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Schlüchterner Zeitung

mit amtlichem Areisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

Telefon Nr. «5. Vierteljährliche Beilage:Unsere Heimat". Telefon Nr. «S.

Erscheint Mittwoch und Samstag Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mt. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

M 26.

Erstes Blatt.

Amtliches.

J.Nr. 504. K.-A. Der technische Aufsichtsbeamte von der Hessen-Nassauischen landwirtschaftlichen Berufs­genossenschaft wird Ende nächsten Monats mit einer stichprobenweisen Nachrevision hrzüglich der Durchführung der Unfallverhütungsvorschriften im hiesigen Kreise be­ginnen. Die Ortspolizeibehörden wollen dies mehrmals öffentlich bekannt machen lassen und außerdem die Landwirte bei jeder passenden Gelegenheit darauf Hin­weisen.

Schlüchtern, den 25. März 1911.

___Der Königliche Landrat. Valentiner.

Satzungs Nachtrag.

Betrifft: Ergänzung des Statuts der städtischen Sparkasse zu Schlüchtern vom 17. Juni 1902.

1. Die Sparkasse ist ermächtigt, mit Genehmigung des Herrn NegierungS-Präsidenten an Gemeinden, Kor­porationen und Eingesessene des Kassenbezirks einzelne Fächer ihrer hierfür eingerichteten Sicherheitsschränke zu vermieten unter den vom Magistrat festzusetzenden Be­dingungen. Die Gebühren für die Miete werden in festen Beträgen für 1 Jahr im Voraus erhoben.

Eine Haftung für die Beschaffenheit der Anlage, insbesondere für die Sicherheit der in den gemieteten Fächern von den Mietern aufbewahrten Werte gegen Feuer und Einbruchsdiebstahl übernimmt die Sparkasse nicht, sondern nur die Verpflichtung, bezüglich des Ver­schlusses und der Bewachung der Fächer in der gleichen Weise zu verfahren, wie dies bei der Aufbewahrung der Werte der Sparkasse geschieht.

2. Um vorübergehend verfügbare Bestände anzu- legen und nach Bedarf wieder abzuheben, sowie zur Beseitigung vorübergehenden Mangels an Barmitteln ist die Sparkasse ermächtigt, mit der Landeskreditkasse in Cassel in Kontokorrentverkehr zu treten.

Schlüchtern, den 29. November 1910.

Der Magistrat: Albrecht.

Nr. 340. Pr. B. Vorlage vorstehenden Entwurfs zur Ergänzung der Sparkassen-Satzung in der heute abgehaltenen Sitzung des Magistrats, zu welcher sämt­liche Mitglieder ordnungsmäßig geladen und in beschluß­fähiger Anzahl erschienen waren.

*MIMI ;gganaBtlgae^!MWCK^KMS3taHaa3HaC8g^^ Aus eigener Kraft.

Roman von Nora Denkes. 17

Lenchen hat den jungen Mann am Krankenbette des Vaters, von ihrem großen Schmerz erfüllt, kaum beach­tet. Sie wußte auch gar nicht, ob der neue Mieter, der jedenfalls in Anbetracht der ausgedehnten Praris des Verstorbenen, diese Wohnung gewählt hat, bereits ein- gezogen sei oder nicht. Hat sie doch die Stadt seit dem Tode des Vaters niemals, sondern iinmer nur den Fried­hof besucht, und zu diesem Zwecke nimmt sie den Weg durch die Hinterpforte des Gartens.

So ist das Mädchen bei dem plötzlichen Auftauchen des jungen Doktors, der bei den Mädchen aus Lenchens Kreisen unter dem Rainender schöne Artur" glänzt, ganz fassungslos. Zuerst denkt sie, als Evastochter, an ihr verweintes Gesicht. Dann schießt ihr plötzlich der Ge­danke ins Gehirn: wie wird er sich Dir gegenüber stel­len? Du bist ja jetzt ein armes Mädchen in einer Hof­wohnung.

Thielecke verbeugt sich natürlich ahnungslos und tut, als ob er, den der Zufall hierher gebracht hat, nicht schnell genug uinkehren könne, aber um Entschuldigung bitten muß er doch . . Verzeihung . . Verzeihung!" stam­melte er,es .. ich .. es war wirklich ganz unbeabsich­tigt, Fräulein Klinger, ich glaubte in dieser Hintergar- tenwildnis kein lebendes Wesen zu finden."

Lenchen fühlt sich sehr erleichtert, weil er sie so gar nicht alsarmes Mädchen" behandelt. Und dann . . sie hat jetzt schon wochenlang darauf vergessen, daß sie noch ein junges Menschenkind ist, mit dem Bedürfnis, noch ein wenig Sonne und Freude im Herzen.

Unwillkürlich versichert sie dem Doktor eifriger als gerade notwendig, daß er keiner Entschuldigung bedürfe. »Daß ich traurig bin und weinen muß, ist ja ganz na­türlich. Das aber tue ich am liebsten recht weit von den

Samstag, den 1. April 1911.

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Beschluß einstimmig : Der Nachtrag wird in der vorgelegten Form genehmigt.

Schlächtern, den 22. November 1910.

Der Magistrat: Albrecht.

Es wird hierdurch bescheinigt, daß der Entwurf zur Ergänzung der Sparkassen-Satzung in der Zeit vom 15. bis 30. Dezember 1910 nach vorheriger öffentlicher Bekanntmachung zur Einsichtnahme durch die Bürger auf dem Rathaus öffentlich ausgelegen hat und daß Einwendungen dagegen nicht erhoben worden sind.

Schüchtern, den 31. Dezember 1910.

Der Magistrat: Albrecht.

Nr. 16. Pr. B. Vorlage vorstehenden Entwurfes zur Ergänzung der Sparkassensatzung in der heute ab­gehaltenen Sitzung der Stadtverordnetenversammlung, zu welcher sämtliche Mitglieder ordnungsmäßig geladen und in beschlußfähiger Anzahl erschienen waren.

Beschluß: Der Nachtrag zu den Sparkassen- Satzungen wird einstimmig genehmigt.

Schlächtern, den 25. Januar 1911.

Der Stadtverordneten-Vorsteher: Leonh. Schäfer.

Der vorstehende Nachtrag wird auf Grund des § 52 des Zuständigkeitsgesetzes vom 1. August 1883 bestätigt.

Cassel, den 16. März 1911.

Nr. 2104. Der Ober-Präsident. J. V.: Dyes.

Wird veröffentlicht.

Schlächtern, den 30. März 1911.

J.-Nr. 1839. Der Magistrat: Albrecht.

Zu Bismarks Andenken.

(1. April.)

Er war für uns in schweren Zeiten

Der echte, rechte deutsche Mann.

Wie stand er, wenn es galt zu streiten,

Allzeit gewappnet auf dem Plan!

Sein scharfer Blick, an allen Orten

Fand er das Rechte allsogleich,

Und was wir sind durch ihn geworden

Ihm dankt's das neuerstandne Reich.

llnb wenn es einst nch tausend Jahren

Auf Erden deutsche Männer gibt,'

Sie werden treulich es bewahren,

Wie sehr sein Deutschland er geliebt.

Und wenn auf einem deutschen Throne

Einst noch ein deutscher Fürst regiert.

Er muß ihm, Deutschlands größtem Sohne,

Den Dank bewahrn, der ihm gebührt.

Menschen. Doch ist es durchaus nicht Ihre Pflicht, Herr Doktor, das zu wissen und zu berücksichtigen."

Aber ich bitte, Fräulein: nicht wissen, nicht berück­sichtigen. Wie können Sie das denken? Ich begreife und berücksichtige alles, und darum möchte ich Ihnen nur versichern, wie ich wirklich von Bewunderung erfüllt bin, für die tapfere Haltung, mit der Sie einem so schwe­ren Schicksal ins Auge sehen. Herr Major Anders hat mir nämlich viel von Ihnen gesprochen."

Lenchen wird blutrot, denn jetzt spielt er doch auf ihre Armut an, denkt sie und stammelt ganz verwirrt: Ach Gott, mit meiner Tapferkeit sieht es leider schmäh­lich aus." Und über ihre, nach langer Zeit wieder rot gewordenen Wangen tropfen auch schon aufs neue die Tränen.

Rein, Fräulein, nein. Weinen Sie doch, bitte, nicht so viel." Thielecke spricht es mit weicher, fast kindlicher Stimme, von plötzlichem Mitleid übermannt. Dabei hat er sich, ganz vergessend, daß er eigentlich gleich den Rück­zug antreten wollte, auf den Gartentisch gesetzt und seine schönen dunkeln Augen glänzen durch den goldgefaßten Kneifer so warm in Lenchens traurige Blicke.

Ich werde noch sehr viel, noch sehr lang vielleicht auch immer weinen," versichert diese überzeugungsvoll. Aber das Trostlose, Düstertraurige der letzten Wochen, ist diesem Augenblick doch genommen. Sie merkt seit dem Tode ihres Vaters zum ersten Mal wieder, daß die Blumen duften, der Himmel leuchtet und überhaupt ein herrlicher Sommer um sie herum webt und. blüht. Es ist das eine ganz außerordentliche Kraft, die in der Ju­gendzeit zwischen den Geschlechtern wirkt.

Was Sie glauben, Fräulein LencheniWasSie glau­ben!" entgegner Doktor Thielecke.Dafür hat die weise Natur gesorgt, daß bem nicht also ist. Wie würden wir Menschen überhaupt leben können, wenn die Zeit ihre ausgleichende Wirkung nicht täte? Vergessen? Nein! Man vergißt seine verlorenen Liehen überhaupt niemals. Aber der große Schmerz, der das erste Auseinandergerissen-

Darum ist auch in Süd und Norden

Des Deutschen Reichs, in Ost und West

Bismarks Geburtstag längst geworden

Ein deutsches nationales Fest.

Und Wahrheit ist es: Sein Gedächtnis

Ist dauernder als Erz und Stein,

Stets wird als seines Ruhms Vermächtnis Das Deutsche Reich sein Denkmal sein.________

Deutsches Reich.

Die Ankunft des Kaiserpaares in Korfu. Die

Hohenzollein" mit den Begleitschiffen ist gegen 12 Uhr nach sehr schöner Fahrt am Mittwoch vor Korfu ein­getroffen. Der Kaiser empfing an Bord die Spitzen Der Behörden. Später war Frühstücksiafel an Bord. Der Kaiser und die Kaiserin, sowie Prinzessin Viktoria Luise und das Gefolge begaben sich um 2 Uhr 30 Min. an Land und fuhren in Automobilen zum Achilleion. Die Majestäten wurden überall von der Bevölkerung mit Hochrufen und Händeklatschen herzlich begrüßt.

Das preußische Abgeordnetenhaus führte ant Montag die dritte Lesung des Etats zu Ende. Beim Kultusetat klagte der Abg. Dr. Schepp (fortsch. Vp.) über Maß­regelung freisinniger Lehrer wegen ihrer politischen Be- tätigung. Kultusminister v. Trott zu Solz erwiderte, daß die Lehrer für jede bürgerliche Partei sich politisch betätigen dürfen, aber es müsse nicht in heftiger Weise und nur mit der auch von anderen Beamten zu beobachtenden Reserve geschehen. Beim Eisenbahnetat wurde lediglich eine Reihe von Einzelwünschen geäußert. Beim Etat der Bauverwaltung wandte sich der Abg. v. Arnim Züsedom (kons.) scharf gegen die Stadt Hannover, die mit der Weigerung, einen Hafen für den Weser-Hannover-Kanal zu bauen, das ganze Projekt gefährde. Auch Eisenbahnminister o. Breitenbach wandte sich gegen diese Haltung Hannovers. Beim Justizetat brächte der Abg. Liebknecht (Soz.) wieder die Moabiler und Deutzer Krawalle zur Sprache und verlangte u. a. vom Justizminister, die Ermittlungen gegen die Moa- biter Polizeibeamten dem Polizeipräsidium abzunehmen. da der Präsident v. Jagow sich in seiner Kaiserge­burtstagsrede bereits urteilend über die Haltung der Scbutzmannschaft geäußert habe. Justizminister Dr. Beseler erwiderte, daß er auf die vom Vorredner kritisierten und noch nicht rechtskräftigen Urteile im Moabitet und Deutzer Prozeß nicht eingehen könne. Nach einer Rede des Abg. Boehmer (kons.) gegen die fortschrittliche Volkspartei wurde der Etat endgültig erledigt.

werden begleitet, heilt unter den Händen der Zeit ganz gewiß, denn sie ist nicht so ein armseliger Pfuscher wie wir menschlichen Aerzte."

Lenchen lächelt ein wenig. Ihre Augen sind in die Ferne gerichtet. Dann erhebt sie sich, das schwarze Woll- tuch zusammenziehend und verabschiedet sich mit freund- lichem Gruß von dem jungen Mann, der sie respektvoll an sich vorüber gehen läßt, ohne ihr seine Begleitung anzubieten, da sie es offenbar nicht wünscht.

Im Hause angekommen beginnt sie den Tisch für das Abendessen, das aus kaltem Aufschnitt und einer Schale Tee besteht, zu decken. Der Spirituskocher ist von der opfervollen Mama in Brand gesetzt worden und diese seufzt zufolge dieser Herkulesarbeit wie gewöhnlich in allen Tonarten. Lenchen schreitet, das Stetige zusam­mentragend, mit leichten, raschen Schritten hin und her. Nicht so mübe wie sonst; und für die Klagen der Mutter hat sie heute nur sanftberuhigende Worte, ohne immer mit dem Zurückdrängen der Tranen kämpfen zu muffen.

Ja, mein Miitterchen, nun es einmal so ist und nicht anders sein kann, müssen wir uns die Schatten­seiten unseres Lebens selbst zu erhellen suchen."

O Du mein Gott.. erhellen! Wo soll man das Licht hernehmen? Aus unsrem Leben? Aus unsren Herzen?" fragt die Mutter maßlos verwundert.

Sieh nur, Mama, wie schöne Butter uns die alte Julie eingekauft hat. Wenn ich jetzt für jede von unS eine Schnitte streiche und wir trinken eine Schale Tee dazu, wird es uns ganz behaglich im Magen."

Nachher setzen wir uns zusammen auf die Bank vor unsere Fenster, der Abend ist so wunderschön, und wir machen unsere Pläne, wie ich fleißig sein und schrecklich viel Geld verdienen soll, wenn ich einmal über dieses langweilige Leinwandstudium hinüber gekommen sein werde. Willst Du, Mutti?" 182,18*

Die Augen Frau Mathildes, die seit dem Tode deS Gatten noch viel tiefer in ihren Höhlen liegen, richten sich verwundert auf daS foplauberube Mädchen.