Einzelbild herunterladen
 

SchlüchternerMun g

mit amtlichem Kreisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

Telefon Nr. 65. Vierteljährliche Beilage:Unsere Heimat".__Telefon Nr. «S.

Erscheint Mittwoch und Samstag Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

M 93, Samstag, den 19. November 1910 61. Jahrgang.

Zum Totenfest.

Wir denken unsrer lieben Toten In ernster Wehmut tiefgebeugt, Der Klage Seufzer ziehn als Boten Zum fernen Jenseits tränenfeucht.

Wir wandeln noch auf ird'schen Pfaden, Wo Sturm und Drangsal uns umwehen, Indes sie an des Lichts Gestaden

Vor Gottes Angefichte stehn.

Wir denken ihrer Erdentage,

Wie sie mit uns gewallt, gestrebt,

Am Heilren Tag, in Sorg und Plage

Mit uns gejubelt und gebebt, Wie sie in Lieb' und Treu' geschäftig

Den Ernst des Lebens uns geschmückt,

In Wort und Taten, regsam, kräftig

An jedem Tag uns neu beglückt.

Wir denken an die Siegespalmen,

Die Gott den Seinen vorbehält,

An des Erlösten Dankespsalmen

Dort in der lichten obern Welt,

Wo vor des Heil'gen Gottes Throne

Sich sammelt die verklärte Schar,

Aus Gnaden zu empfahn die Krone,

Die ihres Glaubens Hoffnung war.

Wir denken an die ernste Stunde, Da uns zu scheiden ist bestimmt.

Gib, Herr, daß deines Kreuzes Kunde Des Todes Schrecken von uns nimmt! Laß uns im freud'gen Glauben sterben

Und, mit den Seligen vereint, Nach Leid und Schmerz das Reich ererben, Wo deine ewge Sonne scheint!

Zum Totenfest.

Der letzte Sonntag ist dem Andenken unserer Lieben geweiht, welche Gott nach seinem unerforschlichen Rat­schluß von dieser Erde weggerufen hat, um eine ewige Heimat ihnen zu bereiten. Wir wandern hinaus und schmücken ihre Gräber; wir gedenken ihrer voll Trauer, daß sie uns genommen wurden, und doch auch voll seliger Hoffnung, daß wir sie einst sollen wiederfinden, wenn auch für uns die Stunde kommt, Abschied von dieser Welt zu nehmen. Dennwir warten eines neuen Himmels und einer neuen Erde!" Tod, wo ist dein Stachel, Hölle, wo ist dein Sieg?" so haben wir als

Segen der Arbeit.

Roman von Klara Hellmuth. 21

Gewaltsam rüttelte er sich aus seinem Grübeln auf, um seine Briefe zu lesen. Das erste Schreiben war von dem Pensionsvater der Geschwister und enthielt wenig Erfreuliches. Paul war krank, er hustete viel, und man hatte den Arzt geholt, der allerhand Medikamente, be­sonders aber starken Wein verschrieben hatte. Herr Neu- mann fragte an, ob die Apothekerrechnung gleich beglichen oder bis zum Jahresschluß liegen bleiben solle. Xaver sei gestern nacht von ein paar Freunden tn so berausch­tem Zustand nach Hause gebracht worden, daß er die Nach- wehen heute noch nicht überstanden habe. Seine, Herrn Neumanns, Vorhaltungen habe der Jüngling mit gezie­mender Achtung angehört und man müsse hoffen, daß derlei Exzesse sich fürs erste nicht wiederholen wurden. Der Brief enthielt eine Einlage von Jda. Sie sei, schrieb sie, von der Vorsteherin nach 2 versetzt worden, nachdem sie anfänglich und versuchsweise in 3 gewesen. Die neue Klasse erfordere aber wieder neue Bücher usw. Laura sei gesund, hätte aber schreckliches Heimweh und gebrauchte außerdem ein paar neue Stiefelchen. Fedor fuhr sich mit beiden Händen durch sein dichtes Haar. Ließ Xaver, aller Versprechungen ungeachtet,dennoch nicht vonselnemLelcht- sinn? Und dann all diese Forderungen! Ihm wurde heiß undkaltdabei. Geld, Geld, und nochmals Geld hieß dw Losung, wo er es hernehmen sollte, darüber machw sich niemand Sor;

gen, das war eben Säch- des Vaterstelle Aeltesten. Seufzend griff Fedor nach Feder

vertretenden «4vmqnrH. ^cuigv»v s->ii o-- n,".^ und Papier, um ein paar Briefe zu schreiben, tobte uno «mahnte, schalt und traf Bestimmungen je nach der Ge­

legenheit.

Er mußte seine Gedanken dabei scharf zusammen­nehmen und durfte ihnen keine Abschwenkung m serne Bekümmernisse gestatten. Kaum war dies erledigt, so trar Fr«u Hempel, seine Haushälterin ins Zinimer. Das groß

Christen fragen lernen. Wir stehen nicht als die, die keine Hoffnung haben, an einem Sarge; wir wissen, und dieses wird uns in unserm religiösen Leben von Tag zu Tag immer fester zur Gewißheit, daß der Tod nur der Eingang zum Leben ist, er ist die dunkle Pforte, hinter der sich uns ein neues wunderbares Land eröffnet, wo es als Jubelruf uns entgegentönen wird:Der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid, noch Geschrei, noch Schmerzen werden mehr sein; denn das erste ist vergangen!" Die Botschaft von dem auferstandenen Heiland hat die Welt überwunden. Sie hrt aus einem Saulus einen Paulus werden lassen; sie gab den Märtyrern die freudige Kraft, ihr Leben für den Glauben dahinzugeben. Sie ist der Ausgangs­punkt für das Verständnis des irdischen Lebens als einer Vorbereitung für die Ewigkeit; sie läßt uns hoffen und vertrauen, wo alles andere uns verläßt. Wenn wir daher am Totenfest in ganz besonderer Weise unserer Lieben gedenken, so wollen wir ihnen folgen, die Lebenden nicht unter den Toten suchen, sondern dort, wo auch unser ein neuer Himmel eine neue Erde wartet. Kann uns der Tod doch die Unsrigen nicht nehmen; er bewahrt sie uns nur für ein herrliches Wiedersehen. Von Gott gesendet, will er kein Band lösen, welches Gott selbst um unsere Herzen gejchlungen hat, kein Band zerreißen, auf dem Gottes Segen ge­ruht hat. Im Leben sei dies unsere Stärke, unser Trost; im Sterben werde es unsere selige Hoffnung!

Deutsches Reich.

Der Chef des Marinekabinetts Vizeadmiral v. Müller und der Kommandierende General des 14. Armee­korps Freiherr v. Hoiningen gen. Huene sind in Donaueschingen am Mittwoch eingetroffen. Der Kaiser hörte vormittags den Vortrag des Chefs des Marine­kabinetts. Der Kaiser, die fürstlichen Herrschaften, sowie die fürstlichen Gäste nahmen das Frühstück im fürstlichen Jagdschlößchen Unterhölzer.

Der Kaiser und die Kaiserin von Rußland haben Montag nachmittag gegen 4 Uhr mit ihren Kindern die Heimreise nach Zarskojeselo angetreten Auf dem Bahnhof hatten sich zur Verabschiedung die Spitzen der Zivil- und Militärbehörden eingefunden. Der Großherzog und die Großherzogin sowie Prinz und Prinzessin Heinrich von Preußen geleiteten die russische Kaiserfamilie in Automobilen zum Bahnhof, wo sie vom Publikum stürmisch begrüßt wurden. Nach­dem die kaiserliche Familie im Fürstenzimmer des

Schweinuerschmähte sein Futter, klagte sie, und scheine ganz und gar unaufgelegt, man müßte wohl zum Tier­arzt schicken.Fedor wünschtein seiner gegenwärtigenStim- mung alle Schweine der Welt ins Pfefferland, aber was half es. Der feiste Borstenträger repräsentierte einen Wert von mehreren hundert Mark, der Erlös dafür hatte schon längst seine Bestimmung und war gar nicht zu entbehren, man mußte sich also notgedrungen darum kümmern.

Nach einigen Stunden liebevoller Pflege gab der Pa­tient endlich Zeichen von Besserung, und man konnte ins Wohnzimmer zurückkehren. Frau Hempel warf bei dieser Gelegenheit einen Blick auf das abgenützte Rehfell vor dem Sofa und fragte, ob Herr Busch nicht bald, wie er versprochen, einen vernünftigen Teppich anschaffen würde, das Zimmer wäre im Winter so fußkalt. Sie machte ein langes Gesicht, als Fedor ihr mitteilte, daß er alle seine Ausgaben auf das Mindestmaß herabsetzen müßte, und sie sogar bäte, sich selbst in ihrer Küche nach Kräften ein- zuschränken. Nur'so könne er den an ihn herangetretenen Anforderungen gerecht werden. Von etwas so Entbehr­lichem wie einem Teppich könne schon gar keine Rede sein.

Fortan ward Sparsamkeit im Waldhause das oberste Prinzip, und jede Ausgabe erst dann gemacht, wenn sie sich als völlig unvermeidlich erwiesen hatte. Fedor war für seine Person immer anspruchslos gewesen, jetzt ver­sagte er sich selbst den geringsten Genuß und beschränkte auch seinen Verkehr dermaßen, daß Frau Hempel im stil­len den Kopf schüttelte.Wie er bei seiner Jugend dies Leben aushält, ist wirklich mehr, als ich begreifen kann. Und so still ist er geworden, man hört manchmal den ganzen Tag keine zehn Worte von ihm."

Die Tage gingen allerdings für Fedor unter man­cherlei Sorgen freudlos genug dahin. Mit fast leiden­schaftlichem Eifer stürzte er sich in alle Arbeit, deren er habhaft werden konnte, um seinen eigenen Gedanken zu entrinnen, aber sein Schmerz um Erna war dennoch alle Morgen neu. Daß er sie geradeso hatte verlieren müssen,

Bahnhofs auf das herzlichste Abschied genommen hatte, betrat sie den Bahnsteig, wo der Kaiserin vom Kommandeur des 2. Großherzoglich Hessischen Leib- Dragoner,Regiments Nr. 24 ein wundervolles Mai­blumenbukett überreicht wurde. Sodann bestieg die russische Kaiserfamilie den Zug, der sich bald darauf unter den Hochrufen des zahlreich erschienenen Pub­likums in Bewegung setzte.

Die Hochzeit des Prinzen Viktor Napoleon mit der Prinzessin Klementine von Belgien fand am Mon­tag im Schlöffe zu Moncalieri bei Turin, wo die Mutter des Prinzen wohnt, statt. Der Prinz ist 48 Jahre alt, seine Braut 38 Jahre.

Ueber die deutsche Flagge in den außerdeutschen Häfen werden in derStatistik des Deutschen Reichs" Uebersichten veröffentlicht. Daraus geht hervor, daß der Anteil der deutschen Flagge am Weltseeverkehr von Jahr zu Jahr an Bedeutung gewinnt. An zweiter Stelle stand sie im letzten Berichtsjahr im Verkehr von Rußland, Großbritannien, Belgien, Portugal, Brasilien, Chile, Portorico, Algerien, Kapland, Natal, Persien, Britisch Indien, Ceylon, der Philippinen, von QueenSland, Nensüdwales, Viktoria, West- und Süd­australien, im Verkehre der Vereinigten Staaten von Amerika mit Europa sowie an wichtigen Verkehrs- Punkten, wie dem Suezkanal, in Gibraltar, Malta, Aden, Singapore und Hongkong. Die dritte Stelle behauptete die deutsche Flagge in der Schiffsbewegung Schwedens, Dänemarks, der Niederlande, Frankreichs, Spaniens, im Gesamtverkehre der Vereinigten Staaten von Amerika mit dem Auslande, im Auslandsverkehre von Mexiko, Uruguay, der Kanarischen Inseln, von Niederländisch Indien und Japan.

Die Gesamtzahl der höheren Schulen in Preußen belauft sich gegenwärtig auf 719 Anstalten gegen 556 im Jahre 1901. Das letzte Jahrzehnt hat also eine Vermehrung der höheren Schulen um 163 gebracht. Von den jetzt bestehenden Anstalten sind 243 staatlich und 466 nichtstaatlich. Die gesamten Aufwendungen für diese höheren Schulen betragen im laufenden Jahre 74 Millionen Mark. Hiervon werden gedeckt aus Einnahmen an Schulgeld und eigenem Vermögen 35 Millionen Mark. Mithin verbleibt ein Defizit von 38 Millionen Mark, welches durch Zuschüsse ge­deckt werden muß. Hieran sind beteiligt der Staat mit 14 Millionen Mark und die Städte mit 24 Mill. Mark. Dabei sind die Leistungen der Städte im letzten Jahrzehnt erheblich stärker angewachsen als die des

verschärfte den Stachel. Wenn er sie sich gar in Auer- bachs Armen dachte, so war es ihmsörmlich, als erwürge ihn die Eifersucht. Dieser fade Geck sollte sein Kleinod besitzen, während er selbst.. o, es war zum Verrücktwer- den.

Ein paar Wochen waren vergangen, als Pauls Ge­sundheitszustand, der immer zu Besorgnissen Anlaß ge­geben hatte, sich plötzlich heftig verschlimmerte. Der Hu­sten nahm rapide zu, dieKräfte ebenso schnell ab und die Krankheit entwickelte sich nach allen Regeln schneller Ju­stiz, wie die galoppierende Schwindsucht sie zu üben pflegt. Und ehe man sich dessen noch versah, kam auch schon der große König, um den armen Paul hinweg zu nehmen von seiHetr-Zimffoldaten, die er so sehr geliebt, und von seinen Schulaufgaben, die ihn so sehr geplagt, in ein Land, wo man weder lernt noch spielt. Die kleinen Schwestern beweinten den Bruder bitterlich, aber jeder Erwachsene mußte sich sagen, daß hier kaum ein Grund zur Klage aufkommen kösine.Der kleinePaul würde im Kampf ums Dasein immer nur eine traurige Rolle ge­spielt haben, ja, er war eigentlich ganz ungeeignet dazu. Es war nichts versäumt worden, ihm seine Lebenslage schmerzlos und freundlich zu gestalten und Fedor stand an dem kleinen Sarge im Bewußtsein einer wohlerfüll­ten Pflicht.

Uebrigens sollte er selbst noch seinen Geschwistern auch eine ernste Sorge machen. Bei einer Holzauktion, die an einem schneidend kalten Apriltage im heftigsten Ostwind stattfand, hatte er sich eine starke Erkältung zugezogen, aber nie gewohnt, auf seine Gesundheit die geringste Rück­sicht zu nehmen, hatte er sich nicht weiter darum geküm« mert.

Das gibt sich schon von selbst wieder," hatte er auf Frau Hempels Mahnung sorglos gemeint. Es gab sich aber nicht, und die häufigen Ritte nach Steinbrück wäh­rend Pauls Krankheit verschlimmerten das Uebel erheb­lich. 179,18