Schlüchterner Zeitung
Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Rataeber.
Vierteljährliche Beilage: „Unsere Heimat". Telefon Nr. «s.
mit amtlichem Kreisblatt,
Telefon Nr. 65
Erscheint Mittwoch und Samstag — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mt. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
24. Samstag, den 25. März 1911. 62. Jahrgang.
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Wer eine IMtim
Die im 62. Jahrgang erscheinende Schlüchterner Zeitung mit amtlichen! Kreisblatt ist mithin die älteste und verbreitendste Zeitung im Kreise Schlächtern und weit noch über denselben hinaus und finden Inserate in derselben wirksame Verbreitung.
daher in der Zustellung unserer Zeitung durch die Post beim bevorstehenden Quartalswechsel vermeiden will, der wolle dieselbe so bald wie möglich bei dem betreffenden PostanUe bestellen. Nur diejenigen auswärtigen Postabonnenten, welche bis spätestens 28. März unsere Zeitung wieder bestellt haben, können verlangen, " ---- ---------------daß ihnen unsere Zeitung vom 1. April ab pünktlich von der Post geliefert wird. Wer später bestellt, muß
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die Expedition der „Schlüchterner Zeitung".
Die hauswirtschaftliche Unterweisung der schulentlassenen weiblichen Jugend auf dem Lande.
Der Minister für Landwirtschaft, Domänen und Forsten hat an die Oberpräsidenten einen Runderlaß über die Bedeutung, den gegenwärtigen Stand und die Förderung der hauswirtschaftlichen Unterweisung der schulentlassenen weiblichen Jugend auf dem Lande gerichtet.
Nach den Ausführungen dieses Erlasses lassen sich bei den vorhandenen Veranstaltungen dieser Art vier Gruppen unterscheiden, nämlich wirtschaftliche Frauen- schulen auf dem Lande, landwirtschaftliche Haushaltungsschulen, landwirtschaftliche Wanderhaushaltungsschulen und hauswirtschaftliche Fortbildungskurse oder Mädchen- fortbildungsschulen. Der Erlaß führt aus, daß jede dieser Schularten ihre besonderen Ziele verfolgt und demgemäß je nach Lage der Verhältnisse die eine hier, die andere dort den Vorzug verdiene. Soweit es sich indessen um die dringend wünschenswerte Verbreitung hauswirtschaftlicher Kenntnisse unter den Töchtern und Frauen der weniger bemittelten Stände auf dem Lande handle, sei auf Grund der vorliegenden Erfahrungen namentlich aus dem Westen der Monarchie die Wander- Haushaltungsschule zur Zeit wohl als das geeignetste Unterrichtssystem an,zusprechen. Mit diesen wandernden Schulen werde es möglich die hauswirtschaftliche Aufklärung an die breite 9} lasse der ländlichen Bevölkerung heranzubringen. Selbst Mädchen aus einfachen und bescheidenen Verhältnissen werde es ermöglicht, in wenigen Wochen bequem und billig wenigstens das Wichtigste zu einer sachgemäßen Führung des Haushalts zu lernen. Den Wanderhaushaltungsschulen sei nicht nur eine große wirtschaftliche, sondern vor allem auch eine erhebliche soziale Bedeutung beizumessen. Als besonders geeignete Unternehmer dieser Schulen hätten sich die Kreiskommunalverbände erwiesen, da sie auch die zur gedeihlichen und ungestörten Wirksamkeit nötige finanzielle Leistungsfähigkeit besäßen. Neben
ihnen seien auch die Zweigvereine des Vaterländischen Frauenvereins auf diesem Gebiete mit Erfolg tätig gewesen, insbesondere, soweit sie mit den Kommunal- verbänden zusammenarbeiten konnten. Der Minister wünscht deshalb hinzuwirken, daß die Kreiskommunal- verbände allgemein die Einrichtung solcher Wanderhaushaltungsschulen übernehmen. Dadurch würde auch das räumliche Tätigkeitsgebiet einer solchen Schule, das weder zu klein noch zu groß sein dürfte, in glücklicher Weise begrenzt, zumal der Landkreis meist auch ein in sich wirtschaftlich einheitliches und abgeschlossenes Arbeitsgebiet bilde. Bei der Gestalmng und Beaufsichtigung des Unterrichts wünscht der Minister den Landwirlschaftskammern eine Mitwirkung einzuräumen, um damit eine gewisse Einheitlichkeit und Stetigkeit im Betriebe der Schulen eines Landesteils zu erreichen und ferner die für die Hausfrau auf dem Lande (im Gegensatz zur Stadt) unentbehrliche Unterweisung in landwirtschaftlichen Fächern sicherzustellen. Es sei hierzu nur kurz daran erinnert, daß der Hausfrau auf dem Lande neben der Hauswirtschaft im engeren Sinne meist auch die Sorge um Hühnerhof, Schweinehaltung, Milchwirtschaft und den Gartenbau obliegt.
Die Kosten der Einrichtung und Unterhaltung der Wanderhaushaltungsschulen seien von dem Träger des Unternehmens zu bestreiten. Bei aller Geneigtheit der Staatsregierung, die Ausgestaltung dieses Unterrichts- zweiges in weitgehendem Maße zu fördern, könne darüber kein Zweifel gelassen werden, daß die Errichiung und Unterhaltung der Schulen nicht Sache des Staates sei. Auch für ihre Unterstützung kämen nach § 14 des Dotationsgesetzes vom 8. Juli 1875 in erster Linie die Provinzialverbände in Betracht, die sich der ihnen gesetzlich Obliegenheit Verpflichtung nicht etwa in Anbetracht der Bereitwilligkeit des Staates, zu den Kosten beizutragen, entziehen dürfen. Die Staatsbei- hilfen sollen hauptsächlich nur zu den Unterhaltungskosten der Wanderhaushaltungsschulen gegeben werdcn; sie können nach Maßgabe des Bedürfnisses dem Träger
der Schule für jedes Jahr bewilligt werden. Ihre Höhe wird nach der Zahl der für ländliche Ortschaften abgehalieuen Kurse mit einer Mindestdauer von acht Wochen bemessen. Kurse, die in Ortschaften mit einer staatlich unterstützten Haushallungsschule mit festem Sitze abgehalten werden, bleiben hierbei außer Betracht. Die Staatsbeihilfe für den einzelnen Kursus kann 100 Mark betragen; sind Kreis- und andere Kommunalverbände Träger des Unternehmens, so können auch höhere Zuschüsse bewilligt werden. Zur erstmaligen Einrichtung von Wanderhaushaltungsschulen werden Staatsbeihilfen nur an weniger leistungsfähige Kreisverbände bewilligt. Eine Vorbedingung für die Gewährung der Staatsbeihilfen wird auch darin erblickt, daß bei Bestellung der weiblichen Lehrkräfte nach Möglichkeit auf die Gewinnung geprüfter Lehrerinnen der landwirtschaftlichen Haushaltungskunde oder wenigstens von Hauswirtschaftslehrerinnen, die unter Berücksichtigung der besonderen Bedürfnisse ländlicher Haushaltungen ausgebildet wurden, Bedacht genommen wird. Die Staatsbeihilfen müssen durch Vermittlung der Land rate beim Regierungspräsidenten beantragt werden, der die Anträge nach Anhörung der Landwirtschafts- kammer dem Minister vorlegt. lieber die Verwendung der vom letzteren bewilligten Beihilfen haben die Schulen am Jahresschlüsse dem Regierungspräsidenten nach Vorschrift Rechnung zu legen.
Deutsches Reich.
— Das Kaiserpaar traf am Donnerstag den 23. März, nachmittags 3 Uhr, von Kiel kommend in Berlin ein und reiste abends um 6.36 Uhr mit dem Sonderzug vom Bahnhof Friedrichstraße nach Wien ab. Die Ankunft auf Bahnhof Penzing erfolgte Freitag vormittags 11 Uhr. Kaiser Franz Josef war zum Empfang anwesend und geleitete seine Gäste nach Schloß Schönbrunn. Hier ist ein Aufenthalt von ungefähr 8 Stunden vorgesehen, nach welchem abends um 8.50 Uhr das Kaiserpaar von Hetzendorf seine
Aus eigener Kraft
Roman von Nora Deukes.
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Der Major fährt sich nach dieser Rede mit dem Ta- schentuch über die rotgewordene Stirne. Es ist gar schwer mit armen Reichen finanzielle Fragen so delikater Natur zu verhandeln.
Welcher Mensch steigt von dem Kothurn ferner gesellschaftlichen Stellung gern herunter? Und das geschieht, sobald er das Aeußere seiner Lebensführung vereinfacht. Denn die Vornehmheit präsentiert sich, für die große Masse doch hauptsächlich in einer mit Plüschmobeln und Smyruateppichen eingerichteten Zimmerreihe, in rammet- und Seidenkleidern und ganz besondersm üppigen Gastmählern.
Lenchens Augen füllen sich mit Wasser. Sie fühlt das gütigfeine seiner Handlungsweise und daß er der emp= findsamen Mama die Sache erleichtern will; und sie ist ihm so dankbar dafür. Mit wenigen Worten, aber warmem Gefühl äußert sie ihre Freude über das Entgegenkommen des gütigen Hausherrn. . .
Frau Klinger jedoch macht ein Gesicht, wie ein nach seiner Ansicht unverdient ausgescholtenes Kind. Das schnelle Eingehen des Majors auf ihren Antrag betreffs des Häuschens, hat ihren Hochmut richtig verletzt. Also er hält sich demnach schon für abgetakelte Größe. Er bätte unbedingt verwundert tun müssen, dann hatte sie ihr Bedürfnis nach Ruhe und Einsamkeit betonend, ihm von der Notwendigkeit, diese stille Wohnung zu mieten, überzeugen sollen. m ,
Major Anders aber und fein liebes Patchen mer en in der Freude über ihr herzliche-! Einverständnish das besonders auf Lenchen so tröstlich wirkt, nichts von Ma fort- Hub da mein armer, lieber Klinger, wahrend tur 1wp»"ä« Ä£ HiMM, mir mein lahmendes
Heldenbein immer in guten Stand gehalten hat, ohne sich diesen Freundschaftsdienst jemals belohnen zu lassen so fühle ich mich in so tiefer Schuld ihm gegenüber, daß ich bitten muß, mich einigermaßen zu entlasten und die Wohnung wenigstens während der nächsten Jahre als ihr freies Eigentum zu betrachten."
Frau Mathilde, die während der letzten Rede Anders immerfort nervös an dem zu weit gewordenen Trauring hernmgedreht hat, blickt den treumeinenden Freund nun mit der Miene einer entthronten Königin au und erklärt stolz: „Herr Major! Almosen nininn die Witwe Doktor Klingers nicht an."
„Aber, gnädige Frau, bitte, rch versichere Ihnen, daß .. daß ich es als reinen Gegendienst betrachte. Auf mein Wort! Sollten aber Frau Doktor..."
„Ach Mütterchen, ach Gott!" so flehte Lenchen mit zitternder Stimme. Wie versteht sie das wirklich noble Vorgehen des Majors und dagegen den kindlichtörichten Hochmut der Mutter. Was sie alles erdulden muß.
Herr Major, bitte, nicht kränken. Mama ist ja so nervös!" Und Tränen der Verzweiflung rinnen über die Wangen der Armen, die sich nicht zu helfen weiß.
„Nein, nein, mein Patchen, nein. Ich verstehe .. ver- stehe^chon alles.^o^ finb bös. Ach Gott, bitte, liebe Mama, nicht wahr, Du meinst es ja nicht so, sondern ..
Mein Kind, für meine Handlungen stehe ich ein .. und" auch für Deine, denn Du bist minberf übrig und einen andern Vormund hast Du noch nicht. Also, Herr- Major, ich bitte mir die Höhe der Miete zu nennen.
Vornehm und ritterlich verbeugt sich der Ängeredete vor der lächerlich hochmütigen Frau: »Also wenn Giia- dige so absolut keiner Freundeshand mehr bedursen, so will ich natürlich nicht lästig fallen. Jch werde sie über die Höhe des Betrages^schrhtllch verständigen. Ich emp- ^ZagÄ ^zurückblickeiid schlüpftLenchen dem sich Entfernenden doch nach. »Nun sind Sie so gekrankt und
böse?" Jammervoll hängen ihre Blicke an dem tiefernsten Gesicht des Paten Major, der ihre Hand mit seiner braunen Rechten umschließt. .
„Lassen Sie mich gehen, ich bin schon halb hinüber. Ihnen zu liebe werde ich halt normal kräftig schlucken. Zwischen uns soll es gut bleiben. Immer gut. Ich wäre ja ein schlechter Kerl, wenn ich Sie es entgelten ließe, arines Mäuserl."
Ueber Lenchens Gesicht huschte plötzlich ein kleiner Sonnenstrahl.
„Ja mein Kind, ich bin Ihr Freund, daran denken
Sie in allen Fällen."
„O Dank, viel, viel Dank! Nun ist mir schon wieder ein menig froher. Und .. bitte! Wirklich Mama ist jetzt so aufgeregt. .." ... „ „
„Weiß ich, weiß ich. Es ist traurig genug .. fur Sre. Na. na! Au revoir! Wir sprechen später mal mehr über alles "
Wie Lenchen wieder ins Speisezimmer tritt, findet st« ihre Mutter händeringend aus demDivan liegen.
„Bin ich eine unglückliche Frau! Habe ich verdient so unglücklich zu sein? Kind, Kind, hilf mir, es ist so schrecklich!" „ „„
„Mama.fehltDir etwas? Hast Du wieder Migräne ?
* Ach wäre es das, aber es ist viel schrecklicher.
soll mich demütigen lassen, soll Almosen annehmen .. und daß ich es nicht kann .. ihr verurteilt mich noch. Auch Du, ich weiß es wohl, aber bedenk doch, \£. jm» mer in den glänzendsten Berhaltinsfin habe ich gelebt und jetzt soll ich plötzlich entbehren, Not leiden, von 21U '"o'Iber,"liebe Mama, ich bedaure Dich doch, gewiß'. Aber muß ich nicht auch dasselbe leiden? Und undank« bar dürfen wir darum nicht fein. Undank ist häßlich.
Onkel Römers Unterbanblungen mit den Gläubigern der Klingerschen Erben haben also richtig den Er« folg gehabt, daß das gepfändeteMobilar durch die Eigen« tümerin verkauft werden darf. 162,18*