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SchWernerMung

Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

Vierteljährliche Beilage:Unsere Heimat". Telefon Nr. 65.

mit amtlichem Areisblatt.

Telefon Nr. 65.

Erscheint Mittwoch und Samstag Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mt. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

M 48.

Samstag, den 17. Juni 1911.

62. Jahrgang.

Ehefrauen, versichert Euch weiter!

Leider machen viele Ehefrauen alsbald nach der Heirat von ihrem Rechte Gebrauch, sich die Hälfte der für sie vor der Ehe gezahlten Beiträge zur Invaliden­versicherung zurückzahlen zu lassen.

Es kann dagegen den Ehefrauen nur dringend geraten werden, das nicht zu tun, sondern statt dessen sich weiter zu versichern. Dies geschieht dadurch, daß sie innerhalb zweier Jahre von dem Ausstellungstage der gelben Quittungskarte an mindestens 20 Wochen- beiträgen irgend einer Lohnklasse in ihre Quittungs­karte einkleben. Bei Verwendung von Marken erster Lohnklasse beträgt dann die jährliche Ausgabe nur 1 Mark 40 Pfg. Werden dagegen mehr Beiträge und solche höherer Lohnklassen verwendet, so wachsen damit auch die Rechte der Versicherten bei Gewährung von Rente. Es darf aber niemals versäumt werden, die Karte alle zwei Jahre rechtzeitig umzutauschen.

Die aus der Weiterversicherung entspringenden Vor­teile, sowie die aus der Beitragserstattung sich ergeben­den Nachteile gehen aus folgendem hervor:

Vorteile der Weiterversicherung:

1. Im Falle einer vorübergehenden Erwerbsunfähig» keit hat die versicherte Ehefrau Anspruch auf Krankenrente vom Ablauf der 26. Krankenwoche an.

2. Im Falle einer dauernden Erwerbsunfähigkeit hat die versicherte Ehefrau Anspruch auf Invaliden­rente, die monatlich 10 bis 20 Mk betragen kann.

3. Die Versicherungsanstalt kann, wenn eine Ehefrau dergestalt erkrankt ist, daß als Folge der Krank­heit Erwerbsunfähigkeit zu besorgen ist, bei ihr ein Heilverfahren in einem Krankenhause oder in einer Heilstätte eintreten lassen, unter Gewährung einer Angehörigen-Unterstützung für die im Hause zurückbleibenden Angehörigen.

Nachteile der Beitragserstattung:

Die Ehefrau verliert

1. jeden Anspruch auf Rente.

2. Die Versicherung darf bei ihr kein Heilverfahren eintreten lassen. Die Ehefrauen, die sich die Bei­träge haben erstatten lassen, sind daher in Fällen von Krankheit, Erwerbsunfähigkeit und Alter ausschließlich auf ihre eigenen Mittel oder die ihrer Familie angewiesen und damit häufig Not und Sorgen ausgesetzt.

Da ferner die Summe, die einer Ehefrau erstattet wird, im Durchschnitt etwa 30 Mark, höchstens 50 bis

Aus eigener Kraft.

Roman von Nora Denkes. 46

Nun waren schon Wochen seit der Heimkehr verstri­chen. Aber wenn Frau Major Anders, ob an Seite ih­res Gatten oder inmitten der Zwillingsschwestern Anni und Minni Reiff auf der Straße oder Promenade sich blicken läßt, so wird sie immer noch angestaunt wie ein schönes Rätsel in Menschengestalt.

Das wunderbarste an ihr erschien den Leuten der ruhigzufriedene Gesichtsausdruck, der vor drei Jahren unter so erschütternden Umständen förmlich heimatsflüch- tig gewordenen jungen Frau. Außerdem hat sich Helene zur höchsten Schönheit entfaltet, die im Verein mit der im Odem des Weltlebens ungeeigneten vornehmen Si­cherheit die Augen der Gesellschaft Mühlenbergs in ho­hem Grade fesselt.

Mit den Angehörigen des Oberstleutnants Reifs ha­ben die Majorischen schon in der ersten Stunde ihrer Heimkehr Bekanntschaft geschlossen. Da sich diese lie­benswürdige Familie samt ihrer Dienerschaft den An­gekommenen für eventuelle Hilfeleistungen zur Verfü­gung gestellt hatte.

Einen anderen Verkehr als mit Römers und diesen Mitbewohnern suchen Helene und der Major einstweilen noch nicht, da letzterem das Gehen sehr schwer wurde und er froh sein mußte, wenn er auf den Stock gestützt, bis in seinen, von einem Stadtgärtner in Stand gehaltenen geliebten Garten humpeln konnte. Dort setzte er sich in der Fliederlaube in einen bequemen Gartenstuhl und Helene las ihm aus den zahlreichen guten Büchern, die sie aus Wien mitgebracht hatte, stundenlang vor.

Natürlich hatte er sein interessantes Bein gleich nach Eintreffen in Mühlenberg dem früheren Hausarzt Bunt­rock zur täglichen Kontrolle übergeben. Wie der alte Dok­tor sich über Helenes zufriedenes Gesicht wundern kann. Er, den diese unnatürliche aus der Verzweiflung einer

60 Mark beträgt, und sie mit der Erstattung die Anwartschaft auf ungleich wertvollere Vorteile aufgibt, so kann den Ehefrauen zur Erlangung dieser Vorteile und zur Abwendung obiger Nachteile nur dringend geraten werden:

1. Laßt Euch die Beiträge nicht erstatten!

2. Versichert Euch weiter!

3. Denkt daran, daß Ihr Gefahr lauft, die Anwart­schaft zu verlieren, wenn Ihr nicht während zweier Jahre nach dem auf der Quittungskarte verzeichneten Ausstellungstage wenigstens 20 Bei­tragswochen nachweist! Damit verliert Ihr die Möglichkeit, Rente zu erhalten, oder eines Heil­verfahrens teilhaftig zu werden.

Deutsches Reich.

Truppenübungsplatz Döberitz. Der Kaiser, welcher Mittwoch morgen um 5*/s Uhr vom Berliner Schloß im Kraftwagen abgefahren war, traf hier bald nach 6 Uhr ein, stieg zu Pferde und exerzierte die Gardekavalleriedivision. Bei der Gefechtsübung wurde eine feindliche Division dnrch das Kürassierregiment Nr. 6 bezeichnet. Schon um 7s/4 Uhr kam es zu einem Angriff zwischen beiden Divisionen. Während des Gefechts manövrierten zwei Militärflieger über dem Platz, welche auch entsprechend unter Feuer genommen wurden. Das Wetter ist trübe.

Am 18. Juni wird der PanzerkreuzerVon der Tann" in Vlissingen bereit liegen, um das Krön- Prinzenpaar zur Ueberfahrt nach England aufzunehmen. Wie lange der Aufenthalt des Kronprinzen in England dauern wird, hängt natürlich von der Ausdehnung der Krönungsfeierlichkeiten ab, an denen der Kronprinz bekanntlich als offizieller Vertreter des Deutschen Reiches teilnimmt. Doch rechnet man bestimmt damit, daß die Abreise von London am 23. oder 24. Jnni erfolgen kann. Das Kronprinzenpaar wird alsdann auf dem KreuzerVon der Tann" nach Kiel fahren, um an der Kieler Woche teilzunehmen.

Gedächtnisfeier für König Ludwig II. Aus Anlaß des 25jährigen Todestages Königs Ludwigs II. von Bayern fand am Dienstag in der St. Michaels­hofkirche in München ein Gottesdienst statt, dem sämt­liche Minister, die Spitzen der Zivil- und Militärbe­hörden und zahlreiche Privatpersonen beiwohnten. Der Prinzregent und die Mitglieder des Kgl. Hauses er­schienen bei einem Privatgottesdienst in der Allerheiligen­kirche. Die Kgl. Hoftheater blieben geschlossen.

Menschenseele hervorgegangene Verbindung damals in so schmerzliche Empörung versetzt hatte, daß er den Kol­legen Thielecke monatelang als Luft behandelt.

Es liegt mir auf der Brust, als müßte ich meinem toten Freunde einmal noch Rechenschaft ablegen in die­ser Sache. Ich hab an dem Kindchen, seit es den er­sten Schrei in die Welt getan hat, bis zur Stunde, wo es wie eine Rose erblüht ist, meine alten Augen gewei­det und mich mit dem Freund an dem schönentwickel­ten Wesen gefreut. Und jetzt soll ich das geschehen lassen. Wir Menschen sind eigentlich Schufte."

So hatte damals die alte, ehrliche Seele räfoniert, und jetzt schien alles gut zu sein. Helene hatte immer den hellsten Sonnenschein aus der Stirne, wenn sie um ihren hilfebedürftigen Gatten waltete und ein Bedürfnis nach Zerstreuung schien sie gar nicht zu kennen.

In der Dämmerstunde, wenn die Sonnenhitze des Tages gewichen war und weiche Kühle sich über die Erde breitete, da öffneten sich, wie allerorts, auch bei Anders die Fenster, um die blumengeschwängerte Abendfrische in die Stube einzulassen. Dann setzte sich Helene aus Klavier und musizierte. Töne reinster Schönheit erbrau­sten unter ihren kunstgeschulten Händen. Alle Fenster des Nachbarhauses füllten sich mit Lauschenden und auch die auf der Straße Auf- und Abgehenden horchten gespannt auf das schöne Spiel.

Allerdings sind die Menschen im allgemeinen keine großen Psychologen. Käme aber einmal so ein ernster, tiefer Seelenforscher und lauschte und lauschte .. Ob er aus dem Spiel nicht mehr heraushören würde, als ein harmonisches Zusammenklingen wohltönender Akkorde?

Was aus den Klängen spricht, das ist die Musik der eigenen Seele. Ein junges, schönes Weib von höchster Gefühlsfähigkeit, dabei geistig geschult das Leben in sei­nen feinsten Nüancierungen aufzufassen, nicht als eine Erscheinung des Zufallsj die man hinnimmt, schlicht und recht, ohne viel darüber nachzudenken, sondern als eine hohe Gabe, die man bewerten und verwerten muß im

Prinz Max von Baden will aus dem Militär­dienst ausscheiden. In militärischen Kreisen erhält sich hartnäckig das Gerücht, daß die Unterlassung des Be­suches des Prinzen Max von Baden beim Kaiser anläßlich der jüngsten Anwesenheit des Kaisers in Karlsruhe zum Entschluß des Prinzen, aus dem aktiven Militärdienst auszuscheiden, mit beigetragen hat. Es soll, wie man derFranks. Ztg." mitteilt, zu Meinungs­verschiedenheiten zwischen dem kommandierenten Generale des 14. (badischen) Armeekorps und dem ihm als Generalmajor und Brigadekommandeur militärisch unterstellten Prinzen gekommen sein. Der Kaiser habe vermittelnd dem Prinzen, der mit einer Tochter des Herzogs von Cumberland vermählt ist, ein Kommando gleichen Ranges in Berlin mit Aussicht auf baldige Beförderung angeboten. Der Wohnsitz in Berlin war aber unvereinbar mit dem Amte den Prinzen als Präsidenten der Ersten Kammer und würde ihn auch sonst dem Lande ferngehalten haben.

Staatssekretär v. Tirpitz ist in Wilhelmshaven zu Besichtigungszwecken eingelroffen. Nach dreitägigem Aufenthalt wird er über Helgoland nach Kiel reisen.

Das Kaiserliche Statistische Amt veröffentlicht zum zweiten Male eine Statistik der Inhaber-Schuld­verschreibungen der deutschen Stadt- und Landgemeinden sowie der größeren Selbstverwaltungskörper. Der Obli« gationenumlauf von 705 öffentlich-rechtlichen Schuldnern betrug Ende 1910 5684,32 Millionen Mark. Hiervon entfallen allein 4180,00 Millionen Mark auf die Stadt- und Landgemeinden. Vom Gesamtbetrage waren 4299,46 Millionen Mark an der Berliner Börse zu­gelassen.

Auslanö.

Der sechste internationale Kongreß für Frauen« stimmrecht ist in Stockholm in Anwesenheit von mehreren tausend Teilnehmern und Teilnehmerinnen aus allen Ländern Europas, den Vereinigten Staaten, Süd-Afrika und Australien eröffnet worden.

Bern. Das Gesetz betreffend die Kranken- und Unfallversicherung der Arbeiter ist vom Nationalrat mit 136 gegen 12 Stimmen, vom Ständerat einstimmig angenommen worden.

Wien. Erzherzog Karl Franz Josef hat sich mit der Prinzessin Jito von Bourbon-Parma verlobt, unmittelbar nach der Verlobungsfeier hat sich der glück­liche Bräutigam nach London begeben, nm den Kaiser Franz Josef bei den Krönnungsfeierlichkeiten zu vertreten.

möglichsten Ausmaß, ein solches Geschöpf sollte in die­ser eigentlichen Sprache des Gefühls nur den Meister sprechen lassen, der die Töne geboren hat? HeleneKlin- ger, die Helene Klinger, die neben der Frau Major An­ders ungesehen einhergeht, tritt aus ihrem Pseudonym, wenn ihre Hände über die Tasten gleiten. Aber natür­lich nur für den Psychologen. Das ist ungelöschter Durst, der soviel Sehnsucht in denVortrag legen kann. Es ist als wandle eine Einsame in einem rauschenden Garten unter Bäumen voll herrlicher Blüten und breite die Arme aus nach dem Schwebenden, verlangend,sehnsuchts­voll, doch zu hoch für Menschenhände leuchten sie auS dem dunkeln Laub .. sternenhoch, unerreichbar.

Auch der Major lauschte, immer ganz still auf einem Divan liegend, tief ergriffen auf das so viel echte Emp­findung verratende Spiel seiner jungen Frau. Traurige Gedanken, wie er sie früher nicht gekannt hatte, zogen dann durch seinen Sinn. Lastete dieser Ehebund doch zuweilen wie ein schweres Unrecht auf ihm? Quälten ihn Reuegefühle? Trotzdem der Dust und die Schönheit seines jungen Weibes gewiß nicht eindrucksloS vor sei­nen Augen leuchteten. Er hätte es doch nicht tun sol­len, doch nicht. Halb wahnsinnig vor Schmerz, wie He­lene damals war, hatte er ihr den Willen nicht lassen sollen. Aber der Mensch in ihm war vielleicht doch stär­ker als der wohlwollende Beschützer, und nun, wenn er sie so spielen hörte, dann folterte ihn eine Angst. Welch ein unverbrauchter Reichtum von Gefühlen sprach auS diesen Tönen: Herr Gott, wenn sie doch unglücklich wäre.

Und dabei wurde der arme Mann immer hinfälliger und unbrauchbarer .. ttotz des Ortswechsels.

Indem schön ausgestatteten Salon, wo Helene spielte, befanden sich auch noch zwei andere andächtige Zuhöre-» rinnen. Die beiden Backfischchen, Anni und Minni, sa­ßen in der Regel Hand in Hand auf einer mit einem schöngemusterten Teppich belegtenFensterbank und lausch­ten wortlos und großäugig den holden Tönen, als sä­hen sie mitten ins Paradies hinein. 182,18*