mit amtliche ^eisblatt
Telefon Nr #5.
^iert jäb
ZHonatsbeilage; landwirtschaftlicher" Ratgeber, iche Beilage: „Unsere Heimat". L-lef-n Nr. «s
sblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zelle oder deren Raum 1U Pfg.
Erscheint Mittwoch und ia3t( g ^e
M 8
»W
Deutsches Deich.
— Die in Madras, der drittgrößten . .e. - britisch-indischen Kaiserreiches, erscheint je . »Madras Mail" brächte folgenden Berich, übe; d deuischen Kronprinzen aus Seeunderabad: Am ... . i. nahm der Kronprinz Wilhelm eine Parade übt Truppen des Nisam, des eingeborenen, unter eng. Oberhoheit stehenden Fürsten von Haiderabad, in < . cunderabad ab. Punkt neun Uhr erschien er, von einer halben Schwadron der 7. (englischen) Dragoner geleitet, im Automobil bei Abids's Corner und st'cg zu Pferde. Diesen Augenblick mokierte die Artillerie des Nisam durch einen Salut von 31 Schuß. Das Pferd des Kronprinzen war ein wundervoller Dunkelfuchs, Sir James Wolfe-Murray der Vertreter des englischen Vizekönigs, empfing den Sohn des Kaisers am Flaggenmast. Nach dem Abreiten der Truppen- fronl fand ein Vorbeimarsch statt, bei der Kavallerie schwadronsweise im Galopp. Das prächtige Wetter begünstigte den glänzenden Verlauf des kriegerischen Schauspiels. Zum Schluß erregte der deutsche Prinz nicht geringes Aufsehen, als er den Befehl über das 33. Kavallerie-Regiment übernahm, und es bei vielfachem Frontwechsel und häufiger Veränderung der Formation, bald in der Linie, bald in offenen oder geschlossenen Kolonnen, über den Exerzierplatz führte. Die dichten Massen von Menschen, die gekommen waren, um den Sohn des deutschen Kaisers zu sehen, waren ganz überrascht von der Geschicklichkeit, mit der der junge Reiteroffizier in der blitzenden deutschen Uniform das Regiment führte. Nach der Parade frühstückte der Prinz mit den Mitgliedern des Klubs von Seeunderabad in ihrem Hause. Die Armee des Nisam besteht aus seiner eigenen Leibwache, regulären und Miliztruppen. Außerdem stehen in seinem Lande englisch-indische Regimenter aller Waffengattungen.
— Das Urteil im Moabiter Aufruhrprozeß ist gefällt worden. Es wurden Strafen von 1 Jahr Ge» fängnis bis 2 Wochen Haft verhängt. Vier Angeklagte wurden freigesprochen.
— Wie die „Gazeta Gdanska" klagt, ist das Interesse für die Sokols in Westpreußen nur schwach; es bestehen solche Vereine nur in Thorn, Briesen, Schön- see, Löbau, Kulm, Graudenz, Pelplin, Stargard Berent und Danzig. Von diesen ständen aber noch die meisten auf dem Papier; Leben herrsche nur in den Vereinen in Thorn, Löbau, Graudenz, Kulm und seit dem
Segen der Arbeit.
, Roman von Klara Hellmuth. 48
„Laß mich nur. Ich fühle mich in der Rolle des Fa- milienonkels ganz wohl. Die Zeiten, wo ich Lust zum Heiraten gehabt hätte, sind vorbei. In meinen Jahren wird man kritisch und bedenklich. Man hat in diesem Stück schon so viel auf mich eingeredet, selbst die Frau Forstmeister beehrte mich einmal mit einer dahingehenden Ansprache, daß ich wirklich 'mal dachte: Du könntest ja wenigstens die Augen auftun und Dich unter den Töchtern des Landes umschauen! Ich versuchte es also, aber .. nein, Rosa, es geht halt nicht. Es soll damit gewiß über niemand ein abfälliges Urteil ausgesprochen sein, aber ich mag nicht, ich kann nicht. Es mögen alles liebe Mädchen sein, für mich ist keine darunter. Gegen Blondinen habe ich beinahe so etwas wie eine Aversion, ebenso gegen besonders Große, und was nun gar das Wesen anlangt, so fand ich erst recht keine, die mir gefallen hätte. Jeder fehlte immer etwas sehr Wesentliches, bald dies, bald das, und ich konnte mich über den Mangel nicht hinwegsetzen. Es wächst wohl heutzutage ein anderes Geschlecht heran, oder ich werde schon ein mürrischer, alter Griesgram. Beides ist ja möglich."
Damit stand er auf und ging hinaus, und Rosa hielt ihn nicht zurück. Es nutzte nichts, in den Bruder zu bringen, man mußte ihn eben gewähren lassen. Schließlich mußte ja jeder selbst am besten wissen, was ihm frommte, aber schade war es dennoch .. sehr schade.
Während ste in ihren Gedanken das Thema noch eine Weile fortspann, kam eine Dame den Buchenweg daher, der Dom Kosenauer Kirchhof zur Försterei führte. Sie Latte ihren leichten, grauseidenen Staubmantel über den Arm gehängt und schritt langsam weiter. Die Hitze lag drückend aus Wald und Feld und machte die Füße schwer.
Lch hätte doch den Wagen mitnehmen sollen," sagte
Mag, den 28. Januar 1911.
'«■qHWBH
! Oktober auch in Danzig. Es sei deshalb nötiß, : preußen das Verständnis dafür zu wecken, daß okolL die beste politische Schule für die Jugend und daß man sie deshalb neu beleben bezw. :en müßte. — Bei der großen Rührigkeit der
at gerade in der letzten Zeit fürchten wir, daß .qer Aufruf nicht wirkungslos verhallen wird.
— Gegen die Schundliteratur sind in Bayern Maßnahmen getroffen, die in den „Münchn. N. Nachrichten" zusammenfassend betrachtet werden. Das Berkehrsministerium, das Ministerium des Innern und Kultusministerium haben sich zu gemeinsamer Abwehr- arbeit zusammengetan in der Weise, daß das Verkehrs- Ministerium irgendwie obszöne Drucksachen in Zukunft von der Beförderung mit der Post ausschließt. Das Ministerium des Innern und das Kultusministerium werden in gemeinsamer Arbeit mit den Schulen und Fortbildungsschulen den Kampf gegen die Schundliteratur aufnehmen. Vom Kultusministerium sind die Schulbehörden ersucht worden, auf die Auslagen in den Buchhandlungen acht zu geben und für die Entfernung der Schundliteratur aus den Auslagen ein- zutreten.
Ausland.
— Der Bau der ostafrikanischen Zentralbahn ist jetzt bis Kilimatinde vorgeschritten, das noch kurz vor Eintritt der großen Regenzeit erreicht werden konnte. Damit ist die Bauleitung über den großen Graden hinüber; jenseits Kilimatinde ist leichteres Arbeiten.
— Die englischen Stimnirechtsweiber wollen sich wieder einmal auf „unliebsame Weise bemerkbar machen. In Paris gab die bekannte englische Frauenstimur- rechtlerin Mr. Pankhurst die Erklärung ab, daß die englischen Suffragetten, gezwungen sein würden, am Tage der Krönung Königs Georgs sich auf „unliebsame Weise" bemerkbar zu machen, falls das Unterhaus bis dahin nicht Zeit gefunden hätte, sich mit der Frage des Frauenstimmrechts eingehend zu besassen. — Nun, warum ausdrücklich die „unliebsame Weise" hervorheben? Haben sie sich denn überhaupt schon auf angenehme und ziemliche Weise bemerkbar gemacht?
— Der Aufstand in Arabien wird von der Pforte mit Recht sehr ernst genommen. Bei der Einschiffung der nach Deinen bestimmten Truppen erschien der Kriegsminister an Bord und hob in einer Ansprache hervor, daß es sich um die Rettung eines in Gefahr befindlichen Teiles des Landes handle. Der Minister
sie, „nun komme ich erhitzt und bestaubt an wie eine Landsteicherin."
Mit der Aehnlichkeit hatte es nun freilich keine Not, denn tatsächlich bot ihre Erscheinung in der einfachen, vollendet frischen, weißen Toilette ein Bild tadelloser Eleganz. Bor der Försterei blieb sie stehen.
„Alles noch wie damals," lächelte sie und winkte dem alten Hirschgeweih über der Tür zu. „Die Zeit scheint hier stillgestanden zu haben. Um so mehr fällts einem auf, wie sehr man selbst verändert ist." Als sie den Fuß auf die erste Treppenstufe setzte, fiel ihr Blick auf das offene Fenster, hinter dem Rosa stand, ihre Jüngste auf dem Arm. Die Fremde biß sich auf die Lippen, und ein leichtes Zucken flog über ihr Gesicht.
„Verheiratet also," sagte sie zu sich selbst. Nun, auch gut oder noch besser.. weshalb auch nicht? Viel Geschmack scheint er freilich nicht gehabt zu haben. Ah, da ist er ja selbst."
„Guten Tag, Herr Busch," sagte sie in leichtem Ton, .Sie kennen mich natürlich nicht mehr, wie?"
„Sehe ich recht? Frau Auerbach? Das nenne ich eine Ueberraschung. Wo kommen Sie so unvermutet her? Ich glaubte Sie noch auf Reisen."
„Ich bin auch erst seit acht Tagen wieder zurück. Ich besuchte heute meiner Mutter Grab, es ist ihr Todestag .. und wollte zugleich die Gelegenheit benutzen, um Ihnen persönlich für Ihre freundliche Bereitwilligkeit bei der Uebernahme derVormundschast zu danken.
Während sie sprach, glitt ihr Blick an ihm vorbei zu Rosa, die, vom Klang der fremden Stimme angelockt, in der Tür erschien.
„Wollen Sie mich nicht mit Ihrer Frau Gemahlin bekannt machen?" sagte sie dann, nicht ohne eine gewisse Schärfe im Ton.
„Ich bin nicht verheiratet," sagte Busch einfach, „aber meine Schwester, Frau Simonski, wird sich sehr freuen, Ihre Bekanntschaft zu machen."
62. Jahrgang.
bedauerte, daß er an der Teilnahme der Expedition verhindert sei. Nach Blättermeldungen sprach der Sultan sein Bedauern über die Notwendigkeit der Expedition aus und wünschte den Truppen guten Erfolg.
Wieder einmal etwas vom Korgwesen.
Die Lauterbacher Zeitung vom 4. Januar schreibt hierüber folgendes: „Unser liebes Lauterbach ist, obgleich es zu den kleinen Städten zählt, dank der vorzüglichen Leitung, der wir uns erfreuen dürfen und um die uns andere Städte mit Recht beneiden, weit voran. Aber ein Mißstand ist uns geblieben, es ist das leidige Borgwesen. Dieses Uebel haben aber wir Bürger uns zum Teil selbst zuzuschreiben, insbesondere tragen aber auch die Gewerbetreibenden und die Handwerker die Schuld daran. In der großen Geschäftswelt ist die Barzahlung schon längst durchgeführt, denn je rascher das Geld im Umlauf zirkuliert, umso mehr verdient der Geschäftsmann durch das Geld, um so billiger kann aber auch eine jede Ware geliefert werden. Die Bedingung „3 Monate Ziel" ist das Äußerste, was ein kaufmännisch handelndes Geschäft zugibt.
Aber wie sieht es in dieser Hinsicht in unserem aufgeklärten Lauterbach aus? Man möchte glauben, wir lebten noch in der uralten Zeit des Kerbholzes, das früher die Stelle der Buchführung versah. Hier in Lauterbach muß man schon Gewaltsmaßregeln an- ivenden, um einen Handwerker zu bewegen, im Laufe des Jahres Rechnung zu stellen. Alles wird auf Neujahr verschoben, auf die Zeit nach dem Weihnachtsfeste, zu welcher die Geldbeutel gewöhnlich leer sind, denn zu Weihnachten will doch ein Jeder seinen Angehörigen, innen Freunden und Freundinnen eine Freude bereiten, und Freude bereiten heißt in diesem Falle Geldausgeben. Und wenn zurzeit des Rechnungsempfangs kein Geld mehr da ist, dann muß eben Freund Handwerker noch eine lange Weile warten, oft solange, bis gar 2 Jahrgänge zusammenkommen. Wir dürfen uns nicht einbilden, daß der Kaufmann, daß der Handwerker solch' langfristiges Borgen ohne Zinsaufrechnung bewirken kann. Er muß sich dadurch schadlos halten, daß er die gelieferte Ware teurer aufcechnet, als demjenigen, der sofort bezahlt. Und gibt man dem Geschäftsmann den Rat, doch wenigstens quartalweise Rechnung zu geben, so heißt es, das würde sehr übel genommen und das Geschäft würde an Kundschaft verlieren. Solche Saumseligkeit paßt nicht mehr in unsere mit Riesenschritten voraneilende Zeit. Ein jeder Weiter-
Die leichte Röte, die Erna ins Gesicht stieg, entging Rosa nicht, als sie in der ruhigen Weise, die sie ihrem Bruder so ähnlich machte, den Gast begrüßte und ins Wohnzimmer führte. Drinnen im Zimmer herrschte erquickliche Kühle, die dichten Ranken des wilden Weins, der seit Jahren das Haus bekleidete, beschatteten die Fenster und warfen zartgrünen Widerschein in den schlichten Raum. Erna sah sich um. Dies also war sein Heim, in dieser jeden Komforts entbehrenden Umgebung hatte er all die einsamen Jahre gelebt und gearbeitet, in selbst- verleugnender Bruderliebe. Wie manche Geschichte von ungeduldigem Entbehren, klaglosem Verzichten würden die alten Möbel verraten, wenn sie sprechen könnten. Ueberall war nur das Unentbehrliche, und kein Schmuck, außer ein paar Geweihen, die der passionierte Jäger sich doch nicht hatte versagen können, präparieren zu lassen. Eine sonderbare Rührung stieg im Herzen der jungen Frau auf. Seine Wohnung verriet ihr die Art und Weise seines äußeren Lebens, wie aber mochte es um seinen inneren Menschen stehen? War er glücklich geworden oder zufrieden? Hatte er alle Jugenderinnerungen begraben oder nicht? Auf diese Fragen ward ihr keine Antwort, des Försters Gesicht war undurchdringlich, und niemand hätte seiner Stimme und seinem Wesen auch nur das Geringste anmerken können. _ ^
Er ist viel älter geworden, dachte Erna weiter, stärker auch, und in seinem Bart sind wahrhaftig schon ein paar weiße Haare. Wir werden eben alle nicht jünger, setzte sie mit unterdrücktem Seufzer hinzu.
Erna Auerbach war noch immereine ungewöhnlich anziehende Erscheinung, aber ihr Gesicht, obwohl in den Umrissen unverändert, mutete Fedor doch fast wie das einer Fremden an. Diesen t)alb trotzigen, halb schmerzlichen Ausdruck hatten ihre Augen selbst ber der letzten Begegnung noch nicht gehabt, und von der Nase bis-zu den Mundwinkeln zog sich eine ferne Lrnre, als ob bte Lippen sich sehr oft spöttisch oder verächtlich verzogen hätten. ; 179,18