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mit amtlichem Kreisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.
Telefon Nr. 65______________Vierteljährliche Beilage: „Unsere Heimat".__Telefon Nr. «S.
Erscheint Mittwoch und Samstag — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg,
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Mittwoch, den 14. Dezember 1910
61. Jahrgang.
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Königlich PreuMsche Klassen Lotterie.
Mit der im Januar 1911 beginnenden Ziehung der 224. Königl. Preuß. Klassen-Lotterie, zu welcher die Lose vom 9. Dezember 1910 ab ausgegeben werden, treten folgende Aenderungen ein:
1. Die Anzahl der Lose ist auf 380,000 erhöht und zwar dienen die Nummern l—174,000 als Stammlose und die Nummern 17 4,001—190,000 als Freilose.
2. Die Lose werden für die Folge in zwei Abteilungen: I. und II. eingeteilt: jede Abteilung hat die Nr. 1—190,000. Alle bis jetzt ausgegebenen Losenummern über die Nr. 174,000 fallen als Stammlose in Zukunft weg.
3. Die bisherigen Spieler der Lose über Nr. 174,000 erhalten so weit möglich, korrespondirende Nummern. So soll z. B. der Spieler des Loses Nr. 195,001, das Los Nr. 95,001 und der Spieler des Loses Nr. 225,001, das Los Nr 25,001 oder das Los Nr. 125,001 erhalten.
4. Die Lose beider Abteilungen werden zusammen gezogen. Das heißt, ein Gewinn der auf ein Los der Abteilung 1 fällt, gilt auch für die gleiche Nummer der Abteilung II. Zum Beispiel: wird das Los Nr. 180 000 mit Mark 10,000.— gezogen, so gilt dieser Gewinn für das Los Nr. 180,000 der Abteilung I sowohl, als auch für Nr. 180,000 der Abteilung II mit je Mk. 10,000. — Auf jede mit einem Gewinn gezogene Nummer entfallen demnach zwei gleich hohe Gewinne, und es zeigt demgemäß der neue Spielplan alle Gewinne paarweise, sodaß also auch das sog. große Los von Mk. 500,000. — sowie die Prämie von Mk. 300,000. — doppelt vorhanden sind.
5. Die durch die Losevermehrung gewonnenen neuen Mittel sollen nach dem üblichen Abzug der Reichsstempelabgabe und der Einnehmergebühr voll der Lotterie bezw. den Spielern zu gute kommen.
6. Die Zehntellose fallen für die Folge weg, und es werden demnach nur noch ganze, halbe, viertel und achtel Lose ausgegeben. Der kleinste Lose- abschnitt kostet also für die Folge Mk. 5.—.
7. Die Vorteile der Aenderung:
a) wesentliche Entlastung der Ziehungsräder;
b) durchgreifendere Mischung der Losenummern und Gewinnröllchen,
Segen der Aröeit.
Roman von Klara Hellmuth. 31
Aber je mehr Auerbach sie reizte, um so mehr stachelte er ihr Naturell zum Widerstände auf. Anfangs war es der Kampf einer feiner organisierten Natur gegen eine gröbere gewesen, bald waren es nur noch die täglichen und ganz gewöhnlichen Reibereien einer unglücklichen Ehe mit all ihren zersetzenden und demoralisierenden Einflüssen.
Es dauerte gar nicht lange, so war ganz Steinbrück voll von den Szenen, die im Auerbachschen Hause teils vorkamen, teils vorkommen sollten, aber Fedor hörte trotzdem geraume Zeit nichts davon. Seine Geschwister nahmen ihn zu sehr in Anspruch. Rosa hatte sich mit einem Apotheker verlobt, einen noch jungen Witwer mit zwei kleinen Kindern, denen sie voraussichtlich die treueste Mutter von der Welt sein würde.
Einstweilen steckte sie aber noch tief in Zweifeln und Bedenken, ob dieser Schritt dem Bruder gegenüber auch recht sei. Fedor mußte seine ganze Autorität und Beredsamkeit aufbieten, um sie am Zurücktreten zu hindern und sie zu überzeugen, daß er auch ohne ihre Beihilfe fertig werden könne. Zum Glück war nichts Erhebliches an : Mitgift erforderlich, aber ohne ein wenig persönliche Ausstattung ging es doch nicht ab, das empfand Fedor als Ehrensache. Es mußte daher eine kleine Anleihe gemacht und später die Schraube der Sparsamkeit noch etwas kräftiger angezogen werden. Wie und wo das zu geschehen habe, kostete freilich manches Nachdenken, da sein Haushalt schon derartig eingerichtet war, daß eine neue Stelle zum Abknapsen schwer zu finden schien. Alle diese kleinen und kleinsten Sorgen nahmenihn so in Anspruch, daß ihm für persönliche Angelegenheiten gar keine Muße blieb. Es war ein entbehrungsreiches, fast hartes Leben, aber er fühlte sich nicht unglücklich.
Wer die Hände voll Arbeit hat und genötigt ist, die
c) schnellere Abwickelung der Ziehung und da» durch ermöglichter Beibehalt der bewährten Einrichtungen der Preuß. Klaffen-Lolterie;
d) beschleunigtere Herstellung der Gewinnlisten und Erleichterung der Veröffentlichung in den Zeitungen.
e) Verlängerung der Verkaufs- und Erneuerungszeit der Lose;
f) Vermehrung der mittleren Gewinne, Verdoppelung der Hauptgewinne.
Deutsches Reich.
— Der Reichstag trat am Freitag in die erste Lesung des Etats ein, die durch eine Rede des Schatz- sekretärs Wermuth eingeleitet wurde. Er gab einen Ueberblick über den Stand der Reichsfinanzen und betonte unter lebhaftem Beifall die fortschreitende Gesundung unserer Wirtschaft. Es sei gelungen, das Gleichgewicht von Ausgaben und Einnahmen mieder- herzustellen. Aber nur auf die Vergangenheit könne man sich nicht stützen, auch die Zukunft heische ihre Rechte. Es gelte die Friedenspräsenzstärke auf weitere fünf Jahre festzulegen. Das Jahr 1909 dieses Jahr der Wirrnisse, habe immerhin mit einem versöhnenden Lichtblick geschlossen. Es sei ein Mehr von 21 Mill. für Branntwein von 6 Millionen für Brausteuer, von 10 Millionen für Grundstücks-Umsatzstempel, von 9 Millionen für Emissionsstempel vorhanden. Das Jahr 1910 habe keine angenehmen Ueberraschungen, aber auch keine herben Enttäuschungen gebracht. Die Marineverwaltung habe sich vollständig im Rahmen des Flottengesetzes bewegt, und der Heeresetat der 1908 noch 857 Millionen betrug, sank 1909 auf 829 und 1910 auf 808 Millionen, ^.k^mmifter v. Heeringen begründete die neue Militärvorlage, entwickelte die Grundlage des neuen Quinquenats und gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Durchführung der vorgeschlagenen Maßregeln das Heer befähigen wird, den Feind von der vaterländischen Grenze abzuhalten wenn es einmal ernst werden sollte. In der Debatte sprachen die Abgg. Speck (8-), Frhr. v. Richthofen (kons.) und Scheidemann (Soz.)
— Bei der Reichstagsersatzstichwahl in Labiau- Wehlau erhielt Burchard (kons.) 7110 Stimmen, Wagner (fortschr. Vp.) 9761 Stimmen. Letzterer ist somit gewählt.
— Mit Bezug auf den Umlauf der Fünfundzwan- zigpfennigstücke sowie der Dreimarkstücke wird von zu
Blicke immer nur auf das Nächstliegende zu richten, entgeht meist dein Kummer, den die Betrachtung des Vergangenen und Kiiuitigen dem Müßigen so häufig bereitet.
Kaum war Rosas Hochzeit vorüber, so rückte Xaver wieder an die erste Stelle in den Gedanken des Aeltesten.
Der junge Herr hatte jetzt tatsächlich das Abiturium bestanden, zwar keineswegs mit Glanz oder auch nur annähernd seinen Gaben entsprechend, aber doch immerhin bestanden, und Fedor sah sich vor die Frage gestellt: Was nun?
Xaver kam nach bestandenem Examen bis auf weiteres zu ihm nach Kosenau und das alte Wohnzimmer ward Zeuge manch stürmischer Unterredung, denn es kostete harte Kämpfe, Xaver von der Unausführbarkeit seines Wunsches, Jura zu studieren, zu überzeugen.
„Wer solles denn bezahlen?" fragte Fedor. „Du hast nichts und ich habe nichts. Mit Null-Null ist nichts an= zufangen. Es ist mir schwer genug geworden, Dich bisher auf der Schule zu erhalten, es ging überhaupt nur durch eine Sparsamkeit, unter der allmählig der ganze Wirtschaftsbetrieb leidet und die ich nicht mehr lange fortsetzen kann. Dabei wußte ich in Steinbrück doch immer so ungefähr, wie hoch sich die Ausgaben belaufen würden. Auf der Universität wäre das ganz unkontrollier- bar. Deine Vergangenheit ist nicht geeignet, mir großes Vertrauen zu Deiner Solidität einzuflößen, und außerdem .. wo nichts ist, hat selbst der Kaiser sein Recht verloren."
„Bah, ich lasse eben ankreiden und suche mir später eine reiche Frau."
„Schöne Grundsätze!" sagte Fedor ironisch.
„Wozu hast Du mich überhaupt auf der Schule gelassen? Dann hätte ich nur gleich nach des Vaters "Tode Heringe in Zeitungspapier wickeln und Seife abwiegen können. Das hättest Du billiger gehabt."
„Ich habe es getan," sagte Fedor ruhig, „weil ich wußte, daß es im Sinne unseres Vaters war, weil ich Dir auch ohne akademische Bildung eine ehrenvolle Stel
ständiger Stelle mitgeteilt: „In dem Metallbestand der Reichsbank vom 22. Oktober befanden sich nicht mehr als 5 470 580 Mark in Dreimarkstücken und 723 610 Mark in Fünfundzwanzigpfennigstücken, welche sich auf 496 mit Kafseneinrichtungen versehene Anstalten verteilten. Auf die einzelnen Kassen entfallen hiernach Beträge, die bei dem starken Ein- und Auszahlungsverkehr nur als geringfügig zu bezeichnen sind, die im Betriebe selbst unausgesetzt bewegt werben, und deren Knappheit die Festlegung von Reservevorräten nicht gestattet. Die Annahme, daß die Reichsbank die vorbezeichneten Sorten oder überhaupt die Scheidemünzen festhalle und dem Verkehr entziehe, beruht auf einer völligen Verkennung der Verhältnisse. Die Bankverwaltung ist vielmehr — unter möglichster Rücksichtnahme auf die Wünsche des Publikums — stets bemüht gewesen, den Umlauf an Silbermünzen nach Kräften zu fördern. Sie ist dabei von der Auf- fasfung ausgegangen, daß es im öffentlichen Interesse liegt, durch tunlichste Verwendung von kleinen Noten, Reichskasfenscheineu uud Silbergeld im Zahlungsverkehr dem übermäßigen Verbrauch von Goldmünzen entgegenzuwirken und auf diese Weise den Goldbestand der Reichsbank zu stärken."
Ausland.
— Colombo, 11. Dez. Der heute zu Ende gehende Aufenthalt des Kronprinzen und der Kronprinzessin auf Ceylon ist in jeder Beziehung durchaus befriedigend verlaufen. Trotz des eingehaltenen Inkognitos ist von den Behörden und der Bevölkerung alles geschehen, um das Verweilen der hohen Gäste so angenehm wie möglich zu gestalten. Der Kronprinz benutzte, wie bekannt, die in Ceylon verlebten Tage, um die ihm hier zum erstenmale entgegentretende Tropen- welt kennen zu lernen und nahm an mehreren Jagd- expeditionen teil, die infolge wechselnder Witterung mancherlei Zwischenfälle milbrachten. Der Kronprinz besuchte in Begleitung der Kronprinzessin die historischen Denkmäler der Insel und besichtigte mehrere industrielle Etablissements. Gestern fand dem Diner bei dem deutschen Konsul ein Empfang im deutschen Klub statt, wobei der Kronprinz und die Kronprinzessin sich sämtliche Mitglieder der hiesigen deutschen Kolonie vorstellen ließ und in längeren zwanzlosen Gesprächen mit ihnen verweilten. Heute gibt der Gouverneur zu Ehren des kronprinzlichen Paares ein Abschiedsfrühstück. Die Kronprinzessin besuchte hierauf die „Gneisenau" und
lung sichern wollte. Studieren kann ich Dich nicht lassen. Ich habe bisher nicht die Ueberzeugung gewinnen können, daß Dein Charakter die nötige Festigkeit besitzt, um das ungebundene Studentenleben zu ertragen, und daß Du genug ernsten Fleiß anwenden würdest, um die Studienzeit nicht unnötig zu verlängern."
„So soll mein Lebensglück an Deinem Eigensinn und Deiner Unfreundlichkeit scheitern?"
„Das sind ja Phrasen, Xaver, und das weißt Du auch. Wir alle müssen mal auf einen Wunsch verzichten und sterben nicht gleich daran. Ich verweigere Dir nur, was seiner Natur nach unmöglich ist. Was verlange ich denn überhaupt von Dir? Doch kein Hinuntersteigen in Kreise, die Deiner Bildung nicht entsprächen? Im Gegenteil, die höhere Postkarriere steht Dir offen. Dort kannst Du es so weit bringen, wie Dein Fleiß und Deine Fähigkeiten erlauben."
Xaver in seinem Hochmut war natürlich selbst mit diesen Aussichten, um die ihn tausend andere beneidet hätten, nicht zufrieden. Tagelang versuchte er immer wieder, bald auf diese, bald auf jene Art, den Willen des Bruders zu beugen. Erst nachdem zwei volle Wochen so in Schmollen, Trotzen und Aufbegehren verflossen waren, ergab er sich endlich in sein Schicksal, wie er sich pathetisch ausdrückte, und erklärte sich bereit, als Posteleve einzutreten. Natürlich spielte er den schwer Gekränkten; er sprach kaum das Nötigste und zeigte gegen alles, was seinen neuen Beruf anging, die tiefste Verachtung, aber Fedor ließ ihn gewähren und nahm keine Notiz davon.
Als die Verhandlungen mit der Behörde und alles zu der Uebersiedelung Notwendige erledigt war, begleitete Fedor den Bruder an den neuen Wohnsitz, um ihn dort zu installieren und ihm bei der Wahl eines Quartiers behilflich zu sein. 179,18
Xaver nahm diese neue Bevormundung sehr ungnädig auf und fragte spöttisch, ob Fedor nicht etwa auch eine Saugflasche fürihn mit aufdieReise nehmen wollte.