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Schüchterner Zeitung

mit amtlichem Areisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

Telefon Nr. es. Vierteljährliche Beilage:Unsere Heimat". Telefon Nr. «3.

Erscheint Mittwoch und Samstag Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mt. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

M 90.

Amtliches.

J.-Nr. 6188 K.-A. Die nächste Bullenkörttttg findet am 11. November nicht in Schlächtern, sondern in Sterbfritz statt.

Der Königliche Landrat: Valentiner.

Deutsches Reich.

Berlin. Kaiser Wilhelm hat sich am Dienstag früh zur Hofjagd nach Göhrde begeben.

Der Kaiser wird im Anschluß an seinen Jagd­besuch bei dem Fürsten Pleß, der für die letzten No­vembertage in Aussicht genommen ist, am 2. Dezember abends 7 */a Uhr in Breslau eintreffen. Der Monarch begibt sich zunächst zu seinem Leibkürassier-Regiment und wird am folgenden Sonntage dem Gottesdienst in der Garnisonkirche beiwohnen. Auch ein Besuch des Kaisers beim Kardinal-Fürstbischof Dr. Kopp ist in Aussicht genommen.

Prinz Heinrich von Preußen ist am Mittwoch vormittag wieder in Kiel eingetroffen.

Zum interimistischen Leiter des Reichskolonial- amts ist an Stelle des ausgeschiedenen Staatssekretärs Dr. v. Lindequist der bisherige Gouverneur von Samoa Dr. Solf ernannt worden. Dr. Wilhelm Solf wurde 1862 in Berlin als Sohn des Stadtverordneten Rentiers Solf geboren. Er widmete sich in Berlin und Kiel dem Studium der Sprachwissenschaften, besonders auf dem orientalischen Seminar dem Sanskrit. Seine indischen Sprachstudien führten ihn nach Kalkutta, wo er zwei Jahre im deutschen Konsulat arbeitete. In die Heimat zurückgekehrt, studierte er in Jena die Rechte. Dann trat er als Assessor in die Kolonialabteilung des Aus­wärtigen Amtes und wurde 1898 kaiserlicher Richter in Daressalam in Ostafrika. Während der Wirren auf Samoa im Jahre 1899 war er Präsident des Munizipalrates in Apia. Als dann Deutschland am 1. März 1900 auf Grund des deutsch-englisch-ameri- kanischen Abkommens von der Insel Besitz ergriff, wurde Solf Gouverneur von Samoa.

Wieder ist ein Austritt aus dem Hansabund erfolgt. Anläßlich der Vorgänge bei der Reichstags­wahl in Düsseldorf hat sich die dortige Ortsgruppe des Hansabundes aufgelöst, der Schriftführer wie andere Vorstandsmitglieder haben ihre Aemter niedergelegt und ihren Austritt aus dem Hansabund erklärt, obschon man von Berlin aus alles Mögliche aufgeboten hat, dies zu verhindern. Es wäre immerhin ein erfreuliches Zeichen, wenn hervorragende Mitglieder des Hansabundes wenigstens nachträglich zu der Erkenntnis kommen, in welch hohem Maße der Hansabund durch sein Treiben das Vaterland schädigt.

Das schnellste Schlachtschiff bet deutschen Marine ist das LinienschiffHelgoland". Nach einer soeben bekannt gegebenen halbamtlichen Mitteilung hat das Schiff eine Geschwindigkeit von rund 22 Seemeilen in der Stunde erzielt, während sich die Höchstgeschwindig­keit bei den beiden SchwesterschiffenThüringen" und Ostsriesland" auf 21,1 bezw. 21,3 Knoten beließ Der unlängst in den Verband der Hochseeflotte einge­tretene kleine KreuzerCöln" erzielte 27 Knoten.

Das Endergebnis der hessischen Landtagswahlen stellt sich folgendermaßen: Gewählt sind vom Zentrum sechs, Bauernbund sechs, Sozialdemokraten vier, Nationalliberale drei, Fortschrittliche zwei. Außerdem finden zwölf Stichwahlen statt. Diese finden am 17. November statt.

Ausland.

Im österreichischen Abgeordnetenhaus hat ter neue Ministerpräsident Graf Stürgkh unter lebhaftem Bestall sein Programm entwickelt. Er verwies zunächst auf die Wehrreform, Erweiterung des Bahnnetzes und me soziale Versicherung und kündigte die baldige Vor­lage einer Novelle zur Ergänzung des Wafferstraßen- iwsetzes an. Er betonte sodann die Notwendigkeit einer ^eschäftsordnungsreform und erklärte, an eine eigent­liche polnische Mehrheit sei vorerst wohl nicht zu denken. Die Regierung werde bestrebt sein, eine Mehrheit der sachlichen Arbeit herbeizuführen, die niemand ausschließe der sich zur Mitwirkung berufen fühle. Zur Besserung der parlamentarischen Verhältnisse werde die Regierung wesentlich beitragen können durch unausgesetzte ^Be­mühungen, die nationalen Gegensätze zu mildern, ins­besondere durch die nachdrückliche Förderung des Aus-

Samstag, den 11. November

gleichswerts in Böhmen. Die Regierung werde als ehrlicher Mittler bei den Verhandlungen zwischen den nationalen Gruppen wirken.

Im italienisch-türkischen Krieg haben nach offi­ziösen Meldungen aus Konstantinopel die Türken bei Tripolis einen großen Sieg errungen und die Forts Sahraravita und Salthbasar besetzt. Die Italiener seien aus den von ihnen besetzten Kavalleriekasernen vertrieben worden und hätten vier Kanonen, zwei Mitrailleusen und viel Munition verloren. Aus Beng- Hasi meldete der italienische General Briccola, daß er den Platz und die anderen von seiner Division besetzten Orte zur Verteidigung eingerichtet habe. Infolge der letzten kleinen Gefechten hätten sich die vor den ita­lienischen vorgeschobenen Posten umherstreifenden Maro­deure der Beduinen zurückgezogen und die italienischen Truppen beherrschen jetzt das Gelände bis zum Fluß des Barka-Plateaus.

Die englische Eisenbahnerbewegung ist noch nicht zum Abschluß gekommen. Die Konferenz der Eisen­bahnangestellte erklärte, da die Regierung nicht imstande gewesen sei, die Eisenbahngesellschaften zu einer Be­sprechung über die Vorschläge der Eisenbahnuntersuch­ungskommission mit den Vertretern der Arbeiter zu bewegen, um eine neue für beide Teile befriedigende Regelung zu vereinbaren, so habe die Konferenz be­schlossen, die Eisenbahner darüber abstimmen zu lassen, ob sie die Vorlage der Kommission annehmen wollen und ob sie im entgegengesetzten Falle bereit seien, in einen Ausstand zu treten, um eine Anerkennung der Trade Unions zu erreichen. Die Abstimmung solle bis zum 5. Dezember beendet sein.

Die Revolution in China, die in Mittelchina ihren Ursprung und Hauptherd besitzt, hat sich allmäh­lich immer mehr nach Norden und Nordosten ausgedehnt und jetzt auch Kiautschou erreicht. In Tschilu, Kaumi und Kiautschou ist die Republik ausgerufen worden. Die Fremden sind außer Gefahr. Die vornehmen Chinesen flüchten nach Tsingtau. Auch die Hauptstadt Peking ist von den Rebellen erobert worden. Der Prinzregent ist aus der Stadt geflohen und wird von den Rebellen verfolgt. Prinz Ching, der Vorsitzende der chinesischen Nationalversammlung, ist in die Hände der Aufrührerischen gefallen. Die letzten der Regierung treu gebliebenen Truppen sich nach der Einnahme der Stadt, der ein blutiger Kampf vorausging, zu den Rebellen übergegangen. Kurz vor Einnahme der Stadt haben viele Mandschus aus Angst vor den Revolutio­nären und um den Sturz der Dynastie nicht miterleben zu müssen, Selbstmord begangen. Ferner wird aus Schanghai gemeldet, daß dort der Palast des chinesischen Gouverneurs durch Feuer vernichtet worden ist. Der Gouverneur und seine Familie haben sich in eine fremde Gesandtschaft geflüchtet. __________________________

Spruch.

Die Arbeit ehren, Der Faulheit wehren, Im Leid nicht klagen, In Not nicht zagen, Am Schönen sich freuen, Dem Feinde verzeihen,

Das Böse hassen,

Das Schlechte lassen, Die Lüge meiden,

Für Wahrheit streiten,

Den Nächsten lieben,

Die Tugend üben, Aufwärts schauen,

Gott vertrauen

Und hoffen viel: Sei unser Lebensziel!

__________________Hermann Haase-Gelnkausev.

~ Lokales und Provinzielles.

Schlüchtern, 10. November 1911.

* Die diesjährige amtliche Konferenz der Lehrer des Jnspektionsbezirkes Schlüchtern-Schwarzenfels fand hier am Donnerstag unter dem Vorsitz des Herrn Superintendenten Orth statt. Herr Hauptlehrer Zeller von Oberzell referierte überSchulwanderungen", Herr Lehrer Edeling von Neuengronau über denDeutsch- unterricht in der Fortbildungsschule" und Herr Medi- zinatrat Dr. Cauer über Zahnpflege der Schulpflich­tigen und geplante Neuerungen, Schulärzte betr.

62. Jahrgang.

* Vergangenen Sonntag spielte die zweite Mann­schaft des FußballklubsSchlüchtern 1910" gegen die dritte Mannschaft des FußballklubsBorussia" Fulda. Zweimal 45 Minuten kämpften beide Mannschaften. Zu einer Entscheidung kam es aber nicht. Mit 0:0 endete das schöne offene Spiel. Kommenden Sonn­tag, den 12. November, nachmittags 3 Uhr spielt die erste Mannschaft des FußballklubsSchlüchtern 1910" gegen die in guter Form befindlichen Mannschaft des Ersten Langendiebacher Fußballklub 1906". Das Spiel findet bei jeder Witterung auf dem Sportplatz am Acisbrunnen statt. Auch ist an diesem Tage auf dem Acisbrunnen die Wirtschaft geöffnet.

* Der vom vorigen kalten Markt her hier gut bekannte und beliebte Elektro-Kinematograph ist wieder eingetroffen und wird am Sonntag und Montag mit einem großartigen Programm aufwarten. 200 neue, hier noch nicht gesehene Bilder werden dem Publikum vor Augen geführt. Nach den uns vorgelegten Aner- kennungs- und Empfehlungsschreiben hoher Herrschaften zu urteilen, ist das Unternehmen bestrebt, nur wirklich interessante und lehrreiche Vorstellungen zu geben und können wir den Besuch nur empfehlen.

* Der Landtag soll zum 26. Februar 1912 ein­berufen werden.

* Wiederum wird ein Fall bekannt (wieviel mögen wohl nicht bekannt werden?), in dem ein Menschenleben geopfert werden mußte, weil eine kurz­sichtige Gesetzgebung Apothekerwaren dem freien Ver- Lbt überlassen hat. Wie nach cer gewiß einwandfreien Mitteilung von Medizinalrat Dr. Becker in Freiburg i. B. in derZeitschrift für Medizinalbeamte" Nr. 18 wiedergegeben wird, ist der Bahnarbeiter A. M. im März d. I. im Diakonissenhause zu F. an einer Baryt­vergiftung gestorben. An Stelle des ärztlicherseits be­absichtigten Baryumsulfats war ihm das giftige Baryumsulfid verabreicht worden. Selbstverständlich trifft auch hier wieder vor dem Gesetze niemanden eine Schuld. Der Arzt hat das Rezeptrichtig ausge­schrieben", gibt aber der fragenden Apothekerschwester, die zweifelhaft ist, welches der vielen Baryumpräparate mit den dummen lateinischen Namen in der Liste des Drogisten wohl gemeint ist, die Antwort:Das am wenigsten giftige." Die Harmlosigkeit dieser beiden Beteiligten findet eine nicht eben glückliche Ergänzung in dem Drogisten, der ohne weitere Nachfrage annimmt, das von der Schwester bestellte Baryumsulfid sei nicht zum inneren Gebrauche bestimmt, und in der Ober­schwester, welche die bei der Anfertigung der übel­riechendenEmulsion" bedenklich werdende Schwester mit den Worten beruhigt:Der Arzt hat es ja ver­ordnet". Der unglückliche 32jährige Patient stirbt prompt nach 5 Stunden. Der Fall ist geradezu klassisch für die Beurteilung der Lage und bedarf keines Kom­mentars. Er wäre unmöglich gewesen, wenn die Apothekerware", wie es in einem geordneten Staats­wesen verlangt werden muß, aus demjenigen Betriebe bezogen worden wäre, in welchem durch Leitung, Per­sonal, Einrichtungen und Staatsaufsicht allein die Identität, die Güte und die Reinheit vonApotheker­waren" verbürgt wird, und das ist die Apotheke. Wie viel Kinder müssen noch ertrinken, bevor dieser Brunnen des freien Handels mitApothekerwaren" zugedeckt wird?

* Aus dem Kreise Eschwege. Von einem schweren Unglücksfall wurde die Familie des Arbeiters Wagner in Burghöfen betroffen. Die 18jährige Tochter war auf der Zuckerfabrik Großmunzel beschäftigt. Am Montag vormittag war sie damit beschäftigt, kochendes Wasfer aus einem Siedekessel zu schöpfen. Infolge eines Fehltrittes glitt sie aus und stürzte kopfüber in das kochende Wasser. Die Bedauernswerte erlitt so schwere Brandwunden, daß sie am anderen Tage in dem Henriettenstift in Hannover starb.

* Marburg. Die Fleischerinnung ist mit den Preisen heruntergegangen. Der Preis für gewöhnliches Schweine­fleisch beträgt jetzt 70 Pfg., für Bratenstücke 80 Pfg. und für Kotelettes 90 Pfg. per Pfd.

* Gersfeld. Am Dienstag vormittag gegen 11 Uhr brach in Hettenhausen Großfeuer aus. Das Feuer hatte einen derartigen Umfang angenommen, daß auch die Fuldaer Feuerwehren zu Hilfe gerufen wurden. Sie wurden im Extrazug nach der Brandstätte beför­dert. Auch die Gersfelder Feuerwehr war ausgerückt.