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zwischen den beiden Häusern des Parlaments gescheitert | einem ums Jahr 1287 komponierten Minnesängerlied Dörfen begonnen. Die Hetzschrift verrät ihre Herkunft sei. Netzte das Programm ein, dem nach einer weiteren^"--*' --""^» --^ ^"- -----------

Gegen eine französische gewerkschaftlich organi- Nummer Italiens berühmtester Organist Frescobaldie

fierte Mörderbande wurde vor dem Schwurgericht in, folgte. Die klassische französische Schule fand in zwei Rouen verhandelt. Sieben Arbeiter waren angeklagt, j Nummern wirkungsvolle Vertretung. Während bis gelegentlich des Kaiarbeiterausstandes in Havre im s jetzt ein äußerst zartes Piano die Oberhand hatte, kam September dieses Jahres den Führer einer Kolonne < mit den folgenden Piecen deutscher Komponisten die von Arbeitswilligen totgeschlagen zu haben. Von den ~~A ^"^^ x"!* """^ "' -^-^k»-^ ^^

Angeklagten wurde einer zum Tode, einer zu fünfzehn und zwei andere zu acht Jahren Zwangsarbeit, letztere drei außerdem zur Zahlung einer Entschädigung von 20 000 Franken verurteilt; die drei anderen wurden freigesprochen. Es ist erfreulich, daß endlich einmal ein französisches Gericht dem infamen Streiklerrorismus der französischen Arbeiterschaft energisch zu Leibe geht.

Der Endpunkt der Bagdadbahn soll nach der Meldung türkischer Blätter auf Wunsch der deutschen Regierung an den Persischen Meerbusen gelegt werden.

Aus Konstantinopel wird ein neuer Araber- Aufstand gemeldet. Der berüchtigte Araberchef Mahdi Jdris sammelte in Oszin in fernen große Kriegermassen von den Stämmen im Innern Arabiens, belagerte in der Stadt Ebha fünf Baltaillone Regierungstruppen und schnitt alle Telegraphenlinien ab. Der Kommandant von Jemen bat um schleunige Entsendung von zehn Balaillonen Hilfstruppen. Es verlautet, die Araber­stämme in der Provinz Bagdad hätten sich mit Jdris vereinigt und die Telegraphenlmien abgeschnitten.

Die Revolution in Mexiko ist noch keineswegs zu Ende. Es fand wieder ein Gefecht bei Chihuahua statt, bei denen 400 Anhänger Maderos von 600 Mann Regierungstruppen geschlagen wurden. Von den Revolutionären sind 13 Mann gefallen und mehrere verwundet worden. Die Regierungstruppen hatten nach offizieller Angabe keinen Gefallenen, aber mehrere Verwundete.

Aus Athen wird ein mißglücktes Attentat auf den griechischen Ministerpräsidenten Venizelos gemeldet. Er befand sich auf einer Reise von Trikkala nach Volo, und an einer über einen Bach führenden Brücke war quer über die Schienen eine schweren Eisenbahnschiene gelegt, durch die der Zug zum Entgleisen gebracht werden sollte. Dem Zugführer gelang es jedoch, recht» zeitig zu bremsen und das Hindernis zu entfernen.

Die Meuterei der brasilianischen Flotte ist vor­über. Der Führer der Meuterer und 40 seiner Ka­meraden verließen das KriegsschiffMinas Geraes". Man nimmt an, daß sie geflüchtet sind. Alle Kriegs­schiffe, deren Mannschaften gemeutert hatten, haben sich ergeben. Zwei von der Regierung bestimmte Offi­ziere übernahmen das Kommando.

Lokales und Provinzielles.

Schlüchteru, 2. Dezember 1910.

Das auf Seite 4 unseres Blattes ange- tündigte Historische Orgel-Konzert findet am Sonntag, den 4. Dezember nachmittags

halb 3 Uhr statt.

* Nächsten Sonntag, den 4. Dezember, nach» mittags 7«3 Uhr findet in der hiesigen evangelischen Kirche ein Historisches Orgcl-Konzert statt, dem ein sehr interessantes und abwechslungsreiches Programm zu Grunde liegt. Der Künstler Herr P. von der Au aus Mainz hat in bereits mehr als 200 Orten ferne eigenartige Kunst dargeboten. Er will uns einen kurzen Entwicklungsgang des Orgelspiels von den ältesten Zeiten bis zur Gegenwart vorführen. Besonderen Wert erlangen seine Vorträge nun dadurch, daß er in jüngster Zeit auf vielfachen Wunsch diesen nähere Erläuterungen beigibt, die auch dem weniger Einge­weihten einen Fingerzeig darbieten, wie er den Inhalt der einzelnen Stücke deuten soll. Der Vortrag be­ginnt mit alten Meistern. Nach mündlicher Ueber­lieferung setzt dasMinnesängerlied" v. d. Unverzagten ein, woran sich die älteste Handschrift anreiht. Hierauf ergreifen fremde Meister: Niederländer. Italiener und Franzosen das Wort. Den Höhepunkt bildet die Zeit des deutschen Klassizismus mit Buxtehude, Bach und Händel. Eine Einlage von dem preußischen König Fr. d. Großen leitet zur neueren Zeit über. Der 2. Teil bietet moderne Meister, und zwar aus dem ver­flossenen Jahrhundert und aus der Gegenwart. In bunter Reihe folgen norwegische (Grieg), englische (Elaar), belgische (Callaerts), deutsche (Liszt, Rhein- berger und Max Reger) und französische Todichter (Guillmant). Wir hoffen, das der Gedanke des Konzert­gebers, unsere klassische geistliche Musik weiteren Kreisen bekannt und zugänglich zu machen, auch hier Entgegenkommen findet. Es wird kein besonderer Eintritt erhoben. Die sehr interessanten Programme a 50 Pfg. berechtigen zuni Besuche. Wir wollen den Vortrag allen Kunstfreunden besonders empfehlen. Ueber das Orgel-Konzert schreibt die Bad Teplitzer Zeitung in Böhmen folgendes: Wahre und reine Kunst nein, wahrste und reinste Kunst wurde gestern all denen geboten, die der Einladung zum Orgelkonzert des Herrn P. von der Au aus Mainz in der Pfarr­kirche gefolgt waren. Waren es auch nicht allzuviele.

die dieser Kunst Interesse entgegenbrachten, so freute es',.'> uns umsomehr, daß alle Bevölkerungsklassen ihre Ver- zugerichtet.

treten fanden. Lauten Dank zum Ausdruck zu bringen,

verbot die Heiligkeit des Ortes. Aber die Gesichterm _ . _ ,

2 ugten von dem Eindruck des Genossenen. Mit nossen' mit der Verteilung desLandbolen in vielen

ganze Wucht deutscher Musik zum Durchbruch. Nach­

dem wir den Lehrer eines Joh Seb. Bach, Buxtehude, in einer wunderbaren Programmnummer kennen ge­lernt hatten, kam Bach selbst zu Wort mit seiner großen O-äm-Fuge. Was wir hier mehr bewundern sollen, wissen wir nicht, die Kraft und Tonfülle der Komposition oder die Reinheit der Wiedergabe. Mit recht nennt das Programm Bach den größten Orgel- meister aller Zeiten und Länder. Bach hätte sich aber auch keinen besseren Interpreten wählen können. So schwierig diese Komposition ist, und so hohe technische Anforderungen sie auch stellt, restlos gab dieser Mainzer Herr Bach'schen Geist wieder. Verklärung lag am Schlüsse noch auf allen, sekundäres Alemstocken sagte mehr als lauteste Beisallsäußerung. Händel ließ sich in seinem Orgelkonzert Nr. 4 hören; er ist würdig, an die Seite seines großen, vorher gehörten Kollegen gestellt zu werden. Daß ein rauher Kriegsmann auch ein ganz guter Komponist sein kann, beweist Friedrich der Große König von Preußen. Aber der Unterschied war denn doch zu groß; vielleicht genau so, wie wenn wir erst eine Wagneraufführung in Bayreuth geschaut und gehört und dann plötzlich Leharsiche oder FaUsche Musik von einem Grammophon. Zwar leicht schwebend, aber nur Augenblicksmusit. Die zweite Abteilung des vielgestaltigen Programms bescherte uns Musik von

modernen Meistern.

Nordische Weisen machten den

Griegs Musik ist einzig.

Anfang mit Ed. Griegs.

Wie wenn Tausende von Vögeln einen recht harten Langschläfer wecken wollten und dazu jedes Vögelchen seiner sangesfrohen Kehle die besten Weisen entlockt, so mutet GriegsMorgenstimmung an. Eine Glanz­nummer des Programms. Ein Engländer und ein Belgier, sowie drei deutsche Namen verzeichneten noch das Programm, das der Franzose Cäsar Frank beschloß. Wir wurden uns gerne, namentlich über die letzten Komponisten, noch etwas breiter auslassen, wenn der Raum reichen würde. Vollständigste Beherrschung seines Instruments muß man dem Mainzer Orgelmeister nachrühmen. Besonders freute uns die wiederholte Anwendung des Fernwerkes. Den Veranstaltern für diesen schönen Kunstgenuß herzlichsten Dank.

* Handwerker-Erholungsheim. Der preußische Minister des Innern hat zu Gunsten der Errichtung des Handwerker-Erholungsheims in Traben-Trarbach an der Mosel die Veranstaltung einer Wohltätigkeus» Lotterie genehmigt. Die Lose dieser Lotterie können in den Provinzen Hessen Nassau, Rheinland und Westfalen verkauft werden. Außer in den bekannten Lotteriegeschäften hat auch die Handwerkskammer in Cassel, Jordanstraße 12, den Vertrieb der Lose über­nommen. Ein Los kostet 1 Mk. Der Hauptgewinn hat einen Wert von 20 000 Mk., der 2. einen Wert von 5 000 Mk. und der 3. einen Wert von 2000 Mk. Im ganzen kommen 5000 Gewinne im Gesamtwerte von 50 000 Mk. zur Verteilung. Die Gewinne be­stehen durchweg in Wertgegenständen. Sämtliche Gewinne werden auf Wunsch der Gewinner mit 9O°/o bar verkauft. Die Ziehung findet am 24. und 25. Januar 1911 statt.

* Mainz. In nicht geringe Aufregung wurde am Donnerstag unsere Stadt durch die Kunde von einem Morde versetzt. Ein Unbekannter hatte ein wehrloses Dienstmädchen niedergestochen. Ueber die Blutlat erfahren wir folgendes: Das 34 Jahre alte Dienstmädchen Margarethe Diehl, das bei dem Rent­ner und ehemaligen Schuhmachermeister Körner, Ufer­straße 15, bedienstet war, kam Donnerstag früh 7 7, Uhr aus der Kirche und ging nach dem Hause ihrer Dienstherrschaft Das Mädchen fand die Haustüre erbrochen vor, die Türklinke war abgelötet. Kaum hatte es die Spuren eines Einbruchs entdeckt, da kam ein Unbekannter auf sie zu. Er stach ohne weiteres auf das Mädchen ein. Der Stich ging in das Herz und führte sofort den Tod der Margarete Diehl herbei. Die Polizei wurde von dem Vorfall verständigt und veranlaßte, daß sofort mit zwei Polizeihunden nach dem Verbrecher gefahndet wurde. Die Tiere nahmen die Spur nach dem Rheine zu auf. Vermutlich hatte sich der Mörder dort gewaschen. Dann verfolgten die Hunde die Spur nach dem Liebfrauenberg. Dort ge­lang es auch, den Mörder festzustellen. Es ist der 36 Jahre alte, in Mainz geborene Heinrich Legel, der arbeitsscheu und schon vorbestraft ist. Legel ist ver­heiratet und Vater von sechs Kindern. Er lebt jedoch von seiner Frau getrennt. Legel war bisher in Diensten des Lumpenhändlers Pietz. Mit Hilfe von zwei hand­festen Metzgerburschen wurde Legel verhaftet. Die Polizei hatte einen schweren Stand den Mörder vor den Angriffen der Menge zu schützen, die ihn lynchen Immerhin wurde Legel vom Publikum bös

* Vom Lande. Wieder beginnt die Flut der roten Kalender. Seit einigen Tagen haben dieGe-

durch die aufreizende Sprache und dem verlogenen, vielfach geradezu skandalösen Inhalt. Der gesunde Sinn unserer Landleute wird auf diese plumpe Bauern­

fängerei nicht hereinfallen. Sie wird denLandboten" dorthin befördern, wohin er gehört: ins Feuer. Da­neben tut Aufklärung not, besonders dort, wo viele jüngere Arbeiter auswärts ihr Brot verdienen und

Dort führt durch Kopf

von den Trugbildern der Sozialdunokratie ver- werden.

Kämmerzell. Ein 12jährige Junge wurde hier ein ausschlagendes Pferd so unglücklich auf den

getroffen, daß er in das Landkrankeuhaus zu Fulda transportiert werden mußte. Dort wurde ihm ein Stückchen der Schädeldecke durch eine Operation

entfernt.

* Von den Konservativen in Wetzlat und Alten- kirchen wurde Rittergutsbesitzer Heinrich von Eichel- Streiber-Stadtlengsfeld als Reichstagskandidat ausge­stellt.

* Fulda. Eingebrochen wurde Mittwoch Nacht in ein Geschäft in der Karlstraße und für etwa 20 Mk.

Waren aus dem Schaufenster entwendet. Festge- nominell wurde am Mittwoch hier ein mitteloser Mann, der keine Ausweispapiere bei sich führte. Bei

Vernehmung auf der Polizei stellte sich heraus, es sich um einen Fürsorgezögling handelte der aus Anstalt in Mülheim a. M. entlaufen war. Bursche ist der Anstalt wieder zugeführt worden.

der daß der Der

* Bebra. Die auf Veranlassung des Königlichen Landratsamtes zu Rotenburg zu Stande gekommene gemeinsame Wasserleitung für die Gemeinden Lüders- dorf und Breitenbach b. Bebra wurde auf Grund der öffentlichen Ausschreibung zu bem Gesamtpreis von Mk. 33500 dem Unternehmer F. L. Philippi in Cassel übertragen. Der Kostenanschlag war mit Mk. 45000 aufgestellt und hat es mithin eine Unterbietung von 11500 Mk. ftattgefunben, was einesteils auf die gegenwärtig niedrigen Preisen der Rohre zurückzuführen ist. Vorarbeiten, Projektierung und Bauleitung liegt in Händen des Herrn Ctvilingenieur Köhl in Fulda.

Trost.

Nun sind die Bäume wieder leer;

Es hängt kein einz'ges Blättchen mehr; Doch sei nur unverdrossen: Da, wo ein Blatt gesessen hat, Sitzt schon der Keim zum neuen Blatt, Das wird im Frühling sprossen. Wenn das, was du geliebt, gehegt. Vom Tod dir ward ins Grab gelegt, Wirds nimmermehr vergehe»; Es hat den Keim der Göttlichkeit Und wird in neuer Herrlichkeit Einst wieder auferstehen!

Hermann Haas e-Gelnhausen.

Vermischtes.

Ein neues Goldland. Es sind jetzt gute Tage für Goldsucher angebrochen. Wie in der deutschen Eifel, so ist auch in Belgien Gold gefunden worden. Man entbeäte das Gold im belgischen Grenzort Mal- medy und in den Ardennen. Es sollen nächstens genaue Schürfungen in den ardennischen Ortschaften Gouvy, Houffallze und St. Hubert vorgenommen werden.

Am Samstag brach im Fabriksgebäude der Newark Paperbox Company Feuer aus. 50 junge Mädchen, die in der Fabrik arbeiteten, fanden im oberen Flur keinen Ausweg. Es entstand eine Panik. Viele sprangen durchs Fenster, wodurch schwere Unglücks­fülle herbeigefiihn wurden. Die Zahl der bei dem Brande Umgekommenen beträgt nach einer neueren Mel­dung 40. Es sind meist Frauen und Mädchen, denen die Flammen den Ausgang versperrten. 14 Mädchen, die vom vierten Siock Herabsprangen, wurden getötet, zahlreiche andere erlitten schwere Verletzungen. Unter den umgekommenen Personen befinden sich vermutlich

auch Deutsche.

Furchtbarer Sturm Auf der Astrachan Reede sunken, davon einige mit vom Anlegeplatz mit 300 losgerissen und ins Meer

auf dem Kaspischen Meere, sind über zehn Barken gea Mannschaft. Sie wurden persischen Schiffsarbeitern getrieben; es besteht keine retten. Auf der Reede in und vier Barken vom Eise

Hoffnung, die Arbeiter zu Gurjew sind zwei Dampfer eingeschlossen. Sieben Küstenortschaften sind über­schwemmt. Die Lage der Einwohner, die sich auf einem Heuschober gerettet haben, ist trostlos. Das Vieh steht im Wasser, die Kälte verschlimmert das Elend. Von Astrachan ist ein Dampfer mit Lebensmitteln abgegangen.

Dem Glücklichen, der diese Tage als der zehn- tausenste Handwerksbursche in der Herberge zur Hei­mat in Salbe a. S. Einkehr hielt, wurde aus diesem Anlässe die Freude zu teil, eine ganze gebratene Gans serviert zu erhalten. Das erste Mal, so versicherte der Ueberraschle, ein Gerbergeselle, daß er diesen leckeren Vogel zu essen bekomme. Die ihm weiter angebotene halbe Flasche Wein verschmähte der reisende Gesell; er wählte an deren Stelle Schnaps, der er sich redlich mit seinenKunden"-Kollegen teilte.