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chlüchternerMung

Monatsbeitage: Landwirtschaftlicher Ratgeder.

mit amtlichem Kreisblatt

Telefon Nr 65.

Vierteljährliche Beilage:Unsere Heimat".

Telefon Nr. 65.

Erscheint Mittwoch und Samstag Preis mitKreisblatt" vterteljährlich 1 Mk Anzeigen kosten du kleine ^etlt oder deren Raum iu 'Wfg.

M 14.

Samstag, den 18. Februar 1911.

62. Jahrgang.

Amtliches.

J.-Nr. 615. K.-A. Die Bullen-Körungstermine für 1911 werden wie folgt festgesetzt:

am 4. März in Schlächtern.

, 6. Mai in Sterbfritz

8. Juli in

9. September in Steinau

25. November in Schlächtern

Schlächtern, den 10. Februar 1911.

Der Königliche Landrat. Valentiner.

Deutsches Reich.

Der Kaiser hat eine dreitägige fieberhafte Grippe überstanden. Die letzte Nacht war gut. Die Besei­tigung der katarrhalischen Erscheinungen wird noch eine Reihe von Tagen erfordern.

Deutschlands Steuer- und Wehrkraft. Pro Kopf der Bevölkerung verausgabt Deutschland 18.45 M., Frankreich 25.15 M., Großbritannien 29.23 M. Die gesamten Steuern betragen pro Kopf in Deutsch» land 48.47 M., in Amerika 70,80 M, Frankreich 82.70 M., Großbritannien 95,80 M.

Der Reichtag behandelt am Sonnabend die konservative Interpellation gegen die Ueberschwemmung des deutschen Geldmarktes mit ausländischen Wert­papieren, die vom Abg. Graf Kanitz (kons.) begründet wurde. Staatssekretär Dr. Delbrück lehnte in seiner Beantwortung ein allgemeines Verbot, inländisches Kapital in ausländischen Werten anzulegen, als einen Versuch mit untauglichen Mitteln ab, sprach sich aber gegen die Anlage deutschen Kapitals in ausländischen Werten aus, die den Bedarf unserer Industrie schädigen könnte, und bezeichnete es als richtig unter dieser Voraussetzung einer Kapitalsausfuhr gewisse Schranken aufzuerlegen. Die sich anschließende Debatte führte zu keinem praktischen Resultat. Am Montag begann mit dem Marineetat die zweite Lesung des Etats. Abg. Erzberger (Z) spendete in langer Rede der Ma­rineverwaltung reiches Lob. Auch der Abg. Dröscher (kons.) lobte die Sparsamkeit der Marineverwaltung, nur dürfe die Berufsfreudigkeit unserer Marine nicht darunter leiden. Staatssekretär v. Tirpitz gab seiner Genugtuung über den Verlauf unserer Flottenpolitik Ausdruck. Er versicherte, daß unsere Flotte niemals für aggressive Zwecke bestimmt war. Dann gab er weitere Aufklärungen über die Lehren, welche die Marineverwaltung aus dem Unglücksfall des Unter­

seebootsU 3" gezogen hat, und verieidigie die Ret­tungsarbeiten gegen vereinzelte Angriffe in der Presse an der Hand eines Berichts des Admirals Schröder an den Kaiser. Die plumpen Angriffe des Abg. Ledebour (Soz.) auf den Prinzen Heinrich wies Staats­sekretär v. Tirpitz engergisch und nachdrücklichst zurück.

Das preußische Abgeordnetenhaus nahm am Sonnabend zunächst die Vorlage über Wohnungsfür­sorge für die Eisenbahnarbeiter und kleinen Staats­beamten in erster und zweiter Lesung an. Die Debatte bewegte sich hauptsächlich um die von verschiedenen Seiten erhobene Forderung, daß nur kleine Wohnungen der Förderung durch den Staat teilhaftig werden sollen. Bei der Beratung des Gesetzentwurfs, nach dem eine Anleihe zur Erweiterung der staatlichen Bergwerke ausgenommen werden soll, erklärte Handels­minister v. Sydow, daß nur das Bestehende erhalten bleiben soll. Der Gesetzentwurf wurde der Budget- tommiffion überwiesen. Hierauf wurde mit der zweiten Lesung des Etats des Innern begonnen, und beim TitelStrafanstaltsverwaltung" wurde wieder das alte Lied von der Konkurrenz der Gefangenenarbeit angestimmt. Am Montag gab es zunächst eine Geschäftsordnungsdebatte. In der darauf folgenden Etatsdebatte wurde von verschiedenen Seiten die Kaiser-Geburtstagsrede des Berliner Polizeipräsidenten v. Jagow kritisiert, den der Minister des Inneren in Schutz nahm, auch das Vorgehen des Landrats von Grimmen und die Angelegenheit dis Tapiauer Bürger­meisters kam zur Sprache. Der Abg. Hirsch (Soz.) holte sich dann in seiner Dauerrede noch einen nach­träglichen Ordnungsruf des Präsidenten v. Kröcher.

Der Kommandierende General des 6. Armee­korps, General der Infanterie v. Woyrsch ist, wie die Schlesische Zeitung meldet, durch Allerhöchste Kabinetts­order vom 9. Februar in Genehmigung seines Ab­schiedsgesuches unter Verleihung des Schwarzen Adler­ordens zur Disposition gestellt worden.

Zum Kommandierenden General des 6. Armee­korps ist der Kommandeur der 17. Division General­leutnant v. Prißelwitz ernannt worden.

Für das Kaisermanöver in 1911, das sich an der Küste abspielen wird, wird eine Nordarmee aus dem 2. (pommerschen) und 9. (schleswig-holsteinischen) Armeekorps zusammengesetzt in Verbindung mit einer Landungsabteilung der Flotte unter dem Oberbefehl des Generalobersten Prinzen Friedrich Leopold von Preußen und aus einer Südarmee, die aus dem aus

der Garde zu bildenden 20. Armeekorps, dessen Führer der Generaloberst von Kessel werden dürfte, bestehen wird.

Auf Präsentation der Stadt Dortmund wurde durch allerhöchsten Erlaß der Oberbürgermeister von Dortmund, Dr. Eichhoff, auf Lebzeiten ins Herrenhaus berufen.

Berlin. Aus Deutsch Südwestafrika wird amt­lich gemeldet, daß nach einer Mitteilung der englischen Grenzpolizei ein Teil der Simon Coppe-Leute bei Pela und Ramanstrift die deutsche Grenze zu überschreiten versuchten. Der Polizeiposten hörte am Abend des 7. Gewehrfeuer. Da auf deutschem Gebiet bewaffnete Banden festgestellt und sämtliche Eingeborene und Vieh­wächter in der Gegend von Steinkoop verschwunden sind, wurde der Komandeur des Südbezirks angewiesen, die Banden engergisch zu verfolgen und die Bondels zu überwachen. Eine Verbindung zwischen den Simon Copper,Leuten und den Bondels bei Steinkoop erscheint nicht ausgeschlossen.

Ausland.

Aus Innsbruck wird die Verhaftung von 2 gefährlichen Anarchisten gemeldet, die nach Verübung mehrfacher strafbarer Handlungen aus Meran ent­flohen waren. Bei der Gerich'sbehörde in Meran hatte man sichere Beweise dafür gesammelt, daß beide auf Kosten und Rechnung einer geheimen Gesellschaft sich von Meran nach Italien begeben wollten, um ein Attentat auf den König zu versuchen. Es gelang jedoch, den einen Anarchisten, Franz Zarel, in Bozen, den anderen, August Doleschal, in Riwn zu verhaften.

Wegen der gefahrdrohenden Zunahme der Maul- und Klauenseuche in der Schweiz und in den benach­barten Gegenden des Deutschen Reichs hat das eidge­nössische Landwirtschafts-Departement die Einfuhr von Klauenvieh über.die schweizerisch-deutsche Grenze auf Schlachtviehtransporte beschränkt, die mit besonderer Bewilligung des Landwirtschafts-Departenients mit der Eisenbahn eingehen. Jeder andere Verkehr ist ver­boten. Im engeren Grenzverkehr erstreckt sich das Verbot auch auf die Einfuhr von Heu, Stroh, Streue und Mist.

Gegen den wucherischen Ankauf von Lebens- mitteln will jetzt die französische Regierung vorgehen. Der französische Ministerrat beschloß, in der Kammer eine Nouvelle zum Strafgesetzbuch einzubringen zur Unterdrückung wucherischen Ankaufs von Lebensmitteln.

Aus eigener Kraft.

Roman von Nora Denkes. 1

(Nachdruck nicht gestattet.)

Nur dem Boden eines siebenbürgisch-sächsischen Städ­tchens wachsen die Begebenheiten dieser Erzählung her­vor. Möge sich der freundliche Leser dasjenige unserer städ­tischen Gemeinwesen auswählen, das ihm hierfür am be­sten geeignet erscheint. Ich will es mit dem Namen Müh- lenberg bezeichnen und in ein liebliches Tal, zwischen eichenbewachsenen Höhen, einbetten. Duftige Obstgärten umrahmen außerdem noch den etwa 12000 Einwohner zählenden Ort, dessen Gassen teilweise von neuen, nach modernem Stil erbauten Häusern, teils aber noch von altertümlichen Bauwerken eingefaßt erscheinen. Auch er- blicktman in den Hauptgassen und auf dem weiten Markt­platz, in dessen Mitte das altehrwürdige Gotteshaus steht, ausschließlich einstöckige Gebäude.

Anders steht es in den Nebengassen aus, wo der Parterrebau, das Familienhaus am häufigsten zu fin­den ist. Da bilden prächtige, mit herrlich blühenden Ro- Kenstöcken in üppig grünen Rosenbeeten bepflanzte Blu- «nengärten den Vorplatz zu den Häusern, die, auch hier -verschieden, teilweise architektonisch reich geschmückt er­scheinen. An den hohen Spiegelfenstern dieser modernen 'Häuser rauschen kostbare Gardinen im Morgenwind, und dunkelgrüne Büsche und Sträucher verschlingen sich in den Gärten zu kühlen, lauschigen Ruheplätzchen für die glücklichen Bewohner dieser prunkhaften Wohnstätten.

In ein solches vornehmes, jedoch einstöckiges Haus will ich den Beginn meiner Erzählung verlegen. Es steht gerade am Ende einer aus dem Zentrum der Stadt auslaufenden Nebengassen, die eine schöne Aussicht auf Felder und Höhen gewährt. Sein Besitzer, Ludolf An­ders, Major im Ruhestande, ist ein fünfundsechzigjähri- ger Herr, dessen noch stattliche Erscheinung durch die Tapferkeitsmedaille auf der Brust gehoben wird. Anders

hat sich diese sowie ein steifes, für den Truppendienst untaugliches Bein noch während der Okkupation Bos­niens erworben.

Der Major ist unverheiratet; dabei ein vermögen­der Mann, der den oberen, mit vielem Komfort einge­richteten Trakt ganz allein bewohnt. Er hat das Haus nach dem Tode seiner Eltern in Besitz bekommen, da seine einzige Schwester sich mit einem Wiener Geschäfts­mann verheiratet und die Heimat verlassen hatte. Es war dies ein sehnlicher Wunsch der Mutter, die auch der Hauptstadt Oesterreichs entstammte. Der Vater der bei­den Geschwister, Finanzrat Anders, war ein gebürtiger Mühlenberger. Sehr viel Fleiß, aber auch viel Geld- verwendet Major Anders auf seinen großen, parkartig angelegten Garten, der eigentlich den ganzen, das Haus umgebenden Grund ausfüllt, und daß der vordere Teil für Blumen und allerlei Arten blühenden Sträucher be­stimmt ist, während der rückwärtige Teil nach den ver­schiedenen Lauben und Laubgängen in eine Obstpflan­zung übergeht.

Das Auftreten des pensionierten Herrn ist, trotz sei­ner Vorliebe für bequemeHausröcke, außerordentlich vvr- uehm und ritterlich, insbesondere Damen gegenüber von einer Zuvorkommenheit, die ihn in den Städtchen sehr beliebt macht. Der Lieblingsaufenthalt Anders ist auf einer rückwärts befindlichen und gegen die Berge aus- schauenden Glasveranda. Eine wahre Paradiesesfülle herrlicher Blumen und Blattpflanzen leuchtet und grünt von Stellagen und Blumentischen. Elegante Garten­stühle aus Rohrstäben zusammengefügt und mit Stick­arbeiten verziert winken, anmutigverteilt, zum Ausruh'n, während auf dem, neben einem bequemen Sofa stehen­den Marmortischchen, verschiedene Zeitschriften und Bü­cher die behagliche Stimmung des Eigentümers dieses Buen Retiro" zu erhöhen trachten.

Auch das Erdgeschoß des Hauses ist dem ganzen in jeder Einzelheit mustergiltig vornehmen Bau vollkommen

angevant. Türen und Fenster mächtig, hochragend, als ob die Menschheit ihrem Bedürfnis nach Licht und Luft nimmer zu genügen vermöchte. Und doch sind diese rie­sigen Oessnungen von Fenstern, durch die ein preußischer Grenadier ganz bequem hindurchspazieren könnte, ohne sich zu bückeir, mit so schweren, lichtundurchlässigen Vor­hängen verhüllt, daß die Sonnenstrahlen mit großer Mühe ein Spältchen finden, hindurchzuschlüpfen, um sich ein wenig in den teppichbelegten Parkettfußböden zu spiegeln.

Die Bewohner dieses üppigen Nestes liegen noch in festem Schlaf, trotzdem die Uhr auf dem alten Kirchturm die siebente Stunde verkündet hat. Auch der Kipfelbub, der das Morgengebäck abzuliefern kommt, schlürfte leise auf seinen Pantoffeln über den feinen Kies deS auf bei­den Seiten mit einem Drahtgitter begrenzten Eingan­ges zu der Wohnung des praktischen ArzteS Dr. Martin Klinger.

Dr. Klinger hat sich schon als lediger, seine ärztliche Tätigkeit beginnender Mann im Andersschen Hause ein­gemietet, das damals allerdings noch des Majors El­tern gehörte und nicht in dem gegenwärtigen Zustande war. Denn seither sind nun schon zwanzig Jahre und da­rüber vergangen. Der Doktor blieb auch nach seiner Ver- Heiratung mit der Tochter eines hohen Beamten in der Wohnung, da Anders der jungen, anspruchsvollen Frau einen völlig zeitgemäßen Umbau in Aussicht stellte. Da­mals lebte noch der alte Papa, und Frau MathildeKlin- ger siedelte während der Umgestaltung des alten BaueS in ein modernes Heim mit ihrem einjährigen Töchter- chen zum Vater, einem Witwer, über. Nur ihr Gatte ver­blieb in seinen Ordinationsräumen, die, ganz rückwärts und abgesondert gelegen, unangetastet blieben.

Seither lebt die Familie ungestört in dem prächtigen Hause und gehört, da Doktor Klingers ausgebreitete Praris die Mittel gesellschaftlich zu repräsentieren reich­lich gestattet, zu den Angesehendste» der Stadt. 182,18