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mit amtlichemWreisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.
Teüfön"Nr. «S Vierteljährliche Beilage: „Unsere Heimat".Telefon Str. «S.
Erscheint Mittwoch und Samstag — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 W. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.
»M 96. Mittwoch, den 30. November 1910 61. Jahrgang.
Amtliches.
J.-Nr. 14596. Zwecks Ablegung der vorgeschriebenen Nachprüfung vor dem Herrn Kreisarzt haben in diesem Jahre folgende Hebammen zu erscheinen und zwar:
am Montag, den 5. Dez. d Js. Vorm. 10 Uhr die Hebammen Harnischfeger aus Romsthal,
Vonderlehr
//
Marborn,
Berthold
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Hintersteinau,
Hommel
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Uttrichshausen,
Merz
Schlüchtern,
Schmidt
Niederzell,
Hölzer
H
Oberzell und
Herber
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Weiperz.
am Mittwoch, den 7. Dez. d. Js.
Vorm. 10 Uhr
die Hebammen Berthold
n
Wallroth,
Walther
//
Schlüchtern,
Röder
//
Neuengronau
Schlauch
M
Marjoß,
Westenberger
//
Ulmbach,
Vögler
//
Oberkalbach,
Röll
//
Altengronau.
Stoß
„
Mottgers und
Schratz
//
Züntersbach.
Die Herren Bürgermeister der betreffenden Gemeinden ersuche ich, die vorgenannten Hebammen zu
den angegebenen Terminen in das neue Kreishaus zu laden und ihnen aufzugeben, ihre Instrumente, die Tagebücher und die Lehrbücher mitzubringen.
Schlüchtern, den 26. November 1910.
Der Königliche Landrat: Valentiner.
Bekanntmachung.
Der Ziegeleibesitzer Johannes Heid hierselbst plant bei dem hiesigen Bahnhof die Anlage eines Anschlußgleises und hat hierzu die nach § 43 des Gesetzes über Kleinbahnen und Privatanschlußbahnen vom 28. Juli 1892 erforderliche Genehmigung nachgesucht.
Gemäß §§ 17 und 47 a. a. O- liegt der Entwurf, bestehend aus einem Erläuterungsbericht, einem Lageplan und einem Blatt Höhenplänen vom 1. bis einschl. 15. Dezember auf dem hiesigen Bürgermeisteramte zu jedermanns Einsicht offen.
Während dieser Zeit kann jeder beteiligte im Umfange seines Interesses Einwendungen gegen den Plan schriftlich bei dem Unterzeichneten einreichen, oder mündlich zu Protokoll geben.
Salmünster. 27. November 1910.
Der Bü germeifter: Schröer.
Deutsches Deich.
— Der Kaiser unternahm von Schloß Neudeck in Schlesien mit dem Fürsten von Donnersmarck in dessen Revieren am Freitag einen Jagdausflug Sonnabend wohnte der Monarch in Beuthen der Enthüllung des Reiterstandbildes Friedrichs des Großen bei. Die Stadt ist anläßlich der Anwenheit des Kaisers festlich geschmückt. Das Denkmal ist von Professor Tuaillon- Berlin entworfen und zeigt den König zu Pferde in bronzenem Bild auf einem Granitsockel. Das Wetter ist schön, aber kalt.
— Der Kaiser ist um 12 Uhr von Neudeck kommend auf dem festlich geschmückten Platz, vor dein Denkmal eingetroffen. Bei der Enthüllung feierte der Ober» bürgermeister Brüning Friedrich den Großen als Feldherrn und weisen Staatsmann. Redner dankte dem Kaiser für sein Erscheinen und schloß mit einem begeistert aufgenommenen Kaiserhoch.
— Der Kaiser wurde am Freitag nachmittag, wie aus Neudeck telegraphiert wurde, nach Beendigung der Jagd am jenseitigen Ufer der Brinitza unweit der Grenze von dem dort stehenden russischen Grenzkordon, einem Kapitän und etwa dreißig Mann begrüßt.
— Der Reichstag hat am Dienstag nach mehr als sechsmonatlicher Sommerpause seine Beratung wieder ausgenommen. Die Gerichtskostennovelle wurde nach kurzer unerheblicher Debatte an die Strafprozeßkommission verwiesen. Der Gesetzentwurf über den Schutz des Reichsbanknoteypapiers wurde in erster Lesung angenommen. Die Vorlage über die Beseitigung von Tierkadavern, die vom Staatssekretär Dr. Delbrück befürwortet wurde, wurde nach kurzer Debatte einer besonderen Kommission überwiesen. -— Am Mittwoch wurde über die konservative und die sozialdemo- kcaiische Interpellation wegen der Fleischteuerung verhandelt. Staatssekretär Dr. Delbrück legte eingehend die gegenwärtig bestehenden Vorschriften über die Vieheinfuhr aus dem Auslande dar, besprach den Stand der Viehseuchen in allen in Betracht kommenden Ländern, um schließlich zu erklären, daß die Reichsregierung irgend einer Erweiterung der ausländischen Vieh- und Fleischeinfuhr ebenso wenig näher treten könnte, als einer Herabsetzung der Futtermittelzölle. Der preußische Landwirtschaftsminister v. Schorlemer betonte dasselbe In der Besprechung vertraten die Abg. Herold (Z) und Stauffer (B. d. L.) den agrarischen Standpunkt. Dann wurde die Weiterbesprechung auf Donnerstag vertagt.
— Der Reichstag wählte am Donnerstag zum zweiten Vizepräsidenten den Landgerichtsrat Schultz-
WWWWWWWWUWWMWMiMWWWMSvWMMSM^« Bromberg (Rp.). In der darauf folgenden Jnter- Mationsdebatte trat Abg. Frhr. v. Gamp (Rp.) für Notstandstarife auf kurze Zeit ein. Abg. Trimborn (Z.) verlangte die Oeffnung der holländischen Grenze. Landwirtschaftsminister v. Schorlemer erklärte die Oeffnung der holländischen Grenze wegen der dort noch immer herrschenden Klauenseuche für bedenklich und außerdem für zwecklos. Auch der vom Abg. v. Gamp gegebenen Anregung, Notstandstarife zu erlassen, trat der Minister entgegen, weil selbst bei Ermäßigung der Tarife um die Hälfte das Fleisch nur um einen Pfennig pro Kilogramm billiger werden werde. Abg. Rösicke (B. d. L,) warnte dringend, die Kette unseres deutschen Viehschutzes zu durchbrechen, und trat energischer den Vorwürfen der Freisinnigen gegen den Bund der Landwirte entgegen. — Am Freitag wurde die Debatte zu Ende geführt. Gleich dem preußischen Landwirtschaftsminister griff auch der Staatssekretär Dr. Delbrück noch einmal in die Debatte ein. Er berief sich abermals auf das Reichsgesundheitsamt für den Standpunkt der Regierung, keine weitere Grenzöffnung zu gestatten. Im übrigen verlor sich die Debatte in einem Wortgefecht zwischen den, Bauernbundführer Wachhorst de Wente (natl.) und dem Führer des Bundes der Landwirte Dr. Hahn (tons.).
— Gegenüber den vielfachen Erörterungen über die.Mindererträgnisse der Branntweinsteuer muß darauf hingewiesen werden, daß in den letzten Monaten die Einnahmen aus dieser Steuer sich immerhin nicht unbedeutend gehoben haben: Ihre Solleinnahnie, ohne die Verwaltungskosten, betrug im Oktober 1910 17 Millionen Mark; die Jsteinnahme 15,6 Millionen Mar". Da auch der Monat' September eine fast genau gleich große Jsteinnahme gehabt hat, so darf man voraussetzen, daß der letzte Teil des laufenden Jahres sich besser gestalten wird als die vergangenen Monate, welche hinter den Erwartungen zurückgeblieben waren.
— Die Gründung eines Verbandes gemeinnütziger Arbeitsnachweise, der außer der Provinz Hannover auch Braunschweig, Oldenburg und die Lippeschen Fürstentümer umfaßt, ist in Hannover unter Mitwirkung des Oberpräsidenten Dr. von Wentzel vollzogen worden. __________________________ _
Ausland.
— Das Kolonialamt hat, um den Baumwollbau in Deutsch-Ostafrika engergisch vorwärts zu bringen, Idie Absicht, in verschiedenen geeigneten Gebieten der I Kolonie Baumwollanbauversuche zu unternehmen. Es
, Segen der Arbeit.
Roman von Klara Hellmuth. 25
Xaver wurde abwechselnd rot und blaß. Plötzlich stand er auf und war mit einem Satz an der Tür.
Aber Fedor kam ihm zuvor. „Nichts ba,“ sagte er, drehte den Schlüssel um und steckte ihn in die Tasche. „So schnell entkommst Du mir nicht." Er kehrte an den Tisch zurück. „Noch fünf Minuten, Xaver, besinne Dich," sagte er ernst.
Der Jüngere bebte vor Zorn bis in die Fingerspitzen. „Unleidlich," stieß er hervor und stampfte mit dem Fuß. Dabei irrte sein Blick mit unbewußt sorgenvollem Ausdruck in die gegenüberliegende Zimmerecke.
Fedor, dem so leicht nichts entging, bemerkte dies und hatte bald den Gegenstand von Xavers Sorge entdeckt. Auf einem Eckbrettchen stand unter teurer, dicker Kristallplatte eine Photographie in Kabinettformat. Kaum hatte Fedor das Bild heruntergenommen, so stürzte Xaver auf ihn zu und suchte es ihm zu entreißen, aber Fedor hielt es mit ausgestrecktem Arm außerhalb seines Bereiches und prüfte es sorgfältig. „Also mit einer Schmierenpri- madonna bündelst Du'an," sagte er verächtlich.
Der Ausdruck schien nicht ungerechtfertigt. Das Bild stellte ein junges Mädchen in phantastischem, stark be= kollettiertem Zigeunerkostüm dar. Unter dem a la Zulu- kaffer frisiertem Haarwald blickten große dunkle Augen keck in die Welt, der Ausdruck und die ganze Haltung hatten etwas unausgesprochenesFreches. Fedor zweifelte keinen Augenblick, daß dies die Empfängerin des Ringes sei. Dies war so recht Xavers Geschmack.
Schräg in einer Ecke stand in ganz unglaublich plumper, unausgeschriebener Hand: Aurelie Danner.
„Den Namen der Holden wüßten wir also," sagte Fedor, „und nun, Xaver, wo ist sie, heraus damit!"
„Ich verbitte mir, daß Du in solchen Ausdrücken von meiner Braut redest," flammte Xaver auf. „Schmieren-
i Primadonna! Du glaubst Dir alles erlauben zu können, i weil Du zufällig zehn Jahre eher auf die Welt gekommen bist als ich."
„Deine Braut," lachte Fedor ärgerlich auf. „Ich hoffe, das glaubn Du selbst nicht."
„Airs Dir spricht nur der Neid. Ich habe eben mehr i Glück als Du bei den Mädchen. Was kann ich denn da- ; für, daß die schöne Erna Dir den Auerbach vorzog; soll : ich etwa Deine schlechte Laune deswegen ausbaden? Ist übrigens ein schneidiges Frauenzimmer diese Erna, wahrhaftig. Man kann es Dir nicht verdenken, daß Du Dich da vergafftest, aber eben leider . ." Er zuckte die Achseln.
Das war zu viel, selbst für Fedors Selbstbeherrschung. Seines Herzens tiefstes, schmerzliches Geheimnis von unreifer Bubenhand ans Licht gezerrt! Ehe er selbst und der Bruder sich dessen noch versah, klatschte schon seine Hand auf dessen Wange.
Nun fuhr Xaver auf. „Was unterstehst Du Dich ? Ich will Dich lehren mich zu schlagen. Satisfaktion wirst Du mir geben . .hier. . auf der Stelle," rief er, während Zorn sein schönes Gesicht dunkelrot färbte. Er warf sich vorwärts, aber Fedors Hände schloffen sich wie Eisenklammern um die seinen und hielten ihn auf Armeslänge. Die Augen der Brüder blitzten in einander in Zorn und Entrüstung, Xavers Atem ging keuchend, seine schlanke Gestalt roanbjtd) hin und her, aber Fedor war nicht ab* zuschütteln. „Satisfaktion!" rief er nochmals, aber der Aelteste war schon wieder ruhig geworden. Er drückte den Wütenden auf das Sofa und "setzte sich neben ihn.
„Verzeih, wenn ich mich vergaß," sagte er, „aber das war mehr als ich ertragen konnte."
Bei Xaver kam jetzt die Reaktion. Er saß schlaff in seiner Ecke und starrte vor sich hin, sein Widerstand im Guten wie im Bösen war immer bald erschöpft.
„Xaver, Mensch, so nimm doch Vernunft an. Laß Dir raten. Siehst Du nicht, daß Du auf einen abschüssigen Weg geraten bist? Gib diese Liebeshändel auf! Sie machen Dich nur unlustig zur Arbeit, stehen Dir überall im
Wege, sind Deiner überhaupt ganz unwürdig. Es gibt doch so viel andere und bessere Dinge, um Herz und Gemüt auszufüllen. Wenn Du später nach Jahren um ein gutes, edles Mädchen werben willst, was hast Du ihr zu bieten, wenn Du Deine Gefühle schon jetzt stückweise an ganz Unwürdige verzettelst? Das Gesicht dieses Mädchen sagt mir viel. Sie wird Dich niemals heben, Dich nur mit sich herabziehen. Sie sieht in Dir nur einen willkommenen Gegenstand der Ausbeutung. Wehe Dir, wenn Du in die Hände solcher Weiber gerätst."
Xaver saß unbeweglich in seiner Ecke, hatte den Kopf aufgestützt und erwiderte kein Wort.
Fedor hatte bald das Gefühl, als sei doch nur allein den Wind geredet. Er stand auf.
„Und nun, Xaver, wo wohnt diese Aurelie Danner?" fragte er abermals, in dem er sich den Kopf zermarterte, wo er doch den Namen schon gehört, dies Gesicht schon gesehen hätte. DerJüngere warf ihm einen bösen Blick zu.
„Was willst Du tun?" stieß er zwischen den Zähnen hervor.
„Was ich für recht hafte, und wenn Du mir die Adresse nicht geben willst, so werde ich sie auch ohne Dich zu bekommen wissen." Plötzlich kam ihm ein Gedanke.
„Herr des Himmels, das ist doch nicht die Tochter der Hoboistenwitwe auf dem Giftberg?"
Xaver verschränkte die Arme und schwieg.
„Antworte mal gefälligst, Xaver, ja ober nein."
„Laß mich zufrieden," trotzte Xaver im Ton eines verzogenen Kindes.
„Also ja!" sagte Fedor vorwurfsvoll. „Das hätte ich denn doch nicht gedacht. Weißt Du nicht, daß diese Person den denkbar schlechtesten Ruf hat? Und von der hast Du Dich umgarnen lassen?"
„Was nennt Ihr Philister eigentlich schlechten Ruf? Wenn ein Mädel mal etwas niehr Temperament hat, als Eure Normalgänse?"
Fedor war empört, aber er hielt an sich, in Xavers heutiger Stimmung war alles Reden umsonst. 179,18