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SchWernerMung

mit amtlichem Kreisblatt Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

Telefon Nr. «5. Vierteljährliche Beilage:Unsere Heimat". Telefon Nr. ««

Erscheint Mittwoch und Samstag Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

M 86. ' Mittwoch, den 26. Oktober 1910 61. Jahrgang.

Amtliches.

Den nachgenannten Personen sind für langjährige treue Dienstzeit nachstehende Prämien aus Kreismitteln bewilligt worden:

1. Dem Dienstknecht Johannes Jäger, Oberzell 10 M.

2. Konrad Knobeloch, Steinau 10 M.

3. Der Dienstmagd Margreta Seifert, Ahlersbach 10 M. Schlächtern, den 20. Oktober 1910.

Der Vorsitzende des Kreis-Ausschusses: Valentiner.

Ein Lieblingsdichter des deutschen Uolks.

Am 7. November werden es 100 Jahre, daß im Bürgermeisterhause des Mecklenburger Städtchens Stavenhagen Fritz Reuter geboren wurde, der Dichter der plattdeutschen Sprache, dessen Werke heute in mehr als vier Millionen Bänden verbreitet sind. Wir können hier kein Bild des Lebens und Schaffens dieses leid­geprüften Mannes geben, der als Student der Rechte in Berlin wegen Zugehörigkeit zur Burschenschaft 1833 verhaftet, 1836 zum Tode verurteilt, dann aber zu dreißigjährigem Gefängnis begnadigt und schließlich nach siebenjähriger Haft der Freiheit wiedergeschenkt wurde: nur ein Wort dankbaren Gedächtnisses wollen wir ihm weihen, dem Liebling des deutschen Volkes. Daß er das wurde, verdankt er vor allem seinem frischem, unversieglichem Humor, der in Gestalten wieUnkel Bräsig" undTriddelfitz" unvergänglich fortlebt und fortwirkt. Das Köstliche an diesem Humor ist, daß er nie schlüpfrig oder lüstern, sondern immer unschuldig und unbefangen ist, nicht nur erheitert, sondern zugleich erhebt und das Auge selbst unter Tränen lachen macht. Und fragen wir nach dem Geheimnis dieser herzersassenden Kraft der Reuterschen Dichtungen, so findet es seine Erklärung in Reuters lief religiösem Charakter. Mag der Dichter auch kein Vorbild pietistischer Auffassung des Christeniums ge­wesen sein: es weht dvch in seinen Dichtungen der Geist frommer Ehrfurcht vor dem Heiligen. Und wenn dieser schwer geprüfte Mann sich durch die härtesten Schicksalsschläge nicht verbittern ließ, so erkennt man auch daraus, daß in ihm eine starke Religiosität lebte. Nie verließ ihn der Glaube an einen persönlichen Gott und ein ewiges Leben, nie das Vertrauen auf das göttliche Erbarmen, mit dem der himmlische Vater sich zu den Seinen neigt. Darum auch war er ein fleißiger Beter, daher auch stammte seine reiche Liebe zur Menschheit. In diesem Glauben

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Segen der Arbeit

Roman von Klara Hellmuth.

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Die jüngeren Geschwister hatte man alle entfernt. Der Anblick dieses Leidens wäre über ihre jungen Kräfte ge­gangen. Wie zerschlagen, wie jammervoll verweint sie alle aussahen, die armen Dinger. Das Mitleid mit ihrer Ju­gend und Hilflosigkeit wallte übermächtig in Fedor auf, als ergegenMittag bleich und erschüttert zu ihnen hereir^ kam, und trieb ihm die Tränen in die Augen. Wie er sich eins mit ihnen fühlte, im gemeinsamen Leid. AIs sie sich, Schutz suchend, um ihn, ihre einzige Stütze drängten, er­hob sich die Stimme des Blutes mit nie gefühlter Macht und riß ihn über alle Sorgen und Bedenklichkeiten sei­ner Lage hiniveg. Unwillkürlich hob er den Kopf. Der Gedanke, den Seinen Halt und Trost zu sein, erfüllte ihn mit einer Art stolzer Genugtuung. Ihr sollt Euch nicht in mir getäuscht haben, dachte er, während er die Kleinen in seine Arme schloß. Komme, was da wolle, mir stehen und fallen zusammen. . , .,.,

Während der nächsten Tage mit ihrer unheimlich stil­len Geschäftigkeit kam Fedor, soplötzlichzum Haupt der Familie geworden, kaum zu sich selbsch und zur Betrach­tung der Sachlage. Auf ihn fiel die Hauptlast aller An- I Ordnungen, denn an Xaver hatte er wenig HEe, und die arme Rosa war körperlich und geistig ganz zerschmettert.

Der alte Busch war in seinen Kreise eine beliebte Per­sönlichkeit gewesen, und Blumenspenden und Trauerm- i fiten kamen von allen Seiten. All die guten Seelen, Die da in korrektem Schwarz, mit pflichtschuldigen Trauer- mienen und mehr ober minder gefühlvollem Handedruck ihr Beileid auszusprechen kainen, wünschten doch min­destens eins der Kinder des Hauses zu sehen, und der Empfang so vieler Besuche war feine geringe Last. Hier­bei leistete nun freilich Xaver tatsächliche Hilfe, aber F -- dor war dennoch oft etwas ärgerlich auf den Bruder, der bewußt oder unbewußt posierte und sich in der Rolle

an Gölte und die Menschheit liegen gerade die starken Wurzeln seines schöpferischen Idealismus. Das macht ihn uns so wert. Dazu war Reuter ein kernig deutscher Mann, der schon in der Zeit, daDeutsch­land" nur ein geographischer Begriff war, ersehnte und hoffte, aussprach und andeutete, was 1870 Wirk­lichkeit werden sollte. Wie gesund sein soziales Empfinden war, beweist er in der NovelleKein Hüsung", von der er sagt, daß er sie mit seinem Herzblut geschrieben habe. So trat er auf den Plan in einer Zeit, die von Idealen recht wenig hielt. Und da geschah das Wunder, daß dieses anscheinend übersättigte Geschlecht, von der gesunden Einfachheit und schlichten Schönheit seiner Dichtungen ergriffen, ihm mit Frohlocken zufiel und sich von ihm erheben und be­geistern ließ. Als aber dies treue Herz am 12. Juli 1874 im Tode brach, da ging ein Wehklagen durch das ganze Volk und Klaus Groth schrieb tief bewegt:So hebbt Fritz Reuter begravt op den Kark- Hof bi de Wartvorg; een vun de grölsten Dichter is hin un singt ni mehr . . . Nu is he hin den Weg lank, den Jeder alleen geit, un von wo he nich wedder kumt." Er ging von uns. Aber seine Schriften hat er uns gelassen: dieLäuschen und Riemels" und Olle Kamellen",Ut mine Festungstid",Ut mine Stromtid" und andere mehr. Wenn doch an ihnen unsre vielfach verbildete Zeit wieder herzliches Gefallen finden und durch sie sich erziehen lassen wollte zum Geschmack an Einfachheit und gemütvoller Tiefe. Das wäre der beste Dank des deutschen Volkes an seinen Lieblingsdichter.

Deutsches Reich.

Der Kaiser wird nach derNeuen politischen Korrespondenz" am 1. Dezember dieses Jahres, gele- gentlvh seines Aufenthalts in Breslau, dem Offizier- korps des Leib-Kürassier-Regiments Großer Kurfürst, zu dem er im Verhältnis eines Chefs steht, und das bekanntlich das älteste Kavallerieregiment des deutschen Heeres ist, seinen Besuch abstatten. Der Kaiser pflegt bei dieser Gelegenheit denjenigen jungen Offizieren, die den Ritterschlag, eine alte Zermonie dieses Ofsi- zierkorps, noch nicht erhalten haben, diesen zu erteilen und ihnen als Erinnerung die jüngste Klasse des Kronenordens zu verleihen. Kaiser Wilhelm I. stand in besonders nahen Beziehungen zu diesem Regiment und trug seine Uniform mit Vorliebe. Das Regiment befehligt zurzeit der frühere persönliche Adjutant des jetzigen Kaisers, Oberst Graf v. Schmettow.

des trauernden Sohnes sehr unleugbar anziehend vor-

Der zweite Bruder ist doch ein netter Mensch," sag­ten die Leute nach glücklich überstandener unerfreulicher Visite, wenn sie an den schwärmerischen Aufschlag der dunklen, großen Augen und den sanften Ton dachten, mit dem Xaver für die bewiesene Teilnahme gedankt. Der Ael- teste hat so etwas Kaltes, Steifes . . der reine Verstands'- mensch. Und er sieht auch lange nicht so gut aus."

In der Nacht vor dem Begräbnis sprang der Wind nach Westen und brächte so starkes Tauwetter mit, daß schon am Mittag das Wasser von allen Dächern rann.

Es war ein trüber, unfreundlicher Tag, die ganze Welt sah mißmutig und unsauber aus. Ein Leichenzug erschien als die passendste Staffage in solcher Umgebung. Die Räder des Wagens schnitten tief in den aufgeweich- ten, mißfarbenen Schnee und wenn es um eine Ecke ging, schwankte das schwere Gefährt mit dem hohen Baldachin in beängstigender Weise. Das Gefolge stampfte, halb­laut plaudernd, hinterher und wünschte in seinem größ­ten Teil, daß man bei dem miserablen Wetter hätte zu Hause bleiben dürfen.

Fedor ging mit Xaver und Exner dicht hinter dem Sarge. Sonderbar im Grunde, daß der Pastor in seiner Ansprache des Vaters so gar nicht erwähnt hatte.

Das Ganze war überhaupt weit weniger eine Lei­chenrede gewesen, als eine Abhandlung über irgend einen Text, der zu dem vorliegenden Fall kaum in Beziehung stand. Erst zum Schluß als der Redner der verwaisten Kinder gedachte, waren herzlichere, persönlichere Töne an­geschlagen worden. Hatte das einen Grund und welchen? Und war es auch anderen aufgefallen? Fedor wunderte sich selbst überdieeigensinnigeBeharrlichkeit, mitderseine Gedanken immer wieder zu dieser Frage zurückkehrten.

Die kurze Zeremonie am Grabe war bald vorüber, das Gefolge, soweit es milden beiden Buschs näher be­kannt war, schüttelte diesen noch einmal die Hände, und beeilte sich dann, vom Kirchhof fortzukommen. Man konnte

Die Kaiserin nahm am Samstag, an ihrem Geburtstage die Glückwünsche der kaiserlichen Familie sowie des engeren Hofes entgegen. Um 1 Uhr fand Frühstückstafel statt.

Am Geburtstag der Kaiserin hat der Deutsche Kriegerbund an hilfsbedürftige Witwen verstorbener Kameraden 41000 Mk. an Unterstützungen ausbezahlt. Der Kronprinz brächte der Kaiserin als Geburts­tagsgeschenk ein Oelgemälve dar, das die Prinzessin Viktoria Luise in der Uniform des zweiten Leibhu- sarenregimenis darstellt. Als erster Gratulant war gleich nach 8 Uhr Prinz Joachim eingetroffen. Ihm schloffen sich das Kronprinzenpaar mit den Prinzen- Söhnen, die Prinzen Eitel Friedrich und August Wil­helm mit Gemahlinnen, sowie die im Neuen Palais anwesenden Fürstlichkeiten an. Abends fand im Neuen Palais eine Konzertaufführung statt.

Das Mittelschulwesen in Preußen hat sich in den beiden letzten Jahrzehnten schnell entwickelt. Im Jahre 1891 gab es, außer den privaten Schulen, 276 öffentliche Mittelschulen mit 1933 Lehrpersonen und 66 633 Schülern. Im Jahre 1901 war die Zahl der Schulen bereits auf 456 gestiegen, an deren 3983 vollbeschäftigte Lehrkräfte arbeiteten und die von 135 041 Schülern, besucht waren. Von diesen 456 Schulen hatten 317 fünf und mehr aufsteigende Klassen mit den entsprechenden Lehrkräften, 82 hatten 4 Klassen, 40 deren 3, 17 deren 2. Nach der Sta­tistik des Jahres 1906 war die Zahl der Mittelschulen auf 459 gestiegen, an denen 4541 Lehrpersonen vor­handen waren und die von 145 630 Schülern besucht wurden. Während von 1901 bis 1906 die Zahl der Schulen mit 4 aufsteigenden Klassen von 82 auf 64, die der Schulen mit 6 Klassen von 34 auf 23, die der Schu­len mit 7 Klassen von 84 auf 46 zurückgingen, stieg die Zahl der achtstufigen Schulen von 124 auf 150, die der neunstufigen von 30 auf 43. An dieser Entwick­lung und Ausbreitung des Mittelschulwesens sind die einzelnen Provinzen nicht in gleicher Weise beteiligt. Rheinprovinz und Westfalen, Sachsen und Branden­burg besitzen die meisten Mittelschulen; in Ost- und Westpreußen sowie in Posen und Pommern ist ihre Zahl weit geringer.

Ein bedeutsames Jubiläum, bei dem die ganze deutsche Landwirtschaft beteiligt ist, bringt der Monat Dezember dieses Jahres: die Deutsche Landwirtschafts­Gesellschaft kann auf 25 Jahre ihres Bestehens zurück­blicken. Nach richtiger deutscher Art soll bei diesem Rückblick nicht bloß gefeiert, sondern vor allem gear-

sich in diesem fatalen, aufgetauten Schnee, der die dich­testen Stiefelsohlen durchweichte, wahrhaftig den schön­sten Rheumatismus holen, Fedor kehrte mit Exner schwei­gend nach Hause zurück. Es war doch ein eigenes Ding um das Begräbnis eines Vaters. Wenngleich in diesem Fall Sohn und Vater sich auch nicht besonders nahe ge- standen hatten .. der Tod verwischte das alles. Nicht als ob es zwischen ihnen zu Zwistigkeiten oder auch nur zu unfreundlichen Worten gekommen wäre, dergleichen lag nicht in beider Natur. Es war nur solch ein Gefühl des Nichtverstehens, des Fremdseins gewesen, das erkältend auf ihr Verhältnis zu einander gewirkt hatte. Des alten Buschs ganzes Herz hatte immer an dem zweiten Sohn und der ältesten Tochter gehangen.

Hast Du Dich schon irgendwie mit der Ordnung der Sachen befaßt?" fragte Exner plötzlich in Fedors Gedan­ken hinein.

Des Nachlasses meinst Du ? Nein, eS war bisher ganz unmöglich, auchnureineruhigehalbeStundezu finden. Ich dachte morgen früh. Heute ist mir nicht darnach zu Sinn."

Ja, ja, ein Begräbnis ist des Fatalen genug für einen Tag," sagte der Senator, wie es Fedor schien, mit einem gewissen Mitleid im Ton. 179,18

Weißt Du, ob ein Testament vorhanden ist, Onkel?"

Nicht daß ich wüßte. Nein, ich glaube nicht. Na, je­denfalls komme ich morgen früh gegen zehn Uhr und helfe Dir den Kram durchsehen. Ich glaube, ein alter Fuchs wie ich wird Dir dabei von Nutzen sein können."

Gewiß, ich bitte Dich sogar dringend darum."

Dann also auf Wiedersehen und grüße die Deinigen." Pünktlich zur angegebenen Zeit trat am nächsten Mor­gen der alte Herr zu Fedor ins Kontor. Es war ein lan­ger, schmaler Raum hinter dem Laden, nach dem Hof zu gelegen. An dem einzigen Fenster stand ein großes Pult, daneben ein kleineres für den Buchhalter. An der Längs- wand befand sich ein kleines Roßhaarsofa, von dem Xa­ver behauptete, es sei schon mit Noah im Kasten gewesen, darüber ein verblichenes Bild der verstorbenen Frau Busch.