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mit amtlichem Areisblatt.

Telefon Nr. 65.

Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Aatgeber.

Vierteljährliche Beilage:Unsere Heimat". Telefon Nr. es.

Erscheint Mittwoch und Samstag Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mt. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

M 98.

Samstag, den 9. Dezember 1911

Reichstagswahl. Bekanntmachung

J.-Nr.T- c. 2720. Auf Grund des § 8 des Wahlgesetzes für den Reichstag vom 31. Mai 1869 und des ß 2 des Wahlreglements vom 28. Mai 1870/28. April 1903 setze ich den Tag, au dem die Auslegung der W ä h l e r l i st e n für die bevor­stehenden Reichstagsneuwahlen zu beginnen hat,

auf Donnerstag, den 14. Dezember d. Js. hierdurch fest.

Berlin, den 30. November 1911.

Der Minister des Innern: gez. von Dallwitz.

Das Reichs- und das Staatsschuläbuch.

Die Einrichtungen des Reichs- und des Staats­schuldbuchs sind in weiten Kreisen des Publikums noch immer zu wenig bekannt, obwohl sie den Vesitzeru großer und kleiner Kapitalien mannigfache Vorteile bieten; nämlich unbedingte Sicherheit gegen Verluste durch Diebstahl, Unterschlagungen Verbrennen, Ab­handenkommen, wie sie bei Wertpapieren vorkommen können, ferner kostenlose laufende Verwaltung und porto­freie Zusendung der Zinsen. Die Begründung von Schuldbuchforderungen ist denkbar einfach: man zahlt den Betrag durch einen Bankier oder bei einer Regie- rungshauptkasse oder einer Kreiskaffe oder auch bei einem Postamt auf das Postscheckkonto der Reichsbank für das Reichsschuldbuch oder der Seehandlung (Preuß. Staatsbank) für das StaatS-Schuldbuch ein und gibt dabei an, für wen die Buchschuld eingetragen und ach wen und wie die Zinsen gezahlt werden sollen. Näh.' ; ist an den genannten Stellen zu erfahren. Die Zinsen ^werden dann je nach Wunsch portofrei durch die Post zugesandt oder auf ein Bankkonto überwiesen; sie können auch bei den Staatskassen oder Rcichsbankan- anstalten abgehoben werden. Wer bereits Schuldver­schreibungen ' des Reichs oder Preußens besitzt, kann diese mit dem Antrag auf Umwandlung in eine Buch­schuld an die Verwaltung der Schuldbücher (Berlin S. W. 68, Oranienstraße 9294) einsenden und ist dann aller Sorge und Kosten wegen der Verwahrung der Wertpapiere überhoben. Auf diese Weise können Staatsrenten von 3 Mk. jährlich an entsprechend einem Kapital von 100 Mk. Nominalwert erworben werden. Für die laufende Verwaltung werden keine Gebühren erhoben. Um Sicherheit zu haben, daß nicht ein unbefugter über die Forderung verfügt, ist für An­träge auf Aenderungen der Eintragung öffentliche Be­

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Gesühnt.

Roman von G. v. Schlippenbach.

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Es tat ihr leid, ihn verletzt zu haben, und sie Bat: : Zürnen Sie mir nicht ob meines Mangels an Verstand- ; nis; es ist nicht Teilnahmlosigkeit. Wenn ich auch selbst ' immer in sorgsam umfriedeten Bahnen gewandelt bin, ; so glaube ich doch, daß es sturmgeprüfte Menschen gibt, und daß Sie zu ihnen zählen, habe ich gleich gedacht. Sagen Sie mir, warum ist uns eine so grundverschiedene Laufbahn auf der Erde beschieden?"

Das frage ich mich auch oft, ohne die Antwort zu ! finden," entgegnete Tom White nachdenklich.Als ich Deutschland verließ, war ich kaum mehr als ein Knabe, ich habe am Niagara gestanden und es zog mich mäch­tig in den Strudel hinab. Heute fällt mir diese dunkle Stunde wieder ein beim Anblick des Trollhätta. Sie sehen, ich habe weiter gelebt," er lachte bitter,und ich kann sogar sagen, daß ich es wieder gern tue. Mein Haar ist durch ein böses Fieber weiß geworden, ich be- kam die tückische Krankheit auf einem Streifzuge durch Afrika, wo ich bei einerNegerfamilieliebevolle Aufnahme fand; die schwarzen Kerls waren selbst arme Teufel, aber die Heiden sind vielfach besser als die Christen."

Sie müssen nicht so verbittert sprechen," sagte 911- wina erschreckt und legte, fast ohne es selbst zu wissen, die weiße schlanke Hand auf den Samtärmel Whites. Er zuckte unter der leichten Berührung zusammen und ' wie ein Sonnenstrahl glitt es über sein Gesicht.

Ich nehme die Frauen aus, die edel und milb wie ein Engel durch das Leben schreiten," sagte er mit rit­terlicher Huldigung, indem er seine Lippen flüchtig auf die schöne Hand der Komtesse drückte;es ist eben nicht allen Männern beschieden, ihnen zu begegnen."

Sie verließen die Brücke und betraten eine in den Felsen gehauene Treppe, die zu einer Grotte führte, wo früher Räuber gehaust. White erzählte Alwina davon,

glaubigung vorgeschrieben, die bei den öffentlichen Kassen kostenfrei erfolgt. Wer die Buchschuld wieder veräußern muß und nicht sofort jemanden findet, der sich an seiner Stelle eintragen lassen will, kann jeder­zeit die Aushändigung von Schuldverschreibungen gegen eine geringe Gebühr verlangen und die Papiere dann durch einen Bankier verkaufen. Besonderen Anklang bei dem Publikum hat es gefunden, daß zugleich eine zweite Person z. B. die Ehefrau eingetragen werden kann, die nach dem Tode des Rentenbesitzers allein gegen Vorlegung der Sterbeurkunde ohne sonstige Förmlichkeiten der Erbeslegitimation über die Rente verfügen und bestimmen kann, auf wen sie umgeschrieben werden soll.

Welche Beliebtheit die Schuldbücher jetzt schon haben, obwohl sie noch lange nicht genug bekannt sind, beweisen folgenden Zahlen: am 31. März 1911 waren im Reichs­schuldbuch Kapitalien von 1037 Millionen Mk. und im Preußischen Staatsschuldbuch von 2744 Millionen Mk. zu 4, 3' und 3°/0 eingetragen. Von den rd. 55000 Konten des Staatsschuldbuches lauten rd. 22 000 über Kapitalbeträge bis 4000 Mk., 12 000 über solche zwischen 4000 und 10 000 Mk. und mehr als 17 000 über solche zwischen 10 000 uud 100 000 Mk., was ge­wiß zeigt, daß gerade die Besitzer kleiner und mittlerer Kapitalien die Vorzüge dieser Anlage zu schätzen wissen.

Deutsches Reich.

Der Kaiser traf am Dienstag kurz nach 7 Uhr im Sonderzug in Breslau ein und begab sich sofort mit Gefolge in Automobilen zum Offizierskasino des ^KeibUrassierregimentsGroßer Kurfürst" (Schlessisches Nr. 1) in Kleinburg, wo er dann das Abendessen ein- nahm ; vom Kaiserplatz durch die Kürassierstraße bis zur Kaserne bildete das Regiment Spalier. Der Kaiser wurde auf dem ganzen Wege von einer großen Menschen­menge mit lebhaften Hochrufen begrüßt.

Der Kaiser spendete zu Gunsten der durch die Ueberschwemmung in Südbrasilien Geschädigten 10 000 Mark.

Der Reichstag nahm am Sonnabend das Gesetz über die kleinen Aktien für Kiautschon in dritter Lesung also definitiv an, und beendete dann die zweite Lesung des Privatbeamtenversichernngs-Gesetzes. Eine längere Debatte entspann sich nur über die Sicherung der mit Ehrenämtern betrauten Versicherten ihren Prinzipalen gegenüber. Ein dementsprechender Antrag des Abg. Dr. Potthoff, (fortsch. Vp.) wurde abgelehnt nachdem

und daß der Räuberhauptmann ein Bauernmädchen ge- als seine Gemahlin auf seine Burg am Wetternsee fol-

raubt, das ihn später verraten habe; gut Strafe stürzte gen wolle. Jras jungfräuliches Herz klopjte bereits in

der erzürnte Geliebte sie in den Strudel. Von der Spitze Liebe 311 bem schönen Mann; sie wechselten Ringe und

eines Felsens, auf der anderen Seite des Stromes, bing verlobten sich, den Treuschwur tauschend. Jeden Tag

in alten Zeiten ein mächtiger Block überSoppöfall.Jetzt saß Schön-Jra am Trollhätta und harrte des Gelieb-

ist er hinabgesunken, und die Wasser schäumen darüber , ten; die Zeit verging, doch er kam nicht zurück. Im Walde

hinweg.

Sie scheinen Schweden gut zu kennen," sagte Al­wina zu ihrem Begleiter,die Sagen dieses Landes sind Ihnen geläufig. Ich höre so gern davon, kennen Sie noch welche?"

Ja, gnädigstes Fräulein, ich war vor vielen Jah­ren bei einem Freunde am Wetternsee, demselben, den ich jetzt besuchte und von dem ich heute komme. Auch ich forsche gern nach solch poetischen Klängen, aus aller Herren Länder möchte ich sie sammeln. Oft wunderte ich mich, daß ich bei dem bewegten Leben, das ich führte, noch Sinn dafür habe, man verachtet heute meist alles, was an ta§ Reich der Ideale und der Poesie erinnert."

Leider," entgegnete Almina und sie dachte dabei an Lenner, an seine trockene, jeden Schwunges bare Art, die sie unangenehm empfand.Ich finde es für keine Schande, eine Ausnahme zu machen," fügte sie hinzu mit einer leisen Ungeduld im Ton;der Vorwurf, un» modern zu sein, läßt sich ertragen."

Im lebhaften Gedankenaustausch schritten sie an den Fällen hinauf bis zur Mühle, wo sie längere Zeit blie­ben. Toni White erzählte hier die Sage vom Trollhätta.

Ein junges, schönes Mädchen, JraBrookmester, war von den Elfen der Trollhätta erzogen. Sie ivar eine Waise und von vornehmer Abkunft. Einst saß sie auf dem Gullöfelsen und strählte ihr langes, goldblondes Haar. Da sah fh ein Ritter, der zur Fehde auszog. Er schickte seine Mannen voraus und stieg von seinem Schlackitroß, um die schöne Maid zu begrüben, die sich erschreckt zur Flucht bereit machte. Lange plauderten sie mit einander, und der Ritter Blackodder fragte Jra, ob sie ihm wohl, nachdem er von der Fehde heimgekehrt,

62. Jahrgang.

Abg. Dr. Stresemannn (natl.) mit Recht betont hatte, daß man so viel Vertrauen zu den Arbeitgebern schließ­lich haben dürfte, daß sie nicht ihre Angestellten des Ehrenamtes wegen schikanieren würden; im Gegenteil, die Annahme des fraglichen Antrags würde auf die Arbeitgeber geradezu aufreizend wirken. Der größte Teil der Vorlage erledigte sich ohne Debatte. Am Montag wurde zunächst eine Anzahl Petitionen erledigt und dann mit der zweiten Lesung der Vorlage über den Bahnbau in Deutsch-Ostafrika begonnen, wobei Reichs­schatzsekretär Wermuth eine eingehende Uebersicht über die Finanzlage des Reiches gab. Er hob dabei ganz besonders den Segen und die Erfolge der Reichsfinanz­reform hervor, die eine Gesundung der Finanzen des Reichs hervorgerufen habe. Das rief eine ziemlich er­regte Reichsfinanzreform-Debatte hervor, in der die Sozialdemokraten und Linksliberalen ihre bekannten An­griffe gegen die Reichsfinanzreform wiederholten.

Der preußische Minister des Innern v. Dallwitz hat verfügt, daß die Reichstagswühlerlisten in Preußen vom 14. Dezember an auszulegen sind. Nach § 8 des Reichstagswahlgesetzes sind die Wählerlistenspätestens vier Wochen vor dem zur Wahl bestimmten Tage zu jedermanns Einsicht auszulegen". Da die Reichstags­wahlen am 12. Januar stattsinden sollen, ist der 14. Dezember der spätest zulässige Termin für den Beginn der Listenauslagen.

In welcher unglaublichen Weise manchmal deutsches Land in polnische Hand gebracht wird, dafür ist folgender Vorfall bezeichnend. In Wilhelmshöhe bei Usch, Kreis Kolmar. verkaufte ein Deutscher sein Gut von ^28 Hektar an einen Polen aus Posen. Der deutsche Besitzer, der sich in durchaus günstiger Ver­mögenslage befand, hatte auch mit der Ansiedlungs- kommission in Verhandlung gestanden, schloß aber den Vertrag mit dem Polen ab, ohne den Entscheid der Kommission abzuwarten. (!) Dabei hatte er von der Kommission einen Preis von 260 000 Mk. verlangt und verkaufte sein Gut an den Polen für 195 000 Mk.! Ein Kommentar ist überflüssig.

Eine bemerkenswerte Verfügung hat die Re­gierung in Posen den Kleinsiedlungsgenossenschastcn zu­gehen lasten, deren Tätigkeit durch die neuen Maßnahmen eine wesentliche Erleichterung erfahren dürfte. Die Ge- noffenschaften sollen sich danach in Zukunft unter Aus­schaltung der Generalkommission Breslau der Vermitt­lung der deutschen Mittelstandskaste bei ihrer Tätigkeit bedienen, wobei Voraussetzung ist, daß die Siedlungs-

ten; Die Zeit verging, doch er kam nicht zurück. Im Walde hauste der Kobo'd Herister; dieser besuchte oft die Elfen

und beredete sie, ihm das Pflegekind zu vermählen. Er war reich und angesehen, aber Jra wies seine Anträge voll Abschen zurück, sie hoffte noch immer auf des Rit­ters Heimkehr. Und eines Tages kam sein Schildknappe geritten und erzählte, daß sein Herrin blutiger Schlacht gefallen sei. Da stürzte sich das schöne Mädchen in den Trollhätta, so treu und mutig war das nordische Weib damals," schloß Tom White seine Erzählung, der Al- wina aufmerksam gelauscht hatte.

Die englische Gesellschaft war schon über den Kanal weiter gefahren, der Abendschatten senkte sich über das Land; es wird früh dunkel im Herbst, und Alwina und ihr Begleiter gingen zum Bahnhof, die Eisenbahn bracht« sie schneller nach Mörenholm. Die Stunden, die sie zu­sammen verlebt, mußten Flügel gehabt haben, so schnell waren sie enteilt. Sie hatten sich im Trollhätta-Gasthof am kleinen Tisch gegenübergesessen und daS schwedische Frühstück (Sexor) eingenommen, das aus vielen kalten, pikanten Gerichten besteht. Alwina hatte die strenge Steif­heit fallen lassen, in Gegenwart Whites war sie eine andere; frei und natürlich gab sie sich, lachte und scherzte, wie sie es sonst selten tat, und nur der Gedanke, den Augenblick zu genießen, erfüllte sie. An Lenner dachte sie nicht, als sie lebhaft plaudernd mit ihrem neuen Be­kannten der Station zuschritt. Sie saßen in einem Wa­genabteil erster Klasse allein, wie Alwina mit Freude bemerkte; man hielt sie für ein Ehepaar, das hatte der Schaffner gemeint, der ihnen die Billette abnahm. Der Zug braust dahin, nun sind sie verstummt, bald tren­nen'sie sich, dann ist alles nur noch eine Reiseerinnerung.

Lenner! 187,18*