Zchlüchtemer Zeitung
mit amtlichem Areisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.
Telefon Nr.«». Vierteljährliche Beilage: „Unsere Heimat". Telefon Nr. «S.
Erscheint Mittwoch und Samstag — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mt. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 1C Pfg.
tM 12. Samstag, den 10. Februar 1912. 63. Jahrgang.
Amtliches.
Obstbaukurse im Jahre 1912.
An der Obstbau-Anstalt der Landwirtschaftskammer für den Regierungsbezirk Cassel in Oberzwehren finden im Jahre 1912 folgende Unterrichtskurse statt.
1. Praktische Obst- und Gemüsebaukurse von Mitte April bis Mitte Oktober.
2. Baumwärterkursus, sechswöchiger Frühjahrs-Ab- schnitt, vom 11. März bis 27. April.
3. Obsibaukurse für Lehrer, Förster und Bahnbeamte vom 15.—20. April.
4. Baumwärter-Sommertursus vom 1.—13. Juli.
5. Obstverwertungskursus für Damen vom 15. bis 20. Juli.
6. Unterrichtskurse in der geschäftsmäßigen Dauerwarenerzeugung für Herren vom 5.—10. August.
7. Obstbaunachkursus für Lehrer und Förster vom 19.- 24. August.
8. Baumwärter-Herbstkursus vom 14.-26. Oktober.
Ueber Teilnahme an den Kursen 3 und 7, zu welchen die Anmeldungen der betreffenden Beamten durch deren Vorgesetzte Dienststelle zu erfolgen hat, bestimmt der Herr Regierungs-Präsident. Für die übrigen Kurse nimmt die Obstbau-Anstalt der Landwirtschaftskammer für den Regierungsbezirk Cassel zu Oberzwehren die Anmeldungen entgegen und sind von dieser auch die Bestimmungen und Arbeitsbedingungen zu erfahren.
Kassel, den 19. Januar 1912.
Der Vorsitzende der Landwirtschaftskammer für den Reg -Bez. Cassel:
___,__Maertens. __
Die Maul- und Klauenseuche in Pfordt ist erloschen. Die Sperrmaßregeln werden aufgehoben.
Der Kreis Lauterbach ist nunmehr seuchenfrei.
Lauterbach, den 1. Februar 1912.
Großherzogliches Kreisamt Lauterbach _____v. Bechthold. ■ __
Bekanntmachung
Das Schiedsgericht für Arbeiterversicherung in Cassel hat in seiner Sitzung am 26. Januar dieses Jahres aus Grund des § 8 des Gesetzes, betreffend die Abänderung der Unfallversicherungsgesetze vom 30. Juni 1900, die Herren Sanitätsrat Dr. Knierim, Dr. Adolf Alsberg und Dr. Jörns in Cassel, und die Herren Sanitälsrat Dr. Gesang, Sanitätsrat Dr. Raabe, Sanitätsrat Dr. Schidlowsky in Fulda als bei den
Verhandlungen vor dem Schiedsgerichte im Jahre 1912 zuzuziehende ärztliche Sachverständige gewählt.
Cassel, den 1. Februar 1912.
Der Vorsitzende des Schiedsgerichts für Arbeiterversicherung
A n d r i tz k Y. Regierungsrat.
Deutsches Reich.
— Der Reichstag wurde am Mittwoch mit einer vom Kaiser verlesenen Thronrede feierlich eröffnet und trat dann zu seiner ersten Sitzung zusammen, die vom Abg. Träger (fortschr. Vp.) als Alterspräsidenten eröffnet wurde. Auf der Tagesordnung standen nur die üblichen Konstituierungsförmlichkeiten. Zu provisorischen Schriftführern wurden ernannt Rogalla v. Biberstein (kons.), Engelen (Z.), Baerwinkel (natl.) und Dr. Süde- kum (Soz.).
— Das preußische Abgeordnetenhaus begann am Montag die erste Lesung des Gesetzentwurfs über die Abänderung des Einkommensteuergesetzes und des Er- gänzungssteuerges etzeS, für die Finanzminister Dr. Lentze in einer eingehenden Rede eintrat. Er gab einen guten Ueberblick über die Steuerverhältniffe und die allgemeinen Finanzverhältnisse im preußischen Staate. Dabei betonte er ausdrücklich, daß er nicht, wie Herr Gyßling (fortsch. Bg.) es neulich dargestellt habe, von einem glänzenden Stande unserer Finanzen, sondern nur von der tatsächlich bestehenden gesunden Grundlage derselben gesprochen habe. Die Steuererhöhung sei notwendig infolge der Neuregelung der Beamtengehälter. Er bedauert daß es nicht möglich sei, die Einkommen von 900—1500 M. steuerfrei zu machen, aber andererseits müsse in Preußen jeder, der politische Rechte für sich in Anspruch nehme, auch politische Pflichten übernehmen. Die Redner, die sodann zum Worte kamen, Abg. Dr. Bredt (frkons.), Keil (natl.), v. Hennigs (kons.) und Graf Spee (Z.) äußerten zwar mehrfache Bedenken, aber keinen grundsätzlichen Widerspruch.
— Wie Bismarck über das Reichstagswahlrecht dachte, zeigt eine Veröffentlichung des Wirklichen Geh. Rats Frhrn. von der Recke in Dresden, der in der „Hall. Ztg." schreibt: Es war im Sommer 1896, als ich, damals Regierungspräsident in Köslin, einer Einladung des Fürsten Bismarck folgend, nach Varzin kam. Der Fürst empfing mich in ernster, durch den leidenden Zustand der Fürstin fast gedrückter Stimmung. Nach und nach wurde er aber lebhafter und erzählte stundenlang aus großer Zeit. Dabei ging er auch auf die
Beurteilung gegenwärtiger Verhältnisse und Personen über, beklagte und verurteilte den erbitterten Kampf der bürgerlichen Parteien um relativ untergeordnete Fragen und die dem tertius gaudens daraus erwachsenen Chancen, um sich schließlich über das Reichstagswahlrecht wörtlich dahin zu äußern; „Die Einschränkung oder Beseitigung des allgemeinen, direkten und geheimen Wahlrechts ist keine politische Frage, auch keine soziale Frage, sondern" — und hierbei schlug der Fürst mit der Faust auf den Tisch — „es ist eine Existenzfrage."
— In der sozialdemokratischen Partei des Reichstags, der „Partei der Arbeiter", finden wir nur einen einzigen Arbeiter, den Zigarrenarbeiter Förster-Hamburg. Im übrigen ist die sozialdemokratische Partei folgendermaßen zusammengesetzt: 32 Parleibeamte, 25 Redakteure, 19 Schriftsteller, 1 Journalist, 4 Geschäftsführer 5 Verleger, 2 Expedienten, 4 Handwerker, 4 Kaufleute, 7 Rechtsanwälte, 3 Zigarrenfabrikanten, 2 Adjunkten, 1 Photograph. — Und so was nennt sich Arbeiterpartei!
Ausland.
— In diesem Monat sind 25 Jahre verstrichen, seit in Kamerun die erste staatliche deutsche Schule in den Schutzgebieten errichtet wurde. Der Gründer und langjährige Leiter dieser ersten Regierungsschule war der würtlembergische Lehrer Christaller. Eine verlassene Palmhütte war sein erstes Schulhaus, meist war es durch Schlamm und Gestrüpp hindurch nur auf Negerschultern oder mit dem Kahn zu erreichen. Negerjungen von 8—18 Jahren waren die ersten Schüler, mir denen der Lehrer als ersten Unterricht brauchbare Wege an- legte und Schulbänke zimmerte. Die hervorragende Wirksamkeit Christallers, des „ersten deutschen Reichsschulmeisters", für Kameruns kulturelle Erschließung sichert dem nach zehnjähriger erfolgreicher Arbeit dem ! Tropenklima erlegenen ein Ruhmesblatt in der deutschen Kolonialgeschichte. Auf den Grundlagen seiner Erfahrungen und Arbeiten erstand unser koloniales Regierungsschulwesen, das jetzt an 50 etatsmäßige deutsche Lehrer und Lehrerinnen umfaßt und daneben noch gegen 200 farbige Hilfslehrer beschäftigt. So verdient der Name Christallers, des ersten deutschen Reichsschulmeisters, in diesen Tagen wohl, dem deutschen Volk in dankbare Erinnerung gebracht zu werden.
— Das Bundesgesetz betreffend die Einführung der Arbeiterversicherung gegen Krankheit und Unfall in der Schweiz ist in der Volksabstimmung mit 284 000 gegen
Gesühnt.
Roman von G. v. Schlippenbach. 61
„So? Nun, da will ich Sie mit seiner Pflege betrauen, ich fürchte, der arme Teufel wird Sie nicht lange brauchen."
„Steht eS so schlimm?" fragte Alwine, ssich gewaltsam fassend.
„Der Arm muß natürlich amputiert werden; wie tief die Kugel in die Brust eingedrungen ist, kann ich erst nach genauer Untersuchung konstatieren."
Einige Stunden später., es ist Nacht, die Schwester geht leise von Bett zu Bett; schrecklich ist es, das Stöhnen und Wehklagen der Verwundeten anzuhören. In dem kleineren Zimmer ist es still, nur drei Betten befinden sich dort. Der eine der Männer, ein alter, graubärtiger Bur, ist Rekonvaleszent und schläft den stärkenden Schlaf, der die Gesundheit wiederbringt.
In dem zweiten Bett liegt ein junger Engländer, der Sohn einer vornehmen Familie, er ist vor einigen Tagen von Feindeskugel getroffen und ist eben sanft hinübergeschlummert, ein friedliches Lächeln auf dem hübschen Gesicht. Schwester Alwina drückt ihm die Augen zu und betet ein Vaterunser. Da dringt ein qualvoller Laut an ihr Ohr, Emil Otto ist aus der Narkose erwacht.
„Wasser!" stammeln seine Lippen.
Es ist fast dunkel in dem Raum, nur eine kleine Lampe erhellt ihn. Alwina neigt sich über den Kranken, er kann sie nicht erkennen, die weiße Haube beschattet der Schwester Gesicht.
„Hier bleiben, liebe Schwester," bittet die schwache Stimme Ebenstedts, und er umklammert mit den Fingern die hilfreiche Hand, die ihm den Labetrunk reicht. Gleich darauf ist er wieder eingeschlasen, allzu groß ist die Entkräftung nach dem Blutverlust.
„Es ist möglich, daß er am Leben bleibt," hatte der Arzt gemeint, nachdem er die Kugel aus der Brust ent
fernt: „wahrscheinlicher ist, daß er stirbt, nur die sorgsamste Pflege könnte ihn retten."
Und .sie wird dem wunden Mann zu teil. Tag und Nacht umgibt Schwester Alwina den Kranken, der meist in bewußtlosem Zustande daliegt und unznsammenhän- gende Worte in seinem Delirium murmelt. Manchesmal ruft er auch ihren Namen mit einem Ton zärtlicher Sehnsucht, oder er spricht von der alten Mühle, und es grollt in seiner schwachen Stimme.
„O!" denkt die Komtesse Mören, „wenn er mir vergeben könnte, vielleicht stirbt er, ohne mich zu erkennen."
Es ist Nacht. Emil Otto schläft zum ersten Mal ruhiger, auch Alwina ist auf dem Stuhl neben dem Bett leicht eingenickt, die verhüllende weiße Kopfbedeckung ist zurückgeschoben, das Licht der Nachtlampe fällt auf das Gesicht der Schwester.
Zwei große, dunkle Augen ruhen verwundert auf den schönen Zügen; EmilOtto ist erwacht.
„Nein, nein, ich träume," denkt er, „es ist eine Täuschung ; wie sollte die Gräfin Lenner hierher kommen?"
Einer der beiden anderen Verwundeten ächzt in seinen Schmerzen, sofort richtet sich die pflichttreue Pflegerin auf und eilt zu ihm. Sogleich bettet sie den Leidenden bequemer und spricht ihm leise Mut zu, dann will sie sich wieder auf ihren Platz setzen. Emil Otto liegt in seinen Kissen und mit banger Frage sieht er auf die hohe Gestalt im dunklen Kleide.
Sie haben sich wiedererkannt, alles Bittere ist in dieser Stunde aus der Erinnerung gewichen, lange haben sie mit einander gesprochen, sie hatten sich so viel zu sa- gen. * *
Und wieder sind Monde verstrichen, noch immer kämpft das kleine Heldenvolk den verzweifelten Kampf.
Die Verwundeten kehrten heim. Die Ambulanzen wurden abgelöst.
Auf dem Lazarettschiff stand an einem klaren Frühlingstage Emil Otto von Ebenstedt; er sah noch recht
bleich ans, der linke Aermel hing lose hernieder, er war ein Krüppel für Lebenszeit.
Und wieder ist es Nacht, die Nacht der Tropen, von zahllosen Sternen durchflammt; leise schaukelnd gleitet das Lazarettschiff über das Meer.
Wie einst an jenem Abend, da sich Alwina und ihr Pflegling kennen lernten, stehen sie nebeneinander und Emil Otto tut endlich die Frage, die über sein Leben entscheidet.
„Ich bin ein Krüppel," sagt er, „das Verlangen nach der Heimat, in der ich mich jetzt glücklich zu fühlen hoffe, treibt mich ins Vaterland zurück. Werden Sie sich entschließen, mein Weib zu werden, Alwina? Daß ich Sie namenlos liebe, wissen Sie. Ich habe mit dieser Leidenschaft gekämpft, als Sie die Braut eines anderen waren, das war die Unrast, die mich forttrieb. Mein Name ist jetzt befreit von dem alten Flecken, erleuchtet wieder, rein und geachtet. Ich habe nur noch einen Arm, aber derselbe ist stark genug, um ein geliebtes Weib zu schützen. Und nun sprechen Sie, was haben Sie mir zu antworten?"
„Daß ich Dich liebe, Emil Otto von Ebenstedt, daß ich es immer getan, auch als mein Mund Dich tödlich beleidigt. Mein Leben gehört fortan Dir, Du teurer Mann."
Da schlingt Emil Otto selig den gesunden Arm um seine Braut.
„Gott segne uns beide!" spricht er bewegt.
— Ende. —
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ein Borschlag zur Güte Hausfrau (zum neu eintretenden Dienstmädchen): „Ihr Rufname ist also Laura! Das paßt schlecht, denn meine Tochter heißt auch Laura; das führt bloß zu Mißverständnissen, da müssen wir Sie anders rufen?" Wie könnten wir Sie denn da rufen?" — Dienstmädchen Laura: „Rufen Sie mich doch dann einfach Fräulein Laura," Madame!"