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SchWernerMtung

mit amtlichem Rreisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

Telefon Nr. 65 Vierteljährliche Beilage:Unsere Heimat". Telefon Nr. es

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 1U Pfg.

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Mittwoch, den 8. Februar 1911.

62. Jchrgang

Die Annahme der Wechuwachssteuer.

Am letzten Mittwoch hat der Reichstag mit großer Mehrheit die Wertzuwachssteuer in der Schlußab­stimmung angenommen. Die Majorität war diesmal nicht dieselbe wie bei der Finanzreform; nicht der sogenannte schwarz-blaue Block, sondern sie setzte sich aus allen bürgerlichen Parteien zusammen. Für das Gesetz stimmten nationale und wirtschaftliche Vereinigung geschlossen, Konservative und Reichspartei mit wenigen Ausnahmen, die Mehrheit des Zentrums und ein Teil der Fortschrittlichen Volkspartei, dagegen die Minderheit des Zentrums, ein anderer Teil der Fortschrittlichen Volkspartei, einzelne Abgeordnete der Rechten und die Sozialdemokraten; die Polen enthielten sich der Ab­stimmung.

Die Wertzuwachssteuer beruht bekanntlich auf der Initiative des Reichstages, auf einer einstimmig an­genommenen Resolution in der Finanzkommission, die Verbündeten Regierungen um Vorlegung eines Wert­zuwachssteuergesetzes zu ersuchen. Trotz dieses ein­stimmigen Beschlusses hat die Durchdringung der Vorlage noch langwierige Verhandlungen und ziemlich heftige Jnteressenkümpfe gekostet. Die Schwierigkeit, den verdienten und unverdienten Wertzuwachs auseinanderzu- schälen, bot eine bequeme Handhabe für alle möglichen.Ver- besserungs- oder Verschlechterungsversuche, und das Gesetz ist denn auch nicht ganz ohne Schaden aus der immer erneuten Siebung herausgekommen. Der Wunsch, die einzelnen Interessen, seien es landwirtschaftliche, seien es gewerbliche, zu berücksichtigen, den Forderungen der Weinbauer, der Kappes-Bauern der Bauhand­werker, der Festungsstädle und, was sich sonst noch an Interessenten hervortat, Rechnung zu tragen, hat zu manchen bedauerlichen Abschwächungen geführt. Immer­hin bedeutet das Gesetz einen wesentlichen und bedeut­samen Schritt in der Fortentwicklung unserer Reichs­besteuerung, namentlich dadurch, daß hier eine Steuer auf den Besitz geschaffen ist, die ohne in die Rechte der Einzelstaaten einzugreisen, einer weiteren Entwicklung fähig ist.

Der Gedanke, den unverdienten Wertzuwachs in Grund und Boden zu besteuern, ist noch nicht alt, er hat zum erstenmal in Frankfurt a. M. 1904 seinen Ausdruck gefunden, sodann 1909/1910 in der englischen Gesetzgebung, und nunmehr wird ihm auch in den Finanzen des Deutschen Reiches sein bleibender Platz angewiesen. Erst im Laufe der Jahre wird sich heraus-

Segen der Arbeit

Roman von Klara Hellmuth.

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Lorchen war in vollem Jubel. Sie war schon klug genug, um zu fühlen, daß sie der Mittelpunkt der Gesell­schaft" sei, daß der große Onkel alles Erdenkliche aufbot, um sie zu amüsieren. Er trug und führte den kleinen Gast unermüdlich umher zu Hühnern und Tauben, zu dem Wauwau" in seiner Hütte und zu den bewundertenHot- tehühS" im Stalle.

Er war freilich immer kinderlieb gewesen, aber er dachte in seinem Eifer gar nicht darüber nach, weshalb er gerade dies Kind besonders anziehend und dies Aerm- chen besonders weich und niedlich fand, als es sich zutrau­lich um seinen Nacken legte.

Und dann sah er, daß auch die Mutter sich in seinem Heim wohlfühlte, daß es ihr Vergnügen machte, wieder einmal Einblicke in das Getriebe einer ländlichen Wirt­schaft zu tun. Weshalb hätte er ihr also dies kleine Ver­gnügen nicht bereiten sollen, ihr, die schon so viel Schwe­res erfahren hatte? Dann und wann glaubte er unter der Hülle von Bitterkeit und Frivolität, mit der das Le­ben sie umgeben hatte, die alte Erna wieder heroorkom- anen zu sehen. Es war einstweilen immer nur noch wie ein flüchtiges Auftauchen, aber es machte ihm dennoch eine ganz sonderbare Freude.

In dem Maße wie sie sich bemühte, ihm zu gefallen, wurden ihre Urteile über Welt und Menschen milder, ihr ganzes Wesen ruhiger unb sanfter.

Die Auerbach wird wirklich zusehends liebenswürdi­ger," sagten die Steinbrücker, und mancher, der anfangs nur die reiche Witwe in ihr gesehen, bemühte sich um ihrer selbst willen um ihre Gunst nur der eine, den allein sie anzuziehen wünschte, blieb immer gleich ruhig und unerschütterlich.Wenigstens nach außen hin. Er hätte ja I blind ynb tMp seist müssen, wenn er ihr EntgeAenkom-

stellen, wie er diesen Platz auszufüllen vermag. Schon jetzt wird man mit Sicherheit sagen können, daß die Steuer in den ersten Jahren nur geringe Erträge bringen wird, weil es eine geraume Zeit dauert, bis die Veranlagung durchgeführt ist Die Erfahrungen der Gemeinden beweisen aber, daß es sich um eine Abgabe handelt, die im Laufe der Jahre, besonders beim Aussteigen der Konjunktur, einer guten Ent­wickelung fähig ist. Möge es sich auch bei der Reichs­steuer bewähren und sie einen Teil dazu beitragen, die Wiederkehr der Finanznot früherer Zeiten zu verhindern.

Deutsches Reich.

Das preußische Abgeordnetenhaus erledigte am Freitag den Gesetzentwurf über die Abänderung der Landgemeindeordnung für die Provinz Hannover in dritter Lesung und setzte dann die Beratung des Justiz­etats fort. Justizminister Dr. Beseler lehnte es gleich dem Abg. Poltasohn (fortschr. Vp.) ab, auf die Fragen der Strafprozeßordnung einzugehen, da sie ja demnächst im Reichstag erörtert werden. Im übrigen bestritt er, daß es den preußischen Richtern an Objek­tivität mangele, und erklärte, daß in seinem Ressort Arreststrafen nicht mehr vorkommen. Er teilte mit, daß über die Frage der Vermehrung der Amtsanwalt­schaften Beratungen gepflogen werden sollen, und daß die Frage der Ausdehnung der Haftpflicht auf die Lehrer noch Gegenstand der Erörterung sei. Schließlich brächte Abg. Dr. Liebknecht (Soz.) in einer endlosen Rede eine Menge Klagen über die Klassenjustiz, die allzureichliche Verhängung von Ordnungsstrafen und die Härte vieler Urteilssprüche vor, wobei er zahlreiche Einzelfülle anführte, und zwar in einer Weise, daß er vom Präsidenten zweimal zur Ordnung gerufen werden mußte.

Ein Entwurf, betreffend die Bewilligung weiterer Staatsmittel zur Verbesserung der Wohnungsvechält- nisse von Arbeitern, die in staatlichen Betrieben be­schäftigt sind, und von gering besoldeten Staatsbeamten, ist dem preußischen Abgeordnetenhause zugegangen. Der Entwurf stellt weitere 12 Millionen Mark zur Verfügung, die durch eine Anleihe zu decken sind. Durch die bisherigen zwölf Gesetze sind für die bezeich neten Zwecke bisher insgesamt 132 Millionen Mark zur Verfügung gestellt worden. Diese Beträge find im wesentlichen festgelegt, über den noch vorhandenen Restbestand ist zum größten Teile schon verfügt worden.

men nicht bemerkt hätte, aber je mehr sein eigenes Herz ihn zu ihr zog, um so fester blieb er bei seinemNein". Ich kann nicht, ich darf nicht," sagte er sich immer wie­der,und es würde auch nichts Gutes daraus entstehen. Nein, es muß zwischen uns bleiben wie es ist."

Aber die Wochen gingen hin und taten ihr stilles Werk in einer Weise, die Auerbachs ganze Befriedigung erregt haben würde. Es kam wahrhaftig genau nach seiner Be­rechnung.

Wie sie zappeln wird," hatte er mit cynischem Lä­cheln gedacht, als ihm in einer schmerzvollen und schlaflo- sen Nacht der Einfall gekommen war, zu testieren, wie er es getan.Wie sie zappeln wird und er nicht min­der. Ha ha ha. Aber ich habe sie gut fest gelegt; eine gol­dene Kette reißt nicht so leicht. WaS sie auch tut, un­glücklich wird sie immer werden und an mich denken wird sie auch, meine schöne Erna, 's doch hübsch, sich zu sagen, daß man nicht vergessen werden wird."

Und endlich kam ein Tag, an dem Fedor fühlte, daß eS so nicht weitergehen könne, an dem er die Villa Auer­bach betrat mit einem Vorsatz, der ihn harte Kämpfe ge­kostet, deffen Ausführung aber als unvermeidlich erkannt hatte. Es war ein schwerer Gang, aber es mußte sein. Er war eS sich selbst schuldig und noch mehr Erna, denn er wußte, daß sich schon hier und da freundschaftliche Zun­gen bemüßigt gefunden hatten, das Verhältnis der jun- gen Witwe zu dem immerhin auch noch jugendlichen Vor­mund durch die Hechel zu ziehen.

Er traf Erna in ihrem kleinen Zimmer, neben ihr spielte Lorchen mit einem Schäfchen. Sie zog eS am Bande hin und her und schwatzte und lallte dazu in langgezo- aenen träumerischen Kindertönen. Mutter und Kind bo- ten ein allerliebstes Bild und der Besucher sah allzudeut- sich, wie hübsche« sei, aber seinen Entschluß durste es den- noch nicht wankend machen.

- Sobald die Kleist« Busch erblickte, ließ sie ihr Schäfchen

Das Bedürfnis nach Fortsetzung des segensreichen Werkes besteht in demselben Umfange wie bisher weiter.

Der neue Minister für Landwirtschaft, Herr v. Schorlemer, hat sich in kurzer Zeit bei allen Fraktionen des Hauses der Abgeordneten ein Ansehen erworben, wie seit Jahren noch keiner seiner früheren Kollegen. Er ist nicht nur eine Autorität in der Landwirtschaft, sondern auch auf allen Gebieten der Staatsverwaltung zu Hause, also nicht einseitig vorgebildet. Mit vor­nehmer Ruhe und großer Sachkenntnis beantwortet er unverdrossen jede Anregung und in einer so wohl­wollenden Weise, daß jeder Abgeordnete befriedigt ist. Sein einfaches, bestimmtes, höfliches und doch mili­tärisches Auftreten, ähnlich wie das seines verstorbenen Vaters, gewinnt ihm alle Herzen.

Ausland.

Der Bau der deutsch-ostafrikanischen Zentralbahn macht erfreuliche Fortschritte, ihre Gleisspitze hat jetzt Saranda, Baukilometer 384 hinter Morogoro, erreicht. Damit ist der große ostafrikanische Graben fast über­wunden, denn Saranda liegt bereits am Westrande des Grabens in der Nähe von Kilimatinde. Die Entfernung bis Tabora beträgt noch 274 Kilometer. Bei rund 580 Kilometer Gleislänge zwischen Dares- salem und Saranda sind sonach etwas mehr als zwei Drittel des Schienenstranges nach Tabora fertig.

Der bankerotte Weinhändler Max Huesner aus aus Traben-Trarbach ist auf Ersuchen Deutschlands an Bord des DampfersSt. Paul" in New-Aork verhaftet worden. Seine Verbindlichkeiten sollen eine Million Mark betragen.

Vom Schwarzen Tod in Lharbin. Der mit der Organisation der sanitären Maßnahmen in der Mandschurei betraute Professor Zabolotny hofft, die Seuche auf ihr jetziges Gebiet zu beschränken und ihr Vordringen nach Sibirien aufhalten zu können. Die große Sterblichkeit unter den Chinesen schreibt er vor allem den ungesunden Wohnungen zu. Die Häuser sind oft einen Meter tief in die Erde hineingebaut; die Stuben sind feucht und modrig, wodurch die von der Lungenpest Befallenen keine Heilung finden können. Auch macht die starke Kälte alle Desinfizierungsver- suche zunichte. Durch das energische Vorgehen der Behörden sind die Chinesen über die Größe der ihnen drohenden Gefahr aufgeklärt worden. Sie überwinden bereits alle religiösen Bedenken und geben freiwillig die Pestleichen zur Verbrennung heraus. Unweit der im Stich und paddelte auf ihn zu.Onkel, Onkel," kreischt» sie freubig. Er beugte sich zu ihr herunter.

Na, kleine MauS, was machen wir denn?" sagte er freundlich, aber zerstreut und Lorchen merkte zu ihrem Leid­wesen bald, daß sie heute nicht die Hauptperson sei. Sie wurde nicht aus den Arm genommen, eS fand sich kein» Bonbontüte für sie und der Onkel wandte sich sofort der Mama zu.

Ich komme heute mit einer Bitte, gnädige Frau," begann Fedor. Seine Stimme klang etwas heiser, aber da er sich unterwegs genau zurückgelegt hatte, was er sa­gen wollte, sprach er ohne Stocken.

Dieistimoorausgewährt," lächelte Erna. Sie mochte an irgend eine kleine Gefälligkeit gedacht haben und freute sich, ihm willfahren zu können. Dann faßte sie nach dem Kinde, um es auf ihren Schoß zu ziehen, aber mit einem verzogenen Laut schmiegte sich die Kleine an Fedor. Sie drehte an einem seiner Uniformknöpfe undwollteihrSpiel» C nicht fahren lassen. Unwillkürlich legte Fedor den

um seinen Liebling, es war ja das letzte Mal, daß er sie so halten durste.

Ich weiß kaum, wie ich mich anSdrücken soll, um nicht mißverstanden zu werden," fuhr er aufatmend fort. ES tut mir sehr leid .. aber.. ich muß Sie bitten, michauS mei­nem Amt als Vormund zu entlasten."

Erna wurde ganz blaß und daS Lächeln erstarb auf ihrem Gesicht. Sie glaubte nicht recht gehört zu haben.

DaS kann Ihr Ernst nicht sein," rief sie bestürzt. Womit haben Lorchen und ich Sie beleidigt? Weshalb tun Sie mir das an?" Sie brach ab und sah ängstlich bittend zu ihin auf, und in diesem Blick lag alles, was die Lippen verschwiegen. Aber das Gesicht des Mannes vor ihr blieb ernst. Er stand auf, trat ans Fenster und blickte ein paar Minuten in den winterlichen Sorten hinaus, während Erna glaubte, ihr Herz höre auf zu schlagen. 1 , 179,18