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ZWchternerZeitung

mit amtlichem Areisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

Telefon Nr. «5. Vierteljährliche Beilage:Unsere Heimat". Telefon Nr. «S.

Erscheint Mittwoch und Samstag Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mt. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 1C Pfg.

7. Mittwoch, den 24. Januar 1912. 63. Jahrgang.

Der Festausschuß für die

Geburtstagsfeier unseres Kaisers und Königs hat beschlossen, auch in diesem Jahre von dem sonst üblichen Festessen abzusehen und dafür am Samstag, den 2 7. Januar, abends 8 Uhr, einen

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in der hiesigen Turnhalle abzuhalten.

Der Fest-Ausschuß ladet alle patriotischen Bürger Schlüchterns und seiner Umgebung herzlich ein, diesen Kommers zu besuchen. Der Kriegerverein, der Gesangverein und der Turnverein haben in dankenswerter Weise beschlossen, den Abend durch mancherlei Veranstaltungen zu verschönern.

S ch l ü ch t e r n im Januar 1912.

Der Fest-Ausschuss.

Amtliches.

Der Herr Kreistierarzt Krexer bis einschließlich 30. d. Mts. beurlaubt' Seine Vertretung hat Herr Kreis- tierarzt Dr. Schirmer in Gelnhausen übernommen.

Schlüchtern, den 23. Januar 1912.

Der Königliche Landrat: J. V.: Schultheis.

Deutsches Reich.

Wie aus Wien gemeldet wird, werden der Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand und seine Ge­mahlin, die Fürstin Hohenberg, zum Geburtstage Kaiser Wilhelms am 27. d. M. in Berlin eintreffen und jwei Tage hier verweilen. Der Besuch kann als ein Be­weis dafür angesehen werden, daß die von eineM ge­wissen Auslandspresse verbreitete Behauptung i! olge der Haltung Oesterreichs in der Marokko-Angele, ^heit sei eine Verstimmung zwischen Berlin und Wien einge­treten, unbegründet ist.

Der am 19. Dezember 1911 geborene Prinz hat folgende Paten: 1. Seine Majestät den Kaiser und König, 2. Ihre Majestät die Kaiserin und Königin, 3. Großherzogin'Mutter Anastasia von Mecklenburg- Schwerin, 4. Großherzog von Mecklenburg-Schwerin, 5. Prinzessin August Wilhelm von Preußen, 6. Prinz Joachim von Preußen, 7. Kaiserin Alexandra Feodo- rowna von Rußland, 8. Königin Margherita von Italien, 9. König von Großbritannien und Irland, 10. König von Sachsen, 11. Herzog Johann Albrecht zu

Mecklenburg-Schwerin, Regent des Herzogtums Braun­schweig, 11. Prinzessin Friedrich Karl von Hessen, 13. Prinzessin Reuß XVIII., Herzogin zu Mecklenburg, 14. Erzherzog Franz Ferdinand von Oesterreich, 15. Gene­ralmajor und General ä la suite Seiner Majestät des Kaisers und Königs von Gontard, 16. Oberst z. D. von Oppen.

Am Samstag hat im Auswärtigen Amt der Austausch der Ratifikationsurkunden zu dem am 17. August 1911 zwischen dem Reich und Großbritannien abgeschlossenen Vertrag stattgefunden, durch den die Auslieferung flüchtiger Verbrecher zwischen Deutschland und einer Anzahl britischer Protektorate, namentlich in Afrika, geregelt worden ist. Der Vertrag wird zwei Monate nach dem Austausch der Ratifikationsurkunden, also am 20. März 1912, in Kraft treten.

Der sozialdemokratische Bauernfang wird unter den Ansiedlern der Ostmark jetzt auf ganz verschmitzte Weise betrieben. Dort werden in unauffälliger Weise durch städtische Agitatoren, meist Bauhandwerker, Volks­kalender verbreitet unter dem harmlosen Titel:Land­bote für die Provinz Posen", die sich nach ihrer Ein­leitungan die lieben Landleute Kleinbauern, Fischer, Handwerker Tagelöhner" wenden. Diese in so harm­loser Weise verteilten Volkskalender sind nichts anderes als sozialdemokratische Flugschriften. Irgend einen Er­folg wird dieser naive Bauernfang unter den Ansiedlern ja natürlich nicht haben, aber zur Charakteristik der Mittel, mit denen die Sozialdemokratie auch unter der

Landbevölkerung arbeitet, ist dieser Versuch doch recht bezeichnend.

Die Beschäftigung der Arbeitslosen mit Not­standsarbeiten ist von einer großen Anzahl der Ge­meinden und auch von Kreisverwaltungen durchgeführt worden. Die Kosten hierfür wurden meist schon bei der Etatsaufstellung in Ansatz gebracht. In der Haupt­sache werden die Arbeitslosen mit der Instandsetzung von Wegen, Straßen und Chausseen soweit mit Auf­forstungen beschäftigt. Beim Nachlassen der Kälte sind auch Ausführungen von Hochbauten vorgesehen.

Ein erfreulicher Fortschritt ist in der Deutsch- werbung der masurisch-polnischen Bevölkerung durch die Erhebungen in den letzten Monaten festgestellt wor­den. Besonders die Zahl der deutschsprechenden Schul­kinder hat ergeblich zugenommen. Seit dem Jahre 1890 ist die Zahl der polnisch sprechenden Dorfschul­kinder von 63 Proz. bis auf 33 Proz. zurückgegangen. Es handelt sich hierbei um die Schulkinder, die zum erstenmal die Schule besuchen. Bei längerem Besuch der Schule haben alle Schulkinder bereits größere Kenntnisse in der deutschen Sprache. Hand in Hand damit geht die Verdeutschung der gesamten Bevölkerung in Masuren, wo in den letzten 25 Jahren eine Ab­nahme der polnisch sprechenden Bevölkerung um 30 Proz. festgestellt worden ist.

Das Reichspostamt hat bestimmt, daß zur Ver­meidung der Doppelzahlung von Renten an dieselbe Person eine Mitteilung an die Träger der Invaliden-

Gesühnt.

Roman von G. v. Schlippenbach. 56

In meinen Augen gehören wir vom Tage des Ring- wechsels unaufhörlich zusammen, ich sehe nicht ein, was sich seitdem geändert hat."

O, daß sie nicht den Mut hat, ihm zuzurufen:Da­mals ahnte ich nicht, was Liebe ist, aber jetzt, jetzt weiß ich es, ich kann nicht Dein Weib werden."

Und der andere, der Mann mit den Haaren des Greises und mit dem Herzen des heißblütigen Jünglings, sie hat ihn tief gekränkt.Ich werde Ihnen nie verge­ben," sie hört die Worte Tag und Nacht, auch jetzt wie­der, in diesem Augenblick, da sie die Kette abzustreifen strebt. Wird er nicht denken, daß sie die Verlobung löste, weil sie ihn, Emil Otto von Ebenstein liebt? Hat er es izicht erraten, schon damals an den rauschenden Wassern des Trollhätta?

Mit Blitzesschnelle kreisen diese Gedanken durch Al­winas Geist. Nein, nein, sie kann nicht den blitzenden Verlobungsring abstreifen und somit frei werden, sie muß ihr gegebenes Wort halten.

Lenner wartet auf ihre Antwort, kein Zug des eher­nen Gesichtes deutet aus Erregung.Nun," ruft er end­lich,warum schweigst Du?"

Eduard," sie kommt ganz nahe und legt die Hand auf seinen Arm,Du mußt Geduld mit mir haben, ich werde mich gewiß bemühen, meine Pflicht zu tun."

Das ist die Hauptsache," meint er ruhig,ich finde, daß darin die beste Gewähr für das Glück einer Ehe liegt Wie Du weißt, hasse ich jede Sentimentalität und räume der Vernunft die erste Stimme ein. Ich habe für Dich ein Gefühl achtungsvoller Freundschaft, mit der Zeit wird daraus vielleicht Liebe werden; so geht es m den meisten Fällen.

Ich kann Dir Name, Stellung, Reichtum bieten, als meine Frau stehen Dir die höchsten Kreise offen, alle

Annehmlichkeiten des Lebens kannst Du genießen, nie werde ich es an ritterlicher Rücksicht fehlen lassen. Die­ses alles habe ich Dir bei unserer Verlobung gesagt, ich wiederhole es heute nochmals, denn Du scheinst es ver­gessen zu haben."

Nein, Eduard," entgegnete Alwina, jetzt wieder Her­rin ihrer selbst,Du hast recht . . ich . . ich werde mein Wort halten, das bin ich Dir schuldig."

Er küßt ihre Stirn und spricht noch eine Weile mit ihr über ihr gemeinsames Leben, es in den verlockendsten Farben schildernd, so gut es in seiner nüchternen Art möglich ist, dann schließt er mit den Worten:Nun laß Deine Skrupel ein für alle Mal fallen, liebe Alwina, nicht war, die Sache ist abgetan?"

Ja." Mehr vermag sie nicht zu sagen.

Er drückt die Lippen auf ihre Hand und verläßt sie.

Alwina sitzt regungslos am Kamin, leise knisternd verlöschen die Flammen.

Das junge Mädchen fröstelt, obgleich das Zimmer warm ist. Das Gefühl der Kälte kommt von innen.

Es hilft nichts," denkt sie mutlos;Lenner will mich nicht verstehen, mag Gott mir helfen."

Einige Tage nach dieser Unterredung schrieb Fräu­lein Elsheim, daß die Gräfin Mören den Wunsch hege, noch einmal ihre Kinder um sich versammelt zu sehen, und auch Alwina bäte sie, den Vater zu begleiten, sie sei ihre Lieblingsenkelin. Graf Adolf und seine Tochter reisten ab.

Der Stockholmer Arzt hatte ein ernstes Gesicht ge­macht, als er geholt wurde; er wußte, daß der Tod die Dulderin von ihren Leiden erlösen werde, daß ihr aber noch eine lange Zeit der Qual beoorstand.

Als sich der Zug in Bewegung setzte, atmete Alwina auf, Lenners Gestalt entschwand den Blicken seiner Braut. Die schwere Krankheit der Großmutter betrübte die Enke­lin, aber sie begrüßte die Trennung von ihrem Ver­lobten mit einem Seufzer der Erleichterung. Seit ihrer Aussprache war das Verhältnis womöglich noch förm­

licher geworden, Alwina litt namenlos; der Zwiespalt ihrer Seele rieb sie auf, aber sie trug ihre Maske, so» daß niemand etwas von diesen Kämpfen ahnte.

Die Aebtissin war in das Stift zurückgekehrt, nur noch auf kurze Zeit, dann zog sie zu ihren Kindern, zu dem Sohne, den sie so lange entbehrt, der voll zärtlicher Liebe gegen die Mutter war und sich zur Heiterkeit zwang. Trotzdem ließ sie sich nicht über den Seelenzustand Emil Ottos täuschen; auch sie hatte . das Gefühl, daß er sich nicht glücklich in den engen Verhältnissen fühle, daß sein Sinn in die Ferne schweife und er sich nach der unge­bundenen Freiheit jenseits des Ozeanes sehne. Wenn Ebenstedt mit den Nachbarn zusammenkam, so standen sie sich meist in ihren Ansichten schroff gegenüber, es gab kleine Mißverständnisse, die allmählich eine Scheide­wand aufrichteten. Besonders mit Lenner konnte Emil Otto sich nicht verständigen. Selten gab es größere Ge­gensätze als die beiden Männer; nur die maßvolle Art des Grafen vermochte es, einen ernsten Konflikt zu vermeiden.

Eines Tages, Anfang Februar, kam Fürst Degen- hart ganz unerwartet nach Mon Varsange. Er hatte eine größere Summe im Spiel verloren und mußte sie binnen einer bestimmten Frist zahlen; die schwache Mut­ter schrieb an Klingberg, der ihre Geschäfte führte, und bat ihn, das Geld flüssig zu machen. Recht kummervoll klangen die Zeilen der Fürstin, die es Klingberg an­fänglich nachgetragen, daß er die dem eigenen Sohne bestimmte Braut heimgeführt.

Felix erschien also eines Tages in Doloresruh, um vieles blasierter und unangenehmer als im Sommer. Er sah müde und verlebt auS, man merkte ihm den lan­gen Aufenthalt im Babel an der Seine an, das luftige Paris rächte sich an seinem Verehrer. Fürst Degenhai. war entschlossen, seineralten FlaMme" den Hof zu machen, so etwas gehörte ja in Frankreich zum guten Ton; es war amüsant in der ländlichen Einsamkeit denn'voraussichtlich mußte es doch einige Zeit dauern bis Klingberg das Geld flüssig machte. 187,18*