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mit amtlichem Kreisblatt Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber
Telefon Nr «s Vierteljährliche Beilage: „Unsere Heimat". Telefon Nr. SS
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Saulstag, den 14. Januar 1911.
62. Jahrgang.
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iMGOMO-frix finden in der Schlüchterner * I L V Zeitung den meisten Erfolg, da sie die größte Auflage der im Kreise Schlächtern erscheinenden Zeitungen besitzt.
Die Eröffnung des Landtages.
Die vierte Session der 21. Legislaturperiode des preußischen Landtages ist am Dienstag, den 10. Jan. mittags 12 Uhr, im Weißen Saale des Königlichen Schlosses in Vertretung des Kaisers durch den Ministerpräsidenten Dr. von Belhmann Hollweg mit einer Thronrede eröffnet worden. Wie zu erwarten stand, hat die Thronrede diesmal keinerlei lleberraschung gebracht und keine Ankündigung von Vorlagen politisch bedeutsamern Charakters enthalten.
Mit Befriedigung wird im Eingänge der Thronrede die fortschreitende Besserung der preußischen Staatsfinanzen festgestellt. Sowohl im abgelaufenen Rechnungsjahr 1909 wie im laufenden Etatsjahr 1910 haben sich die Einnahmen und namentlich der bei den Staatseisenbahnen erzielte Reinüberjchuß durchaus günstig entwickelt. Die Einnahmen für das Rechnungsjahr 1911 konnten daher entsprechend höher veranschlagt werden. Wenn trotzdem auch dieser Etat noch wieder einen Fehlbetrag aufweist, so liegt das daran, chgfi die im vorigen Jahr beschlossene Neuordnung des Eisenbahnetats den für 1911 veranschlagten Reinüberschuß der Staatseisenbahnen nicht mehr voll für allgemeine Staatsausgaben bereitstellt. Immerhin aber konnte der Fehlbetrag doch so weit herabgemindert werden, daß er noch hinter der zur Auffüllung des Ausgleichsfonds der Eisenbahnverwaltung vorgesehnen Summe zurückbleibt.
Was sodann die Ankündigung von Gesetzesvorlagen betrifft, so wird zunächst ein Entwurf über die Bildung von Zweckverbänden in Aussicht gestellt. Es soll durch diese Ausgestaltung des kommunalen Verbandswesens den Schwierigkeiten abgeholfen werden, welche der Erfüllung größerer kommunaler Aufgaben in einheiilichen
Segen der Arbeit.
Roman von Klara Hellmuth. 44
Xaver erhob keinen Widerspruch. „Du hast ja recht, ächzte er. „Es war ein wahnsinniger Leichtsinn von mir, aber Fedor, denk' an unsern Vater. Du kannst. Du kannst mich doch nicht ins Zuchthaus kommen lassen wollen."
Der Aelteste schwieg.
Ja, er dachte an den Vater, aber in anderer Weise, als Xaver meinte. Des Vaters Leichtsinn war des Soh- nes verhängnisvolles Erbe. Immer wieder trat er zu Tage und würde ihn vermutlich erst mit dem Leben verlassen. Und gerade das machte die Sache so völlig trostlos. Was hatten alle Opfer bisher genutzt? Nichts. Was würden sie künftig nutzen? Nichts? Sie waren wie Sandwälle, die spielende Kinder vor den Meereswogen aufbauen. War es etwa eine Art Wahnsinn, die Xaver zu immer neuen tollen Verfehlungen hinriß. Wo begann seine Verantwortlichkeit, wo endete sie? Was war überhaupt Liese unheimliche Macht, unter deren Einfluß er willenlos zu stehen schien. Wäre es nicht besser, den rollenden Stein möglichst schnell in den Abgrund sausen zu lassen, Lemerdoch unaufhaltsam zustrebte? Aber der brüderliche Instinkt war schließlich doch stärker als alle Reflexionen. Würde mir das Gewissen jemals Ruhe lassen, dachte Fedor wenn ich nicht noch einen letzten Versuch machte, ihn zu retten? Darf der gute Name der Familie, der nach deS Vaters Tode mit so vieler Mühe gewahrt ward, kampflos preisgegeben werden?
„Gut," sagte er endlich. „Ich will Dir helfen, aber merk' Dir . . es ist das letzte Mal. Du hast nichts wie- , der von mir zu erwarten."
Weiter kam er nicht. Xaver sprang auf und umhalste ihn in tollstem Jubel.
Fedor, Herzensjunge, straf mich Gott, wenn ich Dir das je vergesse. Nie spiele ich wieder! Schilt mich einen Lumpen, wenn ich es doch tue. Diese Höllenangst hat
Wirtschaftsgebieten aus der großen Zahl und Mannigfaltigkeit der beteiligten Gemeinden erwachsen, und welche neuerdings immer schärfer hervorgetreten sind. Im engsten Zusammenhänge hiermit steht ein Gesetzentwurf, welcher für das Bahn- und Baufluchtw'sen sowie zur Erhaltung eines Wald- und Wiesengürtels die Schaffung eines Verbandes Groß-Berlin auf der Grundlage freier Selbstverwaltung Vorsicht.
Ein weiterer Passus der Thronrede beschäftigt sich mit der Verwaltungsreform. Es wird der zu ihrer Vorbereitung berufenen Jmmediatkommission ein anerkennendes Zeugnis ausgestellt und berichtet, daß auf Grund ihrer Tätigkeit zunächst eine vereinfachte Geschäftsordnung für die Regierungen erlassen worden ist. Einem weiteren Vorschläge der Kommission entsprechend wird voraussichtlich noch in der laufenden Tagung ein Gesetzentwurf vorgelegt werden können, der die Rechnungsprüfung durch die Oberrechnungskammer vereinfachen soll.
Das aus wirtschaftlichen und sozialen Bedürfnissen erwachsene Werk der inneren Kolonisation schreitet fort. Unter Aufwendung erheblicher Staatsmittel sind neuerdings 'auch in den Provinzen Brandenburg und Pommern gemeinnützige Organisationen geschaffen worden, die sich die Vermehrung des bäuerlichen Besitzes und die Seßhaftmachung von Arbeitern zur Aufgabe stellen. Es sind Verhandlungen darüber im Gange, inwieweit diese kolonisierende Tätigkeit durch besondere Maßnahmen der Gesetzgebung gefördert werden kann. Auch die Erschließung der noch nicht kultivierten Moore und der sonstigen Oedländereien wird fernerhin in verstärktem Maße in Angriff genommen werden.
Der letzte Teil der Thronrede endlich bezieht sich auf Jugendpflege und Fortbildungsschulwesen. Um die körperlichen und sittlichen Kräfte der schulentlassenen Jugend zu entwickeln und für das Leben zu festigen, hat sich die Staatsregierung entschlossen, eine planmäßige Ausgestaltung der Jugendpflege einzuleiten. Zur Durchführung dieser Aufgabe sind im Staats- Haushaltsetat für 1911 besondere Mittel vorgesehen. Sie sollen vor allem dazu dienen, die bestehenden, auf freiwilliger Grundlage beruhenden Einrichtungen der Jugendpflege auszubauen und zu erweitern und die auf diesem Gebiete bisher schon bewährten Kräfte zu- sammenfaffend zu unterstützen. Dem gleichen Zwecke soll die weitere Ausgestaltung des Fortbildungsschulwesens dienen, und es ist dieserhalb ein Gesetz in
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mich kuriert. O, Du goldener Kerl. Ich habe es ja immer gesagt, einen besseren Menschen als Dich hat die Sonne noch nicht beschienen."
Er weinte, lachte, tanzte umher und fiel dann Fedor, der sich selber seiner mit Mühe erwehrte, von neuem um den Hals. Die ganze Szene war halb lächerlich, halb abstoßend. Als Xaver das Geld in der Tasche hatte, hoben sich seine Lebensgeister wie mit einem Zauberschlage. Ein paar Tage lang hatten Angst und Not seine Natur gewaltsam niedergehalten, sobald der Druck nur etwas ge= wichen war, schnellte sie sofort wieder in die Höhe. Fußspuren im Dünensande erhielten sich länger, als irgend welche Eindrücke in diesem Charakter. Er schüttelt alles ab wie ein Pudel das Wasser, dachte Fedor seufzend.
Natürlich zeigte Xaver keine Spur seines früheren anmaßenden, hochfahrenden Wesens; er war durchaus bescheiden und gesetzt, ja, er erstarb förmlich in Dankbarkeit. Aber gerade dieser jähe Stimmungswechsel erhielt Fedor bei der Sorge, daß doch alles umsonst gewesen, und daß dieselbe Geschichte sich bei der ersten besten Veranlassung wiederholen würde. Als die Brüder später zur Bahn fuhren, plauderte Xaver schon wieder von allem Möglichen, und nur der unerschütterliche Ernst des Ael- testen hielt ihn noch etwas in Schach.
Es war Xavers Vorgesetzten nicht unbekannt geblieben, daß er spielte, daß er trotz seiner beschränkten Mittel bedeutende Ausgaben machte, daß er hier und da stark verschuldet sei. Sein scheues, gedrücktes Wesen fiel auf, und als er trotz der drängenden Arbeitslast der Weihnachtszeit sich einen Urlaub beinahe erflehte, schöpfte einer der Kollegen Verdacht und machte den Postmeister im Vertrauen darauf aufmerksam, daß mit Busch wahrscheinlich irgend etwas nicht in Ordnung sei; die Nähe einer großen Kasse wäre schon manchem gefährlich geworden.
Unter solchen Umständen durfte man die Aufrechnung nicht verschieben, und als Xaver am nächsten Mittaghalb atemlos im Bureau anlangte, hatte der Postmeister das Fehlen der 400 Mark gerade entdeckt. Der junge Mann |
Aussicht genommen, durch daß die Errichtung von Pflichtfortbildungsschulen für die männliche Jugend in den Gemeinden mit mehr als 10 000 Einwohnern sichergestellt werden soll. Auch soll der in der vorigen Tagung des Landtages nicht erledigte Entwurf über die Verpflichtung zum Besuche ländlicher Fortbildungsschulen in den Provinzen Brandenburg, Pommern, Sachsen und Westfalen, in der Rheinprovinz und den Hohenzollernschen Landen dem Landtage erneut zur Beschlußfassung vorgelegt werden, und ein weiteres gleichartiges Gesetz für Schleswig-Holstein ist in Aussicht genommen.
Wie aus dieser Uebersicht ersichtlich und wie auch bereits eingangs hervorgehoben, werden in der Thronrede diesmal keine Vorlagen von besonderer politischer Tragweite und Bedeutung angekündigt. Damit aber wird auch das Hinzutragen neuen Zündstoffes zur Schürung des Parteihaders vermieden, und das ist in einem Wahljahr und angesichts der schon bestehenden Zerrissenheit und gegenseitigen Erbitterung nur freudigst zu begrüßen. Im übrigen aber entbehren auch die gesetzgeberischen Aufgaben, welche die Thronrede dem Landtage stellt, keineswegs ihrer tieferen Bedeutung und können, wenn sie ruhig gelöst werden, sehr wohl von segensreichster Wirkung auf den Gang der innern Entwicklung unseres preußischen Vaterlandes sein. Daß dies geschehen möge, ist der Wunsch und die Hoffnung, mit denen wir den Landtag bei Beginn seines neuen Tätigkeitsabschnittes begrüßen.
Deutsches Reich.
— Der Kaiser spendete 50 000 Mark für die Afrikaexpedition des Herzogs Adolf Friedrich zu Mecklenburg.
— Der Kaiser bei den Rekrutenbesichtigungen. Der Kaiser hat auch in diesem Jahre den Befehl gegeben, daß die Ausbildung der Garde-Rekruten vor dem 27. Januar, seinem Geburtstage, zu beenden ist. Verschiedenen Besichtigungen will der Kaiser beiwohnen. Aus diesem Anlaß mußte dem Monarchen eine Aufstellung der Besichtigungstage vorgelegt werden. Die Besichtigungen beginnen am 21. Januar und endigen am 26. Januar. Vor allem wird damit gerechnet, daß der Kaiser außer den Besichtigungen der Rekruten des 1. Garbe-Regiments z. F. und der Garde-Husaren auch der Besichtigung der Rekruten seiner früheren Brigade, der aus dem 2. und 4. Garde-Regiment z. F. und dem Garde-Füsielier-Regiment bestehenden 2
dachte gar nicht daran, zu leugnen oder zu beschönigen; seine Bestürzung war zu groß. Und wieder gab es eine Szene mit Weinen, Klagen, Flehen und Beteuern, nur daß sie noch jammervoller und leidenschaftlicher war, als am Abend vorher in Kosenau. Xaver gehörte zu den Menschen, die eine schlaflose Nacht nicht vertragen können, und feine Aufregung infolge nervöser Abspannung war sogroß, daß der Postmeister fast für seinen Verstand fürchtete. Von einem Bleiben im Dienst konnte natürlich keine Rede sein.
„Danken Sie Gott, daß die Untersuchung noch nicht offiziell bekannt geworden ist. Ich weiß wirklich nicht, ob ich meine Pflicht vernachlässige, indem ich die Anzeige unterlasse, aber da bisher niemand darum weiß als ich, und Sie den Schaden sofort ersetzen, so mag es der Ihren wegen darum sein. Das ist das Einzige, was ich für Sie tun kann."
„Sie sind noch jung und ich möchte Ihnen die Möglichkeit offen lassen, in einem neuen Beruf ein anderer Mensch zu werden. Ihre Entlassung aus dem Postdienst müssen Sie nehmen, da kann ich Ihnen nicht helfen."
Dabei blieb es. 179,18
Und nun ? Wieder nach Kosenau zurückzukehren, nochmals um Nachsicht und Vergebung zu betteln, kam Xaver so unmöglich vor, daß selbst der Tod noch erträglicher schien. Als er endlich halb tauinelnd das Postgebäude verließ, stand es in ihm fest, daß er aus dem Leben scheiden müsse. Es ging ja nicht anders. Er beschloß, sich zu ertränken. Der Tod im Wasser war sicher und vielleicht nicht so besonders peinvoll. Er hatte wenigstens einmal von freundlichen Vorstellungen gelesen, die Ertrinkende in den letzten Augenblicken ümgaukeln sollen. Er schrieb einen kläglich-reuevollen Brief an Fedor, in dem er ihm die Gründe für seine Tat auseinandersetzte und um Ver- • gebung für alles bat, was er ihm angetan. Dann legte er das Schreiben mitten auf den Tisch, wo es leicht in die Augen fallen mußte, löschte die Lampe aus und schlich sich davon. Aber als er dann in der Dämmerung des feuchtkalten Dezemberabends auf der Brücke stand, verließ ihn der Mut. "