zentrum, 8 von den Sozialdemokraten, je 4 Konservative und Nationalliberale, 3 Volksparteiler und 1 Polen. Entsprechend ist dann auch die Verteilung auf Kommissionen von 21, 14 oder 7 Mitgliedern.
— Das preußische Abgeordnetenhaus erledigte am Sonnabend die Beratung des Justizetats schneller als erwartet, da in der Debatte lediglich Wünsche der Unterbeamten und lokale Wünsche erörtert wuden. Sodann wurde die zweite Lesung der Vorlage über die westfälische Doppelschachtaulage und die Kohlenschiffahrt nach dem Oberrhein vorgenommen. Die Redner fast aller Parteien des Hauses sprachen sich für die Vorlage aus, da der Handelsminister in der Kommission ihre Bedenken zerstreut habe. Dagegen konnte sich Abg. Macco (natl.) nicht für die Vorlage erwärmen. Seine Bemerkung über die mangelnde Rücksichtnahme der Staatsregierung auf die Interessen der Partikulier- schiffer widerlegte Handelsminister Sydow in einer kurzen Erwiderung. Die Vorlage wurde angenommen. — Am Mrntag wurde der Gesetzentwurf über die Bewilligung weiterer Mittel für die staatlichen Doppelschachtanlagen in Westfalen in dritter Lesung debatte- los angenommen und dann mit der Beratung des Etats für Handel und Gewerbe begonnen. Abg. Hammer (kons.) brächte eine große Anzahl von Wünschen und Beschwerden, namentlich des gewerblichen Mittelstandes zum Vortrag. Abg. Grunenberg (Z.) betcnte die Wichtigkeit einer kaufkräftigen Landwirtschaft für Handel und Industrie. Abg. Rosenow (fortsch. Vp.) wies auf die hohe Bedeutung von Handel und Industrie für das ganze Staatsleben hin. Abg. Schröder- Cassel (natl.) nahm sich warm der Bauhandwerker an, und Abg. Nahardt (frkons.) besprach in eingehender Weise die schwierige Lage der Bauhandwerker, wobei er scharf das Unwesen der Bauschieber kennzeichnete. Han-
Jas Heheimnis der Kuten.
Roman von Jenny Hirsch. 7
Am bittersten empfand Lydia es freilich, daß Noß- tvitz auch störend in einen Verkehreinzugreifen suchte, der ihrem jungen Herzen sehr teuer war. Etwa eine halbe Stunde von dem Rodenberg entfernt, in der Försterei Lindental, wohnte der Förster Pöplau, der Zwillings- löchter in Lydias Alter und einen etwa um sechs Jahre älteren Sohn, Ludolf, besaß. Diese Kinder waren Lydias Spielgefährten, sie hing an ihnen mit der ganzen Glut ihres Herzens, unterhielt mit ihnen, wenn sie in Hannover war, einen kindlichen Briefwechsel und erachtete das tägliche Zusammensein mit ihnen als eine der Hauptfreuden ihres Lebens auf dem geliebten Rodenberge.
Nie war es Lydia in den Sinn gekommen, daß sie reicher und vornehmer sei, als die Försterskinder, nie hakte der Vater etwas gegen diesen Umgang einzuwen- den gehabt, von der Mutter war er sogar sehr begünstigt «vorden, denn sie selbst weilte gern in der romantisch gelegenen Försterei bei den braven und einfachen, aber für ihren Stand recht gebildeten Leuten.
Und nun äußerte Noßwitz seine Verwunderung über die Intimität mit einem Subalternbeamten und warf in seiner vorsichtigen, mehr andeutenden als sich offen aussprechenden Art die Frage auf, ob Lydia nicht doch schon au groß sei um mit den Försterstöchtern und besonders mit dem sechzehnjährigen Ludolf im Walde herumzustrei- fen, sich von dem letzteren auf dem See rudern zu lassen und dergleichen mehr.
Die Andeutungen waren her Herrn von Ruffer auf keinen unfruchtbaren Boden gefallen. Die vorschnelle Ab- reise von Gremsmühlen hatte indes verhindert, daß ihnen weitere Folge gegeben wurde. Noßwitz Angriffe hatten sich aber wiederholt und das feindliche Verhältnis zwi- schen ihm und der jungen Schwägerin verschärft, so oft er nach dem Rodenberg gekommen war, was allerdings
nicht allzu häufig geschah. Gleich seinem Schwiegervater langweilte er sich dort und kam nur auf einen kurzen Besuch, wenn seine Frau alljährlich mehrere Wochen daselbst bei der Mutter zubrachte.
Frau von Ruffers Befürchtungen schienen sich nicht zu bewahrheiten, Ediths Ehe war, wie sie selbst der Mutter bei jedem Zusammensein versicherte, eine glückliche. Ihr Mann gab ihr keinen Anlaß zur Klage, gewährte ihr, was ihr Herz nur wünschte, und das blühende, rosige Aussehen der schönen, jungen Frau strafte diese Behauptung durchaus nicht Lügen.
Auch Herr von Ruffer war dem Anschein nach mit dem Schwiegersohn sehr zufrieden, so zufrieden, daß er ihn und die Tochter dauernd in seiner Nähe und in ihm eine Stütze in seinen großen Unternehmungen zu haben wünschte. So wenigstens war es hingestellt worden, als Noßwitz plötzlich den Abschied genommen hatte und mit seiner Frau und dem ihnen geborenen Töchterchen nach Hannover gezogen war.
Andere wollten freilich wissen, es sei auch für einen Millionär wie Herrn von Ruffer zuletzt nicht mehr ausführbar gewesen, immer von neuem die Schulden des Schwiegersohnes zu bezahlen. Er habe ihm endlich erklärt, daß dies nur noch einmal geschehe, wenn er den Dienst quittiere und sich unter feine Aufsicht stelle.
Es vergingen ein paar Jahre, während welcher Noßwitz sich, wie er sagte, von dem Schwiegervater in die Geschäfte einweihen ließ, um sie später selbstständig leiten zn können. Der Versuch mußte aber nicht glücklich ausgefallen sein, denn als Herr von Ruffer nach kurzem Krankenlager starb, da fand sich, daß er weder sein Geschäft, noch das Vermögen seiner Frau und seiner jüngeren Tochter dem Schwiegersöhne in die Hände gegeben hatte. Die großen Unternehmungen des Verstorbenen wurden in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, die Hinterbliebenen erhielten die ihnen zugefallende große Erbschaft bar ausgezahlt und richteten sich ihren Neigungen gemäß dankst ein.
Frau von Ruffer, die seit dem Tode ihres Gatten immer mehr kränkelte, führte nun auch in Hannover das zurückgezogene Leben, das sie liebte und den Neigungen Lydias ebenfalls entsprach. Aber auch von Herrn und Frau von Noßwitz konnte man nicht sagen, daß sie ein großes Haus gemacht hätten. Edith, die ihrem Mann noch eine zweite Tochter geboren, war immer rosiger, aber auch immer bequemer geworden und bettachtete es als eine zarte Rücksicht ihres Volkmar, daß er sie nicht mit dem Gesellschaftstrubel quälte.
Sie sahen ab und zu einige Gäste bei sich und nahmen eine Einladung dagegen an, sonst aber suchte Edith ihre Unterhaltung meistens im Theater, wo sie genießen durfte, ohne sich dabei anftrengen zu müssen, und sie fand es ganz in der Ordnung, daß ihr Gatte die viele freie Zeit, die er hatte, auch seinem Geschmack gemäß verwendete.
Als Aristokrat und Pattiot ließ Herr von Noßwitz es sich angelegen sein, zur Hebung der heimischen Pferdezucht beizuttagen. Er fehlte bei keinem größeren Rennen, in welcher Gegend Deutschlands es auch stattfinden mochte, befand sich infolgedessen beständig auf Reisen und hielt selbst sehr schöne und teuere Pferde, welche er um den Sieg in der Rennbahn kämpfen ließ. Daß diese Passion und das Spiel, dem er ebenfalls nicht abgeneigt war, ansehnliche Summen kostete, kümmerte Edith nicht. Sie lebten bei ihrem großen Vermögen ja so einfach und anspruchslos, da durfte er sich diese Zerstreuung doch wenigstens gestatten. ,
Wenn andere Leute nicht ganz die Zuversicht der jungen Frau teilten, so blieb man doch auf Vermutungen beschränkt, denn noch nie hatte man irgend welche Anzeichen erhalten, daß die Roßwibschen Finanzen erschüt- tert gewesen wären. Ganz im Gegenteil hatte sich schon mehrmals das Gerücht verbreitet, daß Herr von Roß- witz da oder dort große Summen gewonnen habe.
Jetzt war ihm außerdem eine sehr bedeutende Erbschaft zugefallen. 191,18*