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SchlilchterlmMung

mit amtlichem Areisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

Telefon Nr. 6$. Vierteljährliche Beilage:Unsere Heimat". Telefon Nr. «S.

Erscheint Mittwoch und Samstag Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mt. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 1C Pfg.

32 11. Mittwoch, den 7. Februar 1912. 63. Jahrgang.

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Amtliches.

J.-Nr. 1442. Der Herr Kreistierarzt beabsichtigt, am 9. d. Mts. eine Versammlung sämtlicher Fleisch­beschauer und Trichinenschauer abzuhalten.

Ich ersuche daher die Herren Bürgermeister, die Fleischbeschauer und Trichinenschauer auf

Freitag, den 9. ds. Mts.

nachmittags 2 Uhr in das GasthausZum Stern" hierselbst zu dieser Versammlung einzuladen und sie aufzufordern, die Jahresstatistik und die Beschaubücher für 1911 mit- zubringen.

Schlächtern, den 5. Februar 1912.

Der Königliche Landrat: Valentiner.

Ich mache wiederholt darauf aufmerksam, daß nur solch junge BullenVt Körung zugelassen werden, wela das Alter v - 14 Monaten zurückgelegt haben. Schlächtern, d 2. Februar 1912

Der Königliche Landrat: Valentiner.

Deutsches Reich.

Das preußische Abgeordnetenhaus setzte am Dienstag die Etatsberatung fort. Zunächst ergriff Abg. v. Pappenheim (kons.) das Wort, um die Stellung der konservativen Partei zum diesjährigen Haushaltungs­etat zum Ausdrucke zu bringen. Abg. Herold (Z.) kam, als er das Gebiet der Reichsfinanzreform streifte, auch auf die Reichstagswahlen zu sprechen und rechnete scharf und witzig mit den Liberalen ab, die nationalliberalen er­innerte er an den Vertragsbruch in Düsseldorf. Abg. Hirsch (Soz.) ließ ein gewaltige Wahlrede vom Stapel und holte sich dabei einen Ordnungsruf. Am Mitt­woch verteidigte zunächst Abg. Dr. Friedberg (natl.) die Haltung der nationalliberalen Partei bei den Reichstags« stichwahlen. Minister des Innern v. Dallwitz gab die Versicherung, daß die Politik desdeutschnationalen Willens" in der Ostmark energisch fortgesetzt werde, und erklärte, daß die Regierung eine Wahlrechtsvorlage in diesem Jahre nicht einbringen werde. Finanzminister Dr. Lentze befaßte sich dann mit den finanzpolitischen Ausführungen des Abg. Dr. Friedberg, und Eisenbahn­minister v. Breitenbach besprach die Wirtschaftspolitik der Eisenbahnen. Abg. Frhr. v. Zedlitz (frkons.) be­sprach in längerer Rede Etats- und Beamtengehalts - fragen und beklagte den Ausgang der Reichstagsstich­

wahlen. Er forderte ein Steuerveranlagungsverfahren, das auch die Großgrundbesitzer und großen Vermögen dem Gesetz entsprechend heranzieht. Um die allgemeine Mißstimmung gegen den Großgrundbesitz zu beschwich­tigen, sei ein Fideikommißgesetz und ein Parzellierungs­gesetz nötig. Zum Schluß sprach noch Abg. v. Trampc- zynski (Pole) gegen die preußische Polenpolitik.

Die christlich-nationalen Gewerkschaften Deutsch­lands hatten im verflossenen Jahre sehr beachtenswerte Fortschritte aufzuweisen. In den 22 Zentralverbänden hat sich die Mitgliederzahl beträchtlich gesteigert und dürfte 400000 bald erreicht haben. Sie sind somit auf nationaler Seite der stärkste Flügel in der deutschen Arbeiterbewegung. Sechs ihrer Führer, die verschiedenen bürgerlichen Parteien angehören, sind in den neuen Reichstag gewählt worden.

NUSiKNÄ.

Der Rücktritt des Gouverneurs von Kamerun von dem schon längere Zeit die Rede war, ist nun­mehr erfolgt. Dr. Gleim hat sich aus Gesundheits­rücksichten gezwungen gesehen, seinen Abschied zu nehmen. An seiner Stelle ist der Geheime Oberregierungsrat und vortragende Rat im Reichs-Kolonialamt Karl Ebermaier zum Gouverneur von Kamerun ernannt wor­den. Der neue Gouverneur steht im 48. Lebensjahre.

Der Ausstand der Hafenarbeiter in Glasgow dauert fort. Die Arbeit ruht fast vollständig. Das Komitee der Schiffseigentümer hatte mit Rücksicht auf einen Brief des Ausführungsausschusses der Hafen­arbeiter vorgeschlagen, eine Versammlung zur Erörter­ung der Lage abzuhalten. Die Schiffseigentümer haben aber den Vorschlag des Komitees abzelehnt mit der Begründung, daß sie keine Notwendigkeit dazu sähen.

In Sofia hat die feierliche Großjährigkeitserklärung des bulgarischen Kronprinzen Boris stattgefunden. Nach einem Gottesdienst in der Kathedrale leistete der Kron­prinz in der Militärschule in Gegenwart der königlichen Familie und der Gesandten den Soldateneid und küßte die Fahne des 6. Infanterie-Regiments, in das er ein­gestellt wird. Zum Schluß fand eine Parade statt.

Ein Mitglied des montenegrinischen revolutio­nären Komitees namens Bulanovich, das die Ermor­dung der Mitglieder der montenegrinischen Regierung planen soll, ist in Konstantinopel verhaftet worden. Bulanowich, der vor neun Jahren in Montenegro zu lebenslänglicher Zwangsarbeit verurteilt worden war, ist vor zwei Jahren entflohen. Er soll bereits etwa

zwanzig in der Türkei und im Auslande wohnende Ge­nossen der Polizei angegeben haben.

Die Streikunruhen in Portugal werden immer ernster, man spricht sogar davon, daß die Regierungen Englands und Spaniens sich bereit hielten, in Portu­gal einzuschreiten. Aus Lissabon eingetroffene Reisende behaupten, daß die republikanische Garde mit den Aus­ständigen gemeinsame Sache gemacht habe. Die Car» bonari hätten unter Hochrufen auf die soziale Revo­lution Dynamitbomben gegen die Truppen geschleudert. Die Regierung habe zwar Truppen aus der Provinz berufen, doch fürchte man, daß diese infolge Eisenbahn- Sabotage nicht eintreffen werden. In Lissabon wurden neue Verhaftungen vorgenommen. Auf der Praca das Flores im Zentrum der Stadt explodierte eine Bombe, wodurch eine Person getötet und zwei schwer verletzt wurden. In den Geschäftsräumen des Verbandes der Arbeitersyndikate wurde eine Werkstatt zur Herstellung von Bomben entdeckt. Die Behörde beschlagnahmte dort Sprengstoffe, Revolver und Dolche.

Lokales und Prcoinffelles.

Schlüchtern, 6. Februar 1912.

* Montag mittag mußte die hiesige Feuerwehr, abermals in Tätigkeit treten, es war ein Zimmerbrand im hiesigen Lehrerseminar ausgebrochen, der aber bald wieder, gelöscht wurde. Verbrannt sind einige Möbel­stücke. Der Brand entstand durch auftauen eines Wasserrohres, welches mit Stroh umwickelt war.

* Auf der Rodelbahn verletzte sich am Montag ein Seminarist eine Hand sehr schwer. Am Sonntag waren durch zu großen Andrang von Rodlern auch einige: Fußverstauchungen vorgekommen.

* Am vergangenen Sonntag fand bei hohem Schnee ein Wettspiel zwischen der 3. Mannschaft des Fuldaer Fußballvereins und der 2. Mannschaft des hiesigen F. E. Schlüchtern 1910 statt. Das Wettspiel ver­lief sehr ruhig und auf beiden Seiten wurde flott und sauber gespielt. Nach sehr überlegenem Spiele konnte Schlüchtern als Sieger mit 12; 0 von seinem Platze gehen.

* Der V. H. C. Hanau wird in diesem Jahre auf folgenden Touren den Kreis Schlüchtern und Geln- hausen durchwandern. Sonntag den 11. Febr.: Schlüch­tern, Distelrasen, Ulmbach, Rabenstein, Unterreichenbach, Fischborn, Birstein. Sonntag den 5. Mai: Gelnhausen, Vier Fichten, Wächtersbach. Sonntag den 7. Juli: Birstein, Fischborn Kirchbracht, Hartmannshain, Schotten

Hesuhnt.

Roman von G. v. Schlippenbach. 60

Eine große Wandlung war nicht allein äußerlich mit ihr vorgegangen, noch gewaltiger war die innere Umwälzung ihres Wesen. Sehr friedlich sahen die blauen Augen aus, eine Weichheit, die ihr früher fremd gewe­sen, prägte sich in den edlen Zügen aus. Die Kranken liebten Schwester Alwina, und jeder wollte von ihr ge­pflegt werden, denn niemand hatte eine so leichte Hand, niemand wußte so gut zu trösten.

Am politischen Himmel ballten sich drohende Wol­ken, der Krieg zwischen England und dem kleinen tapferen Burenvolk brach aus. Deutschland schickte seine Ambulanz nachdem fernen Afrika, hochherzige Männer und Frauen begleiteten das rote Kreuz. Auch Alwina hatte sich ge­meldet, sie wünschte die Landsleute zu begleiten auf dem Wege christlicher Barmherzigkeit. Tiefbewegt nahmen die Eltern Abschied von ihrer einzigen Tochter, sie hatten ihren Bitten mit schwerem Herzen nachgegeben und sag­ten ihr in Berlin Lebewohl.

Auch in Doloresruh nahm alles lebhaften Anteil au dem heldenmütigen Entschluß der Komtesse Mören; Nora hätte gern die Freundin wiedergesehen, doch fes­selte ihr Töchterchen sie an das Haus.

Von Emil Otto hatten die ©einigen lange nichts ge­hört; zuletzt schrieb er aus Australien, wohin er eine Reise gemacht, um auch diesen Weltteil kennen zu ler­nen. Der Krieg hatte schon einige Wochen gedauert, die ganze Welt folgte mit atemloser Spannung den Er­eignissen in Transvaal. Da erhielt die Freifrau einen Brief des Sohnes. Er war begeistert in die Reihen der Helden getreten, die sich gegen die Vergewaltigung ihres Landes, gegen den übermütigen Feind wehrten.

Ich kenne und liebe das fromme Volk der Buren," hieß es am Schluß von (Emil Ottos Brief,ich will Schulter an Schulter mit ihnen kämpfen, und falle ich,

meine Lieben, so trauert nicht um mich, es geschah für eine gerechte Sache."

Auch an Nora kam ein Brief ihres Bruders an, nur einige Worte, die ihr das Geheimnis seines verschlos­senen Herzens verrieten, die Liebe zur Komtesse Mören, die er längst mit Lenner verheiratet wähnte, weil der Brief, der von dem Bruch zwischen den Verlobten sprach, den unstät Wandernden nicht erreicht hatte.

Grüße die Gräfin von mir," schrieb Emil Otto,und sage ihr, daß ich sie bis zum letzten Atemzüge geliebt habe. Gott segne sie."

Da meinte Nora bitterlich.Er ahnt nicht, daß sie frei, daß sie ihm nahe ist.O, vielleicht geschieht ein Wun­der, und sie sehen sich wieder; so unwahrscheinlich es erscheint, es ist kein Ding dem Allinächtigen unmöglich."

Wenn schon Unbeteiligte mit fieberndem Interesse die Zeitungen mit den Berichten über den fernen Krieg ver­schlangen, wieviel mehr taten es diejenigen, die ein teu­res Jamilienmitglied den Gefahren in Afrika ausgesetzt wußten. Zweimal schrieb Emil Otto, dann blieben die heißersehnten Nachrichten aus. Eine lange Zeit der Angst und Ungewißheit folgte für Mutter, Schwester und für Klingberg, der Ebenstedt wie einen Bruder liebte.

Und "fern im Süden donnerten die Geschütze, da floß das Blut in Strönien, auf beiden Seiten starken viele hoffnungsvolle Jünglinge und Männer.

Still und segensreich war das Walten der deutschen Ambulanz, gleich barmherzig für die Buren und ihre Feinde.

Alwina ahnte nicht, daß Emil Otto in den Reihen des Heldenvolkes mit löwenhaftem Mut stritt. Immer war er einer der ersten beim Angriff, allen voran stürmte er in'den dichtesten Kugelregen; er schien gefeit zu sein, denn während neben ihm der Tod alles niedermähte, blieb er verschont.

Da erreichte ihn bei den Kämpfen am Modderriver sein Schicksal, ein Granatsplitter zerschmetterte seinen linken Arm, und eine Kugel traf ihn in die Brust.

Es war Abend, das Kampfgetöse hatte nachgelassen, still ruhten die blutüberströmten Krieger neben einan­der. Hier sah man die goldstrotzenden, prächtigen Uni­formen der englischen Garden neben dem schmucklosen Kleide der Buren. Und die Ambulanzen walteten ihres Amtes, sie brachten den Verwundeten Hilfe, begruben die Toten, linderten die letzten Stunden der Sterben­den.

Im Hospital war alles bereit; die Schwestern harrten der Krankenwagen, hier fing ihr Amt an.

Auch Alwina half unermüdlich; sie stand in dem gro­ßen Saal, der vierundzwanzig Betten hatte, die sich rasch mitden vor Schmerz jammernden verwundeten Menschen füllten.

Nicht hierher," hörte die Schwester den Arzt sagen; er ist schwer getroffen, in dem kleineren Zimmer ist es ruhiger. Bitte, Schwester Alwina, helfen Sie uns, hal­ten Sie die Tür offen, damit die Trage hindurch kann."

Emil Otto, er.. er ist es," wollte sie rufen, aber das Wort blieb ihr im Halse stecken.

Sie hatte ihn gleich erkannt, trotz der Totenblässe, die sein Antlitz bedeckte, das weiße, lockige Haar, dieses edelgeschnittene Provil konnten nur Ebenstedts gehören, dem Manne, den sie geliebt, für den ihr Herz noch immer inheißerZärtlichkeitschlug.

Man legte den Schwerverwundeten auf dasLager, noch immer umfing ihn wohltätige Bewußtlosigkeit; still ruhten die dunklen Wimpern auf den wächsernen Wan­gen und kaum merklich hob und senkte sich die breite Brust. Der linke Arm war furchtbar anzusehen, bis über den Ellenbogen waren die Knochen zersplittert.

Alwina hatte viele Verwundete gesehen, sie hatte mit der Zeit eine gewisse Ruhe gewonnen; hier wankte sie und war einer Ohnmacht nahe.

Es geht über Ihre Kraft. Schwester," sagte der Arzt.

Sie strich sich über die nassen Augen.

Nein, aber ich kannte diesen Kranken, er.. er ist ein Landsmann von mir." 187,18*