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mit amtlichem Kreisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

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Der Preußische Landesverein vom Roten Kreuz hielt am 19. d. M. unter dem Vorsitz von Exzellenz von dem Knesebeck seine diesjährige Generalversamm­lung ab, und im Anschluß daran fand eine Sitzung des Centralkomitees dieses Landesvereins unter dem gleichen Vorsitz statt. Aus dem von dem General­sekretär erstatteten Bericht ging hervor, daß, ab­gesehen von Aufwendungen für Vereine vom Roten Kreuz, für solche des Vaterländischen Frauenvereins und Schwestern- und Mutterhäuser vom Roten Kreuz sowie für männliches Personal und Materialbeschaffungen für den Kriegsfall, vor allem der Seuchenbekämpfung eine große Aufmerksamkeit zugewendet wurde. Dem Abkommen betreffend leihweiser Ueberlassung von transportablen Baracken beim Ausbruch von ansteckenden Krankheiten sind bis jetzt 195 Kreise und Kommunal­verbände angeschlossen Unter den beteiligten Provinzen steht an erster Stelle Posen mit 8/4 seiner 42 Kreise, ihm folgt Brandenburg mit mehr als der Hälfte seiner Kreise. Im Berichtsjahr 1909/10 sind 24 Baracken mit Ausstattungen zur Seuchenbekämpfung ausgeliehen gewesen. Seit dem Beginn des Abkommens (1906) sind transportable Unterkünfte an 43 Seuchenorten mit 57 Baracken und 46 Ausstattungen, benützt worden. Nie wurde eine Baracke verweigert, auch bei solchen Erkrankungen nicht, die nur unter zeitlicher Ein­schränkung in die Uebereinkunft , eingeschlossen sind. Eine bemerkenswerte Erweiterung 'hat das Abkommen dadurch erfahren, daß auch der Vaterländische Frauen- Verein sich bereit erklärt hat, in systematischer Form beim Ausbrnch von Seuchen mit dem Centralkomitee Hand in Hand zu arbeiten und nicht bloß zweckdien­liches Material, sondern auch Pflegepersonal bereit- zustellen, welches speziell für den Dienst im Seuchen-

Segen der Arbeit.

Roman von Klara Hellmuth. 40

Es war um die Mittagszeit, und Xaver nahm den Aeltesten gleich mit in das Hotel, wo er zu speisen pflegte. Unterwegs erzählte er ihm mit großer Genugtuung von den Freunden, die er hier gefunden habe.

Sage nur ja nicht in Deiner Unschuld, daß unser Va­ter ein simplerHeringsbändiger war," sagte er dann.Ich habe ihnen wohl erzählt, daß er Kaufmann gewesen sei, aber über das Wie und Wo ahnen ihre Seelen nichts. Es wäre mir doch fatal, wenn..."

Fedor blieb stehen.Nanu, Xaver, was sind das für Torheiten. Unser seliger Vater war bei seinen Lebzeiten ein angesehener Mann. Daß er nicht so gewirtschaftet hat, wie er mußte, ist eine Sache für sich und geht nur uns an."

Aber wie kannst Du seinen Stand schelten, der ebenso ehrenvoll ist, wie jeder andere? Heringsbändiger! Ich bewundere, daß Du Dich nicht schämst."

DerJüngere wurde rot.Herrgott, wie Du auch gleich bist! So meinte ichs doch nicht. Natürlich habe ich solche Vorurteile nicht, aber andere haben sie, und man muß zuweilen darauf Rücksicht nehmen, wenn man in der Welt vorwärts will. Es ist eben ein Unterschied, ob man hinter den sieben Bergen in Kosenau lebt oder mitten im realen Leben steht."

Fedor zuckte die Achseln.Wer sind denn diese kost­baren Freunde, um derentwillen Du Deinen Vater ver­leugnen willst?"

Das wirst Du gleich sehen. Es ist mir nicht an der Wiege gesungen, daß ich einmal in solchen Kreisen ver­kehren würde."

Die Tischgesellschaft imKronprinzen" bestand aus einem Referendar Sölter, einem jungen Regierungsbau- m elfter, einem Arzt und einem Herrn von Kirchner, über dessen Beschäftigung nichts Näheres verlautet. Es war

Mittwoch, den 4. Januar 1910.

gebiet geschult ist. Auch für die Angehörigen der Kranken, für Quarantänepflichtige u. dergl. wird der Vaterländische Frauenverein im Bedarfsfälle eintreten.

Die Zahl der mit freien Brunnen- und Badekuren und mit Beihilfen zu solchen bedachten Teilnehmer an den Feldzügen 1864, 1866 und 1870/71 hat sich von 284 (1908) auf 389 erhöht. In Kifsingen, Ems und Wiesbaden bestehen zu diesem Zweck Veteranenheime vom Roten Kreuz; besondere Einrichtungen zur Auf­nahme .und Verpflegung solcher ehemaligen Kriegsteil, nehmer sind in Aachen, Hersfeld, Oeynhausen, Salz- schlirf, Wildungen und Polzin i. P. getroffen. Erheb­liche Verbesserungen sind in Hersfeld und in Aachen vorgesehen. Seit 1903 haben 1050 unbemittelte kranke Veteranen die Vorteile solcher Badekuren, bei denen Unterkunft, Verpflegung, ärztliche Behandlung, Arznei- und Kurmittel vollkommen frei sind, genossen. Die Zuwendung freiwilliger Spenden von Gönnern und Gönnerinnen wäre erwünscht.

Die Zahl der Zweigvereine vom Roten Kreuz hat sich um 9, die der Sanitätskolonnen um 92 mit 1805 Mitgliedern, die der Genossenschaft freiwilliger Kranken­pfleger im Kriege vom Roten Kreuz um 8 Verbände mit 263 Mitgliedern erhöht. Im Verhältnis zu ihrer Seelenzahl hat die Provinz Hessen-Nassau die meisten Kolonnenangehörigen, nämlich 1,23 %<> Die Aus­bildung in der Desinfektion, im Aufstellen, Abbrechen und Verpacken von transportablen Unterkünften nimmt ihren wohlbedachten Fortgang. Die umfang- «.segensreiche Wirksamkeit der Sanitätskolonnen und Verbände der Ge­nossenschaft freiwilliger Krankenpfleger im Kriege vom Roten Kreuz findet eine wohlwollende Anerkennung bei staatlichen und kommunalen Behörden. Ein gemein­sames Vorgehen dieser männlichen Hilfskräfte mit den gewerblichen Berufsgenossenschaften zur Verhütung und Beseitigung von Unfallschäden ist in einer Sitzung am 15. Dezember ds. Js. beschlossen worden.

Eine systematische Regelung des Rettungsdienstes bei Eisenbahnunglücksfällen hat der Herr Minister der öffentlichen Arbeiten für das Gebiet der Preußisch- Hessischen Eisenbahngemeinschaft in Aussicht zu nehmen sich grundsätzlich bereiterklärt. Durch die Entschließung Seiner Majestät des Kaisers und Königs, wonach dem männlichen Personal der freiwilligen Krankenpflege die Teilnahme an den Herbstparaden ebenso gestattet werden soll, wie den dem Preußischen Landes-Kriegerverbande angehörigen Kriegervereinen, ist auch eine Allerhöchste Anerkennung dieser königstreuen und für Krieg und Frieden hilfsbereiten Organisationen ausgesprochen.

ein älterer Mann mit etwas verlebten Zügen und un­leidlich hochmütigemGesichtsausdruck. Die übrigenHerren schienen ihn nicht besonders zu lieben, aber er besaß eine große Suade und führte daher meist das Wort. Xaver war bei weitem der Jüngste der Gesellschaft. Man sah es ihm an, daß er sich geehrt fühlte, und Fedor bewun- derte im stillen die Geschmeidigkeit, mit der er sich den verschiedensten Ansichten anzupassen verstand. Ganz be­sonders viel schienihman der Freundschaft des Referen­dars und Kirchners gelegen zu sein, der Arzt und der Baumeister kamen erst in zweiter Linie. Offenbar war er etwas besorgt, welche Rolle sein Bruder, der simple Re­vierförster, hier spielen würde, aber diese Besorgnis hätte er sich sparen können. Die stattliche Erscheinung und ru­hige Würde des Aeltesten verschafften ihm Geltung, wo- hin er kam, und schon beim zweiten Gang fand Xaver zum ersten Mal, daß er Veranlassung habe, auf seinen Bruder stolz zu sein.

Als man sich erhob, fiel es Fedor auf, daß Kirchner Xaver beiseite nahm. Dieser Mensch war ihm außeror­dentlich unsympatisch und er begriff nicht, daß Xaver sich seine halb sarkastische halb herablassende Art und Weise so devot gefallen ließ. Er hörte so etwas wieheute ver­hindert . . Revanche" und glaubte zu bemerken, daß Xa­ver mit bem Kopf eine leichte Bewegung nach ihm hin machte. Gleich darauf trennte man sich.

Hör mal," sagte Fedor später, als er mit Xaver des­sen Wohnung zuschritt.Mir scheint doch, als ob es in dem Hotel reichlich teuer für Deine Verhältnisse sei. Ich weiß nicht, wie Du das auf die Länge bestreiten willst, ohne Schulden zu machen, und Du weißt doch, mehr als ich jetzt tue, kann ich nicht für Dich tun."

Nun zog Xaver die Schleußen seiner Beredsamkeit auf. Wenn es and) nicht so ganz billig im Kronprinzen sei, so spare er dafür an anderen Dingen. Seine Woh­nung sei ureinfach, er behelfe sich wie und wo er nur könne. Fedor dürfe über seine Finanzen durchaus beru-

62. Jahrgang.

An weiblichen Pflegekräften verfügt der Preußische Landesverein in Verbindung mit dem Vaterländischen Frauenverein über 2594 Helferinnen, 494 Hilfs- schwestern und 2175 Schwestern, sodaß also im Kriegs­falle auf 5252 theoretisch und praktisch ausgebildete we.liche Pflegekräfte zurückgegriffen werden kann. Helferinnen und Hilfsschwestern werden nach besonderen, im Jahre 1908 erheblich verschärften Vorschriften ausgebildet, fortgebildet und ärztlich kontrolliert. Die Schwestern legen das staatlich vorgeschriebene Examen für Krankenpflegepersonen ab. In einer Oberinner« schule wird die Heranziehung tüchtiger Oberinnen und Oberschwestern angestrebt. Die Bildung neuer Schwestern­schaften ist im Gange. Die Zahl der Armeeschwestern beträgt in Preußen 44, in ganz Deutschland 60. Diese 44 Armeeschwestern sind in 20, dem Preußischen Kriegsministerium unterstellten Garnisonlazaretten tätig.

Deutsches Reich.

Neujahrsseier bei Hofe. Die offizielle Neu­jahrsfeier in der Umgebung des Schlosses, am Kaiser­hofe und im Zeughause erfolgte in der üblichen Weise. Um 8 Uhr blies das Trompeter-Korps der Garde« Kürassiere von der Galerie der Schloß-Kapelle einen Choral und unmittelbar daraus begann das große Wecken, welches um 9 Uhr mit dem Vortrage des Tedeums auf dem Schloßhofe endete. Der Kaiser und die Kaiserin trafen um 97« Uhr in Automobilen aus Potsdam im königlichen Schlosse ein und bald darauf erfolgte die Anfahrt der Prinzen, Fürstlichkeiten, Gene­rale usw. In der Schwarzen Adlerkammer nahm das Kaiserpaar die Glückwünsche des königlichen Hauses und um 9 dreiviertel Uhr im Kapitelsaal diejenigen der Hofstaaten entgegen. Um 10 Uhr begann in der Schloß-Kapelle der feierliche Gottesdienst. Im Weißen Saale iand darauf die Gratulations-Defilier Cour statt. Um 12 */, Uhr begab sich der Kaiser mit den anwesenden Prinzen zu Fuß nach dem Zeughause, wo die Parole-Ausgabe sowie die Nagelung mehrerer Fahnen und eine Ansprache an die Generale erfolgte. Nachmittags fuhr der Kaiser bei den Botschaftern vor. Der Kaiser hat die General-Obersten Graf von Schlieffen und Bock und Pollach sowie von der Goltz zu Generalfeldmarschällen ernannt. Den Gene­ralobersten von Lindequist und von Plessen wurde der Rang eines General-Feldmarschalls verliehen.

Das Kaisermanöver 1911 findet zwischen dem Garde-, dem 2. (pommerschen) und 9. (schleswig-hol« steinischen) Armeekorps statt.

lügt sein, er würde ihm sicher keine Ungelegenheiten ma­chen.

Fedor hörte schweigend zu, er war keineswegs über­zeugt, aber der Bruder war feiner Hand ganz entwach­sen? man mußte den Dingen eben ihren Lauf lassen. In Xavers Wohnung sah es ziemlich wüst aus. Er hatte hier keine Frau Wesel, die immer wieder aufräumte. Es war ungefähr derselbe Zustand wie früher in seiner Gym­nasiastenbude, in Steinbrück. UeberaU lagen mindestens drei Gegenstände übereinander. Als Fedor eine Zeitung von einem Tisch aufnahm, kamen Karten zu Tage, die noch ziemlich ebenso dalagen, wie die Spieler sie aus der Hand geworfen hatten. Wie ein Blitz kam ihm das Ver­ständnis. Deshalb also hatte Kirchner von Revanche ge­redet.

Xaver," rief er,Du spielst!" 179,18

Der Jüngere war so verblüfft, daß ihn, wenigstens für einen Augenblick, die allezeit gewandte Zunge im Stich ließ. Er starrte den Bruder an, der mit blitzenden Augen und ausgestreckter Hand vor ihm stand. Leugnen konnte er nicht. Die Beträge, um die es sich handelte, waren allerdings an sich nicht übermäßig hoch, aber doch im­mer zu hoch für Xavers Verhältnisse. Als man ihn das erste Mal zur Teilnahme an dem Spiel aufgefordert, hatte er sich wohl etwas gesträubt und den Soliden gespielt, aber dieEinladung schmeichelte seiner Eitelkeit und schließ­lich hatte Kirchner seine Bedenken überwunden. Xaver hätte um die Welt nicht eingestehcn mögen, daß seine Mittel ihm diesen gefährlichen Sport nicht gestatteten, er hielt also mit, und man kann wohl sagen, zu seinem Unglück gewann er gleich am ersten Abend eine nam­hafte Summe. Er steckte gerade pekuniär in einer bösen Klemme, so kam ihm dieser Erwerb doppelt gelegen. Das war ja jene treffliche gesegnete Art und Weise, zu Gelde zu kommen, das mußte man notwendig noch einmal pro­bieren. Nur einmal noch, öfter gewiß nicht. Aber die Spiel­leidenschaft ist leichter erweckt als gedämpft, noch dazu, bei einem Menschen von chronischem Geldmangel?

V /, A "--- -