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SchlüchternerAitung

mit amtlichem Rreisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

Telefon Nr. «s__Vierteljährliche Beilage:Unsere Heimat".____Telefon Nr. «5.

Erscheint Mittwoch und Samstag Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg,

JI2 10L Samstag, den 17. Dezember 1910 61. Jahrgang.

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Amtliches.

J-'Nr. 7224 K. A. Dem bei dem Qberamtmann Kaiser zu Hundsrück im Dienst stehenden Wilhelm Eberhardt in Steinau ist für langjährige treue Dienst­zeit eine Prämie von 15 Mark aus Kreismittela be­willigt worden.

Schlächtern, den 8. Dezember 1910.

Der Vorsitzende des Kreis-Ausschusses: Valentiner.

Die Rede des Reichskanzlers.

Die Rede des Reichskanzlers vom vorigen Sonnabend hat im Reichstage selbst eine tiefe Wirkung ausgeübt. Herr o. Bechmann Hollweg hat sich mit dieser Rede über alle Parteien gestellt und den bürger­lichen Parteien nahegelegt, nicht an dem Streit der Vergangenheit hasten zu bleiben, sondern die Aufgaben, die uns Gegenwart und Zukunft stellen, sachlich zu behandeln und insbesondere gegenüber der Sozialdemokrane sich der Gemeinsamkeit der Interessen bewußt zu bleiben. Das war der durchgehende Gedanke. Dabei wurden fast alle wichtigen inneren Fragen, die unser Volk bewegen, berührt, und zwar mit einer Klarheit und Wahrheit, die uns bestimmt, die wichtigsten Stellen im Wortlaut wiederzugeben.

Warum die Reichsfinanzreform angenommen werden mußte. Gleichviel wie man sich zu den neuen Steuern in ihrer Gesamtheit oder im einzelnen füllen mag, praktisch entscheident ist die Frage, wie wir uns hätten einrichten sollen, wenn die Finanzreform nicht zustande gekommen wäre. (Sehr richtig! rechts und in der Mitte.) Meine Herren, so annähernd eine Milliarde neuer Reichsschulden im Verlaufe weniger Jahre, das wäre, ziffernmäßig ausgedrückt, das Er­gebnis gewesen, verbunden mit all den Einbußen, die Deutschlands Stellung nach innen und nach außen bei Fortsetzung der Anleihewictschast erlitten haben würde. (Sehr richtig!) Ueber der Polemik um die Besitzsteuern hat man ganz vergessen, was die Nation bewegte, als wir vor zwei Jahren die Steuergesetze einbrachten. Das war nicht der Streit um diese oder jene Steuer­art, sondern das war die von der ganzen Nation ver­tretene Ueberzeugung, daß es mit der Finanzwirtschaft, die wir jahrelang getrieben hatten, nicht weitergehe (Sehr wahr! rechts. Sehr richtig! links) Deshalb hat auch Fürst Bülow ich erwähne das, weil sich darüber falsche Ansichten zu bilden scheinen, deshalb

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Segen der Arbeit.

Roman von Klara Hellmuth. 32

Er sah in dem Aeltestennur den lästigen Kontrolleur, und wenn er sich schließlich fügte, so geschah es nur in der Erwägung, daß er ihn einstweilen absolutnicht ent­behren konnte.

Fedor langte auf der Rückreise gegen Mittag in Stein- brück an und begab sich zunächst ins Hotel, um zu spei­sen, bevor er die Schwestern aufsuchte. Sorglich wählte er auf der Speisekarte das Billigste aus, denn Rosas Hochzeit und Xavers Ausrüstung hatten Löcher in seine Kasse gerissen, die nur sorgfältigstes Wirtschaften wieder stopfen konnte. Er zog sein Taschenbuch hervor, um die Ausgaben der Reise zusammenznrechnen, während er auf sein Stück Schweinskarbonade wartete. Es war kaum zu glauben, wie das alles ins Geld lief.

In einem Nebenzimmer tafelte eine Anzahl Herren, offenbar Stammgäste und alte Bekannte. Sie duzten sich znm Teil und plauderten laut und ungeniert.

Fedor achtete anfangs kaum darauf, bis auf einmal der Name Auerbach an sein Ohr schlug, und nun erwachte sein Interesse. Diesen Namen konnte er noch immer nicht ohne eine gewisse Erregung hören. Man schien schon 'längere Zeit bei dem Thema verweilt zu haben, denn die abgerissenen Sätze, die Fedor auffing, klangen schwer .verständlich.

Waren Sie auch auf der Gesellschaft?"Gewiß, Gott, ich sage Ihnen, es war zum Totlachen. Daß sie sich bei den Ohren gehabt haben mußten, sah man ja bei dem ersten Blick, und nun bei Tisch, als er seinen Spitz weg hatte, plauderte er die ganze Geschichte aus. Ja, so was Komisches hab' ich noch nie gehört." »Meine Herren, na, ich sage Ihnen, meine Alte, klein aber haha, das kön­nen Sie mir glauben, meine Herren .." »Unb dann immer dazwischen im richtigen Vielfraßton:Errrna yib mir noch Braten." -Ja, der Mensch ist wirklich

hat auch Fürst Bülow aus der Ablehnung der Erb­schaftssteuer nicht die Konsequenz gezogen, daß der Reichstag aufgelöst werden müsse; er hat im Gegenteil den sofortigen Abschluß der Reichsfinanzreform auch ohne Erbschaftssteuer für eine Lebensforderung des Deutschen Reiches erklärt und hat dieser Forderung seine Person untergeordnet. So ist der Hergang ge­wesen, den man, wie mir scheint, jetzt zum Teil zur Fruktifizierung im parteipolitischen Interesse zu ver­schleiern sucht. (Hört, hört! rechts.)

Meine Herren, der Etat, den Ihnen der Herr Reichsschatzsekretär gestern vorgelegt hat, ist die beste und bündigste Rechtfertigung dafür, daß die verbündeten Regierungen den Beschlüssen der Reichstagsmehrheit beigetreten sind, ungeachtet der Bedenken, die sie gegen Beschlüsse zu erheben hatten.

Deutsches Reich.

Der Reichstag setzte am Sonnabend die erste Lesung des Etats fort, die mit einer großen Rede des Reichskanzlers v. Bethmann Hollweg über die innerpolitische Lage begann. Später ergriff der Reichs­kanzler in der Debatte nochmals das Wort, um über die auswärtige Politik zu sprechen. Abg. Wassermann (natl.) erklärte sich mit der Wirtschaftspolitik des Reichskanzlers durchaus einverstanden. Abg. Wiemer (fortschr. Vp.) sprach über die gesamten die Oeffent- lichkeit beschäftigenden Fragen. Abg. Frhr. v. Gamp (Rp.) wies auf die erfreulichen Wirkungen der Reichs­finanzreform, hin und wandte sich gegen die Jugend­verhetzung durch die Sozialdemokratie und den sozial- demokratischen Terrorismus. Die sozialdemokratische Gefahr dürfte nicht zu gering eingeschätzt werden.- Am Montag äußerte sich der Staatssekretär des Aus­wärtigen Amtes von Kiderlen-Wächter über Marokko. Es bestehe volle Uebereinstimmung zwischen allen be­teiligten Mächten vor allem also zwischen Frankreich, Deutschland und Marokko darüber, daß die Eröffnung eines der geschlossenen Häfen Marokkos nur unter Zu­stimmung sämtlicher Vertragsmächte erfolgen kann. Ueber die aus dem Reichstag verlangte Umgestaltung der Organisation des Auswärtigen Amtes bemerkte der Staatssekretär, daß an den Grundzügen dieser Organisation, die aus der Zeit Bismarcks stammt, nicht gerüttelt werden könne. Darauf begründete der Staats­sekretär des Reichskolonialamts v. Lindequist zum erstenmal den Kolonialetat und entwickelte ein aus­führliches Wirtschaftsprogramm für die Schutzgebiete,

der personifizierte Bauch."Was sagte sie denn da­zu?"Na, sie tat, als hörte und sähe sie nichts, das war ja auch das beste, was sie tun konnte, aber merkwür­dig gemütlich war die ganze Szene. Da keine Damen da waren, konnte sie sich nachher zurückziehenund Lüdeck die Sorge für den teuren Gatten überlassen."Lüdeck, wie ist mir denn, dasist jawohl der Hausfreund?"Na, man sagt das, aber ich glaub's nicht."Na, na, wis­sen kann man's nicht. Die Rolle des Trösters bei einer schönen und unglücklichen jungen Frau, Denbel auch, so was ist immer interessant."Und manch einer leidet ja an Herzerweiterung."

Eine Zeit lang war das Stimmengewirr so laut, daß der Lauscher nichts mehrcherstand,dann sagte eineStimme: Seine Arbeiter hassen ihn ja geradezu."Ja, und es ist um so erstaunlicher, als er tatsächlich die reine Memme ist. Jedes alte Weib hat mehr Kourage." Er hat eben eine Art, die Leute unnötig zu reizen und außerdem..."

Hier trat der Kellner ein und schloß die angelegte Tür.

War die offen?" fragte jemand.Na, hoffentlich..." Fedor genoß mechanisch, was man ihm vorgesetzt hatte, ohne sich viel darum zu kümmern, was es sei. Das eben Gehörte ging ihm wie ein Mühlrad im Kopfe herum. War es schon so weit gekommen, daß Erna zum Thema einer Wirtschaftstafel werden, daß jeder ihren guten Ruf zerpflücken, über ihr häusliches Elend seine Witze reißen konnte? Nicht daß er diesen halblachend geäußerten Ver­dächtigungen Glauben geschenkt hätte; daß man sie über­haupt zu verbreiten wagte, das war das Gräßliche.

Er hatte sich einst in jugendlicher Ueberschwänglichkeit gelobt, ihr alle Steine aus dem Wege zu räumen, sie auf Händen durchs Leben zu tragen, was war statt dessen ihr Los geworden? Er sann und sann und merkte kaum, wo er sich befand. Der Kellner umschlich ihn mit schee­len Blicken. Wer so lange festsaß, der sollte doch wenig­stens eine Flasche Wein trinken, anstatt des lumpigen Schnittes". Er postierte sich so, daß sein Schatten gerade

wobei die Bahnbaupläne und die Versorgung der deutschen Industrie, insbesondere der Textilindustrie mit den von ihr benötigten Rohstoffen aus den Kolonien die Hauptrolle spielten. Er gab dann eine sehr aus­führliche finanzwirtschaftliche Darstellung über die zu- nehmende wirtschaftliche Kräftigung der Kolonien und die daraus folgende Abnahme der Belastung des Reiches. Geplant ist eine umfassende Organisation des landwirtschaftlichen Bersuchswesens. Auch die Behandlung der Eingeborenen, das Studium der Schlaf­krankheit und manche andere Frage zog der Staats­sekretär in den Bereich seiner Ausführungen. Die weitere Debatte bot nichts Bemerkenswertes.

Bei der 25 jährigen Jubelfeier der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft hat der Kaiser eine Rede gehalten, in der er auf die Verdienste derselben hinwies, und die in dem Wunsche gipfelte:Möge die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft ihren großen Zielen immer näher kommen, die deutschen Landwirte weiter unter ihren Fittichen sammeln und so auch an ihrem Teile das Band festigen, das alle deutschen Gaue umschließt. Möge sie es sich stets angelegen sein lassen, die Liebe zur heimischen Scholle zu pflegen und in ihren Mit­gliedern das Gefühl der Berufstreue zu stärken, damit die landwirtschaftstreibende Bevölkerung sich allezeit als ein gesunder und verläßlicher Kern des deutschen Volkes bewahre zu Nutz und Frommen des gesamten Vaterlandes!"_____________________________

Ausland.

Aus Wien wird der Rücktritt des österreichischen Kabinetts Bienerth gemeldet. Kaiser Franz Joseph hat das Kabinett mit der einstweiligen Fortführung der Geschäfte betrau'.

Das portugiesische Appelationsgericht chat ein» stimmig den früheren Ministerpräsidenten Joao Franco und die Mitglieder seines Kabinetts in die Amnestie eingeschlossen und die gegen sie erhobene Beschuldigung für nichtia erklärt.

Nach einer Meldung desOsmanischen Lloyd" haben räuberische Beduinenstämme die Stadt Kerak, Die im Osten des Toten Meeres liegt, angegriffen, die Besatzung niedergemacht und über 100 Christen abgeschlachtet. Ferner überfielen und zerstörten sie die Station Katrane an der Hedschasbahn und metzelten die Beamten mit ihren Familien nieder. Das Blatt Jkdam" gibt die Zahl der in Kerak Ermordeten auf vierzig an. Nach den bedrohten Gegenden sind Truppen

über den Tisch fallen mußte; da endlich stand der Gast auf, zahlte und ging. Geradezu peinigend waren die Bil­der, die sich ihm in unterbrochener Reihenfolge vor das geistige Auge drängten. Hatte er nur dazu auf ein heiß­begehrtes Glück verzichtet, damit einandererseinKleinod in den Staub treten konnte? Er ging zu den Schwestern, aber dort litt es ihn nicht lange. Zum ersten Mal inter­essierte ihn Jdas Geplauder nicht. Er brach bald wieder auf, um noch einen dienstlichen Besuch beim Forstmeister zu machen. Der Vorgesetzte, bei dem Fedor einen Stein im Brett hatte, hielt ihn länger als gewöhnlich fest, und es dunkelte bereits, als er durch die Anlagen zur Stadt zurückkehrte. Die schattigen Wege warxn um diese Zeit schon menschenleer und Buschs Schritte unterbrachen fast rauh die allgemeine Stille. Auf einmal hielt erhorchend inne. Was war das? Es klang wie ein unterdrückter Schrei, dem ein Scharren und Stampfen folgte, dann hörte man ganz deutlich:Hilfe . . Hilfe 1

Der Schrei schien von rechts herüber zu kommen, wo mehrere dichte Bosketts den Ausblick auf die Auerbachsche Fabrik verdeckten. Fedor hatte sich nicht getäuscht. Sein Beruf hatte ihn gut gelehrt, Richtungen und Entfernun­gen zu taxieren. Mit ein paar Sätzen'hatte er das Boskett erreicht.

Hilfe!.. Hilfe!"

Was sich da am Boden wälzte und bäumte, schien erst nur eine formlose Masse zu sein, im nächsten Augen­blick aber erkannte Fedor zwei Männer, die sich in wü­tendem Ringen fest umklammert hatten.

Hund, elender!"Mein Leben, mein Leben, ich will Ihnen .. Geld . ." ächzte der eine und suchte mit der Kraft der Todesangst die Hand des andern sich von der Kehle zu halten.

Was, Geld, Du Lump .. meine Tochter . ." Dies alles ging viel schneller vor sich, als es erzählt werden kann. Jetzt gelang es auch dem Angreifer, einen Arm frei zu bekommen, ein Messer blitzte auf. 179,18