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SchWernerMung

mit amtlichem Areisblatt. Monatsbeilage: Landwirtschaftlicher Ratgeber.

Telefon Nr SS______________Vierteljährliche Beilage:Unsere Heimat".__Telefon Nr. SS.

Erscheint Mittwoch und Samstag Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfg.

M 85 ~ Samstag den 22. Oktober 1910 61. Jahrgang.

Kreis-Biehverficherungsanstalt betreffend

Nach Prüfung der Geschäftsergebnisse obiger Anstalt für das Halbjahr 1.4 bis 30.9 10. hat der Kreis- Ausschuß die Erhebung folgender Prämien für obige Zeit festgesetzt:

Abt. I. Rinderversicherung 70 Pfg. von je 100 Mk. Abt. II. Pferde-Versicherung 1 Mk. von je 100 Mk. für Pferde, welche nur in dem Landwirt­schaftsbetrieb verwendet werden, und 1'/, Mk. von 100 Mk. für die Pferde der Ge­werbetreibenden, Beamten und solcher Land­wirte die nebenbei noch Lohnsuhren leisten.

Die Ablieferung der Prämien an die Kreiskommunal- kasse muß bis zum 12. November d. Js. bewirkt sein. Schlächtern, den 20. Oktober 1910.

Der Vorsitzende des Kreis-Ausschusses: Valentiner.

Unsrer Kaiserin jum Geburtstage.

Gott grüß Dich, hohe Kaiserin!

Du Vorbild deutscher Frauen,

Mit Deinem demuisvollen Sinn,

Mit Deinem Gottvertrauen,

Mit Deinem Herzen liebewarm,

Das gern die Schwachen trägt,

Dem keiner zu gering und arm,

Das nur für andre schlägt.

Gott schütz Dich, teure Kaiserin,

Dich und Dein ganzes Haus!

Er sei und bleibe fernerhin

Im Glück, im Sturmgebrans

Dein Fels, der nimmer wankt noch fäll'

Und den, der auf ihn baut,

In allem Wogendrang erhält,

Bis neu sein Morgen blaut!

Gott segne dich, o Kaiserin,

Aus seinem Gnadenschatz!

Dir selbst und andern zum Gewinn

Von Deinem hohen Platz

Laß er durch Dich ins Vaterland

Viel Segensströme gehn!

Wir heben für Dich Herz und Hand

Empor in heißem Flehn.

Zum Geburtstage der Kaiserin.

Am 22. Oktober tritt unsere allerverehrte Kaiserin in ein neues Lebensjahr, und freudigen Sinnes nimmt das preußische und das deutsche Volk an diesem Ge-

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Segen der Zweit.

Roman von Klara Hellmuth. 10

Gegen Abend haben ihn wandernde Handwerksbur­schen am Grenzgraben zwischen der städtischen und Lock- witzer Feldmark gefunden,mit einem Schuß in der Brust, halb erstarrt. Man muß annehmen, daß er etwa gestol­pert ist und durch die eigene Kugel getroffen wurde."

Fedor deckte einen Augenblick die Hand über die Au­gen.

Der Aermste," murmelte er.

Ja, es ist schlimm, wenn so etwas einkehrt, aber, mein Junge, behalte Du um Gottes willen den Kopf oben. Geschehene Dinge sind nicht zu ändern. Man muß sich darein finden. Dafür sind wir Männer."

Und es ist tatsächlich keine Hoffnung? Was sagt der Doktor?"

Exner zuckte die Achseln.

Nach menschlichem Ermessen .. perdu."

Schweigend legten sie den Rest des Weges zurück. Was war da auch zu sagen. Der alte Busch war In­haber eines Materialwarengeschäfts. BorJahren das be­deutendste im Ort, war es in letzter Zeit etwas zurück­gegangen, ob durch Konkurrenz oder durch Fahrlässig­keit des Chefs, darüber waren die Ansichten geteilt. An diesem Morgen war freilich vom Rückgang nichts zu mer­ken. Der Laden war voller Neugierigen, "die unter dem Vorwand kleiner Einkäufe auf Nachrichten über das Un» glück und die schwer betroffene Familie fahndeten. Ja, ja, es ging doch nichts über so einen richtigen Unglücks- sall.

Im Wohnhause herrschte die ganze Unordnung und kopflose Verwirrung, die solchen Ereignissen zu folgen pflegt. Türen standen weit geöffnet, im ungelegten Flur lagen Stücke Eis verstreut, alles sah öde und verwahr­lost aus. Fedor warf einen hastigen Blick ins Wohn­zimmer, in dem, wie die leibhaftige Ironie, noch der

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Christbaum stand. Da der Raum leer schien, wollte der Förster schon die Tür wieder schließen, als durch das Knarren aufgeschreckt, eine Gestalt sich von dem Sofa auf- richtete, auf dem sie, das Gesicht in die Hände gedrückt, gelegen hatte.

.fFedor!"

Xaver, wo ist Vater? Weshalb bist Du nicht bei ihm?"

Xaver, ein schlanker, hübscher Mensch von ungefähr achtzehn Jahren, schüttelte den Kopf. Sein Gesicht ward erdfahl, und er zitterte an allen Gliedern.Ich war bei ihm, aber ich kann es nicht länger mit ansehen," stieß er hervor.Bei Gott, ich kann nicht. Es ist gräßlich."

Nimm Dich zusammen, Xaver. Du müßt. Denk an die Schwestern. Wo ist Vater?"

Im Eckzimmer," sagte der Jüngere, dem die Zähne wie im Fieber aufeinander schlugen.

So komm," mahnte Fedor, aber der Bruder wich entsetzt zurück und verkroch sich wieder in seine Sofaecke.

Im Eckzimmer sah es wirr und wüst aus; es war nicht möglich gewesen, den Verwundeten treppauf in sein Schlafzimmer zu tragen, so hatte man ihn hierher ge­bettet. Gefäße mit Eis, Gläser, Medizinalflaschen und all der tausendfältige ärztliche Apparat, den die Gelegenheit erforderte, standen und lagen auf Tischen und Stühlen und dazwischen im blutbefleckten Bett der röchelnde Ster­bende, um den sich der Arzt und die älteste Tochter, un­terstützt von einer Diakonissin und dem ersten Kommis, bemühten. Rosa Busch hatte sich bisher mit jener Kraft, die die äußerste Not verleiht, aufrecht erhalten, aber das sanfte, angenehme Gesicht des jungen Mädchens war to­tenblaß. und ihre ganze Erscheinung derartig, daß die Diakonissin ihr von Zeit zu Zeiten einen besorgten Blick zuwarf. Die Reaktion blieb denn auch nicht aus. Beim unvermuteten Anblick des Bruders brach Rosa völlig zu­sammen. Sie weinte und schluchzte so herzbrechend in sei­nen Armen, daß man sie aus Rücksicht auf den Sterben­den in das Nebenzimmer bringen mußte, wo die zwölf-

burtstagsieste innigen Anreil; denn selten hat eine Fürstin die Liebe ihres Volkes so schnell und so fest gewonnen wie unsere Kaiserin. Ausgestattet mit reichen Gaben des Herzens und Gemütes, verdient sie auch durchaus die Liebe ihres Volkes. Was sie einst bei ihrem Einzüge in Berlin tränenden Auges auf Die Ansprache des Oberbürgermeisters geantwortet:Ich werde mich bestreben, die Liebe zu erwidern, die mir in so reichem Maße entgegen gebracht wird", das hat sie treulich war gemacht, so treu, daß unser deutsches Volk nun mit aller Liebe zu seiner Kaiserin nur eine heilige Pflicht der Dankbarkeit erfüllt. Wer Liebe säet, der soll auch Liebe ernten!

Zwei Eigenschaften sind es besonders, die unsere Kaiserin jedem wahren Deutschen nicht nur wert und teuer, sondern geradezu vorbildlich machen. Das sind ihr echt deutscher Familiensinn und ihr in jeder Not mitfühlendes Herz, aus dem ihre große soziale Für­sorge entspringt. Sie hat ihre Stärke nur da gesucht, wo sie für die Frau in der Tat liegt, nämlich in der eigenen Familie und auf dem großen weiten Gebiete der Wohltätigkeit, Barmherzigkeit und der kFürsorge für Arme, Bedrängte, Krüppel und Notleidende. In der Liebe zu ihrem hohen Gemahl, in der Sorge für ihre Familie findet sie ihre erste Aufgabe und gibt damit jeder Ehe, jeder Familie ein weithin leuchtendes nachahmenswertes Beispiel. Je besser das Familienleben, desto besser der Staat, das istein alter Erfahrungssatz. Ge­wiß verabsäumt die hohe Frau nicht, allen Neuerungen ein aufmerksames Auge zu schenken, gewiß ist sie auch in politischen Angelegenheiten nicht unerfahren, doch hat sie nie ihre Aufgabe darin gesehen, sich mit poli­tischen Dingen selbstbestimmend zu befassen.

Auf dem Felde der echten christlichen Liebestätig- keit hat sie ihre zweite Ausgabe gesehen, und mit reichstem Segen hat sie dieses Feld bestellt. Niemals hat unsere Kaiserin gefehlt, wo es galt, eine Wunde zu verbinden, eine Träne zu trocknen, ein Wohltätig- keitswerk zu fördern. Als Kaiserin Augusta die müden Augen geschlossen, übernahm sie die Schirmherrschaft über denVaterländischen Frauenverein", diese erha­bene Schövfung der verewigten Herrscherin, die be­rufen ist, unter dem Zeichen des Roten Kreuzes menschliches Elend im Kriege wie im Frieden zu lindern. Und fürwahr, das Erbe, das die Dahin- geschiedene hinterließ, konnte in keine würdigeren Hände kommen als in die unserer Kaiserin. Zweiundzwanzig Jahre sind inzwischen dahingeflossen, seit sie dem Vaterländischen Frauenvereine ihren Schutz angedeihen

ließ, und in dieser Spanne Zeit hat es in ihm kein Ruhen und kein Rasten gegeben. Aber nicht für die Wohltätigkeitsanstalten in und um Berlin schlägt das warme Herz unserer Kaiserin; sobald ihre Herrscher­pflichten sie in eine andere Stadt führen, versäumt sie niemals, auch dort die Stätten der Barmherzigkeit aufzusuchen und durch ihr Erscheinen und ihr lieb­reiches Wort Sonnenglanz in die Seele der Kranken und Verzagten zu zaubern. Sie, die das Schicksal an einen hohen, Verantwortungsreichen Platz gestellt, wurde zum Segen für ungezählte Tausende, und Segen hat sie erfahren an sich und denen, die ihrem Herzen nahe stehen.

So steht unsere Kaiserin als leuchtendes Beispiel echt weiblicher Tugenden vor unseren Augen, und unsere aufrichtigsten Wünsche begleiten sie in das neue Lebensjahr und auf dem, wie wir wünschen und hoffen, nach langen gesegneten weiteren Lebensgange.

Deutsches Reich.

Aus Anlaß des Geburtstages Kaiser Friedrichs III. traf der Kaiser mit der Kaiserin und der Prin­zessin Viktoria Luise an Dienstag vormittag im Mau­soleum in der Friederskirche zu Potsdam ein und legte eine Kranzspende mit weißer Schleife und den Kaiser­lichen Initialen ant Sarkophage nieder. Zahlreiche Osfiziersdeputationen und Regimentsvereine überbrachten ebenfalls prachtvolle Kränze. Am Kaiser-Friedrich» Denkmal hatten der Magistrat der Stadt Potsdam und der Kreiskriegerverband Kränze niederlegen lassen.

Die Kaiserin hat nach einer im Hohenzollern- Museum in Berlin aufbewahrten Originalplatre Bilder der Königin Luise herstellen lassen, die als Geschenke für Wohltüligkeitslotterlell usw. verliehe» werden. Die Bilder sind im Handel nicht zn haben.

Jahrhundertfeier der Kriegsakademie. Am 15. Oktober feierte die Kriegsakademie ihr 100 jähriges Bestehen. Die aus diesem Anlaß veranstaltete Feier erreichte am Samstag ihren Höhepunkt in einem Fest­akt, der in Anwesenheit des Kaisers in der Aula der Kriegsakademie stattfand. Im Vestibül präsentierten tLachtposten in historischer Uniform und die Offiziere des jüngsten Jahrganges bildeten auf der Treppe Spalier. Der Kaiser verlas eine Kabinettsorder und gab dann allerhöchste Gnadenweise bekannt. Der Direktor der Kriegsakademie Generalleutnant Frhr. v. Manteuffel hielt die Festrede.

In Charlottenburg ist der frühere Reichsbank­präsident Dr. Koch gestorben, nachdem er infolge

jährigen Zwillinge Paul und Jda und die zehnjährige Laura sich wie ein paar verstörte Hühnchen zusammen- drückten.

i Fedor war in der Tat nur gerade noch im letzten i Augenblick gekommen. Es glitt etwas wie Erleichterung ! über die verzerrten Züge des Vaters, als des Sohnes Hand sich sanft um seine eiskalten Finger schloß, aber wenn er noch etwas auf dem Herzen hatte, so war es ihm nicht mehr vergönnt, sich zusammenhängend zu äu­ßern. Das Sprachvermögen verlor sich rapide.

Fedor . .Deine Geschwister.. verlaß sie nicht," ächzte er in tausend Qualen.

Nein, Vater. Gewiß nicht. Verlaß Dich darauf."

Aber das einfache Wort schien dem Sterbenden nicht zu genügen.Schwöre," stieß er hervor.

Fedor strich ihm beruhigend über die feuchte Stirn. Sei ruhig, Vater. Ich verlasse sie nicht. Ich will tun, was in meinen Kräften steht. So wahr Gott mir helfe!"

Die feierlichen Worte tönten ihm selbst mit unheim­lichem Nachdruck in den Ohren nach. Wußte er denn so genau, zu was er sich so unlöslich verpflichtete? Er hatte keine Zeit, darüber nachzudenken. Die Atemnot des Kran- ken wuchs. Er warf den Kopf ruhelos hin und her, seine Hände griffen verzweifelt ins Leere.

Mir wird so entsetzlich angst," stöhnte er.Fedor.. hilf mir .." Dann nach einer Weile:Xaver.. das Stu­dium .. "

Auch jetzt noch klammerten sich seine verwehenden Ge­danken an den Lieblingssohn. Es waren seine letzten Worte. 179,18

Gleich darauf begann der Todeskampf. Das Ringen der starken Natur war so entsetzlich, daß es Fedor schien, als stünde ihm alles Elend der ganzen Menschheit hier leibhaftig gegenüber. Es löschte die Erinnerung an glück­liche, behagliche Stunden so völlig aus, als habe er nie etwas anderes gekannt, als Jammer und Todesröcheln. Bis zuletzt hielt er mit dem Arzt und der Diakonissin aus.