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Zchlüchterner Zeitung

mit amtlichem Areisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

Telefon Nr. <>5. Vierteljährliche Beilage:Unsere Heimat". Telefon Nr. «S.

Erscheint Mittwoch und Samstag Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mt. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

M 62.

Deutsches Reich.

Der Kaiser ist am Freitag abend an Bord der Hohenzollern" im Hafen von Swinemünde eingetroffen Der Reichskanzler und der Staatssekretär v- Kiderlen- Wächter haben sich zum Vortrag nach dort begeben.

Der Kaiser stieg am Donnerstag früh 5 Uhr 10 Min. auf dem Truppenübungsplatz in Altengrabow zu Pferde, worauf alsbald die Uebung begann. Die Gaidekavalleriedivision und die Kavalleriedivision A. waren zu einem Kavalleriekorps zusammengezogen. Zu der Uebung traten hinzu zwei Bataillone des Jnf.- Regts. 66 und ein Bataillon des Jnf.-Regts. 26 sowie eine Artillerie-Abteilung des Feldart-Regts. 74. Der Kaiser führte das Kavalleriekorps gegen den markierten Feind, der von den hinzugekommenen oben genannten Truppen gebildet wurde. Es wurden drei Gefech's- momente durchgeführt. Die Uebung wurde um 10 Uhr 10 Minuten abgebrochen. Der Kaiser ritt mit dem Prinzen Eitel Friedrich und den Herren des Haupt­quartiers nach dem Lager zurück und frühstückte im Offizierskasino des Lagers. Der Kaiser verlieh zahl­reiche Auszeichnungen. Nachmittags 5 Uhr verließ der Kaiser im Automobil den Truppenübungsplatz, und fuhr nach Biederitz. Dort bestieg er den Sonderzug und reiste nach Klitschdorf zum Jagdbesuch des Fürsten v. Solms-Baruth. Von dort wird er heute Freitag abend nach Wilhelmshöhe reisen.

Erkrankung der Kaiserin. Wie durch das offi­ziöse Telegraphenbureau aus Wilhelmshöhe berichtet wird, ist die Kaiserin an einer leichten Angina (Hals­entzündung) erkrankt.

Das neueste Zeppelin LuftschiffSchwaben". Der Luftkreuzer L. Z. 10 unternahm am 29. Juni seine erste Fahrt von Friedrichshafen aus und ist jetzt in Baden-Baden stationiert. Um die Schnelligkeit dieses neuen Luftkreuzers zu heben, sind die Höhensteuer an den Seiten des Luftschiffes beseitigt, und dadurch soll es gelungen sein, das Luftschiff als schnellstes Luftschiff überhaupt zu bezeichnen. Die Resultate bei den Probe­fahrten übertrafen alle Erwartungen.

Ein eigenartiges Gesuch an den Kaiser unter­liegt gegenwärtig der Begutachtung durch das Kaiser­liche Zivilkabinett. Der Bureauvorsteher Harms in Steglitz hatte kürzlich auf dem Tegeler Schießplatz eine Granate gefunden, die dort etwa 45 Jahre in der Erde gelegen haben muß, da sie einem Modell aus der Mitte der Sechziger Jahre entspricht. Das Fundobjekl

8weamCTiwBW»ta»«^^ Hesühnt.

Roinan von G. v. Schlippenbach. 3

Müde und gebrochen war ihre Haltung, das dunkle, einst lebhafte Auge hatte vom vielen Weinen den Glanz verloren und manche Silberfäden schimmerten in dem schwarzen Haar, welches ein Schnebbenhut mit lan­gen, Trauerschleier bedeckte. Die auffallend kleinen, zar­ten Hände lagen still ineinandergefaltet im Schoß der Freifrau, und langsam rollten die Tränen über die Wan­gen, die nichts mehr von ihrer Frische bewahrt hatten.

find neben ihr die jungendliche zwanzigjährige Toch­ter, die Gestalt tannenschlank und doch herrlich eben­mäßig, auf dem biegsamen Halse ein Köpfchen von eigen­artigem Reiz, braunes, weiches Haar mit einem rötlichen Schimmer, wie Tizian es gern gemalt, sammetschwarze, wie mit dem Pinsel gezeichnete Brauen, darunter ein Paar goldigbraune Augen, mit feingezeichneten Wim­pern, eine leicht gebogene Nase mit vibrierenden Flü­geln, dann ein kirschroter, voller Mund und ein Grüb­chen im Kinn. Zum Schluß sei noch erwähnt, daß die Färbung ihres Gesichtes zart angehaucht ist wie das Innere eines Nosenkelches.

So sieht Freiin Nora von Ebenstedt aus.

Schön, verwöhnt und .. arm.

Liegt nicht ein bitterer, oft nicht auszugleichender Zwiespalt in diesen drei Worten? Ein Mißklang, der das Leben erfüllt und den frischen Jugendmut frühzei­tig bricht? Vielleicht denkt Nora Aehnliches. Sie wirft den Kopf zurück und stemmt den schmalen Fuß fester in den schwellenden Teppich, eine feine Falte gräbt sich in die glatte Stirn, und sie sieht aus, als wolle sie sagen: »Ich will den Kampf mit dem Leben aufnehmen."

Fast eine Stunde vergeht mit dem Handel. Zuerst ist des Wucherers Angebot ein so geringes, daß die Frauen erschreckt sind. Nora aber bleibt bei dem von ihr genann­ten Preise.Sie brauchen ja das Geld, um noch die letzten

Samstag, den 5. August 1911.

ist inzwischen im Spandauer Feuerwe^kslabocatoimm entladen und zerlegt worden. Der Finder hat sich in einer Bittschrift an den Kaiser als Finderlohn die Er­laubnis erbeten, noch jetzt, obgleich er längst dem Land­sturm angehö't, durch Ablegen der Prüfung das Ein- jährig-Freiwilligem Zeugnis zu erwerben. Gleichzeitig bat er, ihn zum Unteroffizier der Reserve zu befördern. Es dürfte dies eine der originellsten Bitten sein, die je an den Kaiser gerichtet wurden.

Die Telegraphenverwaltung in Düsseldorf beab­sichtigt, noch in diesem Jahre einen unterirdischen Schnelltelegraphenbetrieb Berlin-Düsseldorf einzurichten. Die Versuche haben eine Leistung von 100 Worten in der Minute ergeben.

Bei der Landtagsersatzwahl in Mansfeld-Eis- leben, die für den konservativen Abgeordneten Reinicke erforderlich geworden war, wurde Landrat v. Hassel in Mansfeld (konservativ) mit sämtlichen 532 abgegebenen Stimmen gewählt.

Folgender Vorfall in einem sozialdemokratischen Betriebe ist besonders lehrreich. Unlängst verunglückten in der sozialdemokratischen Seifenfabrik in Gröba -bei Riesa kurz hintereinander zwei Arbeiterinnen. Die sozioldemokratische Presse verschwieg die Unglücksfälle Die eine Arbeiterin hatte das Unglück, eine halbe Stunde vor Feierabend, 7,6 Uhr, mit der Hand in die Maschine zu kommen. Am nächsten Lohntage wurde ihr diese halbe Stunde vom Lohne abgezogen. Erst auf die energischen Vorstellungen des Arbeiterausschusses hin wurde der Verunglückten die halbe Stunde Arbeits­zeit nachvergütet. Eine solche Handlungsweise würde, wenn ein bürgerliches Unternehmen sich ihrer schuldig machte, von der sozialdemokratischen Presse in der be­kannten Hetzmanier gebran binarst werden. Ueber gleiche Vorfälle in sozialdemokratischen Betrieben wird ver- gebungsvoll der Schleier gedeckt. Und diese Seifen­fabrik sollte nach einem Ausspruche desGenossen" Elmein Stück Zukunftsstaat" sein. Ein netter Zu­kunftsstaat 1

- Erweitert werden sollen die Maßnahmen zur Hebung der wirtschaftlichen Verhältnisse der Eisenbahn­bediensteten nach einem Erlasse des Eisenbahnministers v. Breitenbach. Bisher war angeordnet worden, daß namentlich den Unterbeamten und Arbeitern Dienstland überlassen werde, auf dem sie Ackerbau, Obstbaum- und Bienenzucht treiben können. Jetzt werden die Bediensteten, insbesondere sotveit sie in ländlichen Bezirken wohnen, auf die wesentlichen Vorteile einer rationellen Kleinster- srasaaagrewBWKsse^giwEE^^ .......... ibtJHfbwwwmksjbbm

Schulden zu bezahlen, wenn das geschehen ist, dann bleibt Mutter und Tochter nur das Reisegeld bis zu der weit­entlegenen Stadt, in der sie fortan leben werden, und ein kleiner Ueberschuß für die erste Zeit ihrer Uebersie- delung.

Ich kann nicht mehr geben, gnädiges Fräulein," beteuert Spiegelberg,ich habe Ihnen geboten, was Ih­nen kein anderer bieten wird. Sie können wirklich nicht mehr verlangen."

Kaltblütig legt Nora die Perlenschnur mit dem Dia­mantenschloß in das rote Maroquin-Etui zurück und schloß es.Dann kann nichts aus dem Geschäft werden," sagte sie energisch,wir müssen es anberroeitig zum Ab­schluß bringen, da Sie uns nicht genug zahlen wollen."

Sie begann die Schmucksachen in die Ledertasche zu packen. DaS konnte der Händler nicht ruhig ansehen. Auf­geregt trat er vom linken auf den rechten Fuß, er lief im Zimmer umher und fuhr sich mit allen zehn Fingern durch die Haare.

Was fangen wir an, wir müssen das Geld haben," sagte die Freifrau leise zu ihrer Tochter.

Er wird zahlen," flüsterte Nora,er wird schon schwankend."

Immer höher bot Spiegelberg, er brannte auf den vorteilhaften Kauf, solch eine Gelegenheit bot sich nicht alle Tage. Lebhaft redete er auf Nora ein.So warten Sie doch noch," jammerte er, als das letzte blaue Sam­metetui mit dem Rubinreif in der Ledertasche verschwand, ich will noch ein letztes Wort sagen und Ihnen noch fünfzig Mark zulegen."

Das Schloß schnappte an der Tasche zu.

Nein, noch hundertundfünfzig dazu," lautete Noras feste Entgegnung.Komm, liebe Mutter."

Ich werde Ihnen geben, was Sie verlangen, legen Sie noch dieses Armband dazu," sagte Spiegelberg und heftete die Augen lüstern auf das schwere goldene Ket-

62. Jahrgang.

zucht, hauptsächlich der Ziegen- und Kaninchenzucht, Hmgewiesen. Den Bediensteten, welche bereit sind, dieser Anregung Folge zu leisten, wird der Beitritt zu Ver- etnen für die Zucht von Ziegen, Kaninchen und sonstigem Kleinvieh empfohlen. Zur Anregung und Belehrung sollen die Eisenbahndirektionen geeignete Zeitschriften beschaffen und in den Aufenthaltsräumen auslegen. Zur Unterstützung der genannten Bestrebungen sollen ferner in besonderen Fällen Beihilfen zur Anschaffung guter Zuchttiere, zur Herstellung zweckmäßiger Stallungen usw. gewährt werden. Bediensteten, die ein besonderes Interesse zeigen, wird zur Erleichterung des Besuchs von Fachausstellungen und Vorträgen Urlaub unter Bewilligung freier Fahrt bei den im Arbeitsverhält­nis stehenden Bediensteten auch unter Fortgewährung des Lohnes zugestanden werden, soweit das dienst­liche Interesse es gestattet. Die Amtsvorstände sind ersucht worden, den erwähnten Bestrebungen eine mög­lichst weitgehende Förderung angedeihen zu lassen und die ihnen unterstellten Bediensteten, insbesondere die Unterbeamten und Arbeiter, zu Versuchen anzuregen.

Der letzte Bericht der Fremdarbeiterzentrale ergibt, daß laut Ausweis der Legitimationskarte im letzten Jahr in der deutschen Landwirtschaft und In­dustrie 588 354 fremdländische Arbeiter beschäftigt waren. Dell größten Anteil an dieser Zahl haben die Polen mit 323 326 Arbeitern, es folgen die Ruthenen mit 82 092 Arbeitern, die Ungarn mit 23 209, die Italiener mit 39 672, Niederländer und Belgier mit 53 995 und Deutsche aus Rußland und Oesterreich mit rund 66 000. Den größten Anteil dieser fremdländischen Arbeiter verbraucht die Landwirtschaft. Das Verhält­nis ist folgendes:

Landwirtschaft Industrie Polen ..... 281 813 30 891

Ruthenen..... 47 190 29 340

Italiener..... 70 36 000

Eigenartig ist die Feststellung, daß die meisten land­wirtschaftlichen Arbeiter sich aus den Polen zusammen« setzen, und daß die Italiener durchweg Industriearbeiter sind, da die Anzahl von 70 landwirtschaftlichen nicht von Belang ist.

Ausland.

Unter dem Verdacht der Eisenbahnsabotage ist von der Polizei in Rouen der Erdarbeiter Gupot ver­haftet worden, der dringend verdächtig erscheint, den Anschlag auf den Schnellzug ParisHavre bei Pont tenarmband, das das junge Mädchen trug. ES war bei verstorbenen Vaters letztes Geschenk.

Einem Impulse folgend, streifte sie das Schmuckstück von dem feinen Gelenk, und hielt es Spiegelberg hin, eine Träne wollte emporquellen, aber ungeduldig schüt­telte sie das Haupt, und die weißen Zähne gruben sich tief in die rote Unterlippe. Hoch und stolz richtete sich die schlanke Mädchengestalt auf, nur die feinen Nasenflügel vibrierten.

Was tust Du, Kind?" rief die Freifrau.

Es muß sein," versetzte Nora ruhig.

Auch jetzt noch wollte Spiegelberg nicht den oev» langten Preis zahlen, da erinnerte er sich der Worte seiner Frau:Sei nicht allzu scharf mit dem Fräulein, sie ist eine gute Dame und gibt den Armen etwas."

Endlich war der Handel beendet, seufzend zählte Spie« gelberg die blauen Hundertmarkscheine und einige Gold­stücke auf den Tisch, dabei immer wieder versichernd, daß er rein gar nichts verdiene.

Mühsam erhebt sich die Freistau, fie wankt und muh sich auf den Arm der Tochter stützen.

Der Wucherer dienert unterwürfig und empfiehlt sich angelegentlichst für ähnliche Fälle.

Auf der Treppe unten steht Frau Spiegelberg, die ein gutmütiges Gesicht hat. Sie knixt verlegen und sagt: Leben Sie wohl, Frau Baronin, Gott mit Ihnen und Ihrem Fräulein Tochter."

Ich danke Ihnen," versetzt Nora freundlich -dann betreten die Damen die Winkelgasse, schwer stützt bt« Mutter sich auf ihres Kindes Arm.

Am anderen Tage sind sie abgereift.

Sie haben eine lange Nachtfahrt mit der Eisenbahn zurückzulegen. Noch einmal sind sie in Mittenhof gewe­sen und haben Abschied genommen von dem, was rhnen lieb und vertraut gewesen ist. Stilett auch von dem stillen Hügel, der sich seit wenig Wochen über dem Gat­ten und Vater wplht. 187,18*