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Ausland.

Generaloberst Freiherr v. d. Goltz ist zur Leitung der türkischen Manöver in Konstantinopel ein­getroffen.

Der König und die Königin von Belgien sind mit großem Gefolge zum Besuch des Kaiser Franz Josef nach Wien abgereist.

In den letzten 24 Stunden sind in Neapel 17 Erkrankungen und 5 Todesfälle an Cholera vor­gekommen, in der Provinz Neapel 12 Erkrankungen, in der Provinz Avellino eine Erkrankung, in der Provinz Palermo eine Erkrankung, ein Todesfall, in Apulien zwei Erkrankungen, 2 Todesfälle. Die bak- teriologische Untersuchung ist allerdings nur bei den Fällen in Neapel abgeschloffen.

In den letzten 24 Stunden sind in Petersburg 20 Personen an Cholera erkrankt und 49 gestorben Die Zahl der Cholerakranken beträgt augenblicklich 396. Seit Auftreten der Cholera sind insgesamt 198 246 Personen erkrankt, 93 329 gestorben.

Am Sonntag sind in Konstantinopel fünf Er­krankungen an Cholera festgestellt worden, davon drei in Pera; vier Personen sind gestorben.

Areiundjwanjigste Generalversammlung des Evangelischen Bundes.

Im arbeitsreichen und gewerbfleißigen Chemnitz begann am 25. September die 23. Generalversamm­lung des Evangel. Bundes zur Wahrung der deutsch- protestantischen Interessen. Die Stadt hat ein freund­liches Festkleid angelegt, am Bahnhöfe, in den großen Hauptstraßen, von den Kirchen und öffentlichen Ge­bäuden grüßen weiß-grüne und schwarz-weiß-rote Flag­gen. Mehr als sechshundert auswärtige Delegierte sind schon am ersten Tage eingetroffen; die Festgottes- dienste, mit denen die Tagung eingeleitet wurde, sahen in allen drei Kirchen eine überaus zahlreiche, andächtige Menge. Am Abend um acht Uhr fand in dem großen Saale des Kaufmännischen Vereinshauses die Be- grüßungsversammlung statt. Zum ersten Male hat auch der Deutsche Kirchenausschuß in dem General­superintendenten von Schleswig-Holstein D. Kaftan einen Vertreter entsandt. Nach einem Orgelvortrag und einem Chorgesang des Männergesangsvereins Orpheus" hielt der Versammlungsleiter Dr. Költzsch die Eröffnungsrede. Generalsuperintendent Kaftan bringt den Gruß des Deuischevangelischen Kirchest- ausschusses. Sodann ergriff das Wort Konsistorial- präsident Dr. Böhme. Der Wunsch, mit den Katho-" liken in Frieden zu leben, wird allgemein geteilt. Auf der letzten Landessynode haben wir in der Regelung der Friedhofsfrage einen Beweis vollster Toleranz gegeben. (Sehr richtig!) Es folgte Oberbürgermeister Dr. Sturm.Ich freue mich, daß der Evangelische Bund Chemnitz als Feststadt gewählt war. Konfessio­neller Streit ist uns fremd, aber wie wir es keinem Andersgläubigen verargen, für seinen Glauben einzu- treten, so werden auch wir uns das Recht nicht nehmen lassen, Zeugnis abzulegen für unsere heiligsten Güter, für die Kraft des Evangeliums". (Stümischer Beifall). Weitere Reden wechselten mit Gesangsvorträgen, dann nahm das Wort Superintendent D. Wächtler im Namen des Zentralvorstandes. Er teilte mit, daß Telegramme an den Kaiser und den König von Sach­sen abgesandt wurden. Wächtler schloß unter großem Beifall:Der heutige Tag, der 25. September, ist

Segen der Arbeit.

Roman von Klara Hellmuth. 3

Die Dirn hat Zigeunerblut in den Adern, wie man sagt, und taugt in der Wurzel nicht. Sie behandelt die Großmutter in empörender Weise, und als ich sie ein­mal dabei ertappte, wie sie der Alten, die krank zu Bette lag, mit Schlägen drohte, ließ ich mich hinreißen, der un­verschämten Dirn selbst ein paarOhrfeigen zu geben. DaS kann Sie mir natürlich nicht vergessen, aber ich versichere Sie, ich konnte mir nicht helfen. Ich war zu empört."

Er lächelte.Nehmen Sie sich der Unterdrückten im­mer so energisch an?"

Wenn ich irgendwie kann, ja. Alle Ungerechtigkeit empört mich, bringt mich völlig außer mir," rief sie mit blitzenden Augen.

Für so reizbar hätte ich Sie gar nicht gehalten."

O, Sie kennen mich nur nicht genug. Reizbar ist wohl nicht der richtige Ausdruck, aber eine gute Dosis von Leidenschaftlichkeit liegt in meiner Natur, das ist sicher. Als Kind glaubte ich einmal törichterweise, daß meine Mutter eine kleine Cousine, die bei uns zum Be­such war, lieber hätte als mich. Das brächte mich so außer mir, daß ich beschloß, nach Amerika auszuwandern. Ich kam auch glücklich bis ins nächste Dorf, wo mich ein Schlächter aufgriff und mich auf dem BockseinesSchwei­newagens per Schild zurückbrachte. Ich war damals viel­leicht sieben Jahre alt, aber die Qual meines dummen Verdachts ist mir noch heute lebendig in der Erinnerung. Und noch heute wie damals könnten mich Eifersucht oder verletzter Stolz und wie die schönen Dinge alle heißen, zu den tollsten Sachen treiben.Ich weiß, daß ich dann völlig verblendet sein würde."

Das ist eine gefährliche Mitgift fürs Leben," sagte er ernst.

Ja, ich weiß," entgegnete sie.Aber was für un­

der Jahrestag des Augsburg« Netigwnsfrledens 1555. Auf ihm wurde den Protestanten rechtliche Parität garantiert. Wir meinen, daß die rechtliche Parität auch eine moralische Parität ist, bei der wir unseren Mann stehen." Der Vorsitzende des Landes­vereins Sachsen, Geh. Rat D. Meyer, hielt die Schluß­ansprache über die Aufgabe des Evangelischen Bundes, das Volk im Protestantismus zu festigen. Nach ge­meinsamem Gesang ging die große Versammlung aus­einander.

26. September. Der erste Arbeitstag der General- versamlung brächte am Vormittag Sitzungen des Zen­tral- und Gesamtvorstandes, in denen der Jahres­bericht entgegengenommen und besprochen wurde, unter allgemeiner, lebhafter Billigung der vom Präsidium so erfolgreich geleiteten Abwehrbewegung gegen die Enzyklika zu Ehren des Karl Borromäus. Nachmit­tags fand dann im großen Saale bei erfreulich großer Beteiligung die erste Mitgliederversammlung statt, in der nach einleitenden Worten D. Wächtlers der geschäftsführende Vorsitzende des Bundes, Reichs­tagsabgeordneter Lic. Everling, das Wort nahm zur Zeitlage und Jahresarbeit. Er behandelte die Er­eignisse der letzten Zeit, die Verneinung Jesu und die Borromäus-Enzyklika, den Toleranz-Antrag im Hin­blick auf die Vorgänge in Spanien und die Arbeit des ev. Bundes. Danach nahm Geh. Kirchenrat D. Meyer-Zwickau das Wort: Zur Förderung der evange­lischen Bewegung in Oesterreich. Eine gewaltige Zu­hörermenge aus allen Schichten der Chemnitzer Bevöl­kerung fand sich abends zur ersten Volksversammlung ein. Die erste Rede hielt Gymnasialdirektor Erythropel- Hameln über das Thema: Mehr Ehrfurcht vor der Religion.Religion ist Privatsache!" so lautet das sozialdemokratische Schlagwort. Aber streichen Sie die Religion aus dem Leben der Völker, dann haben Sie die Barbarei. Ehrfurcht vor dem unbegreiflichen Gott mildert die Formen des im Leben und zum Leben nun einmal notwendigen Kampfes. Es steckt in der Religion eine so ungeheure Summe von An­trieben zum Guten, zum geschlossenen, unbeirrbaren, sitt­lichen, und darum den einzelnen und die Gesamtheit fördernden Handeln, daß schon darum auch von allen denen, die die beglückende Kraft des Glaubens, den frohen Ernst religiösen Gefühls nicht kennen, der Religion das höchste Maß von Ehrfurcht gezollt werden müßte. (Lebhafter Beifall.) Die zweite Rede des Abends hielt Prof. D. Hunzinger-Erlangen über den anderen Teil der Bundeslosung: Mehr Vertrauen zu den Lebenskräften der Reformation! Durchschneiden w>r das Band, das uns mit der Reformation verknüpft, so schneiden wir die Hauptader unseres Lebens durch und verbluten uns. Die wahre Frömmigkeit ist wie ein Quell aus verborgenen Tiefen, sie entspringt allein aus dem Innersten und entzündet sich an der Offen­barung Gottes. (Lebh. Beifall). Wir fordern auf protestantischem Boden als die Grundlage aller wahren Frömmigkeit die Innerlichkeit persönlichen Selbsterle­bens, die volle Freiheit der Ueberzeugungsbildung, den unbestechlichen Wirklichkeitssinn. (Sehr wahr!) Nicht vorbei an der Reformation, sondern zurück zur Refor- malion! Die Reformation hat mehr für die moderne Kultur getan, als wir ahnen. Persönlichkeiten wie Lessing, Goethe, Herder, Kant, Fichte, Schleiermacher und hundert andere zeugen davon. (Lebhafte Zu­stimmung.) Mehr Vertrauen zu den ewig allen Lebenskräften der Reformation, zu den ewig alten und ewig neuen. Die Rede fand begeisterte Zustim­

gemütliche Dinge reden wir hier an diesem herrlichen Nach­mittag, daran ist nur Jette schuld, denn von ihr gingen wir aus. Sehen Sie nur, wie die Rankrose dort am Gar­tenhause wächst und gedeiht. Ich habe sie erst im vori­gen Herbst gepflanzt und doch ist sie schon so kräftig. Es ist ein Crimson Rambler, mein Liebling unter den Klet­terrosen."

Wirklich? Dann werde ich sie am Forsthause auch pflanzen," rief er.

Das war etwas unbedacht und beide erröteten um die Wette.

Das junge Mädchen lachte, um ihre Verlegenheit zu verbergen und sagte hastig:Wo denken Sie hin! Rosen gedeihen nicht im Schatten."

Rosen gedeihen nicht im Schatten," wiederholte er. Das klingt ja fast wie eine Unglücksprophezeihung.

O bewahre," entgegnete sie blutrot und noch ver­legener,durchaus nicht. Es erinnert höchstens an einen weisen Lehrsatz aus einem Schulschreibheft, z. B. wie Ad­ler fangen keine Fliegen, oder Kredit ist besser als bares Geld."

Er antwortete nicht gleich, und ein Weilchen war es ganz still zwischen ihnen. Nur das Laub raschelte unter ihren Füßen. Uebrigens hatten sie es beide nicht eilig, das Tete-a-Tete abzukürzen. Vom Gartenschlenderten sie in aller Ruhe in den Wirtschaftshof, um den Füllen, die in ihrer Umzäunung hinter dem Pferdestall Herumgallop- pierten, einen Besuch zu machen.Bestie" undPrinzeß" wurden herangerufen, aus allen Gesichtspunkten kritisch betrachtet und empfingen jede das gewohnte Stückchen Zucker.DenBeschlußmachte Juno, der neue Hühnerhund. Der junge Förster besah den braunen Gesellen sachver­ständig und entdeckte allerhand Lobenswertes an ihm, Erna dagegen meinte, sie könne daslangbeinige Biest" nicht leiden.

Ich weiß nicht, weshalb der Vater nicht lieber einen Dackel anschafft. Die Tierchen liebe ich nun einmal. Ihre

mung der großen und festlichen Menge, die Saal und Ränge bis oben hin besetzt hielt.

Lokales und Provinzielles.

Schlüchtern, 4. Oktober 19)0.

* Unserer heutigen Auflage liegt der Eisenbahn- Fahrplan für das Winterhalbjahr bei, worauf wir die geehrten Leser besonders aufmerksam machen.

* Am Sonntag abend wurde der Sohn des Zimmermanns Lipold hier von drei Kroaten Über­fällen, nahmen ihm Geld und die Uhr ab und brach­ten ihm mit dem Mesfer schwere Verletzungen bei. Einer von den Kroaten, der aus dem Bezirk Brünn gebürtigte Rabaitsch wurde am Montag Vormittag auf dem Ostbahnhof in Hanau auf Veranlassung eines Zugführers von einem Kriminalbeamlen verhaftet. Rabaitsch war am hiesigen Tunnelbau beschäftigt. In seinen Taschen fand man einen Dolch und etwas Geld.

* Obstmarkt in Frankfurt a. M. Dem ersten Obstmarkt, der in der zweiten Hälfte des September stattfand, soll ein zweiter folgen am 6. Oktober. Auch für diesen Markt ist wieder die Halle 4 an der Börne- straße gewählt worden, die sehr geräumig ist und von allen Seiten, den Bahnhöfen sowohl wie den ver­schiedensten Punkten der Stadt Frankfurt durch die Trambahn leicht zu erreichen ist. Die gegen früher getroffenen Aenderung, nicht mehr nach Proben zu verkaufen, sondern das zur Verfügung stehende Obst in kleinen Packungen selbst zur Auswahl und direkten Abnahme beieit zu stellen, hat überall Beifall gefunden, und es soll daher auchodiesmol der Verkauf in dieser Weise erfolgen. Lediglich von Kelterobst, das im Waggon auf einem der Frankfurter Bahnhöfe steht, dürfen Proben in die Halle gebracht werben. Im übrigen wird Gelegenheit geboten sein, die verschiedensten Sorten Tafel- und Wirtschaftsobst in gewiß reicher Auswahl zu sehen und danach Einkäufe zur Füllung der Keller für den Winterbedarf zu machen. Für Boten, die das Obst in die Wohnungen der Käufer verbringen, ist gesorgt. Seitens der Produzenten ist das Obst in der vorgeschriebenen Verpackung an die Zentralstelle für Obstverwerlung und Obstmarkt-Komitee in Frankfurt a. M., Markthalle 4, zu schicken; die Ueberführung vom Bahnhof zur Halle geschieht ohne wei­teres durch die hierzu ermächtigten Marktfuhrleuie gegen geringe Gebühr. Das Komitee, Baitonnstraße 4-8, gibt jede nähere Auskunft, die auch telephonisch unter Nr. 1, 13001 eingeholt werden kann.

* Um den mehrfach geäußerten Wünschen aus dern-Kundenkreise der städtischen Sparkasse Schlüchtern gerecht zu werden, ist bei dem Umbau des Rathauses seitens der Sparkaffenverwaltung im Erdgeschoß eine unbedingt feuer- und einbruchsichere Stahlkammer ein­gebaut worden. Die Wandungen, die durchweg in Stahl fonftruirt sind, sind in ihrer äußeren Umfassung 1,50 m dick, die Decke und der Fußboden sind aus Stahlschienen hergestellt und mit einer Betonschicht von 60 cm Dicke ausgestampft. Die feuer- brenn- schmelz- und einbruchssichere Tressortür aus der Firma Garny in Frankfurt a. M. wird durch 2 amerikanische Com- binationsschlösser verriegelt; ein gewaltsames Aussperren erscheint daher unmöglich. In dieser Stahlpanzer- kammer sind in einem feuer- und diebessicheren Geld­schranke Schrankfächer zum Zwecke der Unterbringung von Wertpapieren und Wertsachen eingebaut. Die Schrankfächer sind wiederuni unter dreifachem Ver­schluß. Es ist also für die hinterlegten Sachen die

Waldine zum Beispiel mit den krummen Beinchen und dem dummschlauen Gesicht ist doch einfach entzückend."

Ich habe eine Bitte, Fräulein Gedding," sagte Busch eifrig,aber Sie dürfen sie mir nicht abschlagen. Sagen Sie ja. Wollen Sie?"

Ich muß doch erst wissen, was es ist."

O, Sie können ruhig zusagen," lächelte er,es ist nichts Schlimmes. Aber ganz wie Sie wünschen, Ich habe da nämlich einen Sprößling von Waldine, einen Rü­den, ihr genaues Ebenbild, und schon ganz nett erzo­gen, darfich Ihnen den bringen? Wollen Sie ihn anneh­men?"

Er sah sie treuherzig bittend an, als sei nur auf ihrer Seite die Gefälligkeit. Es mußte aber wohl noch mehr in seinen Augen zu lesen sein, denn Erna schlug die ihren nieder und sagte verlegen:Das ist sehr liebenswürdig oon^hnen, sehr .. aber .. ich weiß nicht.. der Jäger und^in Hund dürfen doch wohl nicht getrennt wer­den."

Aber ich bitte Sie," rief er,ich kann den Hund nicht behalten, selbst wenn Sie ihn ausschlagen, drei Dackel sind mir zu viel, lind ich sähe ihn so gern in guten Händen. Es wäre mir ein lieber Gedanke, wenn Sie ihn hät­ten. Sie tun mir einen Gefallen. Wirklich! Sagen Sie nicht nein. Ich bringe ihn morgen. Nur zur Ansicht. Ja, darf ich?"

Ablehnend DiesemTon, diesem Blick gegenüber? Wer brächte das übers Herz!

Nun, dann also angenommen, und viel schönen Dank," sagte sie nach kurzem Schwanken und reichte ihm die Hand.Ich verspreche feierlich, daß er es gut bei mir haben soll. Aber nun müssen wir wohl endlich hinein­gehen. Vater möchte sonst ungeduldig werden."

Er stimmte höflich zu, aber es kam ihm nicht sehr von Herzen. Er hätte viel lieber den ganzen Abend da draußen am Füllenzaun gestanden.

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