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mit amtlichem Kreisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

Telefon Nr. <$5. Vierteljährliche Beilage:Unsere Heimat". Telefon Nr. es.

Erscheint Mittwoch und Samstag Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Räum 10 Pfg.

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Amtliches.

Nachtrag zur Kreis Umsatz« nnd Wert znwachs'Steuerordnung.

J.-Nr. 484 KA. Der Kreistag hat am 10. Dez. 1910 beschlossen, den § 6 der Kreis-Umsatz- und Wertzuwachssteuer-Ordnung vom i?8'^«:«, 1908 wie folgt abzuändern:

§ 6. N.-ben der gemäß 8 1 zu entrichtenden Steuer wird bei einem unter den Voraussetzungen des § 1 erfolgenden Erwerbe des Eigentümers von Grundstücken und Rechten eine besondere Abgabe von dem Veräusserer erhoben, und zwar in Höhe von: 3 v. Hundert der Wertsteigerung,

wenn diese mehr als 10% bis incl. 15%, 4 v. Hundert der Wertsteigerung,

wenn diese mehr als 15% bis incl. 20%, 5 v. Hundert der Wertsteigerung,

wenn diese mehr als 20% bis incl. 25%, 6 v. Hundert der Wertsteigerung,

wenn diese mehr als 25% bis incl. 30%, 7 v. Hundert der Wertsteigerung,

wenn diese mehr als 30% bis incl. 35%, 9 v. Hundert der Wertsteigerung,

wenn diese mehr als 35% bis incl. 40%, beträgt usw. wachsend um je 2 vom Hundert bei jeder weiteren Wertsteigerung von 5 vom Hundert bis auf höchstens 25 vom Hundert der gesamten Wertsteigerung.

Diese Zuschläge usw. (wie bisher)"

Ich veröffentliche dies hiermit und bemerke, daß Genehmigung und Zustimmung zu vorstehendem Steuer« ordnungs-Nüchlrag am 5. Januar 1911 vom Bez^cks- Ausschuß und am 24. Januar 1911 von dem Herrn Ober-Präsidenten erteilt worden sind.

Schlächtern, den 30. Januar 1911.

Der Vorsitzende des Kreis-Ausschusses: Valentiner.

Deutsches Reich,

In der üblichen Weise wurde am 27. Januar in Berlin die Feier von Kaisers Geburtstag begangen. Leider beeinträchtigte die ungünstige Witterung das sonst so, prächtige Straßenbild Eingeleitet wurde der Tag mit dem großen militärischen Wecken Unter den Linden, während von einem Trompeterkorps von der Schloßkuppel herab Choräle geblasen wurden. In der neunten Stunde trafen die Prinzen des Kgl. Hauses im

Segen der Arbeit.

Roman von Klara Hellmuth. 49

Dir scheint das Leben böse mitgespielt zu haben, ar­mes Kind, dachte Fedor. Aber laß uns nur ja nicht an Vergangenem rühren. Vorbei ist vorbei, und Dein Reich­tum trennt uns ebenso wirksam wie einst Emil Auer- bach.

Seine Ruhe bildete einen frappanten Gegensatz zu der nervösen Ueberlebendigkeit der jungen Frau, die durch unaufhörliches Sprechen einer sonderbaren Befangenheit Herr zu werden suchte. Aber ihre Heiterkeit berührte oft peinlich, hatte dann und wann fast einen Stich ins Fri­vole, und der eigentümliche Zug um ihren Mund ver­tiefte sich dann in so auffälliger Weise, daß Rosa sie oft ganz bestürzt ansah.

Ja, ja," sagte sie gelegentlich,ich hätte meinem ar­men Lärchen wohl gewünscht, daß sie als Junge auf die Welt gekommen wäre, das würde ihr den Lebensfaden wesentlich erleichtern, aber sie muß sich eben ins Unab­änderliche schicken. Ein Racker ist sie aber trotzdem. Ihr Vater wünschte sich immersosehreinen Erben, oder mei­netwegen auch nur eine Erbin, aber ihm zum Trotz er­schien sie erst so kurze Zeit vor seinem Tode, daß er kaum noch ihre Bekanntschaft machen konnte."

Rosa standen die Haare fast zu Berge. Himmlischer Vater, was für eine Frau war das. In diesem Ton von so erschütternden Dingen zu reden.

Fedor sah sehr ernst aus. Erhalte ja den Schlüssel zu diesen Reden, die Rosa nur für Aeußerungen boden­loser Leichtfertigkeit hielt, und wußte, wieviel Anteil ein krankes Herz, ein verbittertes Gemüt daran hatten.

Was hat doch das Leben aus Dir gemacht, dachte er mitleidig wieder und wieder.

Inzwischen ließ Erna keine Pause aufkommen, und aus ihren Erzählungen, die sie oft mit beißendem Witz rvürzte, konnte sich Fedor a llmählich ein Bild ihres bis-

Mittwoch, den 1. Februar 1911

Schlöffe ein, um in Gemeinschaft mit der Kaiserin dem Monarchen ihre Glückwünsche darzubringen. Allmählich vollzog sich die große Auffahrt der Minister, des diplo« matischen Korps, der Generalität und der hohen Beamtenschaft, bis auch die hier anwesenden Fürstlichkeiten im Schlosse eintrafen, wo sie kurz vor dem Gottes­dienst dem Kaiser ihre Glückwünsche darbrachten, an ihrer Spitze der König von Sachsen. Um 10 Uhr fand in der Schloßkapelle ein feierlicher Gottesdienst statt, an dem sich im Weißen Saale die große Gratu­lationscour schloß. Während dieser feuerte die im Lustgarten aufgestellte Leibbatterie des ersten Garde­feldartillerieregiments 101 Salutschüsse ab. In den Mittagsstunden begab sich der Kaiser mit den kaiser­lichen Prinzen und Fürstlichkeiten zu Fuß vom Schloß nach dem Zeughause zur Paroleausgabe, auf dem Wege von der dicht angesammelten Menschenmenge lebhaft begrüßt. Im Zeughause nahm der Kaiser einige militärische Meldungen entgegen, auch eine Reihe von Beförderungen wurden verkündet. Der komman­dierende General des Gardecors von Kessel wurde zum Generalobersten befördert, der Staatssekretär des Reichsmarineamts von Tirpitz zum Großadmiral, den Gouverneur von Kiautschvu Vizeadmiral Truppel und der Chef der Marinestation der Ostsee Schröder sind zu Admiralen befördert worden. Auf dem Rückwege nach dem Schloß wurden dem Kaiser wiederum Hul­digungen dargebracht.

Personalveränderungen im Heere. Prinz Oskar von Preußen wurde ä la suite des Kürrassierregimenis Königin" gestellt. General der Infanterie v. Kessel und der Gouverneur von Berlin wurden zu General­obersten befördert. Generalmajor v. Oertzen im Mili­tärkabinett wurde zum Generalleutnant befördert, Generalmajor v. Kühne zum Inspektor der Ersten Kavallerie-Inspektion ernannt, Generalmajor Eberhardt, bisher Chef des Generalstabs des Gardekorps, zum Kommandeur der 19. Divission ernannt, Oberst Schmidt v. Knobelsdorf, bisher Kommandeur des 4. Garderegiments, zum Chef des Generalstabes des Gardekorps.

Im Jahre 1910 hat sich die Zahl der Mit­glieder des Reichsverbandes gegen die Sozialdemokratie um ziemlich 3 Prozent vermehrt, die Höhe der ein­gegangenen Beiträge und Spenden sogar um 7% Prozent gegen nur 6% Prozent im Jahre 1909. Die Verluste, die der Reichsverband durch Austritte, durch den Tod und Wegzug mancher Mitglieder er- gsismiiBMMMMWJ4WMww«naiu»i»^\a^^

herigen Lebens machen. Seit Auerbachs Tode hatte sie fast nur auf Reisen gelebt.

Ich bin so ziemlich überall gewesen, wo man gewe­sen sein muß," sagte sie.Ich hätte mir das in meinen Kosenauer Backfischjahren nie träumen lassen. Aber ich erstickte beinahe vor Verlangen nach Bewegung und Frei­heit und wollte meine Flügel einmal gründlich rühren. Da bin ich also gereist.. von Norwegen bis nach Ve­nedig und vom Schwarzwald bis zum Riesengebirge. Ja, gesehen habe ich genug und viel Schönes."

Wie himmlisch," warf Jda ein.Sie sind zu benei­den, gnädige Frau."

Nun ja," sagte sie langsam.Es war schön .. im Anfang . . und auch wohl später noch zuweilen, aber sie wissen nicht wie das ist, wenn man so ziemlich alles ha­ben kann, was man sich wünscht. Die Selbstverständ­lichkeit nimmt den Dingen den Reiz, es ist wie eine Suppe ohne Salz. Und schließlich .. wie bald wird alles schal. In Ihrem Alter glaubt man das noch nicht, aber es ist dennoch so. Im besten Fall ist man nur mäßig befrie­digt und endlich wird einem gar alles gleichgültig. Ich mag keine Schneeberge mehr sehen und kein Meer, und die Badeorte und großen Städte sind mir ein Greuel.

Wenn mir etwas Böses träumt, so träumt mir, daß ich mich in Museen und Kathedralen abhetze. Und dann, wo­hin man auch kommt, die Menschen sind sich überall so gleich. Es ist überall dieselbe Komödie und dieselbe Jagd nach dem Geld. Dann wurde Baby elend. Ich war seit Ostern in Wiesbaden gewesen, und die Aerzte sagten mir, sie vertrage das Klima nicht, sie dürfe auch fürs erste nicht mehr reisen. Ueberhaupt würde ihr die Luft in Nord­deutschland besser zusagen. Ich hatte ja noch die Villa hier, also kündigte ich den Mietern und zog nach Steinbrück. Ich will nun sxhen, ob es mir in der alten Heimat bes­ser gefällt, als in der weiten Welt."

Das wird es sicher," meinte Rosa.Heimat ist doch Heimat, die ist durch nichts zu ersetzen."

Aber Erna verzog schon wieder den Mund.Wie

62. Jahrgang.

litten hat, konnten also auch im vergangenen Jahre durch erhöhte Gewinnung neuer Mitglieder wieder voll wettgemacht werden. Vor allem aber gelang es, durch eine nachhaltige Bersammlungstätigkeit den Ausbau der Organisation, also damit die innere Kraft und Schlagfertigkeit, namentlich für die kommenden Wahlen ganz erheblich zu verstärken. Im Jahre 1910 konnten nicht weniger als 114 Ortsgruppen und 10 SammelsteUen mit rund 6000 Mitglieder neu begründet werden, während auf der andern Seite 32 Ortsgruppen und 14 SammelsteUen, deren Leiter und Vertrauens­männer den Pflichten gegen den Reichsverband nicht nachgekommen waren, aus den Listen gestrichen wurden. Das erfreuliche Endergebnis der geleisteten Organisa­tionsarbeit ist also gewesen, daß der Reichsverband im Jahre 1910 mit 78 neuen Ortsgruppen und Sammelstellen, d. h. mit 7 Prozent mehr als im Vorjahre, in das neue Jahr eintreten konnte.

Der Reichstag begann am Donnerstag die erste Lesung der Gesetzentwürfe über die Verfassung Elsaß-Lothringens und über das Wahlrecht zur Zweiten Kammer eines elsaß-lothringischen Landtags. Staatssekretär Dr. Delbrück begründete in längerer Rede die Vorlage und betonte, das vorgesehene Ober­haus sei keine reaktionäre Maßnahme, sondern ein Entgenkommen gegen die Liberalen. Die Debatte eröffnete der Abg. Vonderscheet (Z), der volle Autonomie für Elsaß-Lothringen verlangte. Der Abg. Bassermann (natl.) erklärte sich mit der Vorlage einverstanden, auch der Abg. v Dirksen (Rp.), jedoch dieser nur dann, wenn das Oberhaus beibehalten wird. Nächste Sitzung Sonnabend.

Ausland.

Wegen der Pestgefahr ist die Absperrung des Schutzgebietes Kiautschou angeordnet worden; sie wird auf der Landseite durch eine Postenkette, zur See durch Marinepinassen durchgeführt werden. Die Be­völkerung stimmt dankbar der pflichtmäßigen Fürsorge des Gouvernements zu. Es besteht begründete Hoff­nung, Tsingtau seuchenfrei zu erhalten.

In der ungarischen Hauptstadt Ofen-Pest ist ein gefährlicher Anarchist in der Person einer aus Varna gebürtigen Mediziners Peter Serafinow ver­haftet worden. Bei der Leibesuntersuchung wurden Empfehlungsschreiben der Kragujevazer serbischen revo­lutionären Partei vorgefunden, in denen Serafinow als begeisterter Terrorist und Anarchist sämtlichen

harmlose Ansichten Sie noch haben," sagte sie halb la­chend, halb mitleidig.Haben Sie noch nie von Gespen­stern gehört, die in alten Räumen umgehen?"

Rosa sah sie verständnisvoll an und schwieg. Sie be­obachtete ihr kleinstes Mädchen, das auf dem Knie des Onkels Reitübungen anstellte. Unwillkürlich nahmen die Blicke des Gastes dieselbe Richtung. Da saß Fedor als der geliebte und geehrte Mittelpunkt seiner Familie, die Kinder schwärmten offenbar für ihn, und bei den Er­wachsenen sah man es an jedem Blick, hörte es am Ton jeder Frage und Antwort, welche Autorität er ihnen war. Wie gut und freundlich er aussah, und wie zufrieden. Ja, zufrieden: das war gar nicht zu leugnen. Unbefrie« digt, unbeschäftigt, ungeliebt trieb sie durchs Leben . . er saß hier, das Bild ftiedlichen Behagens, und glücklich in seiner bescheidenen Tätigkeit.

War er ein größerer Lebenskünstler gewesen oder nur weniger glückshungrig als sie, als er lernte sich mit dem wenigen zu begnügen, das ihm beschert war? Erna blieb und blieb, bis Rosa, die sich hier so etwas als Haus­frau fühlte, höflichkeitshalber fragte, ob Frau Auerbach ihnen nicht das Vergnügen machen wolle, zum Abend- essen zu bleiben, und mit Spiegeleiern und saurer Milch vorlieb nehmen.

Ich schließe mich der Bitte meiner Schwester an/ setzte Fedor artig hinzu, und zu Rosas gelindem Schrecken nahm Erna die Einladung an. Sie konnte sich nicht ent­schließen, sie abzulehnen,dies Beisammensein hatte einen seltsamen Reiz. Wieviel Mühe sie sich aber auch gab, bei ihrenZuhörerinnen nicht anzustoßen, immer wieder merkte sie, daß sie Rosa und Jda verletzte. Bitterkeit und Zer­fahrenheit waren zu sehr ein Teil ihres Wesens gewor­den, um immer unterdrückt werden zu können. Nach Tisch machte man noch einen Rundgang durch den Garten und Fedor und Jda zeigten und erklärten dem Gast'die be­scheidenen Vorzüge. Die Waldstille lagerte schon um das Haus, und nach dem heißen Tage erfüllte kräftiger Tan­nengeruch die Luft. 179,18