SchluchtemerMtung
mit amtlichem Areisblatt. , Alonatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.
Telefon Nr. 65. Vierteljährliche Beilage: „Unsere Heimat". Telefon Nr. 6».
Erscheint Mittwoch und Samstag — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mt. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
M 96.
Amtliches.
J.-Nr. 6439 K. A. Dem bei der Freiherl von Stumm'schen Gutsverwaltung in Dienst stehenden Dienstknecht Jakob Löffert zu Dreibrüderhof bei Hinkel- Hof, ist für langjährige treue Dienstzeit eine Prämie von 25 Mk. aus Kreismitteln bewilligt worden.
Schlüchtern, den 24. November 1911.
Der Vorsitzende des Kreis-Ausschusses.
Valen tiner.___
Bekanntmachung.
Das unterzeichnete Kommando stellt am 1. Oktober 1912 einige Zweijährig-Freiwillige (Schreiber) ein.
Nur Leute mit gewandier schöner Handschrift, welche auf einem Büro mit Erfolg tätig waren und eins tadellose Führung nachweisen können, werden bei der Annahme als Schreiber berücksichtigt.
Bewerber wollen sich umgehend unter Beifügung eines selbstgeschriebenen Lebenslaufes, der Schul- und sonstigen Zeugnisse melden.
Hanau, den 25. Oktober 1911.___
Advent.
Advent ist gekommen, schnell öffnet das Tor!
Der König der Ehren steht wartend davor.
Bereitet ihm Wohnung und rüstet das Haus, Den Unrat der Sünde tut eilend hinaus!
Wo Hoffart und Haß ist, da mag er nicht sein, Wo Liebe und Demut, da kehret er ein;
Von Trotz und Vermessenheit hält er sich fern, Zerschlagene Herzen besucht er so gern; Advent ist gekommen schnell öffnet das Tor!
-7^ Der König der Ehren steht wartend davor.
Advent ist gekommen, 0 freuet euch sein!
Die Nacht ist vergangen, der Tag bricht herein, Die Sonne tritt wieder aus ihrem Gezelt. Der himmlische König der Heiland der Welt. Jetzt grüßt uns so freundlich sein heiliger Mund, Erweckt uns zum Leben und macht uns gesund; Es weichen die Schmerzen, es weicht gar der Tod Dem Worte des Königs und seinem Gebot; Advent ist gekommen, 0 freuet euch sein! Die Nacht ist vergangen, der Tag bricht herein.
Die Erklärungen des Reichskanzlers von Dethmann Hollweg über das deutsch-französifcheAbkommen.
Meine Herren! Zur Beurteilung der Ihnen vorliegenden Abmachungen wird es zunächst von Wert sein, die letzte Entwicklung der marokkanischen Frage und einiges Wesentliche aus den getroffenen Abmachungen vorzutragen.
(Fortsetzung.)
Was erlangen wir in Groß Kamerun k
Meine Herren, dann komme ich zu dem sachlichen , Gegenstände zurück. Ich habe soeben ausgeführt, daß i und weshalb sich unsere Kompensationsansprüche auf I eine kompakte Vergrößerung Kameruns richteten; ich ■ habe weiter ausgeführt, daß sich in dem uns zugefallenen Teile diejenigen Landstriche befinden, die uns von den Kennern unserer Kolonien als erstrebenswert bezeichnet worden sind. Ihr Erwerb ist für die Gegenwart wertvoll und rundet zugleich Kamerun in erwünschter Weise ab. Wir mußten aber Wert darauf legen, an den größten Strom Afrikas, an den Kongo, und an seinen Nebenfluß Ubangi heranzukommen. Auch das ist uns gelungen. Ich bestreite nicht, daß wir da- auch Länder in den Kauf nehmen mußten, die zu- ■ n s m ^^"em Werte sind und deren Verwaltung und Bewlrtschaftung uns noch manche Sorgen bereiten wird. ®Q§ nur die Abtretung von Logone zum min- l desten ebenso unangenehm gewesen ist wie dem Kolonial- amt, brauche ich nicht hervorzuheben. Aber ohne eine | Art Landeraustausch war es unmöglich das zu er, | reichen, was Wir erreichen wollten. Die neugeschaffenen Grenzen sind - das gebe ich zu — zum Teil unbequem 5 und für die Verwaltung schwierig. Aehnliche Schwie- ( rigkeiten haben aber auch schon an der bisherigen Ka- ; meruner Südgrenze und am Emenschnabel bestanden.
« Um diese Schwierigkeiten zu mildern, ist der Grenz- 1 kommission zur Absteckung der Grenze ein weiter Spiel- raum gelassen. Sie soll insbesondere auf die natür- | "chen Grenzen und auf die Zusammengehörigkeit der
Samstag, den 2. Dezember 1911.
Eingeborenen Rücksicht nehmen. Sie soll zu diesem Zweck das Recht haben, bald zugunsten des einen, bald zugunsten des anderen Teils von der in großen Zügen vertraglich festgelegten Grenze abzuweichen. Sie hat nur darauf zu achten, daß im Gesamtergebnis die Abweichungen sich wieder ausgleichen.
Für den gegenseitigen Durchzugsverkehr sind weitgehende Bestimmungen getroffen. Wir haben uns gegenseitig Fortführung und Anschluß an Eisenbahnen zugesichert und kommen dadurch nötigenfalls in die Lage, mit unseren Bahnen an die großen Ströme heranzukommen. Wir gewähren den Franzosen für ihr nordöstliches Kongogebiet eine Etappenstraße nach dem Kongo nach Analogie der ihnen von England am Nigerbecken zugestandenen Etappenstraße, die auf beiden Seiten zu keinerlei Schwierigkeiten geführt hat.
Der Schlußartikel des Vertrages hat keine aktuelle Bedeutung, kann eine solche aber erlangen, wenn im Kongobecken territoriale Veränderungen vor sich gehen sollten, bei denen wir dann mitzusprechen hätten.
Meine Herren, gegen diese Kongoerwerbung hat sich nun in einem großen Teile der Oeffentlichkeit ein Sturm der Entrüstung erhoben. (Sehr wahr! links.) Man hat kein Wort gefunden, das scharf genug war, um die Arbeit der Regierung zu verurteilen und vor dem Auslande zu diskreditieren. (Zurufe links.) Meine Herren, man wird zu einem richtigen Urteile kommen, wenn man nicht die schlechten, aber auch nicht die guten Seiten verschweigt. Gewiß, ich wiederhole, es befinden sich unter dem Erworbenen minder wertvolle, vielleicht sogar schlechte Stücke, genau wie dies in allen Kolonien, die sich gegenwärtig in unserm Besitz befinden, der Fall ist. (Hört, hört! bei den Sozialdemokraten.) Die Konzessionen sind eine schwere Belastung. (Hört, hört! links); aber sie sind zeitlich begrenzt, und sie werden deutscher Gerichts- und Verwaltungshoheit unterstehen, die uns vor Mißbräuchen schützen wird.
Die Schlafkrankheit, die in einzelnen Teilen herrscht, ist eine böse Zugabe. (Heiterkeit und Zurufe links.) Auf der anderen Seite, meine Herren, erhalten wir — das können auch die Herren, die mich durch Zwischenrufe unsicher machen wollen, nicht bestreiten. — (O! links), wir erhalten auf der anderen Seite Stücke, deren Wert Sie nicht bestreiten können, die zu Kamerun durchaus günstig gelegen sind. Wir erhalten den Zugang zum Kongo und zum Ubangi. Der Wert dieser Nachbarschaft wird sich erst in der Zukunft realisieren. Aber auch Sie werden nicht behaupten können, daß die Realisierung ausgeschlossen sei. Wir erhalten im ganzen ein sehr beträchtliches neues Kolonialgebiet. Deutschland ist spät, leider zu spat in die Reihe der Kolonialvölker getreten ; da sollen Sie uns doch keine Vorwürfe machen, daß wir bei dieser Gelegenheit zu erlangen suchen, was wir erlangen können.
Meine Herren, ich bin der festen Ueberzeugung, daß sich die günstige Entwicklung, die wir dank der Rührigkeit unserer Kaufleute, dank der Energie unserer Gouverneure und unserer Schutztruppe in Kamerun erlebt haben, auch in den neuerworbenen Gebietsteilen wiederholen wird. Wer Kolonialpolitik treiben will, der soll über den Gegenwartswerten nicht die Zukunflsmöglich- keiten vergessen. Was ist aus der „Sandbüchse" Süd- westasrika geworden? Wer hat recht behalten; die Spötter über Rhodesien oder die Tatkraft des Mannes, der dem Lande seinen Namen gegeben hat? Alle Erfolge, welche große Kolonialvölker erzielt haben, sind nur dadurch erzielt worden, daß diese Völker nicht mit kurzen, sondern mit sehr langen Zeiträumen gerechnet haben und daß sie den Mut gehabt haben, Schwierigkeiten der Gegenwart um der vielleicht erst in ferner Zukunft zu erwartenden Vorteile willen gering zu achten.
Meine Herren, es ist auch nicht richtig, daß die Franzosen froh sind, einen Teil ihres Kongogebiets los zu sein. Die französischen Staatsmänner haben die Erfolge, die sie in Marokko erzielt haben, hoch eingeschätzt, mit Recht hoch eingeschätzt; aber es ist ihnen trotzdem nicht leicht geworden, große Teile von einem Gebiete ab- zutreten, dem ein Menschenalter lang bewährte französische Forscher und Offiziere sich in ihrer ganzen Lebensarbeit gewidmet hatten.
Unser Programm und seine Durchführung.
Meine Herren, das sind die Ergebnisse, und das ist der Hergang gewesen. Unser Programm lautete von Anfang an : Zubilligung erhöhter politischer Rechte an
62. Jahrgang.
Frankreich nur gegen erhöhte Sicherung unserer wirtschaftlichen Interessen in Marokko und gegen kolonialen Erwerb, Landerwerb in Marokko haben wir in keinem Augenblicke angestrebt. Verhandlung nur zwischen uns und Frankreich, nicht vor einem internationalen Kongreß, nicht unter Zuziehung Dritter. Dieses Programm haben wir aufgestellt, und wir haben es durchgehalten. Durch nichts, durch keinen Einfluß von außen oder von innen haben wir uns von ihm auch nur um einen Schritt abdrängen lassen. Alle die Vorwürfe der Schwäche, mit denen wir diese Monate über bedacht worden sind, der Schwäche und Nachgiebigkeit, das Gerede von einem „neuen Olmütz" und was dergleichen mehr war — sie zerfallen in sich selbst, sie sind gegenstandslos gegenüber den Tatsachen. (Zurufe links.) Unsere Verhandlungen mit Frankreich sind ohne Unterbrechung auf beiden Seiten von dem Bestreben getragen gewesen, zu einem für beide Teile annehmbaren Geschäftsabschluß zu kommen. In keinem Stadium der Angelegenheit ist von irgendeiner Seite eine Sprache geführt oder ein Ansinnen gestellt worden, das mit der Ehre des einen oder anderen Teils unverträglich gewesen wäre. Zu dem „mit der Faust auf den Tisch schlagen", was uns angeraten worden ist, ist auch nie ein Anlaß gewesen. Uebrigens, meine Herren, halte ich auch von dieser drohenden Gebärde nichts, ich würde in gegebenem Momente das Handeln vorziehen; wir leben nicht mehr in der homerischen Zeit, wo Drohen und Prahlen ein notwendiges Rüstzeug des Krieges war. Deutschland ist stark genug, um auf diese Armaturstücke zu verzichten. (Lebhafte Zustimmung.) Es wird, wenn es die Not gebietet, sein Schwert zu ziehen wissen. (Lebhaftes Bravo!) Nur auf dieser Grundlage ist auswärtige Politik möglich. (Sehr richtig!)
Seine Majestät der Kaiser — ich muß von dieser Stelle aus gegenüber irreführenden Darstellung der in- und ausländischen Presse das feststellen — Seine Majestät hat die strikte Durchführung des bereits im Mai dieses Jahres festgelegten Programms in allen Phasen der Verhandlungen gefordert, in dem vollen Bewußtsein, daß jede politische Aktion einer Großmacht die Schicksalsfrage: Krieg oder Frieden heraufbeschwören kann, und in der festen Bereitschaft, für die Ehre der Naiion mit dem Schwerte einzutreten. Darin hat sich der Kaiser mit dem Volke eins gewußt, daß in dieser ganzen Zeit von dem festen Willen beseelt gewesen ist, seine Ehre und seine Lebensinteressen gegen jedermann zu verteidigen.
Selbstverständlich ist in keinem Augenblick an der absoluten Kriegsbereitschaft von Armee und Flotte auch nur der mindeste Zweifel entstanden. (Hört, hört! und Bravo! rechts.) Die Gerüchte, die jetzt in der Presse verbreitet werden, als sei in einer vertraulichen Beratung unsere Kriegsbereitschaft namentlich der Marine in Frage gestellt worden, sind frei erfunden. (Lebhafte i Rufe: Hört, hört 1 und Bravo ! rechts); sie schlagen j den Tatsachen ins Gesicht. (Erneute Rufe rechts: Hört, hört!)
Lloyd Georges Bankettrede.
Nun hat man gemeint — und das hat besonders tief im Volke gefressen —, wir seien vor England zurückgewichen. Dabei ist besonders eine Bankettrede des englischen Ministers Lloyd-George verwertet worden. In dieser Rede wird Deutschlund nicht erwähnt. (Lachen und Zurufe links.) Meine Herren, ich spreche jetzt ernste Worte, und ich darf bitten, daß Sie mich ohne Unterbrechung aussprechen lassen. — Ein hiesiges konservatives Blatt hat damals sogar hervorgehoben, indem es in der ganzen Rede statt England Deutschland setzte, wie die Rede, für sich betrachtet, anstandlos auch von einem eutschen Staatsmann hätte gehalten werden können. Eine Bedeutung gewann die Rede dadurch, daß die gesamte französische Presse und ein großer Teil der englischen sie in einer chauvinistischen, gegen Deutschland gehässigen Weise interpretierte, und daß dieser Interpretation von englischer Seile in keiner Weise entgegengetreten wurde. (Hört, hört! rechts.) Ich habe mich veranlaßt gesehen, diese Dinge durch den Kaiserlichen Botschafter in London zur Sprache bringen zu lassen. Meine Vorstellung ging dahin, daß wir dabei seien, die Marokkoangelegenheiten mit Frankreich zu besprechen, daß dadurch zunächst englische Interessen nicht berührt würden und daß, sofern durch das Ergebnis der Besprechungen England seine Interessen berührt glauben sollte, wir erwarteten,