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MüchternerMtun g

mit amtlichemWreisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

Telefon Nr. «S Vierteljährliche Beilage:Unsere Heimat".__Telefon Nr. SS.

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

M 89.

Amtliches.

Die nächste Bullenkörung findet nicht am 12. ds. Mts. sondern am S. Dezember ds. Is.

in Schlächtern statt.

Schlächtern, den 4. November 1910.

Der Königliche Landrat: Valentiner.

J.-NE 649? K. A.

Bekanntmachung

Der Landwirt Konrad Müller zu Uttrichs- hansen beabsichtigt auf seinem in der Gemarkung Uttrichshausen gelegenen GrundstückKartenblatt A Par­zelle Nr. 510/186 ein Schlachthaus zu errichten.

Ich bringe dieses Vorhaben zur öffentlichen Kennt­nis mit der Aufforderung, etwaige Einwcndungen gegen dasselbe binnen 14 Tagen nach Ausgabe dieses Blattes bei mir schriftlich in zwei Exemplaren anzu- bringen. Nach Ablauf dieser Frist können Einwendungen in diesem Verfahren nicht mehr erhoben werden.

Termin zur Erörterung der rechtzeitig erhobenen Einwendungen steht

Freilag, den 25. November d.^.

vormittags 11 Uhr

vor dem Unterzeichneten an. Im Falle des Aus­bleibens des Unternehmers oder der Widersprechenden wird gleichwohl mit Erörterung der Einwendungen vorgegangen werden.

Zeichnungen und Beschreibungen der Anlagen können während der Dienststunden im Bureau des Kreisaus­schusses eingesehen werden.

Schlüchtern, den 3. November 1910.

Der Vorsitzende des Kreis-Ausschusses:

Valentiner.

Das Reformationsfest

ist alsEhrentag des deutschen Gewissens", zu dem Luther den 31. Oktober gemacht hat, stets ein Tag tiefernster Mahnung an unser evangelisches Volk: Um des Gewissens willen sei wacker und stark, zu wahren die hehen Güter, die des größten deutschen Mannes größte Tat dir einst erwarb! Zu wahren, aber

nicht so, wie man die Gabe eines geliebten Toten hütet, die man im Schrein verschlossen

damit sie unversehrt bleibe vor des Alltags

Staub und Schmutz, sondern so, wie man die

Segen der Aröeit.

Roman von Klara Hellmuth. 15

Sollte er etwa zu dem alten Gedding sagen:Ich bitte Dich um Dein Kind. Was ich ihr zu bieten habe, ist ein Leben, eingeengt nach allen Seiten. Sie wird ar­beiten müssen, sparen..für nieine Schwester; sich jedes Vergnügen versagen für nieine Brüder und arm sein im eigentlichen Sinn des Wortes."

O ja! Eine nette Figur würde er abgeben. Zu sol­chem Freier konnte Erna sich gratulieren. Und wie hatte er ihr zumuten sollen, auf ihn zu warten, sechs, acht, viel­leicht gar zehn Jahre, bis er seine Geschwister auf eigene Füße gestellt hatte, während ihre schöne Jugendfnsche un­ter den Tantalusqualen einer aussichtslosen Verlobung verwelkte und verblaßte? O, es war eine gnädige Fügung gewesen, die ihn an jenem Ballabend am Sprechen ver­hindert hatte. Nein, er wollte solcher Selbstsucht ohne Gleichen nicht schuldig werden. Erna sollte nicht leiden, so lange er die Kraft besaß es zu hindern. Er merkte es nicht einmal, daß er aus falschem Stolze, in dem Wahn, großmütig zu sein, im Begriff stand, eine Grausamkeit zu begehen und das Gegenteil von dem herbeizufuhreii, was er bezweckte, daß er in dem Bemühen, Erna Schmerz zu ersparen, sie nur um so sicherer hineinstürzte. Er rang und kämpfte mit sich Stunde um Stunde, das verzweis- luugsoolle:Ich kann nicht" seine Seele zerarbeitete sich fruchtlos an dem erbarmungslosen:Du mußt!

Von den Kirchtürmen schlug es Mitternacht. Dann folgten die Uhren im Hause, eine nach der ande>en. Der Ofen erkaltete, die Lampe war nahe am Verloschen. Er saß noch immer da, den Kopf auf die ^me g^egt, r her übel riechende Qualm des schwelgenden Dochtes ihn aus seinem Grübeln riß. Er hatte nicht den Mut zum Aufräumen der Papiere. Er schloß die Zmimertur , ließ drinnen alles liegen, wie es lag, und schlich langsam

Samstag, den 5. November 1910

Wurzeln eines edlen Baumes hegt und pflegt, damit der Baum gedeihe und gesund bleibe, erstarke und wachse, allen Stürmen zum Trotz, die ihn rütteln und schütteln. Denn Luthers Reformation wurde uns nicht hinterlassen als etwas abgeschlossen Fertiges, nicht als ein ausgewachsener Baum im Garten der Geschichte, unter dessen weithinschattendem, kraftstrotzen­dem Geäst wir nun in stillem Frieden und tatenloser Ruhe unser Leben verträumen könnten: die Reforma­tion Luthers war nur die edle Keimwurzel, die eine gottgesegnete Hand einfenkte in den kräftereichen Mutterboden des deutschen Volkslebens mit dem Ar­beilsauftrag an alle Geschlechter und Zeiten, ihr in nimmermüder Treue die Lebensbedingungen zu schaffen und zu erhalten, die sie nötig hat zu fröhlichem Ge­deihen. So liegt in der Reformationstat Luthers, seit sie aus dem inneren Erlebnis einer Menschenseele zu einem Datum in der Weltgeschichte wurde, die durch nichts zu lösende Verpflichtung für jeden Evangelischen, an seiner Stelle und nach seinen Kräften dahin zu arbeiten, daß die Wahrheit des Evangeliums die leben- weckende Sonne bleibe in aller Welt. Darum erneuert das Reformationsfest mit der Erinnerung an diese Verpflichtung den Ruf zu evangelischer Treue und Tatkraft doppelt ernst in diesem Jahre, wo die christus- leugnerischen Vorträge eines Karlsruher Professors und die provozierende Enzyklika des Papstes in grellem Lichte zeigten, welche Mächte von innen und außen den deutschen Protestantismus bedrohen. Solchen Ge­fahren gegenüber gleichgiltig bleiben, heißt unwert sein der Güter, die uns Gott in der Reformation beschert hat; heißt nicht mehr wissen, daß der Protestantismus unser Ruhm in der Vergangenheit, unsre Kraft in der Gegenwart, unsre Hoffnung für die Zukunft unsres Volkes ist. Hier will das Reformationsfest Lehrmeister sein und die Erkenntnis wecken: Evangelische Treue ist uns not. Erlassen wir dieses Wort im tiefsten Herzen! Nur in der Tat liegt für uns die Kraft zum Sieg.

Die Reise des Kronprinzen.

Der Kronprinz und die Kronprinzessin haben am Mittwoch morgen 8 Uhr die Reise nach dem Osten von dem Anhalter Bahnhof in Berlin ans angetrcten. Zum Abschied waren erschienen der Kaiser, die Kaiserin, die Mitglieder der kaiserlichen Familie, die Umgebungen, die Herren des Hauptquartiers, die Kabinettschefs, der Reichskanzler, der Staatssekretär des Auswärtigen Amts und der Gouverneur von Berlin. Die Verab-

wie ein Schwerkranker durch das stille Haus in seinZim- mer hinauf.

Fedor war seit einigen Tagen wieder in Kosenau, verschiedene berufliche Dinge erforderten seine Anwesen­heit. Exner überwachte die Ordnung der Verhältnisse zu Hause und er fuhr nur dann und wann auf einen Tag hinüber, um Rosa mit Rat und Tat an die Hand zu gehen. Es war ein böses Amt gewesen, die Weiteste mit dem Stand der Dinge bekannt zu machen und ihre ratlose Verzweiflung ein so schmerzlicher Anblick, daß Fedor sein eigenes Leid zurückgedrängt hatte in dem Bemühen, sie zu trösten und ihr auszureden, daß die Geschwister ihm so lange wie ein Klotz am Bein hängen würden, bis er sie eines Tages verwünschen würde.

Man hatte viel hin und her debattiert, Pläne ge­macht und wieder verworfen und sich endlich dahin ge­einigt, es sei am besten, daß Rosa sobald als möglich eine Stelle als Stütze oder Repräsentantin annehme. Die drei jüngstenKinder sollten in der Familie des Steinbrük- ker Beamten untergebracht werden, bei dem Xaver schon seit einigen Jahren in Pension war. Den Vorschlag des Aeltesten, Rosa gewissermaßen als Haushälterin ihrer Geschwister zu etablieren, verwarf Exner auf das ent­schiedenste. Es sei ein Unding, Xaver nur unter Obhut einer Schwester zu stellen. Er gebrauche notwendig einen Hausherrn, der gegebenensalles eine gewisse Autorität über den Lustikus ausüben könne. Man hatte anfangs gemeint, daß Xaver eventuell umsatteln und in die Sub- alternkarriere eintreten könne, dagegen hatte indes der Junge so leidenschaftlich protestiert, so himmelhoch be­teuert, daß er wahrhaftig wie ein Pferd arbeiten würde, daß Fedor endlich nachgab. Er wollte es wenigstens ver­suchen, foschwer es ihm auch bei seinen Mitteln fiel. Xa­ver war ja so begabt, daß es ihm ein Leichtes sein mußte, in kurzer Frist bis zum Abiturium zu gelangen. Es schien in der Tat ein Jammer, ihm jede höhere Laufbahn zu versperren. Jda und Laura sollten die höhere Töchter­

61. Jahrgang. schiedung war überaus herzlich. Das Publikum be* grüßte die Majestäten und die kronprinzlichen Herr­schaften mit Hochrufen.

DieNordd. Allg. Ztg." teilt amtlich folgendes mit:

Ihre Kaiserlichen und Königlichen Hoheiten der Kronprinz und die Frau Kronprinzessin werden sich am 3. ds. Mts. in Genua an Bord des Dampfers Punz Ludwig" begeben. Port Said wird am 8. passiert, Colombo am 20. erreicht. In Ceylon ge« denken die hohen Reisenden unter dem Inkognito Graf und Gräfin von Ravensberg drei Wochen zu verbringen. Von dort tritt die Frau Kronprinzessin die Heimreise an, während der Kronprinz an Bord S. M. Kreuzers Gneisenau" am l l. Dez. die Fahrt nach Bombay fort­setzen wird. In Indien wird der Kronprinz während eine Aufenthalts von zwei Monaten alle sehenswürdigen Stätten kennen lernen. Von Kalkutta wird Mitte Februar die Fahrt nach Singapore festgesetzt. Von dort begibt sich der Kronprinz nach drei Tagen weiter nach Bangkok. Für den Besuch in Siam sind fünf bis sechs Tage vorgesehen. Von Bangkok geht die Reise in den ersten Tagen des März weiter nach Niederländisch-Jndien. Batavia wird voraussichtlich am 7. März erreicht. Die Abfahrt nach Hongkong soll Mit'e März erfolgen. Für Hongkong sind unter Einschluß eines Ausflugs nach Kanton fünf Tage angesetzt. Es folgt ein dreitägiger Aufenthalt in Schanghai und ein fünftägiger Besuch von Kiautschau. In Peking wird der Kronprinz gegen den 10. April eintreffen und zehn Tage verweilen. Für den Aufent­halt in Japan sind, etwa vom 25. April an, 14 Tage in Aussicht genommen. Die Rückreise erfolgt über Sibirien um die Mitte des Mai.

Das Gefolge des Kronprinzen besteht aus folgenden Herren: Generalleutnant Burggraf zu Dohna, Kom­mandeur der Garde-Kavalleriedivisiou; Gesandter, Wirkt. Geh. Rat v. Treutler; Major Graf Solms, persönlicher Adjutant des Kronprinzen; Leutnant V. Zobeltitz, Ordonnanzoffizier beim Kronprinzen; Gras Finckenstein; Oberstabsarzt Dr. Widenmann; Hofstaats­sekretär Sommer. Die Frau Kronprinzessin wird be­gleitet von der Oberhofmeisterin Freifrau v. Tiele- Winckler Exz. und der Hofdame Gräfin Grote. Während der indischen Reise sind von der großbritan­nischen Regierung folgende Herren zum Dienst beim Kronprinzen bestimmt: Sir Harold Artur Stuart, Koloniel Artur Robert Dick, Mr. Artur Roylauce Jelf, Rittmeister Richard Alex mder Steel.

schule, Paul die Bürgerschule besuchen. Bei ihm wäre je­der Unterricht nur verschwendet gewesen. Was später aus ihm werden würde, mußte man der Zukunft überlassen. Bei seiner Kränklichkeit und seinem Mangel an Gaben schien es nutzlos, jetzt schon Pläne für ihn zu machen.

Aber welche Summen kostet das alles! Es schwindelte Fedor wahrhaft, wenn er an die Ausgaben dachte. Wie fiif) die pekuniäre Lage der Geschwister gestalten würde, ließ sich nach demVerkaufdes Geschäfts in ExnersWorte zusammenfassen, daß ihr irdischer Besitz etwa zu einem anständigen Begräbnisgeld und dito Leichenstein ausrei­chen würde. Immerhin war es ein Trost, zu denken, daß wenigstens-der Konkurs vermieden und niemand geschä­digt worden war. Die Zahl der Schreibereien und Ar­beiten, die Fedor erwuchsen, war Legion, dazu kamen noch seine Berufspflichten, und all dies füllte seine Zeit in der Tat so aus, daß ihm zum Grübeln wenig Muße blieb. Dies war für ihn ein Glück. Er litt unsäglich unter der Entsagung, die er sich auferlegt hatte, und sein Schmerz war alle Morgen neu. Es gab jetzt für ihn kein Ein­biegen mehr in den breiten Kastanienweg, der zum alten Gutshofe führte, keine gemütlichen Plauderabende, keine verunglückten und doch so süßen vierhändigen Experi­mente. All das war vorbei, und es war fast übermensch­lich schwer, sich an die veränderte Sachlage zu gewöh­nen und das notwendige Opfer zu bringen. Er ward fahrig und mißmutig, nervös und zerstreut und gab den ihm unterstellten Holzfällern und Waldhütern mehr als einmal Gelegenheit zu der verstohlenen Bemerkung, daß der Herr Förster wohl mit dem verkehrten Fuß zuerst aus dem Bett gestiegen sei. 179,18

Und dennoch sah er die ganze Sache in falschem Licht. Er hatte sich so hineingeredet in den Glauben, daß dies wortlose Aufgeben all seinerWünsche und Hoffnungen un­ter den gegebenen Umständen das einzig Richtige sei, daß ihm nie der Gedanke kam, er könne dennoch im Irr­tum sein. Es war eine jener Verblendungen, denen selbst unser bestes Wollen und Meinen bisweilen ausgesetzt ist.